Andreas900
Sehr aktives Mitglied
Das mache ich derzeit anlassbezogen. Ich habe meine Mutter jetzt auch schon 2 Monate nicht gesehen, auch nicht zu ihrem Geburtstag. Telefonate sind auch kürzer geworden.An deiner Stelle hätte ich diese Kontakte und Telefonzeit noch wesentlich mehr reduziert .
Vermutlich sollte ich mich auch gedanklich nicht so viel damit beschäftigen, aber ich habe Jahre gebraucht das zu verstehen. Und ich finde es nach wie vor schwierig, es darzustellen.
Die Äußerungen meiner Mutter klingen ja anfangs immer emotional nachvollziehbar, wie z.B. die Sorge um ihre Tiere. Erst im Gesamtkontext wird das Bild klarer, wenn man merkt, dass sie sich immer in diese Opfer-Rolle begibt.
Ich denke meine Mutter wurde sehr gut behütet von meiner Oma groß gezogen. Gegenüber ihrem großen Bruder (meinem Onkel) wurde meine Mutter immer überfürsorglich behandelt. Die Taktik Kulleraugen zu machen, hat immer funktioniert und immer wurde sie umsorgt. Ich kenne die Geschichten von meinem Großeltern:
- Zu Schulzeiten hat meine Mutter ständig verschlafen und dann hat mein Opa sie mit dem Auto zur Schule gebracht
- Auch als sie anfing zu arbeiten, war sie ständig unzuverlässig und zu spät
- Sie hat sich ständig krank gemeldet wenn sie keine Lust zu arbeiten hatte. Oft verlor sie dann irgendwann den Job, sahnte die maximale Zeit des damaligen Arbeitslosengeldes ab und suchte sich dann den nächsten Job, wo sie wieder das gleiche Spiel spielte
Über die Zeit entwickelte meine Mutter diverse Krankheiten, manche vielleicht sogar wahr, manche sicherlich reine Erfindung:
- Diverse orthopädische Erkrankungen (die aber Orthopäden oft nicht bestätigen konnten)
- Diverse psychologische Erkrankungen (deren Schuld aber stets Dritte hatten)
- Zahnprobleme (meine Oma war aber stets die Schuldige, weil sie ihr nicht gesagt habe wie man gut Zähne putzt)
- Ohrenerkrankungen (meist mit der Konsequenz damit nicht arbeiten zu können. Gab hierzu aber auch nie ärztliche Bestätigungen)
- Diverse verrückte Sachen (zu nahe liegende Nervenbahnen, ungewöhnliche Knochenstellungen, zu weit oben liegende Hörnerven ....)
Über die Zeit habe ich gelernt, das jede Diskussion sinnfrei ist. Wenn ich sie darauf hinweise nicht auf einem Schwerbehinderten Parkplatz zu parken, kommt dann sowas wie "Für die sch**ß (füge hier eine Minderheit ein) tut der Staat doch alles, aber ich armer kranker Mensch darf nicht mal hier parken???" Sie ist das Opfer, alle Anderen, egal ob Staat, Banken, Freunde, Nachbarn oder ich sind die Täter.
Ich denke darüber wohl auch oft nach, weil es mich ärgert. Vor einem Jahr war ich bei einem Psychologen, der mir sagte ich solle meiner Mutter "verzeihen", nicht meiner Mutter wegen, sondern meinetwegen. Weil mich selber meine Wut aufregt. "Verzeihen" heißt hier nicht, das Verhalten meiner Mutter gut zu heißen, aber damit abzuschließen. Wenn es sein muss den Kontakt weiter zu reduzieren und zu akzeptieren, dass ich nichts von meiner Mutter zu erwarten habe.
Ich glaube, was mich innerlich aufregt ist der Gedanke, meine Mutter noch irgendwie ändern zu können. Aber das kann ich nicht. Ich muss für mich akzeptieren, dass sie ist wie sie ist. Und in der Konsequenz den Kontakt auf das zu reduzieren was für mich gesund ist.