Ich weiß nicht wie ich es aushalte und ich kann jeden verstehen der mir sagt, ich solle den Kontakt abbrechen.
Ich versuche seit meiner Kindheit dieses "alles ist doch gut" Bild zu leben.
- Wenn ich in meiner Kindheit alleine an der Bushaltestelle stand während alle anderen Kindern von ihren Eltern abgeholt wurden, habe ich mir gesagt "Ist doch nicht so schlimm. Ich lebe halt bei meinen Großeltern und mein Opa kann kein Auto mehr fahren. Ist doch nicht schlimm Bus zu fahren!"
- Wenn ich aus den Sommerferien kam und jedes Kind von seinem Urlaub erzählte, während ich nie in Urlaub fuhr weil meine Großeltern nicht gut zu Fuss waren, habe ich auch das schön geredet. "Warum in Urlaub fahren, wir haben einen schönen Garten!"
- Wenn mich beim Elternsprechtag Kinder darauf ansprachen warum meine Oma und nicht meine Mutter kommt, habe ich auch das irgendwie versucht gut zu reden.
- Und natürlich war die Pflege meines Opas und meiner Oma später auch für mich selbstverständlich.
- Selbst meine Berufswahl als Beamter war vermutlich unterbewusst der Versuch das Ideal meiner Großeltern eines unkündbaren sicheren Jobs zu erreichen.
Ich wollte immer nach außen ein gutes Bild abgeben aber auch mir selbst gegenüber. Immer alle Erwartungen erfüllen, immer brav sein, niemals meckern. Ich hatte als Kind Jahre lang panische Angst "zu spät erwachsen zu werden". Was wenn meine Großeltern sterben bevor ich eigenes Geld verdiene? Beide gingen auf die 80 zu als ich Abitur machte und mein Opa wurde damals pflegebedürftig.
Ich muss funktionieren! Ich muss stark sein! Ich darf nicht weinen! Darf keinen Streit in der Familie zulassen, keine Konflikte! Alles muss heile Welt sein! Ich muss Geld verdienen! Ich darf von niemanden abhängig sein! Ich darf mich auf niemanden verlassen!
Und so habe ich mein Leben aufgebaut. Ich funktioniere. Meine Beziehung zu meiner Mutter ist gut. Ich brauche niemanden. Alles ist gut.
(das dies so nicht stimmt, weiß ich)