Tut mir sehr leid das deine Tochter auch solche Großeltern hatte- sowas braucht kein Mensch. Leider wohnen unsere anderen Großeltern noch weiter weg und zeigen so gut wie ein Interesse- sie schicken Geschenke zum Geburtstag und zu Weihnachten und ansonsten dürfen wir zu Besuch kommen wenn wir Lust auf eine 12 stündige Anreise haben.
Ich denke wenn die Beziehung zu den Großeltern immer schon distanziert oder kaum vorhanden ist, macht es den Kindern wenig aus. Weh tut es wenn der Kontakt erst eng war und dann aber aus irgendwelchen Gründen dramatisch zurück geht. Meine eigenen Großeltern habe ich auch nur zu Feiertagen gesehen und hatte dadurch keinerlei Beziehung zu ihnen. Mir hat es daher auch überhaupt nicht weh getan das sie viel mehr Kontakt zu meiner Cousine und Cousin hatten die im selben Haus mit ihnen wohnten. Ich werde genau beobachten ob der Kontakt zu meinen Eltern meinem Sohn gut tut oder ihn eher verletzt und entsprechend Kontakt zulassen.
Konkret geht es jetzt darum das sie eigentlich Ende Januar zum Geburtstag meines Sohnes für 1 Woche zu uns kommen wollten. Haben sie die letzten Jahre auch so gemacht. Halte es aber vor Wut und Enttäuschung nicht mit ihnen unter einem Dach aus. Habe ihnen jetzt gesagt das sie zum.Kaffeetrinken am Geburtstag kommen können, aber 1 Woche hier wohnen ist nicht. Sollen sie in eine Ferienwohnung gehen wenn es ihnen wichtig ist. Wenn nicht.sollen sie es lassen und sich ausschleichen.
Meiner Meinung nach ist das eine völlig unnötige Art, den Konflikt zu eskalieren.
Ist natürlich deine Entscheidung.
Was ich denke, ist :
Deine Eltern haben ihr ganzes Leben lang deine (jüngere?) Schwester mehr betüdelt und sind daran gewöhnt.
Ich wage die Behauptung, dass sie deine Schwester wahrscheinlich nicht bewusst bevorzugen, das ist einfach ein Muster aus der Kindheit, in der sie die 'Kleine' war und mehr Hilfe brauchte und das unreflektiert geblieben ist.
Dass du mit deinem Mann so weit weg gezogen bist, unterstützt dieses Muster natürlich massiv.
Wie sollte Gerechtigkeit oder Fairness zu den Enkeln vor dem Hintergrund der unterschiedlichen räumlichen Distanz denn rein praktisch aussehen?
Dass sie deine Schwester und ihr Kind zwar z. B. unkompliziert treffen und unterstützen könnten, weil sie z B nur eine halbe Stunde entfernt wohnen, darauf aber aus Fairness deinem Sohn gegenüber verzichten und sie im gleichen Intervall sehen wie euch?
Und wenn sie euch dann doch besuchen wollen, schlägst du ihnen im übertragenen Sinne die Tür vor der Nase zu?
Grundsätzlich verstehe ich, dass du sauer bist, vor allem weil du auch in deiner Kindheit immer wieder zurück gesetzt wurdest.
Andererseits... Stell dir vor, das wäre nicht so gewesen. Stell dir vor, du wärst ebenso nach Strich und Faden verwöhnt worden, wie deine Schwester.
Hättest du dann den Mut und die Unabhängigkeit gehabt, mit deinem Mann und Vater eures Kindes seines Berufs wegen so weit von deinen Eltern fort zu ziehen? Würdest du mit dieser Situation so gut zurecht kommen, wie du es tust?
Du liest dich hier wie eine starke Frau, eine starke Persönlichkeit. Hättest du diese Stärke und Unabhängigkeit entwickeln können, wenn du endlos bemuttert und betüdelt worden wärst?
Ich verstehe wirklich, dass dich das Verhalten deiner Eltern getroffen hat, auch wenn ich auf die Parallelen, die ich zwischen uns sehe, hier nicht weiter eingehen möchte.
Du bist jetzt aber erwachsen. Und in gewisser Weise haben dir deine Eltern unbewusst vielleicht ein großes Geschenk gemacht, indem sie sich zum betüdeln auf deine Schwester gestürzt haben.
Dein Schmerz ist da, den will ich nicht versuchen, klein zu reden (und könnte es auch gar nicht, denke ich, selbst wenn ich es versuchen würde).
Aber wenn du mit deiner Situation in der Gegenwart im großen und ganzen zufrieden bist, dann kannst du vielleicht auch lernen, die Vergangenheit anzunehmen mit ihren Höhen und Tiefen?
Denn ohne deine Vergangenheit wärst du nicht in deiner Gegenwart.
Alles Gute!