Ich kenne so etwas auch, obwohl wir lediglich 25 km entfernt wohnen. Mein Vater hatte noch versucht, alle Enkel gleich zu behandeln, ist aber vor einigen Jahren verstorben. Meine Mutter hat sich auf die 4 Enkelsöhne meiner Schwester gestürzt und die betüddelt. Meine Tochter war die dritte von insgesamt 5 Enkeln.
Wir haben uns damals nur so viele Kinder zugelegt, wie wir selber ohne Hilfe (außer Kita) wuppen konnten. Meine Schwester hingegen wollte alles.. und hat dann 4 Kinder bekommen, für deren Erziehung/Betreuung sie natürlich Unterstützung und Hilfe brauchte, eben weil sie sonst an anderer Stelle nicht mehr so hätte leben können wir gewollt (z. B. Unternehmungen nur mit dem Partner - da waren meine Eltern dann in Dauerschleife als Babysitter und Kümmerer am Start).
Meine Schwester ist bis heute die Arme, Gestresste und Liebe. Ich bin die Toughe, die alles alleine wuppt und die sich in der herausfordernden Welt doch eh alleine behauptet. Ich könnte allerdings auch sagen: Ich jammere einfach weniger und bin auch nicht so berechnend. 🙄
Am Ende hat das dann dazu geführt, dass meine Mutter eigentlich nur Augen für die 4 Enkel-Jungs hatte, meine Tochter war abgemeldet. Mich hat das anfangs sehr verletzt (daher kann ich deinen Thread sehr gut nachempfinden, liebe TE). Ich habe mich dann aber damit getröstet, dass unsere Tochter über die Eltern meines Mannes die besten Großeltern hatte, die man sich nur vorstellen konnte. Die wohnten zwar mehrere Hundert km entfernt, sind aber mit ihr in Urlaub gefahren und waren auch sonst immer für sie da. Wären die nicht da gewesen hätte ich übrigens ebenfalls nach einer Leihoma geschaut - die Idee finde ich wirklich sehr gut. Weniger zur Entlastung, sondern zum Betüddeln, Erzählen, einfach für's Enkelherz. Meine eigene Omi - übrigens die Mutter meiner Mutter - habe ich innig geliebt. 🥰 Leider lebte sie nicht mehr als unser Kind geboren wurde.
Wenn meine Mutter dann völlig unbedarft erzählte, wie kaputt sie doch sei, sie hätte für 4 Jungen Kekse backen müssen, hätte ich am liebsten gesagt, dass ihre Enkelin auch gerne Kekse isst. Da war aber klar, dass ich die backen würde. Niemals wäre sie auf die Idee gekommen, unser Kind ebenfalls zu bedenken.
Da ich mit meiner Mutter Dauerzoff hatte - irgendetwas war eig immer - war sie auch bei der Einschulung unseres Kindes nicht dabei, obwohl sie eingeladen war. Kein einziges Mal (!) war unsere Tochter mal bei Oma zum Essen, lediglich ein einziges Mal in all den Jahren bei ihr eingeladen. Die Jungs meiner Schwester wurden von ihr sogar bekocht, wenn die Eltern mal im Urlaub waren.
Mit den Jahren hab ich das dann weitgehend akzeptiert; verstanden oder gar gut gefunden, dass man so wenig Interesse an einem Enkelkind haben kann, natürlich nie. Unsere Tochter hat weit weniger gelitten als vermutet, ihr war es am Ende wohl eher egal. Bis heute hat sie null Bezug zu dieser Oma. Wer nie präsent ist wird eben auch nicht vermisst.
Mittlerweile ist unsere Tochter fast 20 - Oma geht es nicht gut und sie braucht immer häufiger Hilfe. Neulich kam dann die Rede auf die helfenden Enkel. Als ich meiner Mutter dann eröffnete, dass sie mit der Unterstützung unserer Tochter bitte nicht rechnen sollte, guckte sie mich völlig verständnislos an. Und das ist MIR jetzt eben egal.
In einer Familie hilft man sich gegenseitig und ist füreinander da. Tanzt jemand aus der Reihe, gilt dieses ungeschriebene Gesetz nicht mehr. Für unsere Tochter ist diese Oma keine Oma. Es geht ihr trotzdem gut; sehr gut sogar. Das Verhältnis zu den anderen Großeltern ist unvermindert innig - von beiden Seiten.