Dass der erwachsene Mensch grundsätzlich selbstbestimmt entscheidet, hmh, das glaube ich - von Ausnahmen
abgesehen - nicht. Ich gehe davon aus, dass der Mensch in großen Teilen fremdbestimmt wird.
Einige Gründe dafür habe ich ja schon benannt.
Er ist sich aber über diese Fremdbestimmung natürlich meistens nicht bewußt, weil eben auch der Lebenskampf im Vordergrund steht. Das kann ja auch durchaus einen Sinn darstellen. Überleben.
Eine neue Erkenntnis zum Sinn kann aber dadurch entstehen, wenn der Mensch als Individium in eine Krise gerät.
Deswegen können Lebenskrisen ja auch oft sinngebend sein. Schrieb nicht mikenull sinngemäß, dass Menschen
in Todesnähe das Leben viel intensiver erfahren? Der Sinn des verbliebenen Lebens ist plötzlich total verändert, auch weil sich die Intensität ändert?
Ich würde über Menschen im dritten Reich und sonstigen totalitären Systemen nicht so einfach den Stab brechen.
Da sollte man schon sehr vorsichtig differenzieren. Ich würde auch nicht behaupten, dass die Menschen heute in
moralischer Hinsicht besser wären. Ohne in eine ähnliche Situation gekommen zu sein, würde ich das eher als anmaßend empfinden.
Die Verbrechen der NS-Zeit sind natürlich eindeutig zu verurteilen, zu verdammen und sind auch
nicht zu entschuldigen, so wie jede Art von Verbrechen.
Einen Faschismus - wie im dritten Reich - halte ich allerdings unter einer anderen Maske versteckt - heute für genauso möglich.
Wenn es soweit kommen sollte, wird sich dann auch die Spreu vom Weizen trennen und das Urteil werden dann Menschen in 80 Jahren - mit einem Glas Liomade in der Hand - sprechen (wenn es uns dann noch geben sollte). Die sind dann auch entsprechend aufgeklärt, keiner Gefahr ausgesetzt und werden die Fehler oder Verbrechen bestimmt nicht wiederholen. Schließlich besitzen sie ja einen nicht zu unterschätzenden Informationsvorteil.
Natürlich wird die Masse von Menschen durch Angst manipuliert. Und falls der Gott der Katholiken in der Mottenkiste verschwindet, wird eben ein neues Schreckensgespenst zur Angsterweckung ausgepackt. Angst dient zur Instrumentalisierung und dieses Prinzip ist Machtmenschen durchaus bekannt. 🙄 Sonst würde unsere heutige Welt auch anders aussehen.
Lupin, ich „muss“ Dir widersprechen. Die Geschichte und die Psychologie zeigen, dass sich der erwachsene Mensch selbst und eigenständig entscheidet. Ausnahmen sind eher Krankheit und weit unterdurchschnittlicher IQ. Die eigenständige Entscheidung beginnt im Kleinen. Bei den täglichen Dingen entscheiden wir immer, ob wir Gutes wählen wollen, oder Schlechtes, z.B. ob es mir wurscht ist, wenn ich mit Worten beleidige, weil mir eine Meinung nicht passt oder wenn ich an Gewohnheiten festhalte, auch wenn sie schädlich (für andere) sein können. Durch viele kleine Entscheidungen „für das Schlechte“ gelingt es immer unempfindlicher gegenüber dem Guten zu werden. Der Mensch rutscht immer weiter ab, was ihm nicht unbedingt auffallen muß. Er passt sich ggf. an und zwar auch an Menschen, die das Böse instrumentalisieren und eine Moral des Bösen entwickelt haben – nur der Einzelne muss dies nicht immer „sofort“ merken. Und daher kann es durchaus dazu kommen, dass er die Führung bzw. Bestimmung seiner Entscheidungen an diese Menschen abgibt. Und dann wird er auch fremdbestimmt. Eigenbestimmung (mit Auswahl meiner Ideologie, Lebensphilosophie oder Glauben) geht der Fremdbestimmung voraus. Das ist das, was uns Psychologie und Geschichte lehren. Wie heisst es so schön? Wehret den Anfängen! Dabei denke ich nicht nur an kriminelle Gangs oder an Menschen in einem totalitären Regime. Man muß nicht erst zum Verbrecher werden, um zum Bösen hin immer weiter abzurutschen. Bewundernswert sind dabei die Menschen, die sich nicht anpassen und dabei auch ihr Leben riskieren.
Du schreibst: „Natürlich wird die Masse von Menschen durch Angst manipuliert.“ Wie bist Du denn darauf gekommen? Diese Aussage widerspricht den Erkenntnissen z.B. der Psychologie. Evt. hast Du den Ausdruck „manipuliert“ nur falsch ausgesucht. Ggf. empfehle ich Werke von Fritz Riemann und anderen Psychologen zu lesen. Menschen werden – wenn – durch Menschen manipuliert.
Du schreibst:
„Und falls der Gott der Katholiken in der Mottenkiste verschwindet, wird eben ein neues Schreckensgespenst zur Angsterweckung ausgepackt. Angst dient zur Instrumentalisierung und dieses Prinzip ist Machtmenschen durchaus bekannt.
Sonst würde unsere heutige Welt auch anders aussehen.“ Nur mal nebenbei bemerkt, klingt Dein erster Satz ziemlich respektlos. Wurdest Du manipuliert oder bist Du für Deine Formulierung selbstverantwortlich? Ich bin der Meinung, dass ich auch Menschen mit anderer religiösen Auffassung zu respektieren habe.
Auch ist Deine Aussage falsch, weil unpräzise. Angst gehört zum Leben eines jeden Menschen. Jedoch können Ängste geschürt und dann intrumentalisiert werden. Und dass unsere Welt so aussieht wie sie aussieht, ist nicht alleine den Machtmenschen als Alleinverantwortlichen zuzuordnen. Machtmensch ist jeder, der über Geld oder andere Möglichkeiten verfügt, Macht über andere Menschen auszuüben. Zunächst ist zu prüfen, ob der einzelne „Machtmensch“ seine Macht zum Guten oder zum Schlechten ausübt. Die Wahl für das Schlechte trifft sicher nicht auf alle Menschen zu, die Macht ausüben. Und dann gehören auch die Menschen in den Fokus der Betrachtung, die sich dem einzelnen Machtmensch gegenüber sehen. Wehren sie sich, weil sie z.B. geschult sind, Gutes vom Bösen zu unterscheiden und weil sie für das Gute auch dann eintreten, selbst wenn sie erhebliche Nachteile zu erwarten haben? Oder passen sie sich an? Warst Du schonmal in einer solchen Entscheidungssituation? Über Theorien lässt sich gut diskutieren, wenn man selbst nicht betroffen ist oder war.