Ich kenne zahlreiche 'binationale' Paare, weil ich beruflich in einem Umfeld unterwegs bin, wo viele Nationalitäten zusammen arbeiten und viele Menschen lernen ihre Partner ja bei der Arbeit kennen.
Jedoch ist es nach meiner Erfahrung, ob es langfristig passt, stark davon abhängig, dass die (insbesondere kulturell geprägten) Wertvorstellungen übereinstimmen. Eine andere Sprache kann man lernen und das sollte auch im eigenen Interesse liegen. Selbst wenn ich keinen Partner aus einem anderen Land habe, sondern lediglich regelmäßig meine Ferien in diesem Land verbringe, bemühe ich mich ja, zumindest ein paar Brocken zu lernen und damit Wertschätzung auszudrücken. Es tönt so, dass du dies in den letzten 20 Jahren nicht versucht hast.
Der Knackpunkt bei euch dürfte jedoch nicht in erster Linie die Sprache sondern die Kultur und die unterschiedlichen Wertvorstellungen sein. Dies unterscheidet euch von Paaren, die z. B. deutsch/französisch, deutsch/italienisch, deutsch/portugisisch, etc. sind.
Es liegt auf der Hand, dass sie sich eine Frau für ihn gewünscht haben, die eine Muslima ist und jungfräulich in die Ehe geht. Er hat sich damals darüber hinweg gesetzt und mit dir ein Kind bekommen und dich danach auch zu heiraten. Dennoch scheint ihr kein Team geworden zu sein und offen miteinander zu sprechen, welche Bedürfnisse ihr habt und nach welchen Werten ihr leben und eure Kinder erziehen möchtet.
Für dich schien klar zu sein, dass ihr in Deutschland lebt und dass du alles so machen möchtest, wie es in dieser Gesellschaft 'normal' ist und wie es deiner kulturellen Prägung entspricht. Er 'durfte' mit den Kindern auch türkisch sprechen. Aber seine kulturelle Prägung hast du nie wirklich ernst genommen, da er ja 'nicht so streng gläubig' schien und auch manchmal ein Bier trinkt, etc.
Aber so richtig gesprochen habt ihr nicht über seine Wertvorstellungen.
Tatsächlich hatte ich mal eine sehr nette Arbeitskollegen (Türkin), die auch selbst mit einem Türken verheiratet war und beide waren ein sehr modernes Paar, was in Deutschland gelebt, gearbeitet und sich gekleidet hat, wie Deutsche es tun. Dennoch hat selbst dieses Paar, was sich sehr einig war, wie sie ihr Leben gestalten wollen, teilweise entschieden eine Rolle zu spielen, um unangenehmen Diskussionen mit den Familien aus dem Weg zu gehen.
So haben sie der Familie bei Besuchen vorgespielt, dass sie ihn Zuhause umsorgt und er der Entscheider im Hause ist. Sie hat ihr normales Outfit gegen eines ausgetauscht, dass 'weniger provozierend' für die Familien ist und selbstverständlich wurde gemeinsam traditionell gekocht und auf Alkohol verzichtet. Sie waren immer froh, wenn die Gäste wieder weg waren und sie zurück in dieses Leben wechseln konnten, was sie für sich gewählt hatten.
Du hast scheinbar komplett unterschätzt, unter welchem Druck er steht betreffend seiner anerzogenen Werte und Kultur.
Ich sehe keine Möglichkeit, dass dies nun nach 2 Jahrzehnten noch ändert. Entweder du kannst dich arrangieren wie es ist oder du musst dich trennen, würde ich sagen.