Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Zwischen Ehe, Gefühlen für eine Frau und Überforderung – bin ich egoistisch?

Kanja123

Neues Mitglied
Hallo zusammen,

kurze Vorwarnung: Der Text ist etwas länger geworden, aber ich würde mich sehr freuen, wenn ihr euch die Zeit nehmt. Am Ende kommt noch ein „Plottwist“, der die Situation zusätzlich kompliziert macht.

Ich schreibe hier, weil ich gerade ziemlich feststecke und mir ehrliche, auch kritische Perspektiven von außen wünsche.

Ich bin seit 11 Jahren mit meinem Mann zusammen, seit 5 Jahren verheiratet. Wir haben gemeinsam Abi gemacht und sind danach ein Paar geworden. Am Anfang hatten wir etwa 2 Jahre eine Fernbeziehung wegen des Studiums, danach ist er zu mir gezogen und hat ebenfalls angefangen zu studieren.
Wir hatten eine sehr intensive und schöne Zeit, mit viel Nähe, Vertrauen und einer echten gemeinsamen Basis. Ich liebe ihn auch heute noch und unsere Ehe bedeutet mir viel.
Vor etwa 6 Jahren begannen bei ihm psychische Probleme. Er war zunächst 2 Jahre in Therapie, die dann aber beendet wurde, obwohl es ihm nicht wirklich besser ging. Es war eher ein ständiges Auf und Ab, das sich schleichend verschlechtert hat, bis er vor etwa 9 Monaten selbst erkannt hat, wie ernst die Situation ist, und freiwillig für 7 Wochen in eine Klinik gegangen ist. Seitdem ist es etwas besser, aber die Zeit davor hat bei mir Spuren hinterlassen.
Ich habe zunehmend das Gefühl bekommen, dass ich, meine Gefühle und meine Bedürfnisse immer unwichtiger wurden. Ich habe meine eigenen Grenzen kaum noch wahrgenommen.
In sehr belastenden Phasen hat er Dinge gesagt wie, dass er sich umbringen würde, wenn ich mich scheiden lasse. Solche Aussagen sitzen sehr tief und tun auf eine ganz andere Weise weh.
Während seines Klinikaufenthalts habe ich mich zum ersten Mal getraut, offener über all das zu sprechen, weil ich wusste, dass er in einem geschützten Umfeld ist. Ich bin auch in eine Gruppentherapie für Angehörige von psychisch erkrankten Menschen gegangen. Dort habe ich erst richtig realisiert, wie sehr ich mich selbst zurückgenommen habe.
Ich habe gemerkt, dass ich etwas ändern muss, um wieder zu mir selbst zu finden. Nach langem Überlegen habe ich mich entschieden, eine Beziehungspause zu machen und in eine WG zu ziehen (in seiner Nähe). Dieser Prozess hat etwa 2–3 Monate gedauert, und ich wohne jetzt seit 15 Tagen dort. Ich merke, dass es mir gut tut und ich freue mich wieder, nach Hause zu kommen.
Mein Mann und ich versuchen aktuell, bewusst schöne Zeit miteinander zu verbringen und unsere Beziehung zu reparieren. Manchmal gelingt das auch, aber manchmal endet es wieder in Konflikten.

Und jetzt kommt der komplizierte Teil:
Vor etwa 3 Jahren hatten wir einen Dreier mit einer guten Freundin von uns, die lesbisch ist. Das war mein erstes Mal mit einer Frau. Seitdem hat sich zwischen uns etwas entwickelt, und wir führen mehr oder weniger eine polyamore Beziehung.
Anfangs hat das zwischen allen gut funktioniert. Mein Mann und sie haben sich gut verstanden. Aber seit etwa einem Jahr wird es zwischen den beiden zunehmend schwieriger.
Er hat das Gefühl, von ihr nicht genug zu bekommen, während sie sich dadurch unter Druck gesetzt fühlt und den Eindruck hat, dass er ihre Sexualität nicht wirklich akzeptiert.
Gleichzeitig ist die Verbindung zwischen ihr und mir sehr intensiv geworden, emotional und körperlich. Der Sex mit ihr ist für mich deutlich intensiver als mit meinem Mann. Vielleicht liegt das auch daran, dass sie in den schwierigen Phasen immer für mich da war und ich auch daher das Gefühl habe, dass sie mich irgendwie besser versteht.
Inzwischen ist die Situation so, dass mein Mann sie als Bedrohung empfindet. Das belastet alle Beteiligten und ist so nicht gesund.
Das Problem ist aber: Ich kann mich nicht einfach von ihr trennen. Die Gefühle sind sehr stark. Es gab Momente, in denen ich das Gefühl hatte, ohne sie selbst psychisch zusammenzubrechen.
Durch meine neue Wohnsituation ist es etwas besser geworden, aber ich möchte sie nicht verlieren.
Gleichzeitig ist es so, dass ich für meinen Mann weniger starke Gefühle habe als früher, aber ich liebe ihn noch. Und ich will unsere Ehe nicht einfach aufgeben.
Sie wäre grundsätzlich bereit für eine polyamore Beziehung, aber der Umgang mit meinem Mann funktioniert aktuell nicht mehr, weil er ihr ein sehr schlechtes Gefühl gibt.
Mein Mann hingegen sagt inzwischen klar, dass das Thema für ihn eigentlich nie wirklich okay war. Er hat es nur mir zuliebe mitgemacht und erkennt das jetzt erst.
Er hat große Angst, mich zu verlieren, und wirft mir vor, egoistisch zu sein. Er wünscht sich, dass ich mich klar für unsere Ehe entscheide und mich darauf konzentriere.

Und genau da bin ich komplett hin- und hergerissen.
Ein Teil von mir denkt: Bin ich egoistisch, weil ich diese Gefühle zulasse?
Müsste ich nicht den klaren Schnitt machen und mit ihr abschließen, um meine Ehe zu retten?
Ein anderer Teil sagt: Ich will ehrlich sein mir selbst und auch ihm gegenüber. Ich will nichts unterdrücken oder so tun, als wäre alles in Ordnung, wenn es das nicht ist.

Ich möchte wirklich an unserer Ehe arbeiten. Ich liebe meinen Mann, und wir hatten so viele schöne Jahre. Aber aktuell fühlt es sich oft einfach nur schwer an.

Deshalb meine Fragen an euch:
- Handle ich egoistisch?
- Macht es Sinn, an einer Ehe zu arbeiten, wenn es sich über längere Zeit so anstrengend anfühlt?
- Kann man so etwas „reparieren“, oder ist das ein Zeichen, dass etwas Grundlegendes nicht mehr passt?
- Und wie findet man heraus, ob man kämpft, weil man es wirklich will oder nur, weil man Angst vor dem Loslassen hat?

Ich bin wirklich dankbar für ehrliche Einschätzungen, auch wenn sie unbequem sind.

Danke euch 🙏
 
Und wie findet man heraus, ob man kämpft, weil man es wirklich will oder nur, weil man Angst vor dem Loslassen hat?
Schwierige Frage.
Ich denke, dass dieser räumliche Abstand zu deinem Mann, dir helfen könnte, heraus zu finden,was du wirklich willst.

Wenn ich das richtig verstanden habe, wohnst du jetzt alleine, nicht mit der Freundin zusammen, oder?
Du schriebst von einer WG.

Du sagst du liebst deinen Mann, aber eure Beziehung empfindest du als anstrengend.

Was ist es genau , was dich anstrengt?
Was könnte eure Beziehung leichter machen?

Ich würde keine Entscheidung überstürzen, du hast anscheinend lange nicht auf deine Bedürfnisse und Gefühle gehört.
Das musst du anscheinend neu erlernen.
Gib dir Zeit!
Lass dich nicht drängen!
Schau ob die Beziehung zu deinem Mann zu reparieren ist und ob das auch das ist, was du dir wünscht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo @Kanja123 , hm, das ist ja eine verzwickte Situation. Ich denke gerade dazu nur, dass eine Beziehung eine echte emotionale Verbindung braucht. Unehrlichkeit bringt da nichts. Viel Glück
 
Hallo und herzlich willkommen im HR.

Die Fragen, die Du hier stellst, kannst letztlich nur Du Dir beantworten.
Wir können nur unsere Einschätzung, basierend auf Deinen Informationen, abgeben.

Niemand sollte sich in einer Beziehung verbiegen.
Nur wenn man sich in einer Beziehung wohlfühlt, ist es sinnvoll, sie weiterzuführen.
Wenn kein für alle tragbarer Konsens gefunden werden kann, ist es besser, eine Beziehung zu beenden.
Vielleicht helfen Dir diese Gedanken ein wenig weiter.

Ich wünsche Dir alles Gute.
 
Es gibt heute so viele Lebens- und Beziehungsmodelle. Vielleicht findest du eines, das möglichst viele deiner Wünsche vereint. Allerdings solltest du akzeptieren, wenn Einer oder Eine mit der Dreiecks-Konstellation nicht (mehr) glücklich ist. Dann musst du dich entscheiden, ob du willst oder nicht und mit den daraus entstehenden Konsequenzen leben. Darüber hinwegzugehen wäre dann genau der Egoismus, den dir dein Mann jetzt schon vorwirft.
Eine Freundin ist seit vielen Jahren mit zwei Männern zusammen. Sie wohnt allerdings allein und sieht entweder den Einen oder den Anderen. Begegnet sind die Männer sich noch nie.
Ich weiß nicht, ob dein Mann mit so einem Leben glücklich wäre. Es hört sich aktuell nicht danach an.

Vielleicht einigt ihr euch, dass es irgendwie so weitergeht. Vielleicht entscheidest du dich für deinen Mann, vielleicht für Sie. Vielleicht verlierst du beide. Alles ist möglich.
 
Meines Erachtens hast du dich bereits „gegen“ deinen Mann entschieden.

Ihr habt eure jungen Jahre miteinander verbracht, mittlerweile seid ihr erwachsen geworden und stellt fest, dass ihr euch auseinander entwickelt habt.

Passiert den meisten Pärchen, wenn sie so früh zueinander finden.

Und ja, ich denke, du hast Angst vor dem Loslassen.
Weil da ein Mensch ist, denn du sehr gut kennst und der dir zu einem guten Freund geworden ist.

Ihr habt aber unterschiedliche Bedürfnisse und dein Mann hat dir klar und deutlich gesagt, dass er deinen Weg nicht mitgehen kann und möchte.

Dies würde bedeuten, dass du wieder - wie die Jahre zuvor auch - deine Bedürfnisse unterdrücken müsstest, um deine Ehe aufrechtzuerhalten.
Dann wäre dein Mann glücklich, du aber nicht.

Eure gemeinsame Zeit ist offensichtlich abgelaufen.
Vielleicht könnt ihr es schaffen, nach einer friedlichen Trennung Freunde zu bleiben?
Eventuell wäre dies ein gangbarer Weg für euch beide.

Viel Glück für die Zukunft 🍀
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich würde mich nicht emotional erpressen lassen.
Und ich würde mich vermutlich trennen.
Egoismus sehe ich bei dir nicht.
Und ich sehe keine "emotionale Erpressung", ganz im Gegenteil.
Es gab eine klare Ansage.
Die zu übergehen, wäre womöglich das Ende der Beziehung.

Wobei nach meinem Gusto schon der Fehler war, eine dritte Person in die Ehe zu lassen, obwohl man das gar nicht will.
 
Irgendwie tut mir dein Mann leid.

Er ist in eine Krise geraten, die Gründe dafür kennen wir nicht.
Du hast dich lt. deinen Aussagen "zurückgenommen", was auch immer das heißen mag, bzw. nicht mehr das "bekommen", was du brauchtest. Angesprochen hast du es erst spät.

Aus irgendeinem Grund hat er dieser 3-er Konstellation zugestimmt, obwohl er es eigentlich nicht wollte. Warum hat er das getan?

Jetzt ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, die Büchste der Pandora geöffnet.
Im Moment ist er der Leidtragende, denn du könntest ja gemütlich zur dritten Partei wechseln, während er alleine dasteht.

Ja, ich finde das egoistisch, werde es nicht bejubeln, aber kann dir auch nicht sagen, was da jetzt richtig ist. Ob du dich für deine Ehe entscheidest oder für diese Frau, entscheidest du.

Ich glaube, ich als dein Mann wäre schon gegangen.
 
Ich finde, es ist dein gutes Recht egoistisch zu sein, denn es geht ja schließlich um deine Zukunft.

Deinen Mann könnte man genauso Egoismus vorwerfen, denn er belastet dich ständig und schon seit Jahren mit seinen Problemen und will dir nun die Frau verbieten.

Er zwingt dich nun, dich zu entscheiden…

Ich würde dir raten auf dein Herz zu hören und dein Text klingt so, als hättest du dich eigentlich schon für die Frau entschieden aber hast Angst dabei deinen Mann zu verlieren.

Ich denke du solltest nicht mehr an dieser Ehe festhalten sondern auf dein Herz hören.
 

Anzeige (6)

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben