Hallo zusammen,
kurze Vorwarnung: Der Text ist etwas länger geworden, aber ich würde mich sehr freuen, wenn ihr euch die Zeit nehmt. Am Ende kommt noch ein „Plottwist“, der die Situation zusätzlich kompliziert macht.
Ich schreibe hier, weil ich gerade ziemlich feststecke und mir ehrliche, auch kritische Perspektiven von außen wünsche.
Ich bin seit 11 Jahren mit meinem Mann zusammen, seit 5 Jahren verheiratet. Wir haben gemeinsam Abi gemacht und sind danach ein Paar geworden. Am Anfang hatten wir etwa 2 Jahre eine Fernbeziehung wegen des Studiums, danach ist er zu mir gezogen und hat ebenfalls angefangen zu studieren.
Wir hatten eine sehr intensive und schöne Zeit, mit viel Nähe, Vertrauen und einer echten gemeinsamen Basis. Ich liebe ihn auch heute noch und unsere Ehe bedeutet mir viel.
Vor etwa 6 Jahren begannen bei ihm psychische Probleme. Er war zunächst 2 Jahre in Therapie, die dann aber beendet wurde, obwohl es ihm nicht wirklich besser ging. Es war eher ein ständiges Auf und Ab, das sich schleichend verschlechtert hat, bis er vor etwa 9 Monaten selbst erkannt hat, wie ernst die Situation ist, und freiwillig für 7 Wochen in eine Klinik gegangen ist. Seitdem ist es etwas besser, aber die Zeit davor hat bei mir Spuren hinterlassen.
Ich habe zunehmend das Gefühl bekommen, dass ich, meine Gefühle und meine Bedürfnisse immer unwichtiger wurden. Ich habe meine eigenen Grenzen kaum noch wahrgenommen.
In sehr belastenden Phasen hat er Dinge gesagt wie, dass er sich umbringen würde, wenn ich mich scheiden lasse. Solche Aussagen sitzen sehr tief und tun auf eine ganz andere Weise weh.
Während seines Klinikaufenthalts habe ich mich zum ersten Mal getraut, offener über all das zu sprechen, weil ich wusste, dass er in einem geschützten Umfeld ist. Ich bin auch in eine Gruppentherapie für Angehörige von psychisch erkrankten Menschen gegangen. Dort habe ich erst richtig realisiert, wie sehr ich mich selbst zurückgenommen habe.
Ich habe gemerkt, dass ich etwas ändern muss, um wieder zu mir selbst zu finden. Nach langem Überlegen habe ich mich entschieden, eine Beziehungspause zu machen und in eine WG zu ziehen (in seiner Nähe). Dieser Prozess hat etwa 2–3 Monate gedauert, und ich wohne jetzt seit 15 Tagen dort. Ich merke, dass es mir gut tut und ich freue mich wieder, nach Hause zu kommen.
Mein Mann und ich versuchen aktuell, bewusst schöne Zeit miteinander zu verbringen und unsere Beziehung zu reparieren. Manchmal gelingt das auch, aber manchmal endet es wieder in Konflikten.
Und jetzt kommt der komplizierte Teil:
Vor etwa 3 Jahren hatten wir einen Dreier mit einer guten Freundin von uns, die lesbisch ist. Das war mein erstes Mal mit einer Frau. Seitdem hat sich zwischen uns etwas entwickelt, und wir führen mehr oder weniger eine polyamore Beziehung.
Anfangs hat das zwischen allen gut funktioniert. Mein Mann und sie haben sich gut verstanden. Aber seit etwa einem Jahr wird es zwischen den beiden zunehmend schwieriger.
Er hat das Gefühl, von ihr nicht genug zu bekommen, während sie sich dadurch unter Druck gesetzt fühlt und den Eindruck hat, dass er ihre Sexualität nicht wirklich akzeptiert.
Gleichzeitig ist die Verbindung zwischen ihr und mir sehr intensiv geworden, emotional und körperlich. Der Sex mit ihr ist für mich deutlich intensiver als mit meinem Mann. Vielleicht liegt das auch daran, dass sie in den schwierigen Phasen immer für mich da war und ich auch daher das Gefühl habe, dass sie mich irgendwie besser versteht.
Inzwischen ist die Situation so, dass mein Mann sie als Bedrohung empfindet. Das belastet alle Beteiligten und ist so nicht gesund.
Das Problem ist aber: Ich kann mich nicht einfach von ihr trennen. Die Gefühle sind sehr stark. Es gab Momente, in denen ich das Gefühl hatte, ohne sie selbst psychisch zusammenzubrechen.
Durch meine neue Wohnsituation ist es etwas besser geworden, aber ich möchte sie nicht verlieren.
Gleichzeitig ist es so, dass ich für meinen Mann weniger starke Gefühle habe als früher, aber ich liebe ihn noch. Und ich will unsere Ehe nicht einfach aufgeben.
Sie wäre grundsätzlich bereit für eine polyamore Beziehung, aber der Umgang mit meinem Mann funktioniert aktuell nicht mehr, weil er ihr ein sehr schlechtes Gefühl gibt.
Mein Mann hingegen sagt inzwischen klar, dass das Thema für ihn eigentlich nie wirklich okay war. Er hat es nur mir zuliebe mitgemacht und erkennt das jetzt erst.
Er hat große Angst, mich zu verlieren, und wirft mir vor, egoistisch zu sein. Er wünscht sich, dass ich mich klar für unsere Ehe entscheide und mich darauf konzentriere.
Und genau da bin ich komplett hin- und hergerissen.
Ein Teil von mir denkt: Bin ich egoistisch, weil ich diese Gefühle zulasse?
Müsste ich nicht den klaren Schnitt machen und mit ihr abschließen, um meine Ehe zu retten?
Ein anderer Teil sagt: Ich will ehrlich sein mir selbst und auch ihm gegenüber. Ich will nichts unterdrücken oder so tun, als wäre alles in Ordnung, wenn es das nicht ist.
Ich möchte wirklich an unserer Ehe arbeiten. Ich liebe meinen Mann, und wir hatten so viele schöne Jahre. Aber aktuell fühlt es sich oft einfach nur schwer an.
Deshalb meine Fragen an euch:
- Handle ich egoistisch?
- Macht es Sinn, an einer Ehe zu arbeiten, wenn es sich über längere Zeit so anstrengend anfühlt?
- Kann man so etwas „reparieren“, oder ist das ein Zeichen, dass etwas Grundlegendes nicht mehr passt?
- Und wie findet man heraus, ob man kämpft, weil man es wirklich will oder nur, weil man Angst vor dem Loslassen hat?
Ich bin wirklich dankbar für ehrliche Einschätzungen, auch wenn sie unbequem sind.
Danke euch 🙏
kurze Vorwarnung: Der Text ist etwas länger geworden, aber ich würde mich sehr freuen, wenn ihr euch die Zeit nehmt. Am Ende kommt noch ein „Plottwist“, der die Situation zusätzlich kompliziert macht.
Ich schreibe hier, weil ich gerade ziemlich feststecke und mir ehrliche, auch kritische Perspektiven von außen wünsche.
Ich bin seit 11 Jahren mit meinem Mann zusammen, seit 5 Jahren verheiratet. Wir haben gemeinsam Abi gemacht und sind danach ein Paar geworden. Am Anfang hatten wir etwa 2 Jahre eine Fernbeziehung wegen des Studiums, danach ist er zu mir gezogen und hat ebenfalls angefangen zu studieren.
Wir hatten eine sehr intensive und schöne Zeit, mit viel Nähe, Vertrauen und einer echten gemeinsamen Basis. Ich liebe ihn auch heute noch und unsere Ehe bedeutet mir viel.
Vor etwa 6 Jahren begannen bei ihm psychische Probleme. Er war zunächst 2 Jahre in Therapie, die dann aber beendet wurde, obwohl es ihm nicht wirklich besser ging. Es war eher ein ständiges Auf und Ab, das sich schleichend verschlechtert hat, bis er vor etwa 9 Monaten selbst erkannt hat, wie ernst die Situation ist, und freiwillig für 7 Wochen in eine Klinik gegangen ist. Seitdem ist es etwas besser, aber die Zeit davor hat bei mir Spuren hinterlassen.
Ich habe zunehmend das Gefühl bekommen, dass ich, meine Gefühle und meine Bedürfnisse immer unwichtiger wurden. Ich habe meine eigenen Grenzen kaum noch wahrgenommen.
In sehr belastenden Phasen hat er Dinge gesagt wie, dass er sich umbringen würde, wenn ich mich scheiden lasse. Solche Aussagen sitzen sehr tief und tun auf eine ganz andere Weise weh.
Während seines Klinikaufenthalts habe ich mich zum ersten Mal getraut, offener über all das zu sprechen, weil ich wusste, dass er in einem geschützten Umfeld ist. Ich bin auch in eine Gruppentherapie für Angehörige von psychisch erkrankten Menschen gegangen. Dort habe ich erst richtig realisiert, wie sehr ich mich selbst zurückgenommen habe.
Ich habe gemerkt, dass ich etwas ändern muss, um wieder zu mir selbst zu finden. Nach langem Überlegen habe ich mich entschieden, eine Beziehungspause zu machen und in eine WG zu ziehen (in seiner Nähe). Dieser Prozess hat etwa 2–3 Monate gedauert, und ich wohne jetzt seit 15 Tagen dort. Ich merke, dass es mir gut tut und ich freue mich wieder, nach Hause zu kommen.
Mein Mann und ich versuchen aktuell, bewusst schöne Zeit miteinander zu verbringen und unsere Beziehung zu reparieren. Manchmal gelingt das auch, aber manchmal endet es wieder in Konflikten.
Und jetzt kommt der komplizierte Teil:
Vor etwa 3 Jahren hatten wir einen Dreier mit einer guten Freundin von uns, die lesbisch ist. Das war mein erstes Mal mit einer Frau. Seitdem hat sich zwischen uns etwas entwickelt, und wir führen mehr oder weniger eine polyamore Beziehung.
Anfangs hat das zwischen allen gut funktioniert. Mein Mann und sie haben sich gut verstanden. Aber seit etwa einem Jahr wird es zwischen den beiden zunehmend schwieriger.
Er hat das Gefühl, von ihr nicht genug zu bekommen, während sie sich dadurch unter Druck gesetzt fühlt und den Eindruck hat, dass er ihre Sexualität nicht wirklich akzeptiert.
Gleichzeitig ist die Verbindung zwischen ihr und mir sehr intensiv geworden, emotional und körperlich. Der Sex mit ihr ist für mich deutlich intensiver als mit meinem Mann. Vielleicht liegt das auch daran, dass sie in den schwierigen Phasen immer für mich da war und ich auch daher das Gefühl habe, dass sie mich irgendwie besser versteht.
Inzwischen ist die Situation so, dass mein Mann sie als Bedrohung empfindet. Das belastet alle Beteiligten und ist so nicht gesund.
Das Problem ist aber: Ich kann mich nicht einfach von ihr trennen. Die Gefühle sind sehr stark. Es gab Momente, in denen ich das Gefühl hatte, ohne sie selbst psychisch zusammenzubrechen.
Durch meine neue Wohnsituation ist es etwas besser geworden, aber ich möchte sie nicht verlieren.
Gleichzeitig ist es so, dass ich für meinen Mann weniger starke Gefühle habe als früher, aber ich liebe ihn noch. Und ich will unsere Ehe nicht einfach aufgeben.
Sie wäre grundsätzlich bereit für eine polyamore Beziehung, aber der Umgang mit meinem Mann funktioniert aktuell nicht mehr, weil er ihr ein sehr schlechtes Gefühl gibt.
Mein Mann hingegen sagt inzwischen klar, dass das Thema für ihn eigentlich nie wirklich okay war. Er hat es nur mir zuliebe mitgemacht und erkennt das jetzt erst.
Er hat große Angst, mich zu verlieren, und wirft mir vor, egoistisch zu sein. Er wünscht sich, dass ich mich klar für unsere Ehe entscheide und mich darauf konzentriere.
Und genau da bin ich komplett hin- und hergerissen.
Ein Teil von mir denkt: Bin ich egoistisch, weil ich diese Gefühle zulasse?
Müsste ich nicht den klaren Schnitt machen und mit ihr abschließen, um meine Ehe zu retten?
Ein anderer Teil sagt: Ich will ehrlich sein mir selbst und auch ihm gegenüber. Ich will nichts unterdrücken oder so tun, als wäre alles in Ordnung, wenn es das nicht ist.
Ich möchte wirklich an unserer Ehe arbeiten. Ich liebe meinen Mann, und wir hatten so viele schöne Jahre. Aber aktuell fühlt es sich oft einfach nur schwer an.
Deshalb meine Fragen an euch:
- Handle ich egoistisch?
- Macht es Sinn, an einer Ehe zu arbeiten, wenn es sich über längere Zeit so anstrengend anfühlt?
- Kann man so etwas „reparieren“, oder ist das ein Zeichen, dass etwas Grundlegendes nicht mehr passt?
- Und wie findet man heraus, ob man kämpft, weil man es wirklich will oder nur, weil man Angst vor dem Loslassen hat?
Ich bin wirklich dankbar für ehrliche Einschätzungen, auch wenn sie unbequem sind.
Danke euch 🙏