Die Mutter hatte es ebenfalls nicht leicht.
Sie ist das "schwarze Schaf" einer ansonsten wunderbar gelungenen Familie und war von Jugend an ein faules, nichtsnutziges Stück, wie man hier so liest.
Perfekter Sündenbock.
Das stimmt nicht. Soweit ich das von beiden Seite höre, war die Beziehung zwischen meiner Mutter und meinen Großeltern immer liebevoll und meine Mutter sagt selbst, dass sie eine tolle Kindheit hatte. Niemand hat meine Mutter direkt oder indirekt als "nichtsnutziges Stück" oder als Sündenbock deklariert.
Der Bruder wurde auch nicht besser als sie behandelt. Wenn, dann eher im Gegenteil: Als kleine Schwester wurde sie eher verwöhnt und sie war absolutes Wunschkind meiner Großeltern, vor allem auch von meinem Großvater.
Das Kernproblem entstand als ich geboren wurde und sie mit mir zurück zu ihren Eltern (also meinen Großeltern) gezogen ist. Sie hat mich ganztags dort geparkt, während sie selber weiter mit Männer ausgegangen ist, teilweise gearbeitet hat oder sonstwas. Es entstand unweigerlich eine starke Bindung zwischen meinen Großeltern und mir.
Ich will meine Mutter hier keine Schuld geben. Sie war gewiss mit einem Kind überfordert, hatte sich von meinem Vater wegen der Schwangerschaft getrennt und suchte Hilfe bei ihren Eltern. Es war auch gewiss nicht ihr Plan mich dauerhaft abzugeben.
Mein Problem ist nicht der Umstand wie es gelaufen sondern wie meine Mutter nachträglich damit umgeht.
Dass sie sich ein Weltbild schafft, in der meine Großeltern ihr Kind (mich) geklaut haben. Dass sie nicht versteht, dass sich ein Kind nicht an einer Mutter orientiert, welche erst Nachts um 1 von ihren Dates nach Hause kommt. Im Flur dabei so viel Lärm macht, dass der Säugling wach wird, meine Großmutter mich wieder in den Schlaf wiegt während meine Mutter lauthals meckert wie schrecklich ihr Date war.
Dass ich von Onkels und Tanten Geschenke zu Weihnachten bekommen habe und meine Mutter meiner Oma nur einen 10 DM Schein zusteckte damit sie sich um das Geschenk für mich kümmern solle.
Darum dass meine Mutter regelmäßig mit einem gut sichtbaren Einkaufskorb voller Süßigkeiten nach Hause kam und ich nie etwas von ihr bekommen habe. Eine meiner frühstens Kindheitserinnerungen ist, dass ich gesagt habe "für oben nicht". Womit ich bei einem Packung Schokolade, die mir eine Tante schenkte, meinte, dass diese Schokolade ausnahmsweise nicht für meine Mutter (die oben im Haus wohnte) sondern für mich bestimmt war.
Darum dass mir meine Mutter auch heute seit 10 Jahren(!) jedes Jahr zum Geburtstag die gleiche Packung Pralinen schenkt.
Meine Mutter sagt und glaubt vielleicht sogar dass sie mich liebt, aber ist das Liebe?