Um deine Mutter besser zu verstehen wäre es wichtig ihre eigenen Gründe zu kennen, weshalb es ihr mit ihren Eltern nicht gut ging.
Ich kenne beide Seiten (meine Mutter und ihre Eltern) eigentlich recht gut, habe aber nie einen trifftigen Grund dafür finden können.
Meine Großeltern hatten erst einen Sohn (meinen Onkel), dann kam einige jahre später meine Mutter zur Welt . Mein Opa berichtete mir, wie sehr er sich nach einem Sohn noch eine Tochter gewünscht hatte und wie glücklich er bei ihrer Geburt war.
Mein Onkel machte einen Bilderbuchlebenslauf, hatte einen guten Job und zwei Kinder.
Meine Mutter begann ihr Leben bereits damit, dass sie nie pünktlich zur Schule kam und regelrecht aus dem Bett gezerrt werden musste. In ihrem späteren Leben folgten diverse wechselnde romantische Beziehungen und mehreren ungeplanten Schwangerschaften, daraus schließlich ein Kind -> Ich.
Ich glaube schon, dass es für meine Mutter schwierig gewesen sein kann mit einem "perfekten Bruder" als Vorbild und einer sehr liebevollen aber auch dominanten Mutter. Vielleicht wurde ihr auch zu viel erlaubt und sie wurde zu sehr verwöhnt während gleichzeitig am Ende die Enttäuschung über ihren Werdegang groß war.
Allerdings waren die Erwartungen meiner Großeltern nie wirklich hoch. Ich bin in der gesamten Familiengeschichte der erste mit Abitur. Meine Großmutter war unendlich stolz auf mich als darauf auch noch ein Studium folgte.
Rückblickend sehe ich auch den Tod meiner Großmutter anders als früher. Meine Oma ist relativ kurz nach meiner Verbeamtung auf Lebenszeit verstorben. Ich weiß wie wichtig ihr das war und ich glaube heute, dass es ihr mit 90 Jahren den Abschied leichter machte zu wissen, dass ihr "drittes Kind" eine sichere Zukunft hatte.
Ich denke aber die meisten Eltern wollen nur das beste und eine sichere Zukunft für ihr Kind. Und auch wenn das Druck aufbauen kann, ist es für mich nicht eine Erklärung für eine narzistische Persönlichkeit oder dafür, dass meine Mutter die ganze Welt hasst.