Oder Selbstbehauptungstraining oder so ähnlich. So was bieten normalerweise Verhaltenstherapeuten an.
Geht darum, in Gruppe oder einzeln in der Öffentlichkeit Dinge zu tun, die man peinlich findet und darum nicht gern tun will, kleine Dinge...
Die Idee ist wohl, dass man so seine Komfortzone verlässt und sich etwas traut und das Selbstbewusstsein so gestärkt wird.
Ok, das habe ich schon mal gemacht, wie gesagt. Ist zwar schon ewig her, aber ich weiß, dass ich als Aufgabe mit offenem Hosenstall und raushängendem Hemd (oder Pullover; keine Ahnung, was ich da an hatte) in der Stadt rumgehen und auf Reaktionen achten sollte. Das war innerhalb einer Sitzung, der Psychotherapeut war dabei.
Eine andere Übung war, in einem Café einen Kaffee zu bestellen und sich dann umzuentscheiden. Dummerweise habe ich mich zu spät umentschieden, so dass ich den Kaffee dann doch nehmen musste.
Geholfen haben mir solcherlei Übungen nichts. Wobei auch? Noch dümmer fand ich die Aufgabe von seiten dieses Psychologen, im Einkaufsladen jeden Verkäufer freundlich zu grüßen und zu lächeln. Ich meine, wer macht das üblicherweise? Und wie kann man das machen, wenn einem gar nicht danach ist? Natürlich ist mir klar, dass es wichtig ist, seine Komfortzone zu verlassen und sich Sachen zuzutrauen, die man sich bisher nicht zutraute - ich denke hierbei immer an einen meiner Lieblingssprüche (aus dem Buch "Angst, Wut & Schmerz" von Franz Simon): "Dem Leben ist es egal, wie du dich totstellst."
Und es ist mir auch bewusst, dass es für mich sehr wichtig ist, mein Selbstbewusstsein zu stärken. Nur geht es da auch schon los, denn mit Konflikten habe ich Probleme. Mein Auftreten würde dann ganz und gar nicht meinem Wunsch entsprechend ausfallen. Das beginnt schon damit, dass ich oft Angst habe, jemanden länger anzugucken, weil sich dann wieder mein Kopftic bemerkbar macht, wobei ich mir aber auch ziemlich sicher bin, dass ich diesen weit stärker wahrnehme als andere - Eigen- und Fremdwahrnehmung.
Ich habe mir in Gedanken auch schon ausgemalt, wie ich mich verhalten würde, wenn ich mit meinem E-Scooter zum Fitnesscenter fahren würde und im Gebäude die Alarmanlage meines Rollers höre. In meiner Vorstellung würde ich dann sofort nach draußen eilen, den Dieb stellen, ihn ins Gebäude zerren und die Polizei rufen lassen. Ob es dann auch in der Realität so wäre, ist eine ganz andere Frage, aber das sind eben solche Dinge, die mit dem Selbstbewusstsein zu tun haben. Und dann ist da noch meine generelle Redeangst, die wohl auch damit in Zusammenhang steht, dass ich oft das Gefühl habe, nicht gehört zu werden, weil ich uninteressant bin.
Im Grunde empfinde ich persönlich es schon als Fortschritt, wenn ich meinem Bekannten gegenüber etwas sage, was vielleicht auch mal länger ist, weil dieser mich nämlich typischerweise vollbrabbelt und mir ständig ins Wort fällt, wenn ich etwas sage. Das ist aber (natürlich) kein Einzelfall - es gibt haufenweise Leute, die sich vermutlich gern reden hören, einen totlabern und andere nicht ausreden lassen.
Ja, aber siehst du: wenn du im Moment kaum Freunde hast, dann musst du sie ja erst finden. Oder von ihnen gefunden werden, das kommt doch aber auf das gleiche hinaus, oder nicht?
Und wie sollen sie dich finden, wenn du nirgends hingehst, wo sie sind?
Du hast geschrieben, dass du nur zum Training gehst, zum Einkaufen, zu deiner Familie usw.
Aber da sind die Menschen, die deine Freunde werden können, offensichtlich nicht, sonst wären sie ja inzwischen wenigstens schon Bekannte von dir...
Das Wort Bekannt kommt von Kennen. Die meisten Menschen lernen Leute mit der Zeit kennen, d h man sieht sich nicht nur einmal, sondern immer wieder mal, z B, weil man gemeinsam ein Hobby macht oder ein Ehrenamt.
Wie sehr dich deine Krankheit gerade einschränkt und wie viel du dir zutrauen kannst, kannst letztlich nur du beurteilen (vielleicht auch in Absprache mit deinem behandelnden Arzt).
Aber falls du zur Zeit nicht nur den Wunsch hast, etwas neues auszuprobieren, sondern auch die Kraft und den Willen, schau mal in die Signatur von @Binchy.
Sie hat viele Ideen aufgelistet, wo man mehrmals Menschen treffen kann.
Ja, es ist etwas, was Zeit braucht: wie häufig musst du jemanden treffen, bis du sagen würdest: das ist ein flüchtiger Bekannter?
Ich habe im Moment nicht kaum Freunde, ich habe gar keine Freunde. Es ist auch keine Frage der Quantität, sondern Qualität. Sicher kann man sich auf die Schnelle massenweise Freunde "besorgen", wenn man sich auf Facebook anmeldet und sich dort "befreundet" - gut, das war jetzt ein Flachs. Was ich damit andeuten will: Freunde zu finden ist schwierig - zumindest für jemanden wie mich mit entsprechender Problematik, die einem in dieser Hinsicht viele Steine in den Weg legt. Deswegen ist es auch graue Theorie, in so einem Fall den sicherlich gutgemeinten Tipp zu geben, unter Leute zu gehen.
Wo sind denn deiner Ansicht nach die Leute, die meine Bekannten und danach möglicherweise Freunde werden könnten?
"Binchy" hat selbst keine Depressionen, das sind alles also auch gutgemeinte Tipps, die ich auch durchaus kenne; ich weiß also schon, was ich machen kann, wenn ich es denn könnte.
Ich bin mir generell völlig bewusst, dass ich aktiv werden muss, um überhaupt Kontakte entstehen zu lassen, nur weiß ich nicht, was genau ich machen könnte, ohne dass ich in einer Weise konfrontiert werde, die mich wieder völlig ernüchtert und resigniert zurücklässt.
Umgekehrt: normalerweise bindet man flüchtigen Bekannten die eigenen Probleme eben nicht auf die Nase.
In dem Stadium geht es sie schlicht nichts an. Später vielleicht, aber doch nicht zu Anfang.
Und Kassierer an der Supermarktkasse haben keine Zeit für einen Plausch, meistens.
Die sind im Stress, weil sie ihre Arbeit machen müssen.
Darum musst du deinen zukünftigen Freunden die Chance geben, dich woanders zu treffen.
Du hast doch damit angefangen, "flüchtigen Kontakten" meine Probleme an den Hals zu binden! Und wie schon erwähnt, habe ich diese Kontakte nicht, außer eben erwähnte Kassierer. Also weiß ich nicht, inwiefern mir das irgendwas bringen soll.
Keine Ahnung, was dann passieren wird oder auch nicht.
Vielleicht trifft dich dann ein Ziegelstein auf den Kopf, der dich sonst nicht getroffen hätte - oder gerade umgekehrt: du vermeidet einen Verkehrsunfall, den du auf dem anderen Weg gehabt hättest?
Vielleicht rettest du einem Kind, das sonst auf die Straße gelaufen wäre, das Leben, indem du beiläufig einen Ball stoppst?
Vielleicht siehst du einen Aushang an einem Laternenpfahl, der eine Veranstaltung bewirbt, die du immer mal machen wolltest und du gehst hin?
Vielleicht siehst du überraschend etwas schönes und musst unwillkürlich lächeln?
Die wahrscheinlichste Variante ist natürlich, dass nichts von alledem passiert.
Stattdessen wirst du einfach mal einen anderen Weg gehen und sehen, dass du eine gewohnte Handlung ein kleines bisschen abändern kannst, ohne dass dir der Himmel auf den Kopf fällt.
Zumindest nehme ich das an, dass das das Wahrscheinlichste ist. Ob es sich bewahrheitet, weiß ich nicht.
Ich kapier immer noch nicht, was dein seltsamer Rat mir bringen soll. Indem ich eine andere Wegroute nehme, kann mir xy passieren, was mir bei der anderen Route nicht passiert wäre. Und wenn mir das dann auf der üblichen Route passiert, was mir bei der alternativen Route nicht passiert wäre?
Ich habe vor einiger Zeit in wenigen täglichen Abständen immer wieder mal Spaziergänge gemacht - zum Zielort bin ich eine andere Route gegangen als zurück. Und was genau bewirkt das jetzt bei/in mir? Ich habe nach wie vor keine Ahnung, was dein Rat in therapeutischer Hinsicht bewirken soll.
Also, wenn ich etwas schön finde, dann ist das für mich positiv. Wie das für dich ist, weiß ich natürlich nicht.
Vielleicht war positives Erlebnis das falsche Wort. Ich meine die kleinen positiven Momente im Leben.
Naja, wenn ein Psychologe dich fragt, an welche positiven Dinge du dich in deinem Leben erinnerst, meint er damit wohl weniger einen Vogel, der am Fenster vorbei fliegt oder die Sonne durch Wolken blitzen zu sehen, sondern so etwas wie eine erfreute Begegnung mit netten Menschen, eine Überraschungs-Party, eine Nachricht von einem längst verschollen geglaubten Bekannten etc. Und noch weniger wird es um den Geschmack von Kaffee oder das Gefühl von Wasser auf der Haut gehen. Aber wir sind hier jetzt beim Philosophieren angekommen, und ich sehe hier keinen praktischen Mehrwert. Jedenfalls fühle ich mich nicht besser, wenn ich mir bewusst mache, einen Kaffee (oder Tee in meinem Fall) zu trinken oder zu duschen. Ich hoffe, du verstehst, was ich meine.
Natürlich hast du es als positiv empfunden, eine Küche zu haben, das freut mich auch für dich (ebenso dein Erfolgserlebnis gestern). Auch ich würde mich darüber freuen, in einer neuen Wohnung eine (schön eingerichtete) Küche zu haben - keine Frage. Genauso wäre es auch, einen Herd und einen Kühlschrank zu haben, wenn man beides vorher nicht hätte. Aber das hat ja nichts mit der eigenen Person zu tun, sondern es handelt sich um Dinge, deren Existenz selbstverständlich positiv ist, was aber doch nicht glücklich oder zumindest zufrieden macht. Es ist halt einfach schön, so etwas zu haben. So wie ich es ja auch z. B. schön finde, einen PC zu besitzen oder ein Tablet. Aber macht es mich deswegen glücklich oder zufrieden?