Was für ein Selbstbewusstseinstraining
Oder Selbstbehauptungstraining oder so ähnlich. So was bieten normalerweise Verhaltenstherapeuten an.
Geht darum, in Gruppe oder einzeln in der Öffentlichkeit Dinge zu tun, die man peinlich findet und darum nicht gern tun will, kleine Dinge...
Die Idee ist wohl, dass man so seine Komfortzone verlässt und sich etwas traut und das Selbstbewusstsein so gestärkt wird.
Für die Fitness müssen es ja nicht unbedingt 3x in der Woche sein. Aber ich möchte gern einen schöneren Körper - ursprünglich dazu gedacht, dass meine Chancen auf dem Markt steigen.
Oh, verstehe mich nicht falsch: ich finde es toll, dass du das machst und schaffst.
Du kannst stolz darauf sein, weil das nicht jeder kann. Das meinte ich.
Nebenbei bemerkt: vermutlich steigen deine Chancen auf dem 'Markt' dadurch tatsächlich.
Der Unterschied ist: Hat man Freunde, die einen darin unterstützen, sein Leben so lebenswert wie möglich zu gestalten und dabei mithelfen, mit der Krankheit möglichst gut zu leben, oder muss man das alles allein durchstehen?
Ja, aber siehst du: wenn du im Moment kaum Freunde hast, dann musst du sie ja erst finden. Oder von ihnen gefunden werden, das kommt doch aber auf das gleiche hinaus, oder nicht?
Und wie sollen sie dich finden, wenn du nirgends hingehst, wo sie sind?
Du hast geschrieben, dass du nur zum Training gehst, zum Einkaufen, zu deiner Familie usw.
Aber da sind die Menschen, die deine Freunde werden können, offensichtlich nicht, sonst wären sie ja inzwischen wenigstens schon Bekannte von dir...
Das Wort Bekannt kommt von Kennen. Die meisten Menschen lernen Leute mit der Zeit kennen, d h man sieht sich nicht nur einmal, sondern immer wieder mal, z B, weil man gemeinsam ein Hobby macht oder ein Ehrenamt.
Wie sehr dich deine Krankheit gerade einschränkt und wie viel du dir zutrauen kannst, kannst letztlich nur du beurteilen (vielleicht auch in Absprache mit deinem behandelnden Arzt).
Aber falls du zur Zeit nicht nur den Wunsch hast, etwas neues auszuprobieren, sondern auch die Kraft und den Willen, schau mal in die Signatur von
@Binchy.
Sie hat viele Ideen aufgelistet, wo man mehrmals Menschen treffen kann.
Ja, es ist etwas, was Zeit braucht: wie häufig musst du jemanden treffen, bis du sagen würdest: das ist ein flüchtiger Bekannter?
Logisch habe ich viele Facetten, aber was hilft mir das?
Wo soll ich irgendwem etwas von meinen Problemen erzählen? Was für "flüchtige Kontakte"? Der Kassiererin im Lidl? "Ach, hören Sie mal, ich habe Depressionen, bin sehr einsam und habe die letzte Zeit oft an Suizid gedacht."
Die einzigen flüchtigen Kontakte für mich sind, ob du es glaubst oder nicht, Supermarkt- bzw. Discounter-Kassierer.
Umgekehrt: normalerweise bindet man flüchtigen Bekannten die eigenen Probleme eben nicht auf die Nase.
In dem Stadium geht es sie schlicht nichts an. Später vielleicht, aber doch nicht zu Anfang.
Und Kassierer an der Supermarktkasse haben keine Zeit für einen Plausch, meistens.
Die sind im Stress, weil sie ihre Arbeit machen müssen.
Darum musst du deinen zukünftigen Freunden die Chance geben, dich woanders zu treffen.
Schon klar, aber was genau bringt es mir, einen anderen Weg zum Einkaufen zu nehmen als sonst? Verschwinden dann meine Depressionen? Werde ich dann kontaktfreudig?
Keine Ahnung, was dann passieren wird oder auch nicht.
Vielleicht trifft dich dann ein Ziegelstein auf den Kopf, der dich sonst nicht getroffen hätte - oder gerade umgekehrt: du vermeidet einen Verkehrsunfall, den du auf dem anderen Weg gehabt hättest?
Vielleicht rettest du einem Kind, das sonst auf die Straße gelaufen wäre, das Leben, indem du beiläufig einen Ball stoppst?
Vielleicht siehst du einen Aushang an einem Laternenpfahl, der eine Veranstaltung bewirbt, die du immer mal machen wolltest und du gehst hin?
Vielleicht siehst du überraschend etwas schönes und musst unwillkürlich lächeln?
Die wahrscheinlichste Variante ist natürlich, dass nichts von alledem passiert.
Stattdessen wirst du einfach mal einen anderen Weg gehen und sehen, dass du eine gewohnte Handlung ein kleines bisschen abändern kannst, ohne dass dir der Himmel auf den Kopf fällt.
Zumindest nehme ich das an, dass das das Wahrscheinlichste ist. Ob es sich bewahrheitet, weiß ich nicht.
Nun, ich mag Tiere - und natürlich auch Vögel - aber ich kann jetzt nicht sagen, dass es für mich ein positives Erlebnis wäre, einen Vogel vor dem Fenster vorbei fliegen oder für einen Moment die Sonne zu sehen..
Ich schaute vorsichtig über ein anderes Fenster auf den Balkon und sah ihn dort erst mal etwas desorientiert, dann aber weiterfliegend. Das fand ich schön, aber inwiefern das für mich ein positives Erlebnis war, weiß ich nicht
Also, wenn ich etwas schön finde, dann ist das für mich positiv. Wie das für dich ist, weiß ich natürlich nicht.
Vielleicht war positives Erlebnis das falsche Wort. Ich meine die kleinen positiven Momente im Leben.
Dann wäre es ja auch positiv, dass der Herd und der Kühlschrank funktionieren, weil man sonst nichts zu essen hätte bzw. machen könnte...
Das ist es auch. Sehr sogar.
Als ich vor einigen Jahren in eine Stadt gezogen bin, sehr weit entfernt von der, in der ich damals lebte, bin ich in eine Wohnung gezogen, sehr schön und sehr gut gelegen, aber ohne Küche.
Dann hat sich meine Krankheit gemeldet und es hat Monate gedauert, bis ich eine Küche hatte.
Natürlich habe ich mich inzwischen schon wieder daran gewöhnt, dass ich eine Küche habe, aber in der Anfangszeit war das ein unbeschreiblich gutes Gefühl.
Anderes Beispiel: bei mir auf Arbeit finden zur Zeit Arbeiten an der IT statt, was mich extrem gestresst hat.
Dafür war gestern das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich ehrlich gefreut habe, als es endlich funktioniert hat, dass ich drucken konnte, was ich im Moment brauchte.
Manchmal weiß man etwas erst zu schätzen, wenn man eine Zeit lang ohne auskommen musste.
Im Moment genieße ich es, spazieren zu gehen, weil ich das fast ein Jahr lang nicht konnte.... Na egal, es geht hier ja nicht um mich.
Was ich meine, ist : falls du magst und dazu in der Lage bist, achte auf kleine Glücksmomente: der Geschmack von Kaffee, das angenehme Gefühl, dass man es geschafft hat, nach einer Trainingseinheit, das Gefühl von Wasser auf deiner Haut beim Duschen...
Manchmal braucht es auch Zeit, um Schönheit zu erkennen.
Beispielsweise weiß ich noch, dass ich als Kind den Sternenhimmel nicht sonderlich schön fand.
Kleine Lichter am Himmel, was soll es, dachte ich mir.
Das hat sich inzwischen geändert: ich kann jetzt die Schönheit des Sternenhimmels sehen...