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Einsam und ohne jede Option

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Für weitere Antworten geschlossen.
Ich weiß schon, was man so alles machen könnte, um Kontakte zu bekommen, WENN man es denn machen könnte. Insofern sind all solche Tipps wie "Such dir doch jemanden, der das gleiche Hobby wie du hat", "Geh mal in einen Sportverein" ja auch nett gemeint, aber zum Scheitern verurteilt, wenn man depressiv ist und diese Problematik gepaart mit anderen Beeinträchtigungen mit sich schon lange herumträgt. Ich selbst habe meine Depressionen und Ängste schon seit meiner Jugend

Mit irgendwas muss man anfangen.
Sonst ändert sich nie was.
Das du es nicht kannst, dürfte vor allem in deinem Kopf sein.
Natürlich ist es ein ungutes Gefühl (oder anders: kann ungutes Gefühl sein). Natürlich steht man unter Strom und Stress mit unbekannten anderen Leuten. Aber irgendwo muss man anfangen und manchmal gehts auch einfach nur darum, solche Gefühle auszuhalten. Und beim nächsten Mal ist dann schon besser. Und beim übernächsten Mal ists noch besser. Usw. Bis man irgendwann ganz gut damit zurechtkommt.

Solltest du es tatsächlich nicht "können", dann brauchst du Medikamente, Therapie oder Klinik.
 
Ich habe auch Energie, 3x täglich zu trainieren, aber keine Motivation, meinem Hobby (Musik) nachzugehen.

Du sagst das so, als wäre drei mal am Tag trainieren gar nichts...

Ich führe ein halbwegs normales Leben, arbeite Vollzeit, habe liebe Kollegen, wenige Bekannte, noch weniger gute Freunde und seit einiger Zeit sogar eine funktionierende Partnerschaft.

Aber sogar im Urlaub schaffe ich es nicht, täglich zu trainieren geschweige denn mehrmals täglich.

Glaube, du unterschätzt die Macht der Routine. Was wir regelmäßig tun, wird zur Gewohnheit und fällt uns zunehmend leichter.

Und irgendwann tun wir es, ohne darüber nachzudenken.

Du hast den Wunsch, etwas in deinem Leben zu ändern, darum schreibst du hier.

Wenn du etwas ändern willst, dann musst du etwas anders machen, sei es groß oder klein.

Das wird sich zunächst falsch anfühlen für dich, weil es ungewohnt ist.

Was du wie ändern willst, liegt natürlich bei dir. Probier doch vielleicht mal was kleines: vielleicht mal einen anderen Weg nehmen zum Laden, wo du einkaufen gehst. Oder sonst eine Routine ein kleines bisschen abändern...

Zu den Seminaren: Eben, die müssten dann in der Nähe sein. Und dann war ich dann halt auf einem solchen Seminar, das paar Stunden dauerte. Und dann?

Dann hast du hoffentlich etwas neues gelernt über ein Thema, das dich interessiert und hast geübt, die Gesellschaft anderer Menschen auszuhalten und im Idealfall auch ein oder zwei nette Gespräche gehabt.

Im allerbesten Fall hat es dir so gut gefallen, dass du dir sagst, dass du das gerne wiederholen möchtest.

Und dann triffst du vielleicht einen Menschen wieder und hast noch mal einen netten Plausch.

Und vielleicht entwickelt sich eine tiefere Beziehung und vielleicht auch nicht.

Das kann man im Voraus nicht wissen.

Mit Zufall hat das dann auch weniger zu tun, ob man ein "heißer Kandidat" ist, sondern eher mit Aussehen/Ausstrahlung. Ein Kommentator hier hat sich dazu auch schon geäußert.

Naja, wenn alle in diesem Portal das gleiche Beuteschema haben und du da nicht rein passt, macht es doch vielleicht Sinn, wo anders zu suchen?

Wie sich deine Freundschaften entwickelt haben, weiß ich nicht.

Bei mir war jeder gute Freund erst ein nicht so guter Freund, davor ein guter Bekannter, davor ein Bekannter, davor ein Fremder.

Ist vielleicht kitschig formuliert, aber so grob hat es bei mir immer funktioniert wie in der Geschichte vom Fuchs und dem kleinen Prinzen, von Saint-Exupery.

Kann gut sein, dass es andere Methoden gibt, die ich nicht kenne, aber die sind mir eben unbekannt (logisch 🙂

Und wie schon vorhin erwähnt: Alle Theorie ist grau, es ist nicht so, dass ich nicht wüsste, was man machen könnte - wenn man es denn kann.

Woran genau hakt es denn?

Traust du dich nicht unter Leute zu gehen oder mit ihnen zu sprechen?

Fällt dir nichts ein, was du sagen kannst?

Kannst du das genauer beschreiben?
 
Mit irgendwas muss man anfangen.
Sonst ändert sich nie was.
Das du es nicht kannst, dürfte vor allem in deinem Kopf sein.
Natürlich ist es ein ungutes Gefühl (oder anders: kann ungutes Gefühl sein). Natürlich steht man unter Strom und Stress mit unbekannten anderen Leuten. Aber irgendwo muss man anfangen und manchmal gehts auch einfach nur darum, solche Gefühle auszuhalten. Und beim nächsten Mal ist dann schon besser. Und beim übernächsten Mal ists noch besser. Usw. Bis man irgendwann ganz gut damit zurechtkommt.

Solltest du es tatsächlich nicht "können", dann brauchst du Medikamente, Therapie oder Klinik.
Schon klar, aber ich habe auch nicht nichts gemacht - und ich mache auch jetzt nicht nichts, sondern versuche wirklich einiges, werde mich auch nach Anzeigen umschauen oder selber welche aufgeben (müsste dann nur noch wissen, welcher Art).
Es ist bei mir vor allem eine Verlustangst - ein Aspekt, den ich bis vor einiger Zeit noch gar nicht so auf dem Schirm hatte. Aber wenn ich mir etwas verspreche, habe ich Angst, dass ich wieder enttäuscht werde, was bei mir ja normal ist und zu dem geführt hat, wie es gerade ist.
Und nein, "beim nächsten Mal" ist es nicht besser. Das wäre natürlich ein Optimalzustand, ist aber zumindest in meinem Fall nicht so. Wenn mich ein Psychologe fragen würde, welche Situation mir einfallen, an die ich gern denke, wüsste ich gar nicht, was ich antworten sollte - das kann sich eben so mancher nicht vorstellen, wenn eine Situation so verfahren ist, dass da nichts Positives ist.

Medikamente können helfen, klar. Therapien sind mir nicht neu (inkl. Klinik).
 
Es ist bei mir vor allem eine Verlustangst - ein Aspekt, den ich bis vor einiger Zeit noch gar nicht so auf dem Schirm hatte. Aber wenn ich mir etwas verspreche, habe ich Angst, dass ich wieder enttäuscht werde, was bei mir ja normal ist und zu dem geführt hat, wie es gerade ist.

In einem Buch habe ich vor langer Zeit einen Satz gelesen, der mir im Gedächtnis geblieben ist:

'wer liebt, hat dem Schicksal Geiseln gestellt.'

Dass dein Freund so schwer krank geworden ist, tut mir sehr leid, für euch beide.

Letztendlich ist es deine Entscheidung: bereit sein zu lieben, auch wenn die sehr reale Gefahr besteht, dass am Ende Verlust und Schmerz wartet oder Enttäuschung.

Oder auf Liebe zu verzichten, um vor diesem Schmerz sicher zu sein.

Ich glaube, das ist eine der wenigen Entscheidungen im Leben, die wirklich entweder-oder sind und wo es keinen Mittelweg gibt.

Ich kann es nicht besser formulieren, tut mir leid.
 
Du sagst das so, als wäre drei mal am Tag trainieren gar nichts...

Ich führe ein halbwegs normales Leben, arbeite Vollzeit, habe liebe Kollegen, wenige Bekannte, noch weniger gute Freunde und seit einiger Zeit sogar eine funktionierende Partnerschaft.

Aber sogar im Urlaub schaffe ich es nicht, täglich zu trainieren geschweige denn mehrmals täglich.

Glaube, du unterschätzt die Macht der Routine. Was wir regelmäßig tun, wird zur Gewohnheit und fällt uns zunehmend leichter.

Und irgendwann tun wir es, ohne darüber nachzudenken.

Du hast den Wunsch, etwas in deinem Leben zu ändern, darum schreibst du hier.

Wenn du etwas ändern willst, dann musst du etwas anders machen, sei es groß oder klein.

Das wird sich zunächst falsch anfühlen für dich, weil es ungewohnt ist.

Was du wie ändern willst, liegt natürlich bei dir. Probier doch vielleicht mal was kleines: vielleicht mal einen anderen Weg nehmen zum Laden, wo du einkaufen gehst. Oder sonst eine Routine ein kleines bisschen abändern...
Äh, mein Fehler, 3x wöchentlich natürlich. Auch das ist mehr, als so manch anderer macht, trotzdem ist es nicht so, dass ich mich dabei unbedingt befreiter fühle, auch wenn es allgemein heißt, dass man bei Depressionen Sport machen soll. Aber es ist und tut gut und ist besser, als gar nichts zu machen.

Dass du ein funktionales, soziales Umfeld hast und eine Partnerschaft, freut mich für dich, und schon aufgrund dieser Unterschiede unterscheiden wir uns massiv voneinander.

Was die Macht der Routine betrifft, ist die mir durchaus bekannt, z. B. eben durch den 3x wöchentlichen Sport. Tatsächlich fallen mir die Übungen dann auch immer leichter. Ich versuche jetzt auch, in sozialer Hinsicht "Routine" in mein Leben zu bringen, indem ich die Leute nicht mehr länger angucke bzw. ihrem Blick standzuhalten versuche, wenn mich mal jemand länger anguckt. Denn tatsächlich habe ich ein Problem damit, weil ich einen Kopf-Tic habe, der sich in einer solchen Situation bemerkbar macht - wenn z. B. jemand an mir vorbeigeht und mich anschaut.

Ich schreibe hier, weil ich - wie schon erwähnt - Hoffnung hege und mich an jeden Strohhalm klammere, der greifbar ist.

Mir ist klar, dass ich etwas ändern muss, wenn sich etwas ändern soll - ich weiß nur nicht, was und wie genau. Und ebenso ist mir auch klar, dass es sich für mich (zuerst) falsch anfühlt, weil es ungewohnt ist - da hast du völlig recht. Es ist so, als ob man als Einzelner innerhalb einer Menge eine Meinung vertritt und ausnahmslos negative Reaktionen bekommt - das heißt nun aber nicht zwangsläufig, dass diese Meinung falsch ist, nur weil die Menge negativ darauf reagiert. Ich wäre an dieser Stelle wohl entmutigt, jemand mit einem gesunden Selbstwertgefühl nicht.

Was würde es eigentlich genau ändern, einen anderen Weg zum Einkaufen zu nehmen? Ich war heute übrigens nach längerer Zeit wieder im Rewe-Markt - das ist der gleiche Weg wie zum Fitness-Center, den ich auch öfter gegangen bin; aber momentan fahre ich mit meinem Bekannten dahin.

Dann hast du hoffentlich etwas neues gelernt über ein Thema, das dich interessiert und hast geübt, die Gesellschaft anderer Menschen auszuhalten und im Idealfall auch ein oder zwei nette Gespräche gehabt.

Im allerbesten Fall hat es dir so gut gefallen, dass du dir sagst, dass du das gerne wiederholen möchtest.

Und dann triffst du vielleicht einen Menschen wieder und hast noch mal einen netten Plausch.

Und vielleicht entwickelt sich eine tiefere Beziehung und vielleicht auch nicht.

Das kann man im Voraus nicht wissen.
Ja, das ist wahr, zumindest in Hinblick auf die bloße Thematik. Es ist ja nie verkehrt, etwas zu lernen. Aber wie gesagt, das ist nur Theorie, weil es solche Seminare hier erst mal geben müsste.
Ich war vor längerer Zeit mal im Jobcenter, wo mir ein Sachbearbeiter etwas über ein Theaterprojekt erzählte, was mich interessierte. Aber dann war diese ganze Corona-Hysterie, und dann hat es sich damit wohl erledigt.

Vielleicht, vielleicht... Wie groß ist so eine Wahrscheinlichkeit denn, wenn sich sowas nicht mal nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in der Tagesklinik vor einigen Jahren ergeben hat? Ich habe mich mit einigen Leuten davon nach Beendigung der Therapie einmal zum Essen getroffen - das war's dann. Und ich will im Grunde auch gar nicht wissen, ob und wie viele Kontakte sich bei anderen dadurch ergeben haben, obwohl ich mir auch da bewusst war, dass es diese zwischen anderen Leuten gab. Gut, man saß zwar mehr oder weniger im gleichen Boot, aber die einen dann mehr auf der anderen Seite als die anderen.

Naja, wenn alle in diesem Portal das gleiche Beuteschema haben und du da nicht rein passt, macht es doch vielleicht Sinn, wo anders zu suchen?

Wie sich deine Freundschaften entwickelt haben, weiß ich nicht.

Bei mir war jeder gute Freund erst ein nicht so guter Freund, davor ein guter Bekannter, davor ein Bekannter, davor ein Fremder.

Ist vielleicht kitschig formuliert, aber so grob hat es bei mir immer funktioniert wie in der Geschichte vom Fuchs und dem kleinen Prinzen, von Saint-Exupery.

Kann gut sein, dass es andere Methoden gibt, die ich nicht kenne, aber die sind mir eben unbekannt (logisch 🙂
Macht es das? Ich denke nicht. Weil es letztendlich immer um das Aussehen geht.

Wie schon geschrieben, meinen letzten, guten und bislang eigentlich besten Freund habe ich vor längerer Zeit über eine Mailingliste für Depressive kennengelernt. Allerdings ist das noch viel länger her, wie ich gerade nachgeschaut habe: nämlich 1999. Wir haben anfangs ständig Mails ausgetauscht, das war echt toll. 2013 erlitt er dann einen Hirnschlag.

Du hast offenbar keine Kontaktprobleme, das ist gut. Bei mir ist es aber eben ganz anders. Wegen meiner Depressionen wirke ich heute wohl auch nicht wirklich anziehend, und woher sollen andere wissen, dass man eine Depression hat?
Und der einzige Bekannte, den ich habe und vor 30 Jahren kennenlernte, ist auch heute noch mein einziger Bekannter, mit dem ich mich eigentlich nur noch treffe, wenn wir zum Fitnesscenter fahren. Tiefere Gespräche sind nicht drin, deswegen ist das auch nichts, was ich als Freundschaft sehen würde.

Woran genau hakt es denn?

Traust du dich nicht unter Leute zu gehen oder mit ihnen zu sprechen?

Fällt dir nichts ein, was du sagen kannst?

Kannst du das genauer beschreiben?
Es ist kompliziert. Zum einen habe ich soziale Defizite, soziale Ängste (z. B. Angst, vor Leuten zu reden), habe in der Regel das Gefühl, nicht gehört oder wahrgenommen zu werden - außer vielleicht in dedizierten Situationen wie z. B. in Gesprächsrunden in der Therapie.
Und ja, mir fällt üblicherweise auch nichts ein, was ich sagen könnte. Ich habe ja auch von mir nichts zu berichten - soll ich etwa sagen, dass mein Leben grau und öde ist, keine Höhepunkte hat und ich depressiv und einsam bin?
 
Äh, mein Fehler, 3x wöchentlich natürlich. Auch das ist mehr, als so manch anderer macht, trotzdem ist es nicht so, dass ich mich dabei unbedingt befreiter fühle, auch wenn es allgemein heißt, dass man bei Depressionen Sport machen soll. Aber es ist und tut gut und ist besser, als gar nichts zu machen.

Dass du ein funktionales, soziales Umfeld hast und eine Partnerschaft, freut mich für dich, und schon aufgrund dieser Unterschiede unterscheiden wir uns massiv voneinander.

Was die Macht der Routine betrifft, ist die mir durchaus bekannt, z. B. eben durch den 3x wöchentlichen Sport. Tatsächlich fallen mir die Übungen dann auch immer leichter. Ich versuche jetzt auch, in sozialer Hinsicht "Routine" in mein Leben zu bringen, indem ich die Leute nicht mehr länger angucke bzw. ihrem Blick standzuhalten versuche, wenn mich mal jemand länger anguckt. Denn tatsächlich habe ich ein Problem damit, weil ich einen Kopf-Tic habe, der sich in einer solchen Situation bemerkbar macht - wenn z. B. jemand an mir vorbeigeht und mich anschaut.

Ich schreibe hier, weil ich - wie schon erwähnt - Hoffnung hege und mich an jeden Strohhalm klammere, der greifbar ist.

Mir ist klar, dass ich etwas ändern muss, wenn sich etwas ändern soll - ich weiß nur nicht, was und wie genau. Und ebenso ist mir auch klar, dass es sich für mich (zuerst) falsch anfühlt, weil es ungewohnt ist - da hast du völlig recht. Es ist so, als ob man als Einzelner innerhalb einer Menge eine Meinung vertritt und ausnahmslos negative Reaktionen bekommt - das heißt nun aber nicht zwangsläufig, dass diese Meinung falsch ist, nur weil die Menge negativ darauf reagiert. Ich wäre an dieser Stelle wohl entmutigt, jemand mit einem gesunden Selbstwertgefühl nicht.

Was würde es eigentlich genau ändern, einen anderen Weg zum Einkaufen zu nehmen? Ich war heute übrigens nach längerer Zeit wieder im Rewe-Markt - das ist der gleiche Weg wie zum Fitness-Center, den ich auch öfter gegangen bin; aber momentan fahre ich mit meinem Bekannten dahin.


Ja, das ist wahr, zumindest in Hinblick auf die bloße Thematik. Es ist ja nie verkehrt, etwas zu lernen. Aber wie gesagt, das ist nur Theorie, weil es solche Seminare hier erst mal geben müsste.
Ich war vor längerer Zeit mal im Jobcenter, wo mir ein Sachbearbeiter etwas über ein Theaterprojekt erzählte, was mich interessierte. Aber dann war diese ganze Corona-Hysterie, und dann hat es sich damit wohl erledigt.

Vielleicht, vielleicht... Wie groß ist so eine Wahrscheinlichkeit denn, wenn sich sowas nicht mal nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in der Tagesklinik vor einigen Jahren ergeben hat? Ich habe mich mit einigen Leuten davon nach Beendigung der Therapie einmal zum Essen getroffen - das war's dann. Und ich will im Grunde auch gar nicht wissen, ob und wie viele Kontakte sich bei anderen dadurch ergeben haben, obwohl ich mir auch da bewusst war, dass es diese zwischen anderen Leuten gab. Gut, man saß zwar mehr oder weniger im gleichen Boot, aber die einen dann mehr auf der anderen Seite als die anderen.


Macht es das? Ich denke nicht. Weil es letztendlich immer um das Aussehen geht.

Wie schon geschrieben, meinen letzten, guten und bislang eigentlich besten Freund habe ich vor längerer Zeit über eine Mailingliste für Depressive kennengelernt. Allerdings ist das noch viel länger her, wie ich gerade nachgeschaut habe: nämlich 1999. Wir haben anfangs ständig Mails ausgetauscht, das war echt toll. 2013 erlitt er dann einen Hirnschlag.

Du hast offenbar keine Kontaktprobleme, das ist gut. Bei mir ist es aber eben ganz anders. Wegen meiner Depressionen wirke ich heute wohl auch nicht wirklich anziehend, und woher sollen andere wissen, dass man eine Depression hat?
Und der einzige Bekannte, den ich habe und vor 30 Jahren kennenlernte, ist auch heute noch mein einziger Bekannter, mit dem ich mich eigentlich nur noch treffe, wenn wir zum Fitnesscenter fahren. Tiefere Gespräche sind nicht drin, deswegen ist das auch nichts, was ich als Freundschaft sehen würde.


Es ist kompliziert. Zum einen habe ich soziale Defizite, soziale Ängste (z. B. Angst, vor Leuten zu reden), habe in der Regel das Gefühl, nicht gehört oder wahrgenommen zu werden - außer vielleicht in dedizierten Situationen wie z. B. in Gesprächsrunden in der Therapie.
Und ja, mir fällt üblicherweise auch nichts ein, was ich sagen könnte. Ich habe ja auch von mir nichts zu berichten - soll ich etwa sagen, dass mein Leben grau und öde ist, keine Höhepunkte hat und ich depressiv und einsam bin?

Dass meine Probleme ganz anders geartet sind als deine, ist völlig richtig.

Darum ist es schwierig für mich, dir einen Ratschlag anzubieten, der dir eventuell weiterhelfen kann.

Das ist ja auch ein Laienforum.

Du hast geschrieben, dass du schon Therapie-Erfahrung hast.

Hast du mal was in Richtung Verhaltenstherapie gemacht oder Selbstbewusstseinstraining oder etwas in der Art, wegen deiner Sozialphobie?

Das ist das, was mir noch einfällt.

Theatergruppe klingt richtig gut, vielleicht kannst du herausfinden, ob das jetzt vielleicht in Präsenz stattfinden kann.

NB: 3 mal Training pro Woche schaffe ich im Moment auch nicht 🙂

Es ist nicht ganz so einfach, dir zu erklären, was ich meine:

Ich könnte dir mein Leben auf eine Art beschreiben, dass du mich wahrscheinlich bemitleiden würdest und wäre dabei doch völlig ehrlich.

Ich könnte dir mein Leben auch auf eine Art und Weise beschreiben, dass du mich wahrscheinlich beneiden würdest.

Dabei wäre ich genau so ehrlich.

Was ich wem erzähle, hängt vom Kontext ab und natürlich auch davon, wie nah mir die Person steht.

Nur Ärzte, Familie und engste Freunde wissen von meiner Krankheit (GdB 30%).

Die meisten meiner Vereinskameraden wissen wahrscheinlich nicht, dass ich promoviert bin. Spielt dafür ja auch keine Rolle, nicht wahr?

Meine Kollegen wissen dafür nicht, dass ich (mit Pausen) seit über 10 Jahren verschiedene Kampfsportarten ausprobiert habe. Spielt bei der Arbeit auch keine Rolle, nicht wahr?

Nur meine beste Freundin und natürlich meine Eltern wissen, dass ich in der Schule gemobbt wurde.

Mein Übergewicht kann jeder sehen, aber nicht, dass zuhause eine Harfe auf mich wartet (zu lange nicht mehr zum Üben gekommen, aber Harfen warten geduldig).

Was ich versuche, dir zu sagen: Jeder Mensch hat viele Facetten.

Du auch.

Du kannst durch die Welt gehen und flüchtigen Kontakten von deiner Krankheit erzählen und von deinen Problemen.

Oder du kannst ihnen erzählen, dass du drei mal die Woche trainieren gehst und schon lange nicht mehr zum Singen gekommen bist, es aber wieder gern anfangen würdest.

Und dass du dich für Psychologie interessierst und gerne zusiehst, wenn das Herbstlaub sanft von den Zweigen fällt und vor Corona von einem Theaterprojekt gehört hast, das du gerne ausprobiert hättest und bei Gelegenheit mal raus finden wirst, was daraus geworden ist.

Das mit dem Vorschlag zum anderen Weg zum Einkaufen stammt aus der Überlegung, dass es manchmal einfacher ist, emotional bei besetztes Verhalten zu ändern, wenn man zunächst neutrales Verhalten ein bisschen ändert.

Hatte mal ein Interview von einem Psychologen gelesen, der gern auf Stühle steigt.

Ist nur eine Idee, weil mir das hilft (nicht unbedingt auf Stühle steigen, aber andere kleine Dinge ändern.)

Was die positiven Momente in Deinem Leben betrifft: habe mal von einem Mann gehört, der sich freiwillig in verschiedene Gefängnisse hat einsperren lassen aus Forscherdrang.

Jeweils mehrere Monate, soweit ich mich erinnern kann. Und er fand an jedem Tag 3 positive Dinge, die er in sein Tagebuch schreiben konnte.

Kleine Dinge wie: Vogel vor Fenster vorbei fliegen gesehen. Sonne für einen Moment aus den Wolken hervorgekommen beim Hofgang...

Weiss nicht mehr, in welchen Ländern diese Gefängnisse waren, aber ich weiß noch, dass ich damals beim Lesen schluckte.

Ich nehme an, dass Depression ein schlimmeres Gefängnis ist als ein Gefängnis selbst in einem sehr armen Land (war in beidem noch nie).

Ob du im Moment versuchen willst oder kannst, deinen Blick auf kleine positive Dinge zu richten, weißt nur du.
 
In einem Buch habe ich vor langer Zeit einen Satz gelesen, der mir im Gedächtnis geblieben ist:

'wer liebt, hat dem Schicksal Geiseln gestellt.'

Dass dein Freund so schwer krank geworden ist, tut mir sehr leid, für euch beide.

Letztendlich ist es deine Entscheidung: bereit sein zu lieben, auch wenn die sehr reale Gefahr besteht, dass am Ende Verlust und Schmerz wartet oder Enttäuschung.

Oder auf Liebe zu verzichten, um vor diesem Schmerz sicher zu sein.

Ich glaube, das ist eine der wenigen Entscheidungen im Leben, die wirklich entweder-oder sind und wo es keinen Mittelweg gibt.

Ich kann es nicht besser formulieren, tut mir leid.
Was nützt es mir, bereit zu sein, zu lieben, wenn niemand da ist, den ich lieben könnte? Und niemand kann auf Dauer ewige Enttäuschungen und Schmerz aushalten.
 
Dass meine Probleme ganz anders geartet sind als deine, ist völlig richtig.

Darum ist es schwierig für mich, dir einen Ratschlag anzubieten, der dir eventuell weiterhelfen kann.

Das ist ja auch ein Laienforum.

Du hast geschrieben, dass du schon Therapie-Erfahrung hast.

Hast du mal was in Richtung Verhaltenstherapie gemacht oder Selbstbewusstseinstraining oder etwas in der Art, wegen deiner Sozialphobie?

Das ist das, was mir noch einfällt.

Theatergruppe klingt richtig gut, vielleicht kannst du herausfinden, ob das jetzt vielleicht in Präsenz stattfinden kann.

NB: 3 mal Training pro Woche schaffe ich im Moment auch nicht 🙂

Es ist nicht ganz so einfach, dir zu erklären, was ich meine:

Ich könnte dir mein Leben auf eine Art beschreiben, dass du mich wahrscheinlich bemitleiden würdest und wäre dabei doch völlig ehrlich.

Ich könnte dir mein Leben auch auf eine Art und Weise beschreiben, dass du mich wahrscheinlich beneiden würdest.

Dabei wäre ich genau so ehrlich.

Was ich wem erzähle, hängt vom Kontext ab und natürlich auch davon, wie nah mir die Person steht.

Nur Ärzte, Familie und engste Freunde wissen von meiner Krankheit (GdB 30%).

Die meisten meiner Vereinskameraden wissen wahrscheinlich nicht, dass ich promoviert bin. Spielt dafür ja auch keine Rolle, nicht wahr?

Meine Kollegen wissen dafür nicht, dass ich (mit Pausen) seit über 10 Jahren verschiedene Kampfsportarten ausprobiert habe. Spielt bei der Arbeit auch keine Rolle, nicht wahr?

Nur meine beste Freundin und natürlich meine Eltern wissen, dass ich in der Schule gemobbt wurde.

Mein Übergewicht kann jeder sehen, aber nicht, dass zuhause eine Harfe auf mich wartet (zu lange nicht mehr zum Üben gekommen, aber Harfen warten geduldig).

Was ich versuche, dir zu sagen: Jeder Mensch hat viele Facetten.

Du auch.

Du kannst durch die Welt gehen und flüchtigen Kontakten von deiner Krankheit erzählen und von deinen Problemen.

Oder du kannst ihnen erzählen, dass du drei mal die Woche trainieren gehst und schon lange nicht mehr zum Singen gekommen bist, es aber wieder gern anfangen würdest.

Und dass du dich für Psychologie interessierst und gerne zusiehst, wenn das Herbstlaub sanft von den Zweigen fällt und vor Corona von einem Theaterprojekt gehört hast, das du gerne ausprobiert hättest und bei Gelegenheit mal raus finden wirst, was daraus geworden ist.

Das mit dem Vorschlag zum anderen Weg zum Einkaufen stammt aus der Überlegung, dass es manchmal einfacher ist, emotional bei besetztes Verhalten zu ändern, wenn man zunächst neutrales Verhalten ein bisschen ändert.

Hatte mal ein Interview von einem Psychologen gelesen, der gern auf Stühle steigt.

Ist nur eine Idee, weil mir das hilft (nicht unbedingt auf Stühle steigen, aber andere kleine Dinge ändern.)

Was die positiven Momente in Deinem Leben betrifft: habe mal von einem Mann gehört, der sich freiwillig in verschiedene Gefängnisse hat einsperren lassen aus Forscherdrang.

Jeweils mehrere Monate, soweit ich mich erinnern kann. Und er fand an jedem Tag 3 positive Dinge, die er in sein Tagebuch schreiben konnte.

Kleine Dinge wie: Vogel vor Fenster vorbei fliegen gesehen. Sonne für einen Moment aus den Wolken hervorgekommen beim Hofgang...

Weiss nicht mehr, in welchen Ländern diese Gefängnisse waren, aber ich weiß noch, dass ich damals beim Lesen schluckte.

Ich nehme an, dass Depression ein schlimmeres Gefängnis ist als ein Gefängnis selbst in einem sehr armen Land (war in beidem noch nie).

Ob du im Moment versuchen willst oder kannst, deinen Blick auf kleine positive Dinge zu richten, weißt nur du.
Dass das hier ein Laienforum ist, ist mir schon klar, aber da hier auch Betroffene schreiben, könnte ja ein Austausch erfolgen wie damals mit dem Freund, den ich vorhin erwähnte.

Eine Verhaltenstherapie würde mir nichts bringen. Und ja, ich habe das schon mal gemacht. Was für ein Selbstbewusstseinstraining?

Wegen der Theatergruppe weiß ich nicht, ob ich mir das momentan zutraue. Wie schon erwähnt, ich bin depressiv, und wenn ich da auf Leute stoße, die möglicherweise gut gelaunt sind und ganz anders drauf, dann würde meine Mutlosigkeit steigen.

Für die Fitness müssen es ja nicht unbedingt 3x in der Woche sein. Aber ich möchte gern einen schöneren Körper - ursprünglich dazu gedacht, dass meine Chancen auf dem Markt steigen.

Es tut mir leid, dass du krank bist, aber das bin ich auch. Der Unterschied ist: Hat man Freunde, die einen darin unterstützen, sein Leben so lebenswert wie möglich zu gestalten und dabei mithelfen, mit der Krankheit möglichst gut zu leben, oder muss man das alles allein durchstehen?

Ich denke nicht, dass es eine Rolle spielt, ob deine Vereinskameraden wissen, dass du promoviert bist. Ich weiß auch nicht, ob es wesentlich ist, dass deine Kollegen über deine Zeit als Kampfsportler Bescheid wissen.

Ich wurde in der Schule auch gemobbt und war dort Außenseiter - es war eine Höllenzeit. Meine Eltern haben davon nichts mitbekommen (nur noch meine Mutter lebt).

Interessant, dass du Harfe spielst - ziemlich ungewöhnlich für einen Mann.

Logisch habe ich viele Facetten, aber was hilft mir das?

Wo soll ich irgendwem etwas von meinen Problemen erzählen? Was für "flüchtige Kontakte"? Der Kassiererin im Lidl? "Ach, hören Sie mal, ich habe Depressionen, bin sehr einsam und habe die letzte Zeit oft an Suizid gedacht."
Die einzigen flüchtigen Kontakte für mich sind, ob du es glaubst oder nicht, Supermarkt- bzw. Discounter-Kassierer.

Vom Theaterprojekt habe ich im Jobcenter während der ganzen Corona-Maßnahmen gehört, nur mal so nebenbei.

Das mit dem Vorschlag zum anderen Weg zum Einkaufen stammt aus der Überlegung, dass es manchmal einfacher ist, emotional bei besetztes Verhalten zu ändern, wenn man zunächst neutrales Verhalten ein bisschen ändert.
Schon klar, aber was genau bringt es mir, einen anderen Weg zum Einkaufen zu nehmen als sonst? Verschwinden dann meine Depressionen? Werde ich dann kontaktfreudig?

Was die positiven Momente in Deinem Leben betrifft: habe mal von einem Mann gehört, der sich freiwillig in verschiedene Gefängnisse hat einsperren lassen aus Forscherdrang.

Jeweils mehrere Monate, soweit ich mich erinnern kann. Und er fand an jedem Tag 3 positive Dinge, die er in sein Tagebuch schreiben konnte.

Kleine Dinge wie: Vogel vor Fenster vorbei fliegen gesehen. Sonne für einen Moment aus den Wolken hervorgekommen beim Hofgang...
Nun, ich mag Tiere - und natürlich auch Vögel - aber ich kann jetzt nicht sagen, dass es für mich ein positives Erlebnis wäre, einen Vogel vor dem Fenster vorbei fliegen oder für einen Moment die Sonne zu sehen... Vor einiger Zeit ist bei mir mal ein kleiner Piepmatz gegen die Fensterscheibe geflogen. Ich schaute vorsichtig über ein anderes Fenster auf den Balkon und sah ihn dort erst mal etwas desorientiert, dann aber weiterfliegend. Das fand ich schön, aber inwiefern das für mich ein positives Erlebnis war, weiß ich nicht. Dann wäre es ja auch positiv, dass der Herd und der Kühlschrank funktionieren, weil man sonst nichts zu essen hätte bzw. machen könnte...
 
Was für ein Selbstbewusstseinstraining

Oder Selbstbehauptungstraining oder so ähnlich. So was bieten normalerweise Verhaltenstherapeuten an.

Geht darum, in Gruppe oder einzeln in der Öffentlichkeit Dinge zu tun, die man peinlich findet und darum nicht gern tun will, kleine Dinge...

Die Idee ist wohl, dass man so seine Komfortzone verlässt und sich etwas traut und das Selbstbewusstsein so gestärkt wird.

Für die Fitness müssen es ja nicht unbedingt 3x in der Woche sein. Aber ich möchte gern einen schöneren Körper - ursprünglich dazu gedacht, dass meine Chancen auf dem Markt steigen.

Oh, verstehe mich nicht falsch: ich finde es toll, dass du das machst und schaffst.

Du kannst stolz darauf sein, weil das nicht jeder kann. Das meinte ich.

Nebenbei bemerkt: vermutlich steigen deine Chancen auf dem 'Markt' dadurch tatsächlich.

Der Unterschied ist: Hat man Freunde, die einen darin unterstützen, sein Leben so lebenswert wie möglich zu gestalten und dabei mithelfen, mit der Krankheit möglichst gut zu leben, oder muss man das alles allein durchstehen?

Ja, aber siehst du: wenn du im Moment kaum Freunde hast, dann musst du sie ja erst finden. Oder von ihnen gefunden werden, das kommt doch aber auf das gleiche hinaus, oder nicht?

Und wie sollen sie dich finden, wenn du nirgends hingehst, wo sie sind?

Du hast geschrieben, dass du nur zum Training gehst, zum Einkaufen, zu deiner Familie usw.

Aber da sind die Menschen, die deine Freunde werden können, offensichtlich nicht, sonst wären sie ja inzwischen wenigstens schon Bekannte von dir...

Das Wort Bekannt kommt von Kennen. Die meisten Menschen lernen Leute mit der Zeit kennen, d h man sieht sich nicht nur einmal, sondern immer wieder mal, z B, weil man gemeinsam ein Hobby macht oder ein Ehrenamt.

Wie sehr dich deine Krankheit gerade einschränkt und wie viel du dir zutrauen kannst, kannst letztlich nur du beurteilen (vielleicht auch in Absprache mit deinem behandelnden Arzt).

Aber falls du zur Zeit nicht nur den Wunsch hast, etwas neues auszuprobieren, sondern auch die Kraft und den Willen, schau mal in die Signatur von @Binchy.

Sie hat viele Ideen aufgelistet, wo man mehrmals Menschen treffen kann.

Ja, es ist etwas, was Zeit braucht: wie häufig musst du jemanden treffen, bis du sagen würdest: das ist ein flüchtiger Bekannter?

Logisch habe ich viele Facetten, aber was hilft mir das?

Wo soll ich irgendwem etwas von meinen Problemen erzählen? Was für "flüchtige Kontakte"? Der Kassiererin im Lidl? "Ach, hören Sie mal, ich habe Depressionen, bin sehr einsam und habe die letzte Zeit oft an Suizid gedacht."
Die einzigen flüchtigen Kontakte für mich sind, ob du es glaubst oder nicht, Supermarkt- bzw. Discounter-Kassierer.

Umgekehrt: normalerweise bindet man flüchtigen Bekannten die eigenen Probleme eben nicht auf die Nase.

In dem Stadium geht es sie schlicht nichts an. Später vielleicht, aber doch nicht zu Anfang.

Und Kassierer an der Supermarktkasse haben keine Zeit für einen Plausch, meistens.

Die sind im Stress, weil sie ihre Arbeit machen müssen.

Darum musst du deinen zukünftigen Freunden die Chance geben, dich woanders zu treffen.

Schon klar, aber was genau bringt es mir, einen anderen Weg zum Einkaufen zu nehmen als sonst? Verschwinden dann meine Depressionen? Werde ich dann kontaktfreudig?

Keine Ahnung, was dann passieren wird oder auch nicht.

Vielleicht trifft dich dann ein Ziegelstein auf den Kopf, der dich sonst nicht getroffen hätte - oder gerade umgekehrt: du vermeidet einen Verkehrsunfall, den du auf dem anderen Weg gehabt hättest?

Vielleicht rettest du einem Kind, das sonst auf die Straße gelaufen wäre, das Leben, indem du beiläufig einen Ball stoppst?

Vielleicht siehst du einen Aushang an einem Laternenpfahl, der eine Veranstaltung bewirbt, die du immer mal machen wolltest und du gehst hin?

Vielleicht siehst du überraschend etwas schönes und musst unwillkürlich lächeln?

Die wahrscheinlichste Variante ist natürlich, dass nichts von alledem passiert.

Stattdessen wirst du einfach mal einen anderen Weg gehen und sehen, dass du eine gewohnte Handlung ein kleines bisschen abändern kannst, ohne dass dir der Himmel auf den Kopf fällt.

Zumindest nehme ich das an, dass das das Wahrscheinlichste ist. Ob es sich bewahrheitet, weiß ich nicht.

Nun, ich mag Tiere - und natürlich auch Vögel - aber ich kann jetzt nicht sagen, dass es für mich ein positives Erlebnis wäre, einen Vogel vor dem Fenster vorbei fliegen oder für einen Moment die Sonne zu sehen..

Ich schaute vorsichtig über ein anderes Fenster auf den Balkon und sah ihn dort erst mal etwas desorientiert, dann aber weiterfliegend. Das fand ich schön, aber inwiefern das für mich ein positives Erlebnis war, weiß ich nicht

Also, wenn ich etwas schön finde, dann ist das für mich positiv. Wie das für dich ist, weiß ich natürlich nicht.

Vielleicht war positives Erlebnis das falsche Wort. Ich meine die kleinen positiven Momente im Leben.

Dann wäre es ja auch positiv, dass der Herd und der Kühlschrank funktionieren, weil man sonst nichts zu essen hätte bzw. machen könnte...

Das ist es auch. Sehr sogar.

Als ich vor einigen Jahren in eine Stadt gezogen bin, sehr weit entfernt von der, in der ich damals lebte, bin ich in eine Wohnung gezogen, sehr schön und sehr gut gelegen, aber ohne Küche.

Dann hat sich meine Krankheit gemeldet und es hat Monate gedauert, bis ich eine Küche hatte.

Natürlich habe ich mich inzwischen schon wieder daran gewöhnt, dass ich eine Küche habe, aber in der Anfangszeit war das ein unbeschreiblich gutes Gefühl.

Anderes Beispiel: bei mir auf Arbeit finden zur Zeit Arbeiten an der IT statt, was mich extrem gestresst hat.

Dafür war gestern das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich ehrlich gefreut habe, als es endlich funktioniert hat, dass ich drucken konnte, was ich im Moment brauchte.

Manchmal weiß man etwas erst zu schätzen, wenn man eine Zeit lang ohne auskommen musste.

Im Moment genieße ich es, spazieren zu gehen, weil ich das fast ein Jahr lang nicht konnte.... Na egal, es geht hier ja nicht um mich.

Was ich meine, ist : falls du magst und dazu in der Lage bist, achte auf kleine Glücksmomente: der Geschmack von Kaffee, das angenehme Gefühl, dass man es geschafft hat, nach einer Trainingseinheit, das Gefühl von Wasser auf deiner Haut beim Duschen...

Manchmal braucht es auch Zeit, um Schönheit zu erkennen.

Beispielsweise weiß ich noch, dass ich als Kind den Sternenhimmel nicht sonderlich schön fand.

Kleine Lichter am Himmel, was soll es, dachte ich mir.

Das hat sich inzwischen geändert: ich kann jetzt die Schönheit des Sternenhimmels sehen...
 
Vorab, weil dir sehr wahrscheinlich nicht gefalken wird, was ich schreibe:
Ich kenne schwere Depris aus eigener Erfahrung.

Hier wurden tolle Beiträge geschrieben!
Du schmetterst jedoch alles ab, ist dir das bewusst?

Du allein triffst die Entscheidung:
Weiter verharren, nichts ändern, kein weiterer Therapieversuch, beschließen, dass nichts geht, du nicht kannst, dass du nicht weißt, dass Sonne positiv ist, ein fliegender Vogel, ein Schmetterling.

Du FÜHLST es aufgrund deiner Erkrankung nicht, aber du WEIßT es!

Verharren im Elend ist der bequeme, vertraute Weg, der keine Anstrengung erfordert.
Entscheidest du dich täglich neu dafür, entscheidest du dich auch für die Konsequenzen daraus, dafür, dich weiter schlecht zu fühlen.


Die Alternative, für die du dich entscheiden könntest, wäre anstrengend. Harte Arbeit. Die dauert. Wodurch du dich nach einer Weile in kleinen Schritten immer besser fühlen könntest.
Dazu musst du bereit sein, wenn du ein schöneres Leben möchtest.
Auf dem Präsentierteller servieren kann und wird dir das niemand.

Du entscheidest. Jeden Tag, jede Stunde neu.
 
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