Depriman45
Mitglied
Du hast von "man" geschrieben? Wer ist denn hier konkret dieser "man"? Ein Freund? Ein Bekannter? Ein Verwandter? Ich weiß nicht, wie es ist, zwei oder drei Stunden ziellos rumzufahren - was für einen Sinn hat das?Wenn die Zeit da ist, würde man das auch machen. Wenn aber eine Nachricht kommt, hab zwei oder drei Stunden Zeit für eine Runde zu drehen, dann ist man fast nur unterwegs.
Das ist halt das Problem der Menschen in Beziehungen mit Kindern. Wenn die Frau am Arbeiten ist oder Rufbereitschaft hat kann er nicht weg. Dann ist ein Termin mit Schule, die Kinder wollen was oder die Frau hat was geplant. Da kam auch öfters der Satz, dass er mich manchmal beneidet. Einfach das tun was man will und wann man es will.
Wenn er dich beneidet, kann er sich ja auch in die soziale Isolation stürzen... Ich frage mich übrigens gerade, wie mein Bekannter das macht, der einige Jahre älter ist als ich und sich mit Freunden oder Kumpels (keine Ahnung, was die für ihn sind) umgibt, deren Vater er sein könnte. Er ist auch schwul, hat keinen Partner, macht aber einen zufriedenen, ausgeglichenen Eindruck.
Ok, danke.Ich bin nur ein paar Jahre hinter dir.
Gut, aber das alles ist doch nicht dein Wunsch-Zustand. Du willst ja nicht heiraten und dich danach scheiden, sondern eine schöne Beziehung mit jemandem haben, ihn in den Arm nehmen und von ihm genommen werden. Oder willst du mir erzählen, dass du das nicht brauchst, weil du deine Hobbys hast? Dann unterscheiden wir uns offenbar darin, denn mich zerfrisst die Einsamkeit die letzte Zeit gerade abends/nachts massiv. Letzte Nacht hatte ich wieder geheult und einen Monolog geführt - ich stellte mir dabei vor, in der Psychiatrie in einer Selbsthilfegruppe zu sein und äußerte dort meine Lage. Danach, als meine Tränen getrocknet waren, ging es mir dann besser. Weinen tut also wirklich gut.Ganz klar trifft das nicht auf alle zu. Aber schau dir doch einfach mal die Zahlen nüchtern an.
Wir haben in Deutschland eine Scheidungsrate von ca. 40%. Und bis zu Hochzeit muss eine Beziehung erstmal kommen. Also auch eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass es vorher schon in die Brüche geht.
Von den verbleibenden Verheirateten hast du dann die, die eigentlich nur wegen der Kinder noch zusammen sind. Hinzu kommen die, denen eine Scheidung einfach zu teuer ist oder den finanziellen Ruin bedeutet. Die Leute, die in einer Beziehung hängen, weil sie denken, dass eine beschissene Beziehung besser ist, als alleine zu sein.
Ich kam für mich, allein aufgrund der Zahlen, zu der Einsicht, dass es vollkommen irrational ist, auf etwas so fokussiert zu sein, was mit einer so hohen Wahrscheinlichkeit überhaupt nicht zu dem wird, was ich suche.
Und gerade wenn man verbissen auf der Suche ist, ist das Risiko hoch, dass man für eine Beziehung Kompromisse eingeht, die später die Beziehung belasten oder zum Scheitern bringen.
Und ja, ich gebe dir durchaus recht, dass Kompromisse nicht zielführend sind, wenn sie letztendlich später die Beziehung belasten oder zum Scheitern bringen.
Naja, so ganz würde ich das nicht verallgemeinern. Ein Single (nicht ich) kann ja durchaus glücklich oder zumindest zufrieden sein, wenn die sozialen Kontakte vorhanden sind. Wenn ein Wunsch nach einer Beziehung da ist, warum sollte dieser dann auch nicht erfüllt werden können? Du gehst hier ja davon aus, dass dies nicht möglich wäre, was aber doch ein Fehlschluss ist, denn bei diesem Beispiel hätte der Single ja die Wahl, eine Beziehung einzugehen - von dem Optimum ausgehend, keine Probleme psychischer Art zu haben, die dieses Vorhaben torpedieren würden oder könnten.Wie lebenswert ist ein Leben in einer Beziehung die toxisch ist? Oder in einer Beziehung in der man belogen oder betrogen wird. Die von heute auf morgen von der anderen Seite beendet wird? Oder nach 10 Jahren herauszufinden, dass die Kinder nicht von einem selbst sind.
Jeder hat die Angewohnheit, dass er dem hinterhertrauert, was er nicht hat. Der Familie die von staatlicher Unterstützung lebt einem finanziell sorgenfreiem Leben, der Single der Beziehung. usw.
Das ist vollkommen normal. Das Problem oder die Erkenntnis für mich war aber irgendwann, dass man sein Leben nicht von dem bestimmen lassen darf oder sein Leben ausschließlich darauf auszurichten, daran was zu ändern und dabei alles andere vergisst.
Ich würde mich mittlerweile als geselliger Einzelgänger bezeichnen. Es ist nicht so, dass ich mich nicht freue, wenn ich mal die Gelegenheit habe, mich stundenlang mit jemanden zu unterhalten oder wenn sich irgendwie mehr anbahnt.
Ich brauche es aber nicht mehr um glücklich und zufrieden zu sein und ich richte mein Leben nicht nach der Suche danach aus.
Und das ist auch der Grund, warum ich dieses Jahr so wenige gesehen habe. Ich bin jedes Jahr rund 5 Wochen auf Reisen. Habe diesmal für die Planung, Vorbereitung und Nachbereitung relativ viel Zeit gebraucht. Auf der Arbeit war viel los, dann schalte ich lieber auf dem Motorrad oder in der Natur etwas ab usw. Mir waren Dinge wichtiger und haben mir mehr Spaß gemacht, als irgendwo hinzugehen, wo die Chance auf Kommunikation bestehen würde.
Jemand, der arbeitet, kann sich dafür entscheiden, von Hartz IV zu leben, wenn er das möchte - kein Problem. Und dabei kann er durchaus finanziell noch besser gestellt sein.
"Geselliger Einzelgänger" - das hört sich gut und positiv an. Wobei mich schon irritiert, wie du gesellig sein kannst, wenn deine sozialen Kontakte gegen Null gehen und du dieses Jahr nur 4x eine Person gesehen hast. Deine Familie hast du hier bisher aus dem Spiel gelassen, nehme ich an...
Ich kann mir auch nicht vorstellen, infolge dieser Situation bei dir glücklich und zufrieden zu sein. Es wäre schön, wenn ich das auch sein könnte, aber das ist für mich ein Rätsel.
Du hast aber doch jemanden, mit dem du bei Bedarf über alles reden kannst, oder nicht? Falls nicht, würde mich das noch mehr verwundern.
Und dann bist du auch noch jedes Jahr fünf Wochen auf Reisen - also mit dem Motorrad. Dabei entstehen doch auch Kontakte, oder nicht?
Die Chancen, mit anderen ins Gespräch zu kommen, können aber doch nur kommen, wenn man das, was man macht, nicht im Verborgenen macht. Denn wie sollen sonst andere auf einen aufmerksam werden?Die Frage hatte ich mir auch Jahre gestellt. Und die Antwort ist ganz einfach, du tust es für dich und weil es dir gut tut oder Spaß macht.
Und dabei kommen auch Chancen, mit anderen in Gespräch zu kommen.
Die Sache ist ja die, dass man das Positive im eigenen Leben nicht sehen kann, weil es da nichts Positives gibt. Und wenn die Einsamkeit nun mal vorherrschend ist und das Leben bestimmt, kann man sich natürlich Luftschlösser bauen, prallt aber schnell mit der ganzen Härte in der Realität auf.Und das soll jetzt nicht automatisch bedeuten, dass das für dich der richtige Weg ist. Den muss jeder für sich selbst finden. Aber seinen Fokus auf der Einsamkeit zu lassen und den Blick für alles andere positive im eigenen Leben zu verlieren, dürfte für so ziemlich jeden der falsche Weg sein.