Sie sieht deine Karriere...obwohl Du aus nem -ich sag mal - "gewöhnlichem Elternhaus kommst...sorry...da wird man doch höchstens ne Abteilungsleiterin (nichts gegen diesen Beruf) -was anderes fällt mir grad nicht ein...aber eine Juristin "pfeif" das geht doch gar nicht! Ich will damit sagen, sie hat sich wahrscheinlich niee selber verwirklichen können... so wie Du!!!
Sie definiert sich eben über das, was ihr Mann, ihr Sohn und ihre Schwiegertochter beruflich erreicht haben. Und darüber, dass sie verheiratet ist und Nachkommen hat, wenn auch nur den einen Sohn, der seinerseits zwei Töchter (Zwillinge) hat. Ihr Sohn ist Wirtschaftsjurist mit Fachhochschulabschluss. Damit kommt man als Beamter zunächst mal nur in den gehobenen Verwaltungsdienst, hat aber, wenn man sich in besonderer Weise bewährt oder die richtigen Fürsprecher hat, im Laufe des Berufslebens die Möglichkeit des Aufstiegs in den höheren Dienst. Als Volljurist fängt man dagegen gleich im höheren Dienst an. Man hat auch nur als Volljurist die Befähigung zum Richteramt. Meine Cousine versuchte aber immer, es unterschwellig so darzustellen, als hätte ihr Sohn mehr erreicht als ich, und betonte immer, wie stolz sie auf ihn ist. Er ist bei dem großen öffentlichen Unternehmen, bei dem schon sein Vater tätig war, inzwischen Abteilungsleiter Immobilienmanagement und hat wahrscheinlich auch mehr Leute "unter sich" (einer von deren Lieblingsausdrücken
🙄) als ich. Allerdings kann man sein Unternehmen nicht ansatzweise mit meiner Behörde vergleichen (die völlig andere Aufgaben hat und demzufolge auch über eine ganz andere Organisationsstruktur und anders qualifiziertes Personal verfügt). Vor allem aber hat sein Papi ihn in dem Unternehmen untergebracht. Ich bin ohne jedwedes "Vitamin B" bei meiner Behörde untergekommen.
Die Schwiegertochter meiner Cousine ist Grundschullehrerin. Auch damit wird ordentlich geprotzt. Ist aber auch nur eine Laufbahn des gehobenen Dienstes mit entsprechender Besoldung. Ich brauche mich weder bildungs- noch besoldungsmäßig hinter einer Grundschullehrerin zu verstecken. Leute ihrer Besoldungsgruppe habe ich als Mitarbeiter. Im Übrigen hatte ich auch materiell und in sonstiger Hinsicht wesentlich schlechtere Startbedingungen als der Sohn meiner Cousine (10 Jahre jünger als ich). Möchte mal wissen, was er erreicht hätte, wenn er in meinem Elternhaus großgeworden wäre. Da war nix mit jungen, fitten Eltern, riesigem Zimmer mit PC-Ausstattung, Riesenpartys zum Geburtstag und Skiurlaub...
Vor allem: Was habe ich davon, was mein Mann, mein Sohn oder meine Schwiegertochter von Beruf sind? Deswegen bin
ich das doch noch lange nicht.
Übrigens habe ich bei denen nie groß etwas von meinem Beruf erzählt. Sie protzen und sticheln aber trotz meiner Tiefstapelei. Meine Mutter hat vor Jahren mal den Fehler gemacht, dieser Cousine zu erzählen, dass ich befördert worden war. Als Antwort kam nicht mal ein "Herzlichen Glückwunsch", es wurde nicht mit einer Silbe darauf eingegangen. Der nächste Satz (!) war vielmehr, dass ihre Schwiegertochter gerade auf Lebenszeit verbeamtet worden sei. Ich finde so ein Verhalten grob unhöflich. Als der Mann meiner Cousine in den 1980er Jahren seine Meisterprüfung mit Spitzennoten bestanden hatte, hängten sich meine Eltern, kaum dass sie davon erfahren hatten, beide ans Telefon und gratulierten. Aber man sieht ja: Deswegen reagieren die Verwandten im umgekehrten Fall noch lange nicht ebenso. Ich finde das ziemlich kleingeistig.
Auch die vielen Jahre Singlesein und keine Kinder haben, dass das für Dich auch schwer war zu verarbeiten, darauf kommt sie gar nicht.
Wahrscheinlich doch, denn sie stichelt ja gern in dieser Richtung. Sie versucht, mich an einer möglichst empfindlichen Stelle zu treffen. Aber damit zeigt sie ja nur ihre charakterlichen Defizite. Hätte sie keine Minderwertigkeitskomplexe, weil sie beruflich nicht allzu viel aus sich gemacht hat, hätte sie diese Bemerkungen auch gar nicht nötig. Auch über andere Akademikerinnen zieht sie gern her, und dass der Sohn ihrer Schwester inzwischen promovierter Oberarzt (Neurologe) an einer deutschen Universitätsklinik ist und seine Frau ebenfalls promovierte Ärztin (Internistin, Gemeinschaftspraxis mit ihrem Vater), passt ihr auch nicht. Insbesondere über die Ärztin wird auch gern abfällig gesprochen. Warum wohl?
😉
Nun es ist schön, wenn man einige Single-Freundinnen hat und sich gut versteht viel unternimmt usw.... Sowas würde ich mir auch wünschen...hat eben auch nicht sollen sein und ich hab mich echt bemüht darum.
Manchmal kann man sich noch so sehr bemühen, und es klappt trotzdem nicht. Es gehört immer auch eine gehörige Portion Glück dazu, ob andere das nun wahrhaben wollen oder auch nicht. Ich hatte auch eine Phase, in der ich Verschiedenes ausprobiert habe, um wenigstens ein paar Singlefreundinnen zu haben oder alte Schulfreundschaften wieder aufzuwärmen. Letztlich ist aber alles im Sande verlaufen. Eine Zeitschrift hatte mal eine Aktion gestartet, um Brieffreundschaften zwischen Frauen zu finden. Nach einem einzigen Briefwechsel wurde einfach nicht mehr geantwortet. Das habe ich zweimal erlebt und die Versuche dann auch eingestellt. Schulfreundinnen melden sich vielleicht ein- oder zweimal im Jahr per WhatsApp oder telefonisch oder treffen sich einmal jährlich "heimlich" mit einem, tun dann beim nächsten Abijubiläumstreffen vor den anderen so, als ob man kaum etwas miteinander zu tun hätte, lassen einen mehr oder weniger links liegen und unterhalten sich vorzugsweise mit "vielversprechenderen" ehemaligen Mitschülern (aus besonders angesehenem, wohlhabendem, gebildetem Elternhaus, mit besonderer Karriere etc.). Nein, das brauche ich nicht mehr. Erzwingen kann man nichts, weder in der Liebe noch in der Freundschaft. Wenn etwas nicht sein soll, dann ist es so. Und dann findet man sich besser damit ab und versucht, sein Leben allein zu gestalten und sich mit etwas oberflächlichem Smalltalk zu Bekannten, Nachbarn und Arbeitskollegen zufrieden zu geben.