Ja das kann man nicht vergleichen. Im Christentum gibt es in jeder Familie Atheisten und Gläubige.
Ich finde es wirklich mutig, dass du dich getraut hast, offen dazu zu stehen. Bestimmt hast du einiges an Beleidigungen dafür durch.
Ich habe mich als Jugendliche auch vom Glauben komplett abgewandt. Von diesem bösen strafenden Gott, vor dem ich schon seit meiner Kindheit Angst hatte, wollte ich mich nur noch befreien.
Viele Jahre später habe ich zum Glauben zurückgefunden, für mich ganz alleine, auch ohne Bibel (die ich eh nie ganz gelesen habe) und ohne Kirche.
Der Glaube ist für mich jetzt tägliche Selbstreflexion, eine Art Selbstgespräch mit dem Gefühl, gehört zu werden. Meine lieben Toten sind immer bei mir, ich bedanke mich abends für den Tag oder bitte den lieben Gott, dass es wieder besser wird.
Als Atheist könnte man sagen, ich lasse meinen Tag Revue passieren und plane den nächsten Tag. Nur dass ich das Gefühl dabei habe, nicht alleine zu sein sondern behütet von Gott und meinen Lieben da oben.
An vielen Kleinigkeiten spüre ich, dass ich richtig liege. Und falls doch nicht, hat mir mein wiedergefundener Glaube mein Leben unheimlich erleichtert und für mich wertvoller gemacht.
Es ist auch nicht auszuschliessen, dass du mal wieder glaubst Großstadtlegende. Vielleicht auch nur an einen Gott dann, der für Christen und Muslime gleich ist, weil es ein Gott für alle Menschen ist.
Ohne Koran oder Bibel.
Diese Trennung in verschiedene Religionen ist ja menschgemacht.
Danke
🙂
Mutig bezgl. Abkehr bin ich nur im Internet. In der Realität würde man mich stalken und bedrohen. Das traue ich mir dann doch nicht zu. Weil ich merke, dass andere Gläubige schon bei Kleinigkeiten relativ angespannt reagieren.
Ich hab in einem anonymen Forum mal das Thema Homosexualität eröffnet, und dass ich damit Probleme bezgl. der Religion hätte. Dann haben sich ein paar gemeldet und meinten, dass ich doch einfach alleine für mich leben soll, ohne Frau und natürlich ohne Mann, weil das ginge ja auch nicht. Und dass ich beten solle.
Dann habe ich zurückgeschrieben: sag doch mal einem Drogensüchtigen, dass er beten soll. Vielleicht macht ihn Gott ja wieder clean.
In diversen arabischen Foren merke ich auch, wie manche nicht sehr religiös eingestellt sind, aber gläubig? Selbstverständlich, Gott behüte. Dann kommen schnell mal liebe Worte wie "Hallo und guten Morgen, du Nicht-Neutraler
🙂"
Man merkt, es bringt einfach nichts. Dann kommen die üblichen Missionierungsversuche, das pseudo-vertrauliche "Ich verstehe dich, aber..." bla bla... am Ende ist es immer der Gott, der dich von allem befreien soll, obwohl ich WEGEN ihm in dieser Situation bin.
Irgendwann dachte ich mir: nein, ich habe kein Bock mehr irgendwas zu befolgen. Der Islam muss sich MIR anpassen, nicht andersrum.
Ich habe mir eines Abends gedacht: für was bete ich? Was genau will ich von Gott? Geld? Nee, ist nicht mein Ding. Glück? Ist das Leben nicht eh schon vorbestimmt? Maktub und so?
Ob ich wieder zum Islam zurückfinde? Ich denke nicht. Ich war eh nie so wahnsinnig gläubig und habe immer dran vorbei gelebt. Ich habe auch kein Bock auf dieses Ich-muss-ein-leidvolles-Leben-führe-um-gut-zu-sein Ding...
Ich genieße mein Leben lieber jetzt und kann dann immer noch in die Hölle.