L
Lenja
Gast
@Bonus-Level
Vielleicht kann ich etwas zu deiner besseren Verständnis von Igor beitragen, indem ich versuche meine eigene Einstellung zum Kontakt mit meiner ehemaligen Heimat darzustellen..?
Von Anfang an meiner Migration merkte ich, dass jeder Besuch in Polen, trotz der dabei empfundenen Freude, doch im Nachhinein meine innere Zerissenheit noch vertieft und meine Wunden erneut aufreißt. Und im Laufe der Zeit erkannte ich auch, dass das dort empfundene und ersehnte Gefühl der Vertautheit leider schwindet, denn Polen in einem schnellen Verändrungsprozess sich befand... Irgendwann kam ich zu dem Punkt, dass ich mich niergendwo heimisch fühen konnte: in Deutschland immer noch nicht und in Polen - nicht mehr. Es war schlimm für mich. Und ich fürchtete immer mehr die Besuche in Polen - diesen wiederholten Schmerz des entgültigen Verlustes, den sie jedes mal auslösten. Vor allem bei der Rückkehr.
Dann verstand ich, das meine eigentliche Heimat das ist, was ich in mir verinnerlicht und bewahrt hatte - dieses "meine Polen" von damals mit all dem was ich dort erlebt hatte und was mich prägte und formte. Ich trage sie in mir, und sie ist auch deshalb immer bei mir. Und der Ort, wo ich lebe und meine Familie gegründet hatte - Deutschland, ist mein Zuhause, oder die zweite, reale Heimat, die mir mittlerweile immer vertrauter wird. Dieses Gefühl der Vertrautheit ist so kostbar! Ich will es behalten, nähren und beschützen.
Ich glaube, wenn wir die Entscheidung getroffen haben, uns von einem Ort oder einem Menschen entgültig zu trennen und dabei einen Verlustschmerz erleiden, werden die erneuten Kontakte zu ihm diesen Ablösungsprozess nur erschweren und den Schmerz der Trennung immer wieder neu aufflammen lassen. Erst, wenn die Ablösung vollendet ist, glaub ich, wird es vielleicht wieder möglich, doch dann auf einer anderen Beziehungsebene. Ob ich das jemals gegnüber Polen erreiche - weiß ich nicht. Zur Zeit bin ich noch nicht soweit.
Liebe Grüße an dich Bonus-Level, und auch an dich Igor! 🙂 🙂
Lena
Vielleicht kann ich etwas zu deiner besseren Verständnis von Igor beitragen, indem ich versuche meine eigene Einstellung zum Kontakt mit meiner ehemaligen Heimat darzustellen..?
Von Anfang an meiner Migration merkte ich, dass jeder Besuch in Polen, trotz der dabei empfundenen Freude, doch im Nachhinein meine innere Zerissenheit noch vertieft und meine Wunden erneut aufreißt. Und im Laufe der Zeit erkannte ich auch, dass das dort empfundene und ersehnte Gefühl der Vertautheit leider schwindet, denn Polen in einem schnellen Verändrungsprozess sich befand... Irgendwann kam ich zu dem Punkt, dass ich mich niergendwo heimisch fühen konnte: in Deutschland immer noch nicht und in Polen - nicht mehr. Es war schlimm für mich. Und ich fürchtete immer mehr die Besuche in Polen - diesen wiederholten Schmerz des entgültigen Verlustes, den sie jedes mal auslösten. Vor allem bei der Rückkehr.
Dann verstand ich, das meine eigentliche Heimat das ist, was ich in mir verinnerlicht und bewahrt hatte - dieses "meine Polen" von damals mit all dem was ich dort erlebt hatte und was mich prägte und formte. Ich trage sie in mir, und sie ist auch deshalb immer bei mir. Und der Ort, wo ich lebe und meine Familie gegründet hatte - Deutschland, ist mein Zuhause, oder die zweite, reale Heimat, die mir mittlerweile immer vertrauter wird. Dieses Gefühl der Vertrautheit ist so kostbar! Ich will es behalten, nähren und beschützen.
Ich glaube, wenn wir die Entscheidung getroffen haben, uns von einem Ort oder einem Menschen entgültig zu trennen und dabei einen Verlustschmerz erleiden, werden die erneuten Kontakte zu ihm diesen Ablösungsprozess nur erschweren und den Schmerz der Trennung immer wieder neu aufflammen lassen. Erst, wenn die Ablösung vollendet ist, glaub ich, wird es vielleicht wieder möglich, doch dann auf einer anderen Beziehungsebene. Ob ich das jemals gegnüber Polen erreiche - weiß ich nicht. Zur Zeit bin ich noch nicht soweit.
Liebe Grüße an dich Bonus-Level, und auch an dich Igor! 🙂 🙂
Lena
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