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Wieso ist Suizid bei vielen Menschen kompromisslos verpönt?

Chaosstudent

Mitglied
Hallo Leute,

bitte lasst euch vom etwas provokanten Titel nicht abschrecken. Es geht nur um ein Thema um das ich schon lange nachdenke. Oft, wenn man mit Menschen über das Thema Selbstmord debattiert kommen bestimmte Gegenargumente:

-Man hat es doch hier viel schöner als in ärmeren Regionen oder Kriegsgebieten dieser Welt.
-Jemand der seinen eigenen Überlebenstrieb ausschalten will, muss psychisch krank sein und kann daher nicht als zurechnungsfähig betrachtet werden
-Suizid ist egoistisch, da es Mitmenschen gibt, die darunter leiden.
-Es gibt immer etwas wofür es sich zu leben lohnt oder der Selbstmörder könne nicht abschätzen, wie sich sein Leben noch entwickeln wird.

Einerseits kann man diesen Argumenten zustimmen, andererseits glaube ich, dass wir oft gerne Dinge pathologisieren, die eine Sicht auf die Welt eröffnen, die uns nicht nachvollziehbar erscheint. Als Beispiel nehme ich eine beliebige Person und ich kann natürlich dabei nicht wissen, ob es wirklich so laufen wird im zukünftigen Leben dieser Person, wie ich denke. Aber diese Person ist ein Mensch, der sich bestimmte Ziele im Leben gesetzt hat und auch eine Schwelle dafür. Hat er in diesen Dingen versagt bis er um die 40 oder Mitte 40 ist, weil ihm bestimmte angeborene Eigenschaften fehlten um diese Ziele zu erreichen, wird er sein Leben als gescheitert betrachten und auch alles wofür es sich zu leben lohnte. Warum sollte es, aber dann in dieser Lage Menschen geben, die ihn davon abhalten wollen daraus eine radikale Konsequenz zu ziehen? Warum sollte es nicht legitim sein eine bestimmte Deadline im Leben zu stellen bei deren Überschreitung alle Kompromisse aufgehoben sind? Eine Psychologin meinte zu mir, dass es Menschen gibt, die hohe Ansprüche an sich stellen, denen man, aber nur dabei helfen kann zu akzeptieren, dass sie diesen nicht gerecht werden. Was, aber, wenn eine Person das nicht kann oder will? Warum ist es dann nicht legitim, die radikalste aller Konsequenzen für sich selbst zu ziehen?

Ist diese Einstellung nicht legitim oder pathologisch?
 

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PsychoSeele

Urgestein
Für mich ist es legitim. Ich habe bereits mehrere Suizidversuche unternommen und ja, ich bin psychisch krank.
Trotzdem sollte jeder entscheiden (dürfen) ob und wann er sein Leben beenden möchte.

In der Gesellschaft wird Suizidalität als krankhaft angesehen, da oft psychische Erkrankungen ein höheres Suizidrisiko aufweisen.
Zudem ist die Sicht auf die Welt eine andere, wie zb bei Depressionen.
Das wird dann therapiert, da davon ausgegangen wird, das derjenige der sterben möchte, die Erkrankung ihm das sagt. Weiß nicht wie ich das besser erklären kann.

Gezielte Bilanzsuizide, d.h. jemand bringt sich um weil er Bilanz zieht, zb weil er im Leben “gescheitert“ ist, und psychisch gesund ist, sind sehr selten.

Liebe Grüße
PsychoSeele
 
Zuletzt bearbeitet:

Uri

Namhaftes Mitglied
Hallo,
bei vielen Menschen "kompromisslos verpönt" sehe ich nicht.

Deine Argumente sind nachvollziehbar.

Es gibt auch die Debatten, um die Sterbehilfe.
In anderen Ländern ist dies erlaubt.

Hier in Deutschland ist man wegen der Nazivergangenheit sehr vorsichtig.
Man will vermeiden, Leben in eine "unwerte" Richtung zu schieben.
Als Helfer oder Befürworter eines Suizids, würde man Gefahr laufen dieses bestimmte Leben als unwert anzusehen.

Die Frage des Suizids, wirft für die Gesellschaft tiefgreifende Fragen auf.....
 

Weltkind

Aktives Mitglied
Warum sollte es nicht legitim sein eine bestimmte Deadline im Leben zu stellen bei deren Überschreitung alle Kompromisse aufgehoben sind?
Ist diese Einstellung nicht legitim oder pathologisch?
Wenn man diese Einstellung vertritt, sollte es einem dann nicht egal sein, wie die Gesellschaft das bewertet?

Dass Mitmenschen leiden könnten aufgrund des Suizids wird ja dann auch ausgeblendet. Weshalb also nicht die Bewertung?

Wer sich selbst töten will, kann das tun. Letztlich wird ihn niemand davon abhalten können.

Ich stehe dem ziemlich neutral gegenüber, ein Psychologe macht seinen Job, ein Christ entscheidet anhand seines Glaubens usw.

Welche Rolle sollte das spielen, was all diese Menschen denken?
 

Chaosstudent

Mitglied
Für mich ist es legitim. Ich habe bereits mehrere Suizidversuche unternommen und ja, ich bin psychisch krank.
Trotzdem sollte jeder entscheiden (dürfen) ob und wann er sein Leben beenden möchte.

In der Gesellschaft wird Suizidalität als krankhaft angesehen, da oft psychische Erkrankungen ein höheres Suizidrisiko aufweisen.
Zudem ist die Sicht auf die Welt eine andere, wie zb bei Depressionen.
Das wird dann therapiert, da davon ausgegangen wird, das derjenige sterben möchte, da die Erkrankung ihm das sagt. Weiß nicht wie ich das besser erklären kann.

Gezielte Bilanzsuizide, d.h. jemand bringt sich um weil er Bilanz zieht, zb weil er im Leben “gescheitert“ ist, und psychisch gesund ist, sind sehr selten.

Liebe Grüße
PsychoSeele
Wenn man diese Einstellung vertritt, sollte es einem dann nicht egal sein, wie die Gesellschaft das bewertet?

Dass Mitmenschen leiden könnten aufgrund des Suizids wird ja dann auch ausgeblendet. Weshalb also nicht die Bewertung?

Wer sich selbst töten will, kann das tun. Letztlich wird ihn niemand davon abhalten können.

Ich stehe dem ziemlich neutral gegenüber, ein Psychologe macht seinen Job, ein Christ entscheidet anhand seines Glaubens usw.

Welche Rolle sollte das spielen, was all diese Menschen denken?
Naja mir geht es darum, dass Leute Menschen einreden am Leben festzuhalten selbst, dann, wenn der betreffenden Person dieses Leben sinnlos oder wertlos erscheint. Oft auch jene Leute, die selber darwinistisch argumentieren, aber, dann nicht bereit sind aus ihren eigenen Argumenten eine heftige Konsequenz zu ziehen. Und ich beziehe mich hier nicht auf Euthanasie oder dergleichen (was ich zutiefst ablehne), sondern auf Menschen, die absolut zurechnungsfähig sind und einfach eine negative Lebensbilanz für sich selbst ziehen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Sil the evil Bitch

Namhaftes Mitglied
Nun dein Argumention für Suizid kann man als pathologisch bezeichnen.

Suizid widerspricht den natürlichen Überlebenstrieb. Desweiteren richtet Suizid immer einen gewaltigen Schaden an das Umfeld an, denn die müssen mit dem Verlust des Menschen klarkommen, während der, der Suizid begangen hat, sich bequem verabschiedet hat. Gerade bei harten Methoden wie vorm Zug schmeißen werden auch wildfremde Menschen traumatisiert. Oder glaubt irgendwer, dass es für den Zugfahrer und den Passagiere schön ist, dass Leichenteile vom Fahrzeug und Gleise gekratzt werden?
 

Schroti

Namhaftes Mitglied
"Verpönt" wird Selbsttötung nicht gerade, finde ich.
Ist halt immer schade, wenn jemand ein Geschenk ungenutzt wegschmeißt oder sich seiner Verantwortung entzieht.
 

Berdine

Aktives Mitglied
Kompromisslos verpönt sehe ich nicht. Ich verstehe aus eigener Erfahrung mit Menschen aus meinem Bekanntenkreis, dass es manchmal nicht weitergeht, sei es durch körperliche Erkrankungen mit erheblichen akuten Schmerzen oder psychischen Problemen, wo Suizid die einzige Lösung erscheint.

Sein Leben beenden, weil man seine Ziele nicht erreicht hat, wie du das beschreibst, sehe ich nicht als legitimen Grund. Aber jeder hat noch für sich zu entscheiden, wie er sein Leben gestaltet.
 

roman12

Namhaftes Mitglied
Die wenigsten Menschen, die irgendwann mal Suizidgedanken gehabt haben, werden in der Rückschau sagen "Hätte ich den Suizid mal durchgezogen.".
 

Weltkind

Aktives Mitglied
Naja mir geht es darum, dass Leute Menschen einreden am Leben festzuhalten selbst, dann, wenn der betreffenden Person dieses Leben sinnlos oder wertlos erscheint
Nun, es muss irgendeinen Grund geben, weshalb es möglich ist, da jemandem etwas einzureden; dies ist ja beiweitem nicht bei allen so.

Und dann war es vermutlich gut, dass da jemand versuchte, diesen Menschen zu erreichen und es dann auch schaffte.
 

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