Das ist auch wirklich kein großes Wunder, wenn ich mir vorstelle, dass das seit Jahrzehnten immer wieder thematisiert und therapiert wird.
Wenn ich mir vorstelle, ich müsste seit xx Jahren bei so ziemlich jedem Essen und jedem Menschen rechtfertigen, dass ich keine Zwiebeln esse, ich würde permanent aufgefordert, die eine oder andere Sorte doch zu probieren, die roten würden ganz anders schmecken als die schwarzen und ich müsste das therapeutisch bearbeiten - mich würde das Thema nach einer gewissen Zeit einfach aggressiv machen.
Und auch meine Eltern haben mir jahrelang Krankheit und frühen Tod prophezeit, weil ich keine Zwiebeln esse, wo die doch soooo gesund sind (ich war ein mäkliges Kind, um den Terminus nochmal aufzugreifen).
Wenn ich mir vorstelle, ich hätte so ein Thema mit 95 Prozent aller Nahrungsmittel, sowas macht man nicht freiwillig mit, da ist irgendwann einfach alles dazu gesagt.
Vielleicht kann man mit dem Freund auch drüber reden, sobald klar definiert ist, dass bestimmte erzieherische Phrasen wie "Probier' doch mal" nicht Teil des Gesprächs sind.
Mit der Tochter meiner Freundin komme ich super zurecht, indem ich einfach frage, ob es irgendwas gibt, was ich ihr anbieten kann und ihr Essverhalten einfach unkommentiert als gegeben hinnehme. Allerdings kommt die Situation auch nur sehr selten vor.