Das heißt, vorher hat er Erdbeeren nicht gemocht.
Wie kams dazu, daß er sie plötzlich doch "leiden" mag?
Dann würde ich mal für jedes Zimmer einen Eimer kaufen, damit er reihern kann.
Eine gewisse Rücksichtnahme ist ok und nachvollziehbar, aber was er verlangt, grenzt schon an toxische Gängelei.
Hört sich nach Neurose an, dieses Ausmaß, und nicht nach Eßstörung per se. Ist er es gewohnt, daß alle sich nach ihm richten und um ihn herumtanzen?
Das sind die kleine Fortschritte die er macht. Er hat für sich selber die Vorgabe, dass er drei neue Lebensmittel pro Woche probieren muss. Das hört sich für Außenstehende total banal an, aber für ihn ist das eine große Sache.
Das Problem bei den Erdbeeren war immer die Textur und die Farbe. Jetzt konnte er sich vor kurzem überwinden und hat festgestellt, dass er sie mag. Vorher hatte er noch nie welche probiert.
Das ist eine recht neue "Krankheit", die aus den Staaten nun auch zu uns schwappt.
Wetten, dass im Laufe eines Jahres auch hier lauter mäklige Esser herumlungern, so dass man nicht nur auf Vegane, Allergische, Trennkostler, No-Carber Rücksicht nehmen muss, sondern bitte auch aufhören möge, vor den Augen anderer zu schmausen oder Lebensmittel vorzuzeigen, weil das SO krankheitserregend ist.
Mein Rat: Mal zwei Wochen Nulldiät, dann klappt das mit dem Essen auch wieder.
Das ist in etwa das gleiche Prinzip, als würde man zu depressiven sagen, dass sie doch einfach mal bisschen mehr lächeln sollen.
Nulldiät würde er dann machen und es würde nichts ändern. Er hat kein Interesse an Essen. Das ist alles schon vorgekommen in seiner Kindheit. Am Ende Krankenhaus und Zwangsernährung über eine Sonde.
ARFID ist eine ernste Krankheit und kann auch gefährlich werden.
Also tut er ja eben nicht alles, um mit dieser Störung besser leben zu können?
Ich finde, es gibt Störungen, die ein Zusammenleben leider unmöglich machen. Diese zählt für mich dazu. Was jemand anders isst und was nicht, ist mir völlig egal. Das muss aber auch umgekehrt so sein und wenn jemand nicht aushält, wenn ich Chili con Carne koche oder Choco Crossies im Haus habe, dann könnten wir halt nicht zusammenleben.
Auch kann ich mir irgendwie nicht so ganz vorstellen, dass das die einzige Störung ist. Jemand mit einer dermaßen großen psychischen Auffälligkeit hat ja meist auch noch was anders, Stichwort Komorbiditäten.
Er war lange in Therapie, aber gilt als „austherapiert“. Er hat viel über seine Erkrankung gelernt. Er kennt die Ursache dafür. Es wurde alles über Jahre hinweg besprochen. Er musste in der Therapie auch Lebensmittel probieren usw.
Psychische Erkrankungen sind manchmal einfach nicht heilbar, ganz egal wie lange die Therapie geht.
Er ist soweit, dass man ihn ohne Therapie lassen kann. Er kennt den Ernst der Lage und arbeitet auch ohne therapeutische Unterstützung eigenständig daran. Es ist ein langer Weg.
Da wäre ich mir gar nicht so sicher. Seine Lebensmittelbandbreite ist ja nun mehr als eng. Mich wundert, daß er noch keine körperlichen Schwierigkeiten hat...oder substituiert er, TE?
Dann sind da auch die Erdbeeren...
Er muss Nahrungsergänzungsmittel nehmen, weil das anders gar nicht geht.