Die schwerste Übung ist folgende .... Wir binden 6 leere Cola-Dosen an eine ca. 2 Meter lange Schnur. Diese Dosen zieht man dann, während man durch eine Einkaufsstraße mit vielen Menschen geht, hinter sich her. Ab und an dreht man sich zu den Dosen um und ruft "Pfiffi komm her".
Es ist klar, dass die Menschen, die soetwas sehen, denken, dass man nicht mehr alle Tassen im Schrank hat aber genau darum geht es ja. 🙂 Das Unterbewußtsein muss lernen, dass nichts lebensbedrohliches passiert obwohl andere schlecht über einen denken.
Je krasser solche Übungen sind und je öfter man sie macht, um so schneller verschwindet die soziale Phobie.
Andere Möglichkeiten um soziale Ängste zu überwinden, gibt es nicht.
Ich hab das mal mit einer Banane gemacht
😉 Es war sehr lustig, weil man seinen "Fifi" irgendwann als völlig normal empfindet und gar nicht verstehen kann, wieso die Leute so blöd schauen. Gleichzeitig helfen mir solche Übungen nicht so sehr, weil es ja logisch ist, dass die Leute ihre Aufmerksamkeit auf die Banane richten. Das ist, als würde man verkleidet rausgehen. Es ist viel leichter, für sowas Offensichtliches Blicke einzustecken, die man nicht auf sich persönlich beziehen muss. Was auch interessant war, war, dass die meisten Leute gar nicht gelacht haben, sondern eher verunsichert/verstört reagiert haben, als würde man gleich eine Kalaschnikow aus dem Mantel ziehen und wild um sich ballern.
Ich finde, eins hast du bei deinen Ausführungen vergessen - es stimmt, dass es übt, sich immer wieder unter Menschen zu begeben und seine eigene Bequemlichkeit zu überwinden. Andererseits hat man auf viele Sachen auch einfach gar keine Lust. Als ich Sozialphobie hatte, habe ich Panikattacken bekommen, mit Zittern, Atemnot und allem drum und dran. Heute habe ich das nicht mehr, allerdings verspüre ich immer noch Unlust, wenn ich unter Menschen gehen muss. Ich würde mich niemals alleine in eine Bar setzen, aber nicht, weil ich Angst davor hätte - wenn es mir wichtig wäre, würde ich es tun. Es macht mir ganz einfach keinen Spaß.
Ich gehe alleine ins Kino, wenn ich den Film sehen will, vielleicht empfinde ich vorher leichte Unlust, aber Panikattacken habe ich nicht. Ist das jetzt Sozialphobie? Ich empfinde es nicht als etwas, was ich zwingend ablegen muss. Genauso muss ich in Gruppen nicht mehr den Alleinunterhalter spielen. Bin ich nicht, will ich nicht. Bin ich jetzt schüchtern oder habe Sozialphobie oder hab ich nur einfach grade keine Lust? Ich finde es wichtig, das abzugrenzen, bevor man dauernd denkt, man wäre nicht normal. Ich kenn es wohl, dass ich mal tagelang keinen Kontakt zu Leuten habe und dann vergesse, wie sich meine Stimme eigentlich anhört und erstmal nur rumkrächze, wenn ich an der Bäckertheke reden muss. Das heißt aber nicht, dass ich mich nicht hintrauen würde, dass ich irgendwas aus Verlegenheit kaufen würde oder nur ansatzweise nervös wäre vor einem Bäckerbesuch.
Davon abgesehen kann es auch passieren, dass man im klassischen Verlauf einer SP irgendwann anfängt, sich darüber zu ärgern, sich so einzuschränken, und einsieht, dass die anderen Leute es gar nicht wert sind, sich davon aufhalten zu lassen. Das zumindest hat mich dazu getrieben, wieder Referate zu halten und einen Großteil meiner Ängste abzubauen. Klar, auch die Konfrontation, in Alltagssituationen, aber sehr viel die Erkenntnis, dass ich mich nicht zu verstecken brauche, dass andere nicht schlauer oder besser sind, und dass ich was kann. Ich kann Referate halten, ich kann flüssig sprechen, sehr gut sogar, und auch wenn ich vorher leicht nervös bin, kann ich das durchziehen. Irgendwie hat sich da mit der Zeit bei mir eine eher kämpferische Haltung entwickelt und dazu beigetragen, dass ich mittlerweile echt aus dem Gröbsten raus bin, auch ohne dauernd eine Banane hinter mir herzuziehen
😉
Gute Freunde sind dabei aber sehr hilfreich gewesen.