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Wie haltet ihr euch in den schweren Momenten vom Suizid ab?

Es ist für alle ein Neuanfang.
Das ist doch vielleicht eine gute Chance, neue Leute kennenzulernen und vielleicht Aussicht auf neue Freundschaften. Mit einigen Dingen könnte es schwierig werden, aber die Tatsache, dass Ihr alle Kenntnis davon habt, dass jeder in welcher Hinsicht auch immer beeinträchtig ist, ist eine gute Grundlage für Gemeinsamkeiten.
Ja. Mit meiner Familien verstehe ich mich recht gut.
Das liest sich richtig gut Ottem, da hast Du einen Vorteil gegenüber vielen anderen. Ganz so schlecht läuft Dein Leben gar nicht, Du hast Sehnsüchte, die ich nachvollziehen kann, aber es läuft einiges ganz gut, die neue Ausbildung, Familie, Wohnung, Auto.
Mit Deiner Großmutter, das verstehe ich, dass das ganz schön Energie kostet, gern sehen wir das alle nicht, aber ich finde es sehr schön, dass Ihr Euch auf den Weg gemacht habt. Ihr wird dein Großvater fehlen, 60 Jahre, wer erreicht das schon.
Kannst Du mit Deiner Familie, besonders mit Deiner Schwester über die Dinge reden, die Dich bewegen ?
 
Kannst Du mit Deiner Familie, besonders mit Deiner Schwester über die Dinge reden, die Dich bewegen ?
Mein große Schwester weiß über mich am meisten Bescheid, da sie meine Nachbarin ist. Aber selbst ihr erzähle ich recht wenig. Das hat den Grund, dass ich auf die Gespräche und "Was ist denn los?" oder "Ich mache mir Sorgen um dich!" Fragen, nicht im geringsten Lust habe.
 
Das hat den Grund, dass ich auf die Gespräche und "Was ist denn los?" oder "Ich mache mir Sorgen um dich!" Fragen, nicht im geringsten Lust habe.
Das kann ich gut verstehen. Da sie sehr nah an dem Geschehenen dran ist, egal ob Kindheit, Familie o.Ä. glaubt sie evtl. , dass sie Dir Ratschläge geben kann. Manchmal möchte man es aber nicht hören und so schweigt man lieber. Ist das so gewollt, dass Ihr zwei Nachbarn seid? Ich liebe meine Familie, egal ob Geschwister oder Kinder, aber ich hätte z.B. ein Problem damit, dass sie so dicht bei mir wohnen, ich selbst würde mich in meiner Freiheit eingeschränkt fühlen, weil ich nicht gefragt werden möchte, warum ich was wann mache, aber für manch ein anderen ist es kein Problem. Die Sorge, die sie sich macht, ist sicherlich grundehrlich von ihr, aber oft ist das, was von dem Anderen gut gemeint ist, nicht hilfreich. Ist manchmal deine Schwester der Grund, warum du nicht so viel raus gehst, weil du ihr es nicht erklären möchtest?

Was hast Du heute gemacht? Wie war die emotionale Verfassung am Wochenende?

Morgen beginnt deine neue Ausbildung. Ich wünsche Dir dazu ganz viel Glück und einen guten Start.
 
Ist das so gewollt, dass Ihr zwei Nachbarn seid?
Ich wollte aus meiner Heimatstadt raus. Zu viele Gesichter, dich ich nicht mehr sehen wollte und 24m² wurden mir zu klein. Schlimme Nachbarn machten das Arbeiten in Schichten auch sehr nervenaufreibend. Zufälliger weiße wurde in diesem Zeitraum die Wohnung neben ihnen frei und ich hab mit ihrer Hilfe die Wohnung bekommen.
Ist manchmal deine Schwester der Grund, warum du nicht so viel raus gehst, weil du ihr es nicht erklären möchtest?
Nein überhaupt nicht. Wenn ich meine Ruhe brauch und will, mache ich meine Außenjalousie ganz runter. Wenn sie das sieht, weiß sie bescheid das ich nichts hören und sehen will. Wir sehen uns auch nicht jeden Tag. Wenn ich die Terrasse raus gehe und sie sitzt draußen, sagen wir uns manchmal auch nur guten Tag und das war es dann auch.
Was hast Du heute gemacht? Wie war die emotionale Verfassung am Wochenende?
Heute ist eigentlich nichts passiert. Meine Stimmung ist seit einer Stunde wieder im Keller.
Angefangen hat es damit das ich mit meinem Laserpointer meine Katzen unterhalten wollte. Ich habe meinen Computer ausgemacht und habe mir den Laserpointer in die Hand genommen. Wären ich so in der kompletten Dunkelheit den roten Punkt durch meine Wohnung gleiten lasse und die Katzen, deren Silhouetten ich nur durch das halbschwache, weiße Licht der Uhr meines Herd's ausmachen konnte, dem Punkt hinterher sprangen, pumpten die Tränendrüsen. Als ich hier in der kompletten Dunkelheit im meinem Computerstuhl sitze, mit meinem Laserpointer in meiner Hand, merkte ich wie allein ich doch bin, gepaart mit dem Anblick meiner Katzen und ihrem einfachen Seins. In dem Moment bestand ihr Sein einfach nur dem Roter Punkt hinterher zueilen. Mehr braucht es nicht.
Ich bin dann ins Bett. Wo ich über mein scheitern nachdachte und Personen die ich getroffen habe. Bei einer Person und ihr mittelalterliches Denken, fragte ich mich dann: "Ist das Mittelalter eigentlich in 10000 Jahren noch das Mittelalter? 10000 Jahre. Gibt es uns da überhaupt noch? Oder 5 MIlliarden Jahre? Wenn dann die Sonne ihren Hut zieht?" Dann fiel mir auf, das alles was wir tun, am Ende irgendwann nichtig ist. Wo ist den unsere Platz in dem Haufen an Himmellichtern? Wir sind doch alle eh dem Tode geweiht. Wozu eigentlich den ganzen scheiß Stress machen? Welchen Unterschied macht es, wenn ich heute, morgen oder in 50 Jahren gehe? Warum den Hampelmann für das "große Ganze" machen? Die sogenannte "Gesellschaft"? Das ist natürlich sehr Egoistisch gedacht. Ich habe es aber satt. Momentan lebe ich für nur für andere. Bei mir zieht es das Argument "Denk doch mal an deine Familie und Freunde. Was die durchmachen würden, wenn du nicht mehr wärst". Ja Toll. Ich leide, damit sich andere gut fühlen. Schönen Dank auch. Versteh mich nicht falsch. Ich will nicht sagen, dass das eine dumme Aussage per se ist. Ich freu mich für die, die daraus Kraft ziehen können. Aber es gibt auch welche, die sind zu erschöpft, damit sie daraus noch Kraft ziehen können. Wenn sie den entgegengestreckten Arm nicht mehr erreichen können, weil sie selbst die kraft nicht mehr haben den Arm zu heben. Verstehst du was ich meine?
Naja, aber irgendwie, beneide meine Katzen. Mit ihrem von Natur aus beschränkten Horizont. Die leben gefühlt nur immer die nächsten 3 Metern. Alles andere ist egal.
Kann mich auch täuschen. Ganz normal im Kopf bin ich ja auch nicht.
Morgen beginnt deine neue Ausbildung. Ich wünsche Dir dazu ganz viel Glück und einen guten Start.
Verbindlichsten Dank.

PS: Ich wollte dir eine PN schicken, aber irgendwie geht das nicht.
 
In deinem letzten Tread sind viele philosophische Ansätze und ich finde es eindrucksvoll, dass Du Dir z.b. Gedanken über das machst, was Mittelalter heißt usw. Das ist bemerkenswert und finde ich positiver als gedankenlos und oberflächlich durch die Welt zu gehen. Diese Tiefe, in die du dann steigst, ist die verstärkt da, wenn es Dir nicht so gut geht? Schreibe auf, was Dir einfällt. Sicherlich hat das keinen positiven Effekt auf die Psyche, aber Du bindest damit Zeit, Zeit, die ausgefüllt und nicht leer ist.
Ja Toll. Ich leide, damit sich andere gut fühlen.
Das ist sicherlich keine gute Grundlage. Und das Argument, wie die anderen leiden ist für Dich nicht hilfreich, das verstehe ich. Alle haben wir Zeiten hinter uns, in denen es nicht so gut ging, in denen wir gelitten haben. Vieles negative aus früheren Jahren tritt in den Hintergrund und das ist gut so, aber es gibt auch einschneidende Erlebnisse, die uns geprägt haben und nicht vergessen werden können.
Als eine schwere Zeit bei mir überwunden war, suchte ich mir ein Ehrenamt, was mit kranken Kindern zu tun hat. Es gab damals auch Todesfälle. Wenn ich spüre, dann meine Gedanken in eine negative Richtung gehen, denke ich bewusst an diese traurigen Geschehnisse. Mir ist bewusst, dass das für dich hilfreich ist. Was ich dir damit sagen möchte ist, dass wir sowohl den Menschen, die direkt um uns herum sind als auch denen, die wir nur äußerlich wahrnehmen, nicht ansehen, wie ihre Seele aussieht und welches Schicksal sie mit sich tragen.
Deine Gedankenwelt hier niederzuschreiben ist positiv. Du überwindest damit eine Angst, die Angst davor, dass du "erkannt" bzw. "entdeckt" wirst. Die äußere Dunkelheit dringt in deine Seele lässt auch diese indifferent erscheinen. Licht ist sehr wichtig für uns. Das Spiel mit den Katzen war eine gute Idee für die Ablenkung, für sie und für Dich. Danach solltest Du Dir vielleicht bewusst eine Lichtquelle suchen.
 
Was mich jeden Tag abhält, die Abkürzung ins Licht zu nehmen? Meine Frau, mein einziger sozialer Kontakt. Ohne sie würde ich mein Leben auf der Stelle beenden. Selbstverständlich habe ich bereits viele Therapien durchlaufen und mitgearbeitet, Antidepressiva eingeworfen usw. Ich bewerte mich daher als austherapiert.
 

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