Hallo liebe
@Piepmats ,
es tut mir sehr Leid, dass du in so einer schweren Situation bist!
Du hattest um eine Einschätzung bzgl. einer Depression gebeten. Aus meiner Perspektive könnte es durchaus sein (das ist natürlich KEINE Diagnose, nur eine Einschätzung), dass dein Mann depressiv ist, Depressionen können sich ganz unterschiedlich zeigen. Gerade bei Männern ist starker Rückzug, Vermeidung von Gesprächen, abkapseln von nahestehenden Bezugspersonen häufiger der Fall als bei Frauen, das liegt vor allem an der unterschiedlichen Geschlechtersozialisation und dass viele Männer, gerade ältere, weniger gut gelernt haben, über Gefühle zu sprechen und um Hilfe zu bitten.
Dazu kommt noch das (bei Depressionen allgemein sehr typische) Gefühl, eine Belastung zu sein, sich für das eigene Nicht-Können zu schämen, zu denken, die anderen sind besser dran ohne einen selbst.
Dahingehend macht auch Sinn, dass er sich vor dir am meisten verschließt, weil du vermutlich der Mensch bist, der ihm am nächsten steht und dadurch gewissermaßen "bedrohlich", weil du am genauesten hinschaust, Forderungen stellst (voll verständlich!), seinen Rückzug nicht einfach so hinnimmst.
Mit weniger nahestehenden Menschen kann es sehr viel leichter sein, in solch einer Phase klarzukommen, weil man diesen eher etwas vorspielen kann, bzw. belangloser Kontakt evtl. auch ein wenig ablenkt von den eigenen Problemen und eben insgesamt weniger Nähe vorhanden ist, der Kontakt nicht so tief geht, weniger sensible Themen berührt.
ABER leider ist es auch so, dass man trotz Depression (sollte es denn eine sein) auch eine gewisse Eigenverantwortung hat. Auch wenn er leidet und gerade wirklich nicht kann, wäre es so wichtig, dass er sich Hilfe sucht (ich habe gerade gelesen, dass er eine Gesprächstherapie macht, das ist schon mal sehr gut. Wie lange geht er schon dahin? Therapie braucht meist eine gewisse Zeit, bis sie wirkt). Das ist durch die Antriebsschwäche & die Hoffnungslosigkeit während einer Depression sehr schwierig, aber leider alternativlos. Denn für dich ist das kein haltbarer Zustand, finde ich. So Leid es mir für deinen Mann tut, aber auch du und dein Leben sind wichtig und ich sehe bei dir die Gefahr, selbst in eine psychische Krise zu rutschen durch die Überforderung. Du hast diesen Zustand jetzt schon sehr lange ertragen in Kombination mit vielen anderen Belastungen.
Könntest du dir vorstellen, dir selbst Hilfe zu suchen, in Form von Beratung oder Therapie? Das könnte zum einen sinnvoll sein, um deine aktuellen Belastungen zu verarbeiten und zu sortieren, zum anderen aber auch, um für dich klarer zu kriegen, wie lange du diesen Zustand noch aushalten kannst und willst.
Alles Gute!