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Welcher Job ist für mich geeignet (ADHS)

Hi!

Ich kannte mal eine ADHSlerin, die Goldschmiedin geworden und darin TOTAL aufgegangen ist. Töpfern wäre ähnlich. Wenn Du den Job nachher mit voller Hingabe machst, könnte das verdammt cool werden. Ich würde an Deiner Stelle einfach mal ein Praktikum machen. In Zeiten, wo alle (...schon mit IQ 100 - siehe Abiquoten....) nur noch Akademiker werden wollen, sind selbst aussterbende Ausbildungsberufe umso zukunftssicherer. In 10 Jahren werden gute Tischlermeister wahrscheinlich so gut verdienen, wie heute Ärzte.

Was mich von einer Ausbildung abhielt, war das Gefühl, zu alt oder gewissermaßen überqualifiziert zu sein. Zudem rieten mir viele Leute, die mit 16 in die Ausbildung gegangen waren, davon ab und ich hab drauf gehört. Das ärgert mich immer noch, im Nachhinein war das ziemlich kurzsichtig und ich hab eine wichtige praktische Entwicklungsmöglichkeit verpasst.

Was die staatlichen Berufsberatungsangebote angeht, habe ich selbst nur schlechtes gehört. Die wollen halt, dass man möglichst schnell wieder im Hamterrad ist, egal was das mit einem macht. Für ADHSlerInnnen - die bekanntlcih sehr oft was abbrechen und die Richtung wechseln - oft wenig hilfreich.

LG
Wolf (auch ADHSler)
genau die Berufsberater wollen einen nur möglichst schnell aus der Arbeitsllosenstatistik sehen.
Damals war Bibliothekari wirklich mein Traumberuf und dafür habe ich alles gemacht. Nur hat es einfach nicht geklappt, wie ich es wollte. Und ich weiß um meine Defizite an denen arbeite ich ja auch mit Therapien und co.

Aber wenn ich weiß, dass ich in langweiliger, strukturierter Bürotätigkeit untergehe, nehme ich doch keine Umschulung als Chefsektretärin an. Das ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Daher habe ich es nicht angenommen.

Ab Montag beginne ich ein Praktikum in einer Ergotherapiepraxis und schaue mir dann einfach mal den Beruf an.
Ab Mitte September beginnt mein BFD in ener Behindertenwerkstatt. ich möchte gerne eine Tätigkeit in einem sozialen Bereich (außer Erzieher, das klappt halt nicht) machen, weil ich weiß. dass meine Stärken dort liegen.
 
Hi Nyu,

ich habe schon vor längerer Zeit die Diagnose ADHS bekommen und eine Therapie gemacht. Probleme im Berufsleben sind mir bekannt, damit hatte ich auch schon zu kämpfen. Aus Erfahrung kann ich dir sagen, dass es egal ist, für welchen Beruf du dich entscheidest. Wichtig ist, dass du etwas machst, was dir Freude bereitet und womit du dich identifizieren kannst. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens als Assistenz/Sekretärin gearbeitet. Das ist ein Job, der viel Konzentration, Struktur, Organisation, usw. erfordert und als nicht-ADHS-geeignet verschrien ist. In der Vergangenheit hatte ich meine Probleme, das gebe ich zu. Aber ich möchte betonen, dass nicht das ADHS in erster Linie daran schuld war, sondern meine eigene Einstellung zur Arbeit. Seit ich mir meine Gedanken darüber gemacht und aus eigenem Antrieb so manches verändert habe, lief es sehr viel besser im Büro und viele Probleme lösten sich in Luft auf.

Thema Konzentration:
Ich reagiere auf manche Geräusche sehr empfindlich und kann mich dann schlecht konzentrieren. Ganz besonders schlimm ist es, wenn ich mir mit einer anderen Sekretärin das Büro teilen muss und wir gleichzeitig telefonieren oder sie im Büro mit Kollegen redet, während ich telefoniere und meinen Gesprächspartner schlecht verstehe. In solchen Situationen ist ein Headset eine gute Lösung.

Thema Prioritäten:
Es ist ganz wichtig, dass du deine Prioritäten richtig setzt. Ich habe es mir im Laufe der Jahre angewöhnt, diejenigen Aufgaben zu priorisieren, die besonders wichtig sind und am dringendsten erledigt werden müssen. Früher habe ich erst die Aufgaben gemacht, auf die ich ganz besonders viel Bock hatte und wichtigere Sachen immer wieder aufgeschoben. Das war die falsche Vorgehensweise.

Thema Ablenkung:
Du solltest am Arbeitsplatz immer deine Aufgaben im Blick haben und ihnen die höchste Priorität einräumen. Seit ich das mache, läuft es bei mir bestens. Früher habe ich während der Arbeitszeit manche Dinge getan, die nicht so sehr ins Büro gehören... mit den Kollegen viele Privatgespräche geführt, in meiner Raucherzeit öfters mal Zigarettenpausen eingelegt und natürlich viel privat im Internet gesurft. Folglich musste ich sehr viele Überstunden machen, weil mir diese Zeitfresser einen guten Teil meiner eigentlichen Arbeitszeit nahmen. Als ich irgendwann mal beschlossen habe, die Arbeit zu meiner höchsten Priorität zu machen und andere Dinge erst zu tun, nachdem sämtliche Aufgaben erledigt waren, reduzierten sich die Überstunden von selbst.

Thema Regeln:
Jeder Betrieb hat seine eigenen Regeln. Die Mitarbeiter sollten sich daran halten. Klar weiß ich, dass ADHS-Menschen nicht so sehr auf Regeln stehen und lieber machen, wonach ihnen gerade der Sinn steht. Aber glaub´ mir, du kannst dir so viel unnötigen Ärger ersparen, wenn du die Regeln befolgst. Wenn du eine halbe Stunde Mittagspause hast und bei euch nicht gestempelt wird, solltest du dich trotzdem an die halbe Stunde halten und nicht überziehen. Wenn bei deinem Arbeitgeber die private Nutzung des Internets verboten ist, lasse es bleiben, auch wenn du mal Zeit hast und es dich in den Fingern juckt.

Thema Autonomie/Selbstbestimmtheit:
Menschen mit ADHS wollen in der Regel frei und selbstbestimmt leben. Auf der Arbeit muss man sich aber auch mal unterordnen und kann nicht immer sein eigenes Ding durchziehen. Früher konnte ich ganz schön zickig werden, wenn mir ganz spontan Überstunden aufgebrummt wurden und ich keine Lust hatte, private Verabredungen kurzfristig abzusagen/zu verschieben. Oder wenn Chefs mir meinen beantragten Urlaub im gewünschten Zeitraum nicht genehmigen wollten, weil sie mich genau dann im Büro dringend brauchten. Oder wenn mir eine neue Aufgabe übertragen wurde, auf die ich nicht großartig Lust hatte - die Vorgesetzten verteilen die Aufgaben, wir müssen die Arbeit erledigen. So einfach ist das. Da hilft kein Gemecker, da muss man durch und fertig. Man kann nicht immer alles haben, was man gerne hätte und muss auch manchmal Kompromisse eingehen.

Es ist superwichtig, dass du dein Fehlverhalten niemals mit ADHS entschuldigst. Du selbst entscheidest, welcher Aufgabe du eine höhere Priorität einräumst oder ob du trotz Verbot ins Internet klickst. Und dann übernehme auch die Verantwortung dafür und schiebe es nicht auf ADHS.

Auch mit ADHS ist es möglich, Erfüllung im Berufsleben zu finden - unter der Voraussetzung, dass man seine Arbeit liebt und sich an gewisse Punkte hält 😉 .
 
Prinzipiell hast Du Recht, Zauberfee. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass man selbst die Sache mit der Einstellung und seinem Verhalten beeinflussen kann. Andererseits kann ich (ich habe auch auch ADHS) nicht immer über meinen Schatten springen: Ich brauche Freiheit und Selbstbestimmung, sonst wird das nichts. Wenn mir eine Tätigkeit Spaß macht und mir mein Chef vertraut (sprich: Freiheiten lässt), dann läuft es beruflich am Schnürchen.
 
In manchen Dingen kannst du schon ein wenig Einfluss darauf nehmen. Ich z. B. brauche Freiheit und Selbstbestimmung, was die Arbeitszeiten angeht. Als kaufmännische Angestellte im Büro bin ich es gewohnt, flexible Arbeitszeiten zu haben. Mir ist es u. a. wichtig, dass ich früher gehen, später kommen oder eine längere Mittagspause machen kann, wenn ich einen Termin (Arzt, Zahnarzt, Handwerker, usw.) habe. Von daher wäre ein Job mit starren Arbeitszeiten von 8 bis 17 oder 9 bis 18 Uhr absolut nichts für mich. Ich habe keine Lust, für alle möglichen Termine immer einen ganzen Tag Urlaub nehmen zu müssen. Deshalb würde ich bei so einem Arbeitgeber gar nicht anfangen.

Mir ist es auch wichtig, dass ich ein Minimum von 28 Tagen Urlaubsanspruch pro Jahr habe - zum Glück habe ich bei meinem neuen Arbeitgeber 30. Ein Bekannter von mir hat in seinem Vollzeitjob mit 40-Stunden-Woche nur 20 Tage Urlaubsanspruch. Darauf hätte ich mich niemals eingelassen. Außerdem werden seine Überstunden nicht ausbezahlt, und abbauen darf er sie auch nicht. Der Mann kam frisch von der Uni, als er den Job angenommen hat. Er ist noch jung genug, um was Besseres zu finden.
 
Hi Nyu,

ich habe schon vor längerer Zeit die Diagnose ADHS bekommen und eine Therapie gemacht. Probleme im Berufsleben sind mir bekannt, damit hatte ich auch schon zu kämpfen. Aus Erfahrung kann ich dir sagen, dass es egal ist, für welchen Beruf du dich entscheidest. Wichtig ist, dass du etwas machst, was dir Freude bereitet und womit du dich identifizieren kannst. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens als Assistenz/Sekretärin gearbeitet. Das ist ein Job, der viel Konzentration, Struktur, Organisation, usw. erfordert und als nicht-ADHS-geeignet verschrien ist. In der Vergangenheit hatte ich meine Probleme, das gebe ich zu. Aber ich möchte betonen, dass nicht das ADHS in erster Linie daran schuld war, sondern meine eigene Einstellung zur Arbeit. Seit ich mir meine Gedanken darüber gemacht und aus eigenem Antrieb so manches verändert habe, lief es sehr viel besser im Büro und viele Probleme lösten sich in Luft auf.

Thema Konzentration:
Ich reagiere auf manche Geräusche sehr empfindlich und kann mich dann schlecht konzentrieren. Ganz besonders schlimm ist es, wenn ich mir mit einer anderen Sekretärin das Büro teilen muss und wir gleichzeitig telefonieren oder sie im Büro mit Kollegen redet, während ich telefoniere und meinen Gesprächspartner schlecht verstehe. In solchen Situationen ist ein Headset eine gute Lösung.

Thema Prioritäten:
Es ist ganz wichtig, dass du deine Prioritäten richtig setzt. Ich habe es mir im Laufe der Jahre angewöhnt, diejenigen Aufgaben zu priorisieren, die besonders wichtig sind und am dringendsten erledigt werden müssen. Früher habe ich erst die Aufgaben gemacht, auf die ich ganz besonders viel Bock hatte und wichtigere Sachen immer wieder aufgeschoben. Das war die falsche Vorgehensweise.

Thema Ablenkung:
Du solltest am Arbeitsplatz immer deine Aufgaben im Blick haben und ihnen die höchste Priorität einräumen. Seit ich das mache, läuft es bei mir bestens. Früher habe ich während der Arbeitszeit manche Dinge getan, die nicht so sehr ins Büro gehören... mit den Kollegen viele Privatgespräche geführt, in meiner Raucherzeit öfters mal Zigarettenpausen eingelegt und natürlich viel privat im Internet gesurft. Folglich musste ich sehr viele Überstunden machen, weil mir diese Zeitfresser einen guten Teil meiner eigentlichen Arbeitszeit nahmen. Als ich irgendwann mal beschlossen habe, die Arbeit zu meiner höchsten Priorität zu machen und andere Dinge erst zu tun, nachdem sämtliche Aufgaben erledigt waren, reduzierten sich die Überstunden von selbst.

Thema Regeln:
Jeder Betrieb hat seine eigenen Regeln. Die Mitarbeiter sollten sich daran halten. Klar weiß ich, dass ADHS-Menschen nicht so sehr auf Regeln stehen und lieber machen, wonach ihnen gerade der Sinn steht. Aber glaub´ mir, du kannst dir so viel unnötigen Ärger ersparen, wenn du die Regeln befolgst. Wenn du eine halbe Stunde Mittagspause hast und bei euch nicht gestempelt wird, solltest du dich trotzdem an die halbe Stunde halten und nicht überziehen. Wenn bei deinem Arbeitgeber die private Nutzung des Internets verboten ist, lasse es bleiben, auch wenn du mal Zeit hast und es dich in den Fingern juckt.

Thema Autonomie/Selbstbestimmtheit:
Menschen mit ADHS wollen in der Regel frei und selbstbestimmt leben. Auf der Arbeit muss man sich aber auch mal unterordnen und kann nicht immer sein eigenes Ding durchziehen. Früher konnte ich ganz schön zickig werden, wenn mir ganz spontan Überstunden aufgebrummt wurden und ich keine Lust hatte, private Verabredungen kurzfristig abzusagen/zu verschieben. Oder wenn Chefs mir meinen beantragten Urlaub im gewünschten Zeitraum nicht genehmigen wollten, weil sie mich genau dann im Büro dringend brauchten. Oder wenn mir eine neue Aufgabe übertragen wurde, auf die ich nicht großartig Lust hatte - die Vorgesetzten verteilen die Aufgaben, wir müssen die Arbeit erledigen. So einfach ist das. Da hilft kein Gemecker, da muss man durch und fertig. Man kann nicht immer alles haben, was man gerne hätte und muss auch manchmal Kompromisse eingehen.

Es ist superwichtig, dass du dein Fehlverhalten niemals mit ADHS entschuldigst. Du selbst entscheidest, welcher Aufgabe du eine höhere Priorität einräumst oder ob du trotz Verbot ins Internet klickst. Und dann übernehme auch die Verantwortung dafür und schiebe es nicht auf ADHS.

Auch mit ADHS ist es möglich, Erfüllung im Berufsleben zu finden - unter der Voraussetzung, dass man seine Arbeit liebt und sich an gewisse Punkte hält 😉 .
Als Nicht-ADHS-Betroffender hast du das gant wunderbar geschrieben. 😉
Ich finde, was du geschrieben hast, gilt nicht nur für ADHS-Betroffene, da ist ganz viel dabei, das jeder im Arbeitsleben beachten sollte, auch ich.
Echt klasse dein Beitrag. Muss ich mir mehrmals durchlesen.

Die Quintessenz ist dieser Abschnitt, der aber auch für uns alle gilt:
"Es ist superwichtig, dass du dein Fehlverhalten niemals mit ADHS entschuldigst. Du selbst entscheidest, welcher Aufgabe du eine höhere Priorität einräumst oder ob du trotz Verbot ins Internet klickst. Und dann übernehme auch die Verantwortung dafür und schiebe es nicht auf ADHS."

Klasse!
 
Liebe Zauberfee,
du suchst nach Lösungen und dazu gehört auch Selbstdisziplin.
Wir suchen zu häufig die Schuld bei den Anderen, die uns nicht verstehen oder uns was Schlechtes wollen.
 
Ja, das ist sehr typisch für Menschen mit ADHS. Sie suchen gerne nach Ausreden, wenn sie etwas nicht auf die Reihe kriegen. So war ich früher auch, das gebe ich zu. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich trotz ADHS sehr wohl auch was leisten kann, und zwar gar nicht mal so wenig.

Natürlich habe ich auch meine schlechten Tage. Jeder darf mal einen schlechten Tag haben, niemand ist perfekt. Aber die guten Tage überwiegen bei mir inzwischen doch ganz deutlich. Früher habe ich Medikamente gegen ADHS genommen, die mir aber nur teilweise was gebracht haben. Jetzt habe ich mein Leben richtig gut im Griff, obwohl ich seit Jahren keine Medikamente mehr nehme. Und das liegt in erster Linie an meiner Selbstdisziplin, die viel besser ist als es in jüngeren Jahren der Fall war.
 
Hi Nyu,

ich habe schon vor längerer Zeit die Diagnose ADHS bekommen und eine Therapie gemacht. Probleme im Berufsleben sind mir bekannt, damit hatte ich auch schon zu kämpfen. Aus Erfahrung kann ich dir sagen, dass es egal ist, für welchen Beruf du dich entscheidest. Wichtig ist, dass du etwas machst, was dir Freude bereitet und womit du dich identifizieren kannst. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens als Assistenz/Sekretärin gearbeitet. Das ist ein Job, der viel Konzentration, Struktur, Organisation, usw. erfordert und als nicht-ADHS-geeignet verschrien ist. In der Vergangenheit hatte ich meine Probleme, das gebe ich zu. Aber ich möchte betonen, dass nicht das ADHS in erster Linie daran schuld war, sondern meine eigene Einstellung zur Arbeit. Seit ich mir meine Gedanken darüber gemacht und aus eigenem Antrieb so manches verändert habe, lief es sehr viel besser im Büro und viele Probleme lösten sich in Luft auf.

Thema Konzentration:
Ich reagiere auf manche Geräusche sehr empfindlich und kann mich dann schlecht konzentrieren. Ganz besonders schlimm ist es, wenn ich mir mit einer anderen Sekretärin das Büro teilen muss und wir gleichzeitig telefonieren oder sie im Büro mit Kollegen redet, während ich telefoniere und meinen Gesprächspartner schlecht verstehe. In solchen Situationen ist ein Headset eine gute Lösung.

Thema Prioritäten:
Es ist ganz wichtig, dass du deine Prioritäten richtig setzt. Ich habe es mir im Laufe der Jahre angewöhnt, diejenigen Aufgaben zu priorisieren, die besonders wichtig sind und am dringendsten erledigt werden müssen. Früher habe ich erst die Aufgaben gemacht, auf die ich ganz besonders viel Bock hatte und wichtigere Sachen immer wieder aufgeschoben. Das war die falsche Vorgehensweise.

Thema Ablenkung:
Du solltest am Arbeitsplatz immer deine Aufgaben im Blick haben und ihnen die höchste Priorität einräumen. Seit ich das mache, läuft es bei mir bestens. Früher habe ich während der Arbeitszeit manche Dinge getan, die nicht so sehr ins Büro gehören... mit den Kollegen viele Privatgespräche geführt, in meiner Raucherzeit öfters mal Zigarettenpausen eingelegt und natürlich viel privat im Internet gesurft. Folglich musste ich sehr viele Überstunden machen, weil mir diese Zeitfresser einen guten Teil meiner eigentlichen Arbeitszeit nahmen. Als ich irgendwann mal beschlossen habe, die Arbeit zu meiner höchsten Priorität zu machen und andere Dinge erst zu tun, nachdem sämtliche Aufgaben erledigt waren, reduzierten sich die Überstunden von selbst.

Thema Regeln:
Jeder Betrieb hat seine eigenen Regeln. Die Mitarbeiter sollten sich daran halten. Klar weiß ich, dass ADHS-Menschen nicht so sehr auf Regeln stehen und lieber machen, wonach ihnen gerade der Sinn steht. Aber glaub´ mir, du kannst dir so viel unnötigen Ärger ersparen, wenn du die Regeln befolgst. Wenn du eine halbe Stunde Mittagspause hast und bei euch nicht gestempelt wird, solltest du dich trotzdem an die halbe Stunde halten und nicht überziehen. Wenn bei deinem Arbeitgeber die private Nutzung des Internets verboten ist, lasse es bleiben, auch wenn du mal Zeit hast und es dich in den Fingern juckt.

Thema Autonomie/Selbstbestimmtheit:
Menschen mit ADHS wollen in der Regel frei und selbstbestimmt leben. Auf der Arbeit muss man sich aber auch mal unterordnen und kann nicht immer sein eigenes Ding durchziehen. Früher konnte ich ganz schön zickig werden, wenn mir ganz spontan Überstunden aufgebrummt wurden und ich keine Lust hatte, private Verabredungen kurzfristig abzusagen/zu verschieben. Oder wenn Chefs mir meinen beantragten Urlaub im gewünschten Zeitraum nicht genehmigen wollten, weil sie mich genau dann im Büro dringend brauchten. Oder wenn mir eine neue Aufgabe übertragen wurde, auf die ich nicht großartig Lust hatte - die Vorgesetzten verteilen die Aufgaben, wir müssen die Arbeit erledigen. So einfach ist das. Da hilft kein Gemecker, da muss man durch und fertig. Man kann nicht immer alles haben, was man gerne hätte und muss auch manchmal Kompromisse eingehen.

Es ist superwichtig, dass du dein Fehlverhalten niemals mit ADHS entschuldigst. Du selbst entscheidest, welcher Aufgabe du eine höhere Priorität einräumst oder ob du trotz Verbot ins Internet klickst. Und dann übernehme auch die Verantwortung dafür und schiebe es nicht auf ADHS.

Auch mit ADHS ist es möglich, Erfüllung im Berufsleben zu finden - unter der Voraussetzung, dass man seine Arbeit liebt und sich an gewisse Punkte hält 😉 .
Hallo Zauberfee, danke für deine Antwort.
Das Problem ist einfach auch, dass ixh bisher keine Erfolgserlebnisse im Beruf hatte und die brauche ich auch. Und als Sekretärin werde ich die so schnell auch nicht bekommen. Ixh möchte nicht wieder mich durch eine Tätigkeit so sehr kämpfen, dass ich depressiv werde, ich brauche Erfolgserlebnisse.

Nicht falsch verstehen. Ich will es wirklich jedem recht machen. Klar gibt es Sachen, wo ich gerne selbstbestimmt wäre, aber ich beharre jetzt nicht zickig darauf. Das Problem bei meiner letzten Arbeit war einfach, dass man mir von vorne rein nichts zugetraut Hat, da ixh ehrlich mit meinem ADHS umging. Ich bekam kaum Arbeiten zugeteilt, hatte keinen Schreibtisch, keine fühlte sich für mich zuständig. Ich war schlichtweg chronisch unterfordert. Ich hätte jede Arbeit genommen, egal was es gewesen wäre. Man traute es mir nur einfach nicht zu.
 
Was wäre denn für dich bei der Arbeit ein Erfolgserlebnis, wie lange wärst du damit zufrieden?
Mach doch dein Glück nicht davon abhängig, was du leistest.
Ein Mensch ist eben doch nur so viel wert, wie sein Wort.
Wenn Du keinen Grund hast zu bleiben, ist genau DAS der Beste, um zu gehen.
 

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