Hallo Forum,
meine eigentliche Frage steht ja bereits oben im Titel: Ich würde gerne wissen, was eurer Meinung nach einen guten Psychotherapeuten ausmacht, kennzeichnet.
Welche Charaktereigenschaften sollte er haben? Wie sollte er sich euch als Klienten gegenüber verhalten? Mich würde auch interessieren, welche Gründe euch dazu führen könnten, eure Therapie sofort abzubrechen und nach einem neuen Psychotherapeuten zu suchen.
Ach ja, eine weitere Frage hätte ich noch: Mögt ihr es/haltet ihr es für wichtig, dass sich euer Therapeut während der Sitzung Notizen macht? In Büchern liest man manchmal, dass ein Psychotherapeut seinem Klienten "Hausaufgaben" gibt, also irgendwelche Übungen, die dieser in seinen Alltag integrieren soll. Haltet ihr das für sinnvoll bzw. macht euer Therapeut das vielleicht auch?
Ich würde mich über Antworten wirklich freuen. Ich bin in Gesprächstherapie, manchmal aber ganz schön am Zweifeln, ob es wirklich "was bringt", dabei bin ich noch ganz am Anfang der Therapie. Habe auch schon Verhaltenstherapie ausprobiert, doch dem Therapeuten konnte ich mich nicht öffnen.
Wäre sehr gespannt auf Erfahrungen gerade von jenen, die schon mal in Therapie waren bzw. es immer noch sind.
Liebe Grüße!
Hi Earthling,
ich schreibe dir hier mal ein bisschen was zusammen, ich hoffe es wird nicht ganz unstrukturiert.
Sprechen wir mal zuerst von der gleichartigen Erfahrung. Es ist logischer Weise in jede Art von Therapie so, dass der Therapeut in der Regel eines nicht haben kann - das gleich durchgemacht. Das unterscheidet die Therapie ja z.B. von Selbsthiflegruppen. Bei manchen Dingen würde ich immer in einer Gruppe aus gleichleidenden mehr Vorteile sehen, als in einer individuellen Interaktion. Es kommt dort aber sicher auf die Art des Leidens an, aber in der Tendenz wäre die Selbsthilfegruppe meine erste Wahl.
Dann kommen wir zum Thema Wirksamkeit. Keiner will es wahr haben, aber Therapien sind eben in den meisten Fällen wirkungslos. Das auch nicht ohne erklärbaren Grund. ( Wenn Du dich tiefer dafür interessierst, geh in die Bücherei und besorge dir "Rolf Degen, Lexikon der Psychoirrtümer, Warum sich der Mensch nicht therapieren, erziehen und beeinflussen lässt " - Auf das Thema Beeiflussung durch Werbung geht es nicht ein ). Die Tage hörte ich eine Radiosendung. Da sagte einer - ich denke so vom Gespräch her war er Therapeut - zum Thema Pädophilie, dass es niemals das Ziel einer Therapie sein könne, den Pädophilen von seinem Trieb zu heilen, weil dieser so tief im Charakter des Menschen drinnen ist, dass man es dort nicht mehr herausbekommt. Das einzige was Therapie versuchen könnte, wäre zu erreichen, dass der Pädophile lernt , seine Triebe zu kontrollieren.
Wir schicken aber die Menschen mit schlimmer Kindheit trotzdem zum Therapeuten. Einen sexuellen Missbrauch kann aber kein Therapeut der Welt ungeschehen machen. ( Aber er kann sehr wohl durch die ständige Beschäftigung mit dem Thema die Erinnerung wach halten, und es gibt ja auch Berichte, wonach erst die Therapie nie stattgefundede sexuelle Übergriffe ins Bewusstsein der Patienten gerückt hat !!! ). Oder um es mit dem bekannten und Buchschreibenden Psychiater zu sagen : "Man kann einen tyrannischen Chef nicht einfach wegtherapieren".
Ich möchte es wie gesagt nicht zu sehr generalisieren, bei manchen Phobien oder Süchten mag eine Therapie helfen, wenn es die richtige ist. Die kann aber genauso gut auch von jemand kommen, der sich nur "Coach", Lebensberater oder sonst wie nennt. Dass muss nicht jemand sein, der dich primär als krank sieht. ( Auch ein Punkt bei Degen. Jeder Therapeut hat sein Steckenpferd. Seine "Lieblingstherapie" wendet er für alles an. Dabei sagt der gesunde Menschenverstand, das z.B. "Klopftherapie" nicht von Depressionen über Höhenangst und Traumata bis Sozialphobie nicht alles heilen können kann ).
Ein anderer großer Kritikpunkt für mich bei den Therapeuten ist die Art und Weise der Vergütung bzw. der Leistungsbewertung. Ein Therapeut muss nichts können. Im Zweifel kann der den Patienten für untherapierbar erklären und unterstellt ihm einfach mangelnde Mitarbeit ( und kaschiert damit nur, dass man z.B. wie oben geschrieben, sollte eine Depression doch ausnahmsweise mal endogen, also vom Charakter kommen, man die ja eh nicht loswerden kann , die Unheilbarkeit, die aber von vorherein ausgeschlossen wurde um kassieren zu können ). Ein Therapeut kann dich zwei Jahre erfolglos bei voller Bezahlung therapieren. Ein Fliesenleger bekommt nur Geld, wenn er den Auftrag - Fliesen verlegen - auch ausführt. Denk mal drüber nach.
Dann will ich noch schnell auf deine - ich kanns mir nicht verkneifen - vermeintliche psychische Krankheit eingehen. Dysthymie -eine Diagnose die von einem - dadurch ? - berühmten Psychiater erfunden wurde. Da muss ich sofort an Gert Postel denken, der es als Laie zu hochdotierten Anstellungen im Psychiatrischen Bereich schaffte, alleine dadurch, dass er u.A . auch neue psychische Krankheiten erfunden hat. ( Mit leichter Depression wäre es mit der Berühmtheit halt nichts geworden ).
Was kaum ein Arzt glauben will ( Depressionen und ihre Abwandlungen sind zu "in" ), und ein Psychotherapeut unter Berücksichtigung auf seinen eigenen Geldbeutel ja nie zugeben würde, können Beschwerden wie Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen, Selbstzweifel insbesondere dann wenn sie mit ähnlichen körperlichen Symptomen wie Kraftlosigkeit, Müdigkeit u.Ä einhergehen ein klares Signal für hormonelle Störungen sein.
Wenn Du also neben dem Lesen von Rolf Degen und dem googeln nach Gert Postel noch Zeit hast, schau doch mal, ob z.B. das ein oder andere ( körperliche ) Sympom einer Schilddrüsenunterfunktion auch auf dich zutrifft. Dann kann ich dir Hoffnung machen - Schilddrüsenunterfunktionen werden immer noch sehr häufig übersehen ( auch deshalb, weil die Ärzte vorschnell an Depressionen denken ). Und als Bonusaufgabe kannst Du ich die Suchmaschine mal eingeben, den Zusammenhang zwischen Depressionen und dem Hormon Thyreoliberin. Dieses Hormon kann zwar als Medikament hergestellt werden ( für einen ganz seltenen Test ), der Blutwert wird in Deutschland generell aber nicht bestimmt !!!! ( Lieber schickt man die Leute in sinnlose, jahrelange Therapie :mad: ).
So, das war jetzt lang. Diskutiere Details gerne weiter.