Selbst damit habe ich ein Problem.
Wenn ich etwas sagen möchte, überlegen ich ungewollt welche Wörter denn jetzt akzeptiert sind. Das ist schon ein enormer Eingriff in mein Denken und Sprachgebrauch.
Obwohl ich nicht gendere und dies auch nicht vorhabe, ist diese Gendersprache in meinem Kopf und das empfinde ich als bedenklich und nervig. Ich will frei reden können wie das vorher möglich war.
Ich frage mich, was dich eigentlich davon abhält, frei zu sprechen. Es klingt fast so, als ob schon das bloße Wissen, dass andere anders mit Sprache umgehen, bei dir Druck erzeugt. Ist das wirklich ein Eingriff - oder vielleicht eher die Angst, kritisch betrachtet zu werden?
Ich brauche Frauen in der Sprache nicht sichtbar machen, weil Frauen in der Realität für mich selbstverständlich sind, ebenso sind sie gleichberechtigt.
Wenn Frauen für dich selbstverständlich gleichberechtigt sind - umso besser. Dann sollte es doch auch kein Problem sein, das sprachlich abzubilden.
Denn Gleichberechtigung, die sich nicht auch in der Sprache zeigt, bleibt oft bloß Theorie.
Ich finde diese feministische Bewegung übertreibt es und das verursacht mehr Schaden als Nutzen.
In wieweit der Feminismus auch für unsere demografische Entwicklung verantwortlich ist wäre interessant zu hinterfragen. Und anstatt diese Genderpolitik voranzutreiben und zu finanzieren, wäre es sinnvoller gewesen sich auf eine bessere Politik für Familien mit Kindern zu konzentrieren.
Unsere Kinder fallen bei dieser ganzen "die Frau will gesehen werden", doch hinten runter.
Interessant, dass ausgerechnet eine Bewegung, die sich seit über 100 Jahren für bessere Lebensbedingungen, Rechte und Sichtbarkeit von Frauen einsetzt, plötzlich für alles Mögliche verantwortlich sein soll - von der Geburtenrate bis zur Familienpolitik.
Dabei war es oft genau der Feminismus, der dafür gekämpft hat, dass Kinderbetreuung ausgebaut, Mutterschutz eingeführt, Elterngeld gezahlt und Gleichstellung in der Arbeitswelt gefördert wird.
Dass Frauen nicht nur Mütter sind, sondern auch Bürgerinnen, Wählerinnen, Erwerbstätige, Wissenschaftlerinnen, und eben auch Sprachsubjekte, ist keine Nebensache, sondern Teil einer gleichberechtigten Gesellschaft.
Der Feminismus will auch nicht, dass Kinder „hinten runterfallen“, sondern dass niemand mehr hinten runterfällt.
Wie dem auch sei, ich finde es gut, das wir hier so offen drüber reden können.
Nur frage ich mich, gibt es diese Diskussion auch in der Öffentlichkeit? Oder schweigen dort die meisten und gendern um nicht ausgegrenzt und bestraft zu werden?
Die Diskussion findet längst in der Öffentlichkeit statt (in Talkshows,Podcasts, Parlamenten, Firmen und Familien).
Was sich verändert hat, ist nicht,
dass Menschen ihre Meinung sagen, sondern
wer Gehör findet. Früher war sprachliche Sichtbarkeit vor allem denen vorbehalten, die in der Norm lagen, also männlich, weiß, hetero. Heute fordern andere Gruppen mit Recht ihren Platz im Diskurs. Das empfinden manche als Einschränkung, ist aber in Wirklichkeit gelebte Meinungsvielfalt.
Das ist kein Problem sondern ein Merkmal der Demokratie. Es darf und soll unterschiedliche Meinungen geben.
Wenn alle gleich Denken ist das ein Zeichen für ein totalitäres System, bei der die Gesellschaft umgestaltet werden soll.
Die Unterdrückung des politischen Widerstands ist das Zeichen einer Diktatur.
Beides sehe ich in erschreckendem Maße in unserer Gesellschaft. Und diese Umerziehung und Umgestaltung beginnt natürlich schon in der Schule.
Vielfalt an Meinungen ist selbstverständlich ein Merkmal der Demokratie. Aber es gehört eben auch dazu, dass Meinungen widersprochen werden dürfen, auch laut, auch öffentlich.
Wenn jemand das schon als „Unterdrückung“ empfindet, verwechselt er Meinungsfreiheit mit Widerspruchsfreiheit.
Und was die Schule angeht: Dort soll nicht umerzogen, sondern zum Denken angeregt werden. Demokratie lebt davon, dass Menschen verschiedene Perspektiven kennenlernen - auch solche, die sie vielleicht nicht gewohnt sind. Das ist keine Umerziehung, das ist Bildung.