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Warum nur habe ich das Gefühl, dass die Welt da draußen voller Täter ist?

Hr. Pinguin

Aktives Mitglied
Die schweren Gewalt- und Missbrauchstäter sind das eine. Von denen da draußen ja es auch Massen gibt... Die Frauenhäuser sind überlaufen, häusliche Gewalt gang und gäbe. Das meiste was geschieht, kommt niemals heraus, noch weit weniger wird jemals bestraft. Stattdessen sind diese Täter voll integriert, genießen Anerkennung, Sympathie, Zugehörigkeit...

Ich meine aber auch die typischen Mobber. Die, die ständig andere auslachen, abwerten, erniedrigen müssen. In so gut wie jeder Schulklasse gibt es diese Abartigkeit von mobben und ausgrenzen. In der Arbeitswelt normal. Gängeleien, Verletzungen. Das zurschaugestellt in einer perversen Geilheit. Es ist einfach zu witzig, und dieses Gruppengefühl, wenn man mit anderen dadurch zusammengeschweißt wird, ist einfach zu großartig.

Es dient ja auch als Ventil, seine Zwänge zur Leistung und gefordertem Verhalten (gute Laune etc...), abzureagieren.

Dann diese "Ultraangepassten". Die über alles hinwegsehen, den Täter schön zureden, beschwichtigen, das Opfer missbilligen und die Schuld geben. "Müsste eben anders sein.", "Ist ja gar nicht so." oder "Was geht mich das an?"

Einfach nur auf der Straße spazierengehen kann schon zur Nervenprobe werden. Überall gibt es diese Leute, die nur darauf warten, über jemand Anderswirkenden zu lachen, sich zu erheben, das geil zu erleben.

Ja, ich weiß, es gibt auch solche, die sagen, sie haben keine Probleme damit und alles ist tipp-topp. Da weiß ich aber nicht viel, was man diskutieren kann, was man sagen soll.
 

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cafard

Aktives Mitglied
Der Missbrauch anderer, schwächerer, ist Alltag. Das läuft in Familien so, in Schulen, an Arbeitsplätzen, überall. Das vehemente, aggressive Verleugnen ist der beste Beweis dafür. Es interessiert auch niemanden. Ein Aufschrei erfolgt erst, wenn Geschichten soweit eskaliert sind, dass es Tote oder unübersehbare Katastrophen gibt.

All die kleinen Bosheiten, Gemeinheiten, Verletzungen bleiben im Dunkeln und summieren sich mit den Jahren doch zu einer riesigen Last. Da schenkt dir niemand Gehör. Das will keiner wissen, das wäre unbequem, passt nicht ins Weltbild.

Ich sehe nicht in jedem Menschen per se einen Täter, ich weiß jedoch aus langer Erfahrung, dass es unvorstellbare viele kleinere und größere Bosheiten gibt, die mehr oder weniger ihre Spuren hinterlassen.

Und gerade solche Täter stehen oft im Leben besonders gut da, sind angesehen und werden gefeiert.

Die meisten Täter sind auch nicht so dumm, dass sie sie soweit gehen würden, dass man ihnen ihre Taten nachweisen könnte. Worte alleine können unendlich verletzend sein und unendlichen Schaden anrichten. Worte, einmal gesagt, kann man nicht zurückholen, aber sie werden später vom Täter verleugnet und vielleicht sogar tatsächlich vergessen und für ihn geht das Leben unbehelligt weiter. Das Opfer trägt seine Verletzungen ein Leben lang und kann sich auf Verständnis von der Umwelt wenig bis keine Hoffnungen machen.
 

Santino

Namhaftes Mitglied
"Alle sind böse und blöd, ausser ich und meine drei Auserwählten" ist meiner Ansicht nach kein zutreffender Erklärungsansatz der eigenen negativen Weltwahrnehmung und des eigenen Gefühls, häufig abgelehnt zu werden. Das ist doch viel zu undifferenziert.

Dass Menschen, die Gewalttaten verüben, nicht für diese Gewalttaten verurteilt würden, ist nicht richtig. Mit Sicherheit gibt es Fälle, in denen die Gewalttaten nicht ausreichend für eine Verurteilung nachgewiesen werden können. Mit Empörung im Internet und damit einhergehendem Gefühl moralischen Erhabenseins, das sich gegenseitig bestätigt wird, wird dieses Problem aber nicht gelöst - das hat nur den Effekt, dass alle daran Teilhabenden sich toll fühlen dürfen. Mehr nicht.

Und damit wird es auch menschenrechtlich nicht richtiger, Menschen ohne hinreichende Beweise und Indizien für eine Tat zu verurteilen, die sie womöglich nicht begangen haben (weil eben nichts ausreichend nachgewiesen werden kann). So schlimm das für die betroffenen Opfer auch sein mag, wenn die Tat tatsächlich verübt wurde, so geht der Schutz von Menschen vor falscher Verurteilung vor. Alles andere würde in einen Unrechtsstaat münden.

Eine Verurteilung, sei es nun zu einer Haft- oder Geldstrafe, hat grosse Auswirkungen auf das Leben der Verurteilten, insbesondere wenn wegen einer Gewalt- oder Sexualstraftat verurteilt wurde. Die Leute sitzen nicht im Knast ihre Zeit ab oder zahlen ein paar Tausender und können dann ihr normales Leben fortführen. Es herrschen da ganz oft auch einfach falsche Vorstellungen von den Auswirkungen solcher Prozesse.

Und ja, ich weiss, dass gleich der grosse Backlash kommt, weil man nicht reflektieren will, dass der moralische Zeigefinger, die Beteuerung, auf der "richtigen Seite" der Moral zu stehen, die gegenseitige Bestätigung dessen und die Empörung absolut nichts am Problem ändern, dass in vielen Fällen Ermittlungsprozesse nicht zu Beweisen und Indizien führen, die eine Verurteilung eines Täters bewirken könnten. Es wäre besser, sich fachlich mit dem Thema auseinanderzusetzen und dann zu schauen, ob man an irgendeiner Stelle der Ermittlungsbehörden umjustieren könnte, damit vielleicht gründlicher und besser ermittelt wird, damit mehr aufgedeckt werden kann und damit mehr Täter rechtmässig verurteilt werden können. Es wäre besser, sich dann genau für eine solche Umjustierung in den Ermittlungsprozessen politisch einzusetzen.

Menschenrechte abzuschaffen, löst dieses Problem hingegen nicht.
 
Zuletzt bearbeitet:

Santino

Namhaftes Mitglied
Worte alleine können unendlich verletzend sein und unendlichen Schaden anrichten.
Unter Umständen kann jemand durchaus für psychische Misshandlung zur Verantwortung gezogen werden. Dafür muss das Opfer als Erwachsener aber selbst tätig werden (strafrechtlich verfolgen lassen, was verfolgt werden kann, ansonsten zivilrechtliche Ansprüche geltend machen) und es muss mehr Aufklärung an Bildungseinrichtungen und Kindertagesstätten über psychische Misshandlung an Kindern erfolgen, sodass das Jugendamt von Erziehern und Lehrern ggf. informiert werden und handeln kann.
 

SFX

Namhaftes Mitglied
Ach ja, mein Nachbar wurde vor vielen Jahren mal wegen Totschlag verurteilt und saß im Knast! Ich verstehe mich blendend mit ihm, er ist trotzdem ein toller Kerl! Klar, was er da mal gemacht hat war ganz offensichtlich nicht okay, aber irgendwann ist's doch auch mal gut. Es wird so viel über Integration und Wiedereingliederung geredet, aber solche Menschen sind stigmatisiert. Weshalb sollte man ihn nur nach seiner Tat (die er übrigens schwer bereut) bewerten, und nicht den Menschen in ihm sehen?

Liebe Grüße,
SFX
 

Santino

Namhaftes Mitglied
Ach ja, mein Nachbar wurde vor vielen Jahren mal wegen Totschlag verurteilt und saß im Knast! Ich verstehe mich blendend mit ihm, er ist trotzdem ein toller Kerl! Klar, was er da mal gemacht hat war ganz offensichtlich nicht okay, aber irgendwann ist's doch auch mal gut. Es wird so viel über Integration und Wiedereingliederung geredet, aber solche Menschen sind stigmatisiert. Weshalb sollte man ihn nur nach seiner Tat (die er übrigens schwer bereut) bewerten, und nicht den Menschen in ihm sehen?

Liebe Grüße,
SFX
So ist es. Jeder Mensch hat ein Recht auf Resozialisierung und Reintegration. Und die Forschung zeigt deutlich, dass es diese Ansätze sind, die Straftaten langfristig erfolgreich verhindern. Für die Härtefälle gibt es den Massregelvollzug und ggf. Sicherungsverwahrung.
 

cafard

Aktives Mitglied
Die stärkste Form der Verleugnung solcher Missstände ist die Schuldzuweisung an das Opfer. Das Opfer sieht sich angeblich selber als den besseren Menschen und sucht im Umfeld nur die Täter. Wenn ich auf diese Einstellung stoße, dann weiß ich sofort, da wollen die Leute etwas nicht wahr haben.

Niemand von uns ist ohne Schuld, auch nicht die Opfer von Mobbing und Gewalt. Niemand behauptet, dass die Opfer heilig sind oder sich als Heilige sehen. Das ist Unsinn. Auf die Weise wird, auch und gerade vor sich selber, von den unerträglichen Tatsachen abgelenkt. Das ist eine Form der Verleugnung, weil man es nicht ertragen kann und will, hinzusehen.

Was auch immer jemand für Eigenschaften hat oder was er selber auch immer an Schuld auf sich geladen hat, gibt niemandem das Recht zu Mobbing und Gewalt. Auch die Probleme, die der Täter selber hat, sind in keinem Fall durch Mobbing und Gewalt gegen andere zu lösen sondern auf angemessenem Wege.

Solange wir verleugnen, nicht wahr haben wollen und Schuldumkehr betreiben, werden wir diese Probleme nie in den Griff bekommen.
 

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