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Warum nur habe ich das Gefühl, dass die Welt da draußen voller Täter ist?

Weltkind

Aktives Mitglied
Und noch ein wichtiger Punkt: Indem man sagt, jemand solle nicht in der Opferrolle verharren, wird die Tat und der Täter vollkommen ausgeblendet. Das Problem wird auf das Opfer geschoben - aber das Problem liegt nicht bei dem Opfer, sondern beim Täter. Der Täter muss sein Verhalten ändern, nicht das Opfer.
Man löst Probleme selten indem man fordert, der andere möge sich ändern. Wie sollte man das durchsetzen können?
Erfolgversprechender ist der Blick auf sich selbst und das Hier und Jetzt.
Vergangenen Taten, die mein Hier und Jetzt maßgeblich beeinflussen, erteile ich die Macht dazu - aus welchen Gründen auch immer, und sei es mangelnde Kraft.
Das ist eine Entscheidung, meist unbewusst.
Daraus zieht man auch einen Gewinn - etwas, das auch nicht gerne gehört wird.

Leide ich längerfristig unter etwas Vergangenem, habe ich das Problem damit, nicht der Täter. Also muss ich mich mit mir auseinandersetzen und ergründen, wo ich ansetzen könnte. Und mein Verhalten/mein Denken entsprechend ändern.
Oder verharren. Wofür ich mich dann aber entschieden habe.

Ich schrieb explizit, dass ich auf Täter-Opfer aus einem anderen Blickwinkel schauen möchte, nicht begrenzt bezogen auf Gewalttaten u. ä.

Der Vergleich stammt also nicht von mir...auch wenn ich nun bedingt darauf eingehe.




 

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Apollina

Aktives Mitglied
Leide ich längerfristig unter etwas Vergangenem, habe ich das Problem damit, nicht der Täter. Also muss ich mich mit mir auseinandersetzen und ergründen, wo ich ansetzen könnte. Und mein Verhalten/mein Denken entsprechend ändern.
Oder verharren. Wofür ich mich dann aber entschieden habe.
Das ändert aber nichts daran, dass die Tat ein Problem ist. Klar ist langfristiges Leid nicht das Problem des Täters, außer es löst bei ihm starke Schuldgefühle aus, aber ohne Tat gäbe es dieses Leid es erst gar nicht. Außerdem hinterlassen manche Taten Traumata, soziale Phobien oder ähnliches. Da ist oft jahrelange Arbeit nötig, um das Leid zu mildern. Manchmal funktioniert es auch gar nicht und das ist bestimmt keine Entscheidung. Ich habe mich zum Beispiel nicht dazu entschieden eine soziale Phobie zu entwickeln und trotz Medikamente und Therapie bin ich nur minimal voran gekommen.
Genauso gibt es Gewalttaten, die dazu führen, dass das Opfer chronische körperliche Probleme davon trägt. Da kann man nicht einfach sagen "du wurdest vor etlichen Jahren verprügelt, aber jetzt entscheide dich doch mal dazu, dass du keine (physischen) Schmerzen mehr hast".
Daher ist es wichtig zu sagen, dass man schädliches Verhalten, Mobbing, Missbrauch, Gewalt etc. nicht toleriert! Und dazu gehört eben auch, dem Täter deutlich zu machen, dass er sich so eben nicht verhalten kann.

Ich schrieb explizit, dass ich auf Täter-Opfer aus einem anderen Blickwinkel schauen möchte, nicht begrenzt bezogen auf Gewalttaten u. ä.
Der TE bezieht sich aber in diesem Thread auf Gewalttaten, Missbrauch, Mobbing und ähnliches.
 

Weltkind

Aktives Mitglied
Das ändert aber nichts daran, dass die Tat ein Problem ist. Klar ist langfristiges Leid nicht das Problem des Täters, außer es löst bei ihm starke Schuldgefühle aus, aber ohne Tat gäbe es dieses Leid es erst gar nicht.


Außerdem hinterlassen manche Taten Traumata, soziale Phobien oder ähnliches. Da ist oft jahrelange Arbeit nötig, um das Leid zu mildern.





Der TE bezieht sich aber in diesem Thread auf Gewalttaten, Missbrauch, Mobbing und ähnliches.

Der TE bezieht sich darauf, richtig. Ich brachte einen weiteren, übergeordneten Blickwinkel ins Spiel. Manchmal kann man sich daraus gute Impule holen.
Was jeder daraus machen möchte, bleibt ihm überlassen.

"Die Tat" als Problem bestritt ich nirgends. Eine Tat war eher nicht mein Thema.

Da ich aber u. a. eine komplexe PTBS habe, kenne ich mich mit Traumata etc. ganz gut aus, auch mit der damit verbundenen jahrelangen Arbeit und kleinschrittigen Erfolgen.
Und doch gibt es auch rasche Fortschritte und eine andere Art des Umgangs damit.
Ebenso wie der Umgang mit chron. Schmerzen stark differieren kann.
Dies sollte man nicht ausblenden.

Und es gibt den Krankheitsgewinn, ebenso wie die Komfortzone. Beides nicht unrelevante Fallen. Dafür ein Bewusstsein zu entwickeln ist in der Regel auch Arbeit.
 

grisou

Namhaftes Mitglied
Dass ich von Borderline betroffen bin, wäre mir völlig neu
das wollte ich auch nicht damit sagen. mir ging es um die entwicklung von verhalten und nicht um eine diagnose.

Ich meine, dass mit meiner Wahrnehmung alles in Ordnung ist. Missbilligt, abgewertet, hämisch ausgelacht zu werden nimmt man als sehr verletzend, gar existenzbedrohend wahr, da man sozial entwertet und ausgeschlossen wird (der Mensch ist ein soziales Wesen).
da hast du mich völlig missverstanden. wenn ich das richtig in erinnerung habe, hast du ebenfalls sehr früh traumatische verhältnisse erlebt. und aus diesen erfahrungen heraus entwickelt man eine hohe sensibilität gegenüber gefahren, ungerechtigkeiten.

das heißt gleichzeitig allerdings auch, dass man dazu neigt, angriffe asnzunehmen, wo eigentlich keine sind. und man darum sich selbst mehr hinterfragen sollte.

wie das typische, ein freund hat sich lange nicht mehr gemeldet. und man denkt "typisch, kein mensch interessiert sich für mich." es kann aber auch einfach sein, der freund hatte eine miese zeit und sich allgemein zurückgezogen. welche lösung dir das gehirn zuerst anbietet, hängt mit den erfahrungen zusammen. wenn man das immer so erlebt, dass menschen einen ausnutzen, nur dann anrufen, wenn sie einen brauchen, kommt einem dieser gedanke zuerst und man nimmt das gar nicht mehr für sich wahr, dass es auch andere erklärungen geben könnte.

die wahrnehmung ist in diesem fall ja doch nur "der hat lange nicht mehr angerufen". warum er das tut, ist eine interpretation.


Meine Wahrnehmung hier umzukrempeln hieße für mich, verrückt werden zu müssen. Das möchte ich nicht. (Und so meinst du das ja auch sicher nicht.)
deine frage war, warum du den eindruck hast, die welt da draußen ist voller täter. kurz gesagt, unsere erfahrung prägt unsere sicht aufs leben. und ich wollte dich nur aufmerksam machen, das hat man mittlerweile auch nachgewiesen, dafür gibt es körperliche voraussetzungen.

hilft also nichts zu sagen, mensch, schau doch mal, das ist doch alles ganz anders, tatsächlich muss man die erfahrung machen, dass es anders ist. und das finde ich verdammt schwer. und da frage ich mich im umkehrschluss, natürlich kann ich die verantwortung übernehmen und mir eine wohlgesonne und wertschätzende umgebung suchen. und wie groß ist die wahrscheinlichkeit, dass ich die finde?

ich sehe nicht, dass du in einer opferrolle festhängst, du bemühst dich, du bist auf der suche, du reflektierst deine sicht der dinge. du stellst dich dem schmerz. das ist aktiver als viele andere an die sache rangehen.


Ich finde, du hast hier (wieder mal) einen top Beitrag geschrieben
danke dir.
 

Hr. Pinguin

Aktives Mitglied
hilft also nichts zu sagen, mensch, schau doch mal, das ist doch alles ganz anders, tatsächlich muss man die erfahrung machen, dass es anders ist. und das finde ich verdammt schwer. und da frage ich mich im umkehrschluss, natürlich kann ich die verantwortung übernehmen und mir eine wohlgesonne und wertschätzende umgebung suchen. und wie groß ist die wahrscheinlichkeit, dass ich die finde?
Das war vor diesem Corona schon sehr schwierig für mich. Jetzt ist es nur noch Katastrophe.
Man muss versuchen, das irgendwie zu überleben.

ich sehe nicht, dass du in einer opferrolle festhängst, du bemühst dich, du bist auf der suche, du reflektierst deine sicht der dinge. du stellst dich dem schmerz. das ist aktiver als viele andere an die sache rangehen.
Danke auch. :)
 
Zuletzt bearbeitet:

Daoga

Urgestein
Unser Gerechtigkeitssinn ist so ausgeprägt, dass wir für derart geschädigte Eltern, die einen so unfassbar schweren Verlust erleiden würden, eine gewisse Verständnis für ihre Tat aufbringen könnten.

Irgendwo hier in diesem Forum schrieb jemand, dass er froh sei, in einem System zu leben, in dem Selbstjustiz nicht erlaubt ist und es eine höhere Rechtssprechung gibt. Dem kann ich nur beipflichten.
Als der Staat die Rechtsprechung und Straffestsetzung als Monopol an sich zog, machte er gewissermaßen einen Vertrag mit dem Volk, in dem von Gerechtigkeit die Rede war. Das Verhängen von der jeweiligen Tat angemessenen Strafen. Nicht schlimmer, aber auch nicht verharmlosend.
Im Gegenzug dafür verzichteten die Geschädigten auf eigene Racheaktionen, ein Fortschritt gegenüber der vorher gültigen Blutrache, die nicht selten ganze Familienklans zerstörte und ein friedliches Zusammenleben unmöglich machte.

Wenn der Staat aber heute wegen "modernem" Gutmenschentums (die Sorte Gutmenschentum, die zu Recht ein Schimpfwort ist) Täter mit nur einem Klaps auf die Hand laufen läßt, frei für die nächsten Übeltaten, während das Opfer dumm da steht und auf seinem Schaden sitzen bleibt, dann ist dieser alte Vertrag einseitig gebrochen. Und braucht daher auch von der anderen, der geschädigten Seite, nicht mehr eingehalten zu werden.

Genau das passiert, wenn ein Elternteil den Mörder des eigenen Kindes niederstreckt. Das Ausüben von Gerechtigkeit auf die eigene Kappe, weil der Staat dazu nicht mehr willens oder fähig ist. Jede solche Handlung ist somit ein Schlag ins Gesicht der modernen Rechtsprechung, die offensichtlich nicht mehr an Gerechtigkeit, die diesen Namen verdient, interessiert ist.
Wie heißt die alte Parole, wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.
Und wer privat geübte Rache verhindern will, muß für echte Gerechtigkeit sorgen. Nicht für Täterverhätschelung.
 
G

Goast

Gast
Die wenigsten können sich ihre Rolle im Leben aussuchen.
Du kannst die aber ändern, keiner muß das leben was ihm nicht guttut.
Der Schlüssel zu einem aktiven Leben: Eigenverantwortung übernehmen!
Um ein selbst bestimmtes und bewußtes Leben führen zu können, gilt es vor allem zu erkennen, daß nur du selbst für dein Leben verantwortlich bist.
Wir sind es zu sehr gewohnt, uns gegenseitig Verantwortungen zuzuschieben und fühlen uns deshalb vielleicht bei solchen Aussagen provoziert.
Wir sind verletzt worden, enttäuscht, vielleicht betrogen.
Viele von uns haben eine schlimme Kindheit erlebt oder wir hatten andere ungünstige Startbedingungen.
Heute sind wir erwachsen und es liegt in unserer Hand, von nun an für uns selbst zu sorgen.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Daoga

Urgestein
Die wenigsten können sich ihre Rolle im Leben aussuchen.
Du kannst die aber ändern, keiner muß das leben was ihm nicht guttut.
Der Schlüssel zu einem aktiven Leben: Eigenverantwortung übernehmen!
Schöne Worte für Erwachsene, aber was ist mit Kindern, die aus üblen Verhältnissen nicht fliehen können? Die Saat wird im Kindesalter gesät! Später kann man sich davon distanzieren, als Kind wußte man es einfach nicht besser, woher auch. Kinder sind Spiegel, die alles gute, aber auch alles schlechte zurück- bzw. weitergeben. An Gleichaltrige oder irgendwann an eigene Kinder, wenn sie sich der Fehler bis dahin nicht bewußt geworden sind.
 

Kylar

Namhaftes Mitglied
ich habe mal ein sehr sehr beeindruckenes Interview gelesen, das mich all die jahre nicht los lässt und das für mich einige Fragen zum Thema gerechtigkeit beantwortet hat und dies nach wie vor tut.
Es war ein Interview mit einem Vater dessen Kind entfürt, missbraucht und getötet wurde. Also schlimmer geht es ja nicht mehr und wenn so ein Vater danach den Wunsch hat, den Täter zu killen, dann wird wohl jeder das nachvollziehen.
naja, jedenfalls frage man ihn, genau das: Ob er nicht den Wunsch hätte, wenn er könnte, diesen Täter umzubringen und er sagt: "Ja natürlich habe ich diesen Wunsch und wenn ich könnte würde ich nicht zögern und es tun, aber ich bin froh, dass ich in einem Land leben, das mich dafür bestrafen würde"

Wow! GENAU das ist es doch! Wir alle sind nicht gefeit vor diesem Wunsch und dieser Wunsch ist menschlich: Wenn uns etwas angetan wird (egal ob sehr schlimm oder eher wengier schlimm) dann ist der Wunsch nach Rache menschlich, vielleicht sogar sinnvoll. ABER: Unsere gesellschaft darf die Ausführung dieser Rache natürlich niemals dulden. Und genau da liegt doch der hase im Pfeffer: man sollte Leute niemals für den WUNSCH nach Rache verurteilen: Den darf man haben- die Gedanken sind frei und oftmals ist genau dieser Wunsch nach rache ein Stück auf dem Weg der "Heilung" (solange es nicht zu ausschweifend wird und sich versälbständigt). Wut usw sind erste gefühle auf dem Weg zum gesund werden. Wer Wut auf den Täter hat, der ist auf einem besseren Weg, als wenn der Hass sich zB auf einen selbst legt (was ja bei vielen Opfern so ist, die noch nicht so weit sind)
Also Wut, hass, Rachegedanken sind ein gesunder Weg der PSyche, sich abzugrenzen und Dinge zu verarbeiten. Und diese Wut darf auch in entsprechendem Rahmen rausgelassen werden.
ABER: Wir leben in einer Gesellschaft und wir stehen alle dafür ein, dass wir die Rache NIEMALS aussführen. (zumindest nicht im illegalen Rahmen)

ich denke, das geht bei dieser Diskussion gerade ein wenig verloren: Es besteht ein Unterschied zwischen Rachegedanken und der Ausführung einer Rache: Das eine ist positiv, das andere darf nicht passieren! Von einem Opfer zu erwarten, dass es diese Rachegedanken nicht hat, ist sinnlos, nicht an der Realität und auch "ungesund". kein Psychiater würde zu einem Opfer sagen: "Das ist jetzt aber unkorrekt dem Täter gegenüber"- DANN braucht man garkeine Therapie- dann kann man es gleich sein lassen. Im Gegenteil: Wut und Hass müssen raus und dürfen raus und wahrscheinlich würde ein Therapeut seinen Klienten genau dazu animieren: Die Rache und die Wut zu artikulieren: In Worten, Gedanken, im auf den Sandsack hauen usw. Aber eben nicht in einer Straftat.
Und so handhabt es ja auch unsere Justiz und nur so ist es richtig!

Also vielleicht bezieht ihr diesen Aspekt mal mehr in diese Diskussion mit ein. Denn er ist hier total wichtig. Es besteht ein Unterschied zwischen Gedanke und Tat!
Deinen Beitrag finde ich super.

Ich selber bin früher ja auch gemobbt worden, und sehe das genau wie du.
Ich selber wünsche dem Hauptmobber von damals wirklich nur schlechtes und werde ihm auch nie verzeihen, was er da abgezogen hat. Und wenn ich wüsste, ihm würde irgendwas schlimmes passieren, dann würde ich mich freuen, weil es mir zeigen würde, dass es tatsächlich doch noch sowas wie (gefühlte) Gerechtigkeit auf der Welt gibt.
Grad als Mobbingopfer hat man dieses Gefühl oft leider nicht. Da gibt es keinen offiziellen Strafspruch, der sagt "das was du (der Täter) getan hast, war nicht in Ordnung und ist verurteilenswert". Wenn einfach niemand da ist, der diese Tat verurteilt, fühlt man sich als Opfer noch mieser, denn man hat das Gefühl: wenn niemand die Tat verurteilt, der Täter trotz Mobbens sogar mit der beliebteste Schüler der ganzen Klasse ist, dann scheinen alle wohl zu meinen ich hätte das verdient, oder es wäre zumindest nicht schlimm, dass es mich trifft; und alle scheinen zu meinen, dass der Täter, obwohl er mich fertig macht (oder sogar WEIL er mich fertig macht?) ein cooler, super dufte Typ ist.

Bei mir gabs unter Lehrern, Mitschülern und Eltern einen einzelnen Lehrer, der einmal ausgesprochen hat "das was der Mobber da macht ist falsch" und allein das mal aus dem Mund einer Person gehört zu haben, hat mir schon was gebracht, aber weils leider wirklich nur ein einzelner Lehrer war und selbst meine eigenen Eltern das Mobbing gerechtfertigt haben, gabs für den Mobber nicht wirklich eine schmerzhafte Konsequenz und das Mobbing wurde danach noch schlimmer, weil der Mobber es an mir ausgelassen hat, dass er "meinetwegen" statt einer 1 nur eine 2 im Zeugnis bekommen hat.

Also für mich wäre es späte Gerechtigkeit, wenn meinem Mobber irgendwas schmerzhaftes passieren würde. Wenn Lehrer, Schüler, Eltern (fast) alle kein Bock drauf hatten, dem Mobber irgendwelche Konsequenzen aufzuzeigen, dann solls eben Karma erledigen. Wenn auch verspätet.

Aber letzten Endes sind es eben Gedanken. Und ich finde, die darf man einem (ehemaligen) Opfer ruhig zugestehen. Sich Gerechtigkeit zu wünschen, finde ich ganz menschlich. Und damit meine ich nicht das juristische Recht, sondern gefühlte Gerechtigkeit.
Das es juristisch anders gehandhabt wird, weiß ich und finde ich gut. Wenn zum Beispiel jemand fahrlässig meinen ehemaligen Mobber anfährt und so verletzt, dass das dessen Sportkarriere kaputtmacht, dann will ich, dass der Unfallfahrer dafür angemessen bestraft wird. Im Stillen kann ich mich aber trotzdem freuen und denken "Tja, Karma ist eine geduldige Bitch".

Ich find es auch vollkommen menschlich und legitim, dass man, wenn man selber Opfer geworden ist, da nicht grade differenziert über den speziellen Täter , der einem das angetan hat, nachdenken und urteilen möchte, nach dem Motto "vielleicht hatte der ja auch ein schweres Leben/ so seine Probleme?".
Ich finde es wichtig, dass solche Fragen gestellt werden, aber man sollte auf jeden Fall nicht verlangen, dass das Opfer sich Gedanken über diese Fragen machen sollte.
Aber wie gesagt, stellen sollte man solche Fragen schon. Denn sich ernsthaft zu fragen "Warum wird ein Mensch zum Täter?" ist Prävention und schützt potentielle Opfer. Mit "Täter sind einfach Monster"-Denke kommt man nicht weiter. Ich denke da z. B. an Amokläufe an Schulen (zugegeben völlig anderes Kaliber als Mobbing) , wo man häufig an den Trauerstellen diese "Warum?"- Schilder findet. Wenn Leute dann jedoch tatsächlich hinterfragen, warum es so weit kommen konnte und was den Täter dazu getrieben haben könnte, statt beim einfachen "der Täter war eben ein Monster und soll in der Hölle schmoren" zu bleiben, wird diesen Leuten oft unterstellt sie würden versuchen, die Tat des Täters zu rechtfertigen.
Man rechtfertigt aber nichts, wenn man Erklärungsversuche sucht (und die "bösen" Videospiele/Gewaltfilme sind es meist nicht). Nur wenn man weiß: wie konnte es dazu kommen , kann man gegensteuern, dass sowas wieder passiert.
Aber auch hier: von den Opfern so einer Tat sollte man solche Fragen eher fern halten und das anderen Leuten überlassen. Die Opfer, die dürfen wütend sein und den Täter verteufeln.

Es kommt einfach drauf an von welcher Ebene man guckt. Guckt man, als selbst betroffenes Opfer, von einer emotionalen Ebene; dann finde ich es vollkommen legitim, wütend zu sein , und einen Wunsch nach "Gerechtigkeit"/Vergeltung zu haben.

Guckt man von sachlicher Ebene ist es wichtig zu differenzieren;
zu schauen, was das deutsche Rechtssystem hergibt, wenn es um Täter-Bestrafung geht;
den Täter nicht zu verteufeln, denn er ist kein Teufel, sondern ein Mensch;
wirklich zu fragen "warum ist dieser Mensch zu einem Täter geworden"
wichtig dem Täter, die Chance zu geben, sich zu rehabilitieren, denn gibt man ihm diese Chance nicht, dann hat man einen Menschen, der eh nichts mehr zu verlieren hat, und grad solche Menschen sind die gefährlichsten
 

kasiopaja

Namhaftes Mitglied
Ich wünsche keinem einzigen, der mich damals gepiesackt hat was Schlechtes.

Es war damals , wie es war und wir waren alle noch jung und dumm.

Es interessiert mich eigentlich nicht mehr.

Nur insofern, dass es auch was Gutes haben kann.

Da ich damals viel wegen Äußerem gedißt wurde, lege ich nicht so viel wert auf Äußeres heutzutage und es hat mich irgendwie abgehärtet. Ich rege mich nicht so schnell auf und bin widerstandsfähiger , als ich es , vermutlich , sonst geworden wäre und dankbarer für das was ich habe. Auch an Freunden.

Aber Schlechtes wünsche ich keinem. Irgendwie hat es ja auch was genützt.

Dennoch bin ich optimistisch geworden und traue den Menschen erstmal, denn es gibt mehr gute , wie schlechte Menschen.

Wenn es sich anders erweist, kann man immer noch reagieren.
 

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