Hallo Amory,
dankeschön für deine Antwort. 🙂
Ja, es ist absolutes Chaos, leider. Innerlich wie äußerlich für mich.
Er kommt aus ziemlich traditionellen Verhältnissen und fühlt sich da ganz konservativ verpflichtet. Er hatte mir auch angeboten, zu heiraten, damit rechtlich alles unter Dach und Fach ist, das Kind seinen Namen bekommt, ich versorgt bin, falls etwas mit ihm sein sollte usw. Wie er sich das mit dem Zusammenleben vorgestellt hat, weiß ich auch nicht. Das meiste, was in letzter Zeit von ihm gekommen ist, hat mich auf diese Art vor den Kopf gestoßen, weil ich es wirr finde. Er meinte auch, dass wir heiraten könnten und nicht zusammen leben müssten, halt alles fürs Papier. Ich fand diese Gedanken schrecklich und habe das alles ziemlich entrüstet abgelehnt. Daraufhin wusste er mal wieder nicht, wie er mit mir umgehen soll.
Meine Gefühle schwanken ganz stark und extrem, ich habe soetwas auch noch nie erlebt. Auf der einen Seite liebe ich ihn immer noch und auf der anderen bin ich wahnsinnig verletzt und auch wütend. Ich habe es auch satt, jedenfalls empfinde ich das so, als Problemfall behandelt zu werden. Einmal hatten wir ein Telefonat, bei dem er auflegte, weil ich mich wirklich habe gehen lassen und extrem geheult habe und auch patzig wurde. Er meinte da nur "vielleicht meldest du dich wieder, wenn es dir mal wieder besser geht" und dann war die Verbindung weg. Das war spät abends und ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan, am nächsten Morgen entschuldigte er sich dann. Dann lief es mal wieder, per Nachrichten ein paar Tage ganz gut, unsere Kommunikation wurde sogar liebevoll und wir näherten uns an, aber ich war eben wegen vielem, das ich jetzt nicht einfach so vergessen kann, doch noch verletzt und wollte das ansprechen, woraufhin es zum Streit kam und er meinte, dieses "Hin und Her" von mir sei Gift für ihn und seine Gesundheit und ich wolle ihn nur leiden lassen und das könne er nicht mehr, ich müsse mich zusammenreißen, nur dann könnten wir reden.
Das habe ich satt und macht mich noch wütender. Ich bin bestimmt zu ungeduldig, aber ich habe nun wegen dieser Sache auch viele Probleme und stehe damit allein da, während er von verschiedenen Leuten Beistand bekommt. Und seiner Ex lässt er dafür alles durchgehen. Diese habe ich übrigens geblockt, weil mich das nur verletzt hat. Sie ist auch nicht manisch-depressiv, wie ich hier mal schrieb, sondern Borderliner, wie ich herausgefunden habe. Nichts gegen Borderliner, aber sie übertritt wirklich alle Grenzen, auch ihm gegenüber und ich bin unglaublich wütend auf diese Frau. Ich habe manchmal die schlimmsten Gedanken ihr gegenüber und bin rasend eifersüchtig, auch, wenn ich weiß, dass ER das alles ja zulässt und ihr ja sagen könnte, dass er er keinen Kontakt will oder sie mich in Ruhe lassen soll. Ich weiß, dass es mehr an ihm, als an ihr liegt, aber man wird da so irrational.
Mir ging es im Januar so schlecht, dass ich fest vorhatte, in eine Tagesklinik zu gehen. Ich hatte bereits Suizidgedanken und kam von diesem ganzen Gedankenkarussell nicht mehr herunter. Es war wirklich so, als ob es kein vor und kein zurück mehr gäbe. Es war einfach so schlimm, dass ich mich daran gar nicht mehr erinnern will. In der Klinik hätte ich aber Medikamente nehmen müssen und das wollte ich wegen dem Baby nicht. Ich habe andere Schritte unternommen, die Ex geblockt, auch diverse andere Kontakte, die mir schlecht taten, gekappt, Hypnosen gemacht, bin allein spazieren gegangen, habe viel gebetet und zuletzt meine Arbeit gekündigt. Seitdem geht es mir mit jedem Tag etwas besser. Ich habe Angst vor dem nächsten Einbruch, aber ich hoffe, er bleibt aus.
Wer mir wirklich eine Hilfe ist, ist sein Bruder. Ich kann mich auf ihn verlassen und ihm vertrauen. Meine Mutter und meine beste Freundin, sowie noch eine Freundin, die leider weit weg wohnt, habe ich von der Schwangerschaft erzählt. Sie waren ziemlich geschockt, aber reagierten doch milder und unterstützender, als ich befürchtete. Allerdings verteufeln sie natürlich ihn und das startet mein Gedankenkarusell wieder.
Ich fühle mich trotz allem so in der Schwebe, das ist unerträglich. Ich habe ihm inzwischen öfters gesagt, dass er mir einfach sagen soll, wenn es nichts mehr wird. Ich wünsche mir tief im Innern zwar immer noch - das muss ich zugeben -, dass wir wieder zueinander finden, aber es wäre irgendwie besser, wenn es wenigstens eine feste Aussage gäbe. Aber darum drückt er sich auch. Er fängt dann eben von seiner ganzen Situation an und ich fühle mich dann auch mies.
Es stimmt, es ist wirklich nicht leicht für ihn. Der Schlaganfall war einfach das schlimmste, was jetzt hätte passieren können und die OP hat nicht mal die Schmerzen beseitigt, die er hatte und weswegen sie unter anderem ja durchgeführt wurde. Ich habe im Moment irgendwie auch ein wenig Angst, ihn zu besuchen. Manchmal denke ich mit Schrecken daran, was mich da wohl erwarten wird, was mit ihm ist, wie es ihm geht usw. Ich spüre, auch, wenn ich nichts von ihm höre - und es ist untypisch für ihn, sich über lange Zeit wirklich gar nicht zu melden, was er jetzt aber öfters macht - dass er in einem absoluten Tief sein muss. Aber ich kriege ihn nicht da raus. Er hat mich gebeten, für ihn da zu sein, aber wie soll ich das machen, wenn ich nicht mal mit ihm reden kann, wenn er nicht reagiert?
Vielleicht bin ich wirklich zu ungeduldig, aber irgendeine Sicherheit braucht man ja auch... 🙁 Irgendeine Aussage, bei der man sich sicher fühlen kann, meinetwegen auch negativ. Wo man weiß wo man dran ist und wie es in etwa weitergehen soll. Dieses Hin und Her spielt ja hauptsächlich er. Ich habe jetzt auf Nachfrage wieder keine Antwort, ob ich Mittwoch kommen soll. Aber sofern ich mich gut fühle - und da gucke ich jetzt, habe ich mich entschlossen, hauptsächlich nach mir selbst - werde ich hinfahren und ihn meinetwegen "überraschen".
Ich finde es wirklich schwierig, weil durch das Kind eine Verbundenheit da ist. Wenn ich nicht schwanger wäre, hätte ich mich vielleicht doch mal dazu durchringen können, einfach ein oder zwei Monate den Kontakt von meiner Seite zu blocken, aber das geht jetzt kaum und gleichzeitig würde ich es auch nicht machen wollen, weil er eben in dieser Klinik und körperlich und seelisch ziemlich am Ende ist.
Was das Baby angeht, muss ich ehrlich sein und sagen, dass ich mir bis zuletzt unsicher war, ob ich es haben möchte. Die Entscheidung hat mir letztlich praktisch "das Schicksal" abgenommen und ich bin froh damit. Ich wollte ja immer ein Kind, der Gedanke, es nicht haben zu wollen, kam auch hauptsächlich aufgrund meiner psychischen Verfassung, ich hatte solche Angst, eine schlechte Mutter zu werden. Aber nun freue ich mich darauf. Es klingt vielleicht schnulzig, aber trotz allem ist dieses Kind ein Liebeskind und auch, wenn dieser Mann mir bis jetzt ziemlich das Herz gebrochen hat wie noch kein Mann, so habe ich auch noch keinen Mann so gern gehabt und ich bin mir sicher, dass ich auch den Teil von ihm - er ist tief im Innern ein wunderbarer Mann - in dem Kind lieben werde und stolz darauf sein werde.