Hallo alle zusammen!
Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich erst nach so langer Zeit wieder schreibe. Ich wollte wirklich nicht den Eindruck erwecken, dass ich nur hierher komme, weil ich reden will (obwohl ich das sehr gern möchte 🙂) und dann wieder verschwinde, aber es ist wirklich sehr viel passiert in der letzten Zeit. Ich habe oft an das Forum gedacht, kam aber leider nie wirklich dazu, beziehungsweise war ich oft einfach müde und kaputt, wenn ich mal Zeit hatte. Aber als ich heute die Benachrichtigung in meinen Emails fand, wollte ich unbedingt updaten.
Ich war im Februar zu ihm gefahren und es verlief alles viel besser als gedacht. Wir konnten reden und haben ein paar schöne Tage, so gut das eben möglich ist, wenn jemand mit seiner Situation in einer Reha ist, verbracht. Dann wurde ich krank, noch während ich dort war. Ich dachte an eine Erkältung, aber ich hatte sehr hohes Fieber, ich konnte plötzlich nur noch im Bett liegen und musste auch ins Krankenhaus, weil ich eine ganz starke Grippe hatte, von der ich mich erst vor kurzem so richtig erholt habe, es ging mir wirklich sehr schlecht. Vermutlich, denke ich, kam das, weil ich schon so lange psychisch in einer ganz schlechten Verfassung gewesen war und mich alles so fertig gemacht hat. Ich hatte auch sehr grosse Angst um mein Kind.
Während der Zeit hat er sich, so gut es ging, um mich gekümmert. Ich kam dort ins Krankenhaus wo er auch in Reha ist und er hat mich, wenn er konnte, besucht bzw. sich dort vorbei bringen lassen. Nachdem es mir wieder einigermassen gut ging, habe ich noch Zeit bei meiner Freundin verbracht und später an den Wochenenden in einem Hotel verbracht und ihn regelmässig in der Klinik besucht. Es war alles ziemlich anstrengend, aber er hat sich sehr bemüht und wir kamen uns sehr nahe in dieser Zeit.
Dann kam vor etwa drei, vier Wochen ein Punkt, an dem er einfach nur noch in ein Loch gefallen ist. Er hat in dieser Klinik alles versucht und jedes Programm bis zur Erschöpfung durchgezogen, bis er wohl plötzlich merkte, dass sich nichts mehr wesentlich besserte. Ich weiss gar nicht, ob ich das mal erwähnt habe, aber Musik ist eine private Leidenschaft von ihm und er hat unglaublich gut Klavier und Gitarre gespielt, diesbezüglich hat er in der Rehaklinik auch viel gemacht, bis er merkte, dass das mit der Hand einfach nicht besser wird. Er kann seine Finger nicht richtig gerade machen, den Zeigefinger und Daumen gar nicht mehr bewegen, den Arm nicht richtig ausstrecken und er hat so sehr mit Spastiken zu kämpfen, dass er dagegen starke Medikamente bekommt.
Er hat eine richtig schwere Depression entwickelt und seitdem komme ich nicht mehr an ihn heran, sonst aber auch niemand. Er ist dort in psychologischer Behandlung und man merkt, dass er sich bemüht, Hoffnung zu entwickeln, aber mit Argumenten kommt man da nicht weiter. Er hat mir gegenüber zugegeben, dass er sich schon überlegt hat, sich das Leben zu nehmen. Er versuchte lange, sich das alles gar nicht anmerken zu lassen, stattdessen kam von ihm immer weniger, er ist in seiner Gedankenwelt versunken, hat nicht mehr geantwortet oder wenn ich mal da war, fast gar nichts mehr geredet. Ich habe mit Ärzten geredet und auch mit dem Personal in der Klinik und die meinten, dass solche Wesensveränderungen (er ist in einigem anders geworden, kann sich auch nicht mehr so lange auf etwas konzentrieren, hat oft Schwindel usw.) und besonders Depressionen nach einem Schlaganfall oft vorkommen und sein Fall, wo er ohnehin schon eine Behinderung hat, macht alles noch schwerer.
Er ist jetzt noch zwei Wochen in Reha und im Moment haben wir seit zwei Wochen gar keinen Kontakt. Ich lasse ihn aber auch einfach in Ruhe, denn wir haben darüber öfters geredet und ich glaube, ich kann einfach nicht mehr tun - ich habe ihm sehr oft gesagt, dass er mich jederzeit erreichen kann und ich für ihn da bin, wenn er reden will oder, dass ich komme, aber im Moment muss er wohl ganz viel mit sich selbst ausmachen. Unser Sohn, der in 2 Monaten erwartet wird, so sagte er, gibt ihm einerseits den Willen, weiter zu machen, aber andererseits überfordert ihn gerade das, weil er sich total nutzlos und überflüssig fühlt.
Das ist alles sehr traurig und beschäftigt mich nach wie vor fast täglich. Ich denke eigentlich immer an ihn und würde ihm so gern helfen, aber ich musste erkennen, dass ich leider wirklich nichts tun kann und kümmere mich so gut es geht um mich und mein Leben. Ich habe viele Termine und das ganz normale Alltagsleben, das ich in den letzten Monaten oft auch vernachlässigt habe, halten mich auf Trab.
Viele haben mir gesagt, dass ich mich entscheiden müsse und in meinem Innern habe ich mich für den Vater meines Kindes entschieden, auch, wenn im Aussen alles so schwierig ist. Ich hoffe, dass es ihm besser gehen wird, wenn er nach Hause kommt, wobei ich nach Recherchen und Gesprächen mit Leuten, die sich damit auskennen, eher befürchte, dass er dann noch mal in ein Loch fallen wird, weil Zuhause oft noch deutlicher wird, wie schwierig der Alltag für ihn geworden ist. Ich hoffe ebenfalls, dass irgendwie ein kleines Wunder geschieht und es ihm wenigstens insoweit besser gehen kann, so dass er vielleicht doch die Geburt unseres Kindes miterleben kann. Ich habe ihm gesagt, dass ich an ihn glaube und das tue ich wirklich, auch, wenn das alles verdammt schwer ist und ich manchmal wirklich damit hadere wie unfair das alles ist. Aber ich versuche so gut es geht nach vorne zu schauen und glaube jetzt einfach immer mehr daran, dass irgendwann alles gut wird. Viel zu verlieren dabei habe ich ja nicht.