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Vielleicht schwanger und Beziehungskrise

Ich muss dazu sagen, meine Mutter war immer eine selbständige Frau mit starken Nerven. Deswegen hat es mir wohl nichts ausgemacht weil ich ihren Halt hatte.
In der Schule hat man dann immer öfter von den Mitschülern gehört dass auch ihre Eltern sich scheiden ließen. Das hat zusammen geschweißt.
Bin heute auch ungeplant alleinerziehende obwohl es geplant war zu heiraten und wurde bitter enttäuscht. Aber es geht gut.

Aber ich verstehe deine Ängste und möchte dir zeigen dass es auch anders laufen kann. Glatter. Mach dich nicht verrückt.

Das ist sehr lieb von dir und es tut mir sehr leid, dass du so enttäuscht wurdest. Ich freue mich wirklich zu hören, dass du damit gut klar kommst. Sicher gibt einem ein Kind ja auch ungemein viel.

Ich stecke im Moment einfach in den Gedanken fest, dass ich nicht Alleinerziehende sein will, weil ich diesen Mann, auch wenn es noch so frisch war, wirklich liebe. Er hat mich wirklich verletzt und sich unverständlich verhalten, aber mein Herz will ihn zurück. Ist das schwach oder dumm oder beides? 🙁

Ich meine, in manchen Momenten sehe ich es so, dass das alles einfach zu schnell ging, ich ihn vielleicht einfach noch nicht lange genug kenne und dann fühle ich mich an der Nase herum geführt, irgendwie auch benutzt und gar nicht mehr respektiert. Besonders in der letzten Woche und manchmal vorher seit diese Krise begann, lässt er mich fühlen, als sei ich eine Idiotin, die ihm hinterher läuft.

Aber auf der anderen Seite ist meine Sehnsucht noch immer so groß. Es kommt gar nichts mehr von ihm...
 
Hallo Sibel,

ihr tut mir beide sehr leid. Ich habe schon länger hier mitgelesen.

Was ich mir bei alledem überlegt habe... Dass er dir nicht sagte, dass er unter starken Schmerzen leidet... Dass er sich so schwer damit getan hat, dir von der bevorstehenden Operation zu erzählen... Ich habe die Vermutung, dass er sich dir immer von der besten Seite zeigen wollte. Das ist am Anfang einer Beziehung oft so und in seinem besonderen Fall vielleicht ganz besonders.

Vater zu werden ist ein einschneidendes Ereignis. Du hast öfters geschrieben, dass er sich eigentlich sehr darüber freut und sich Kinder wünscht. Ein Knackpunkt ist sicher, dass es so unerwartet und im denkbar schlechtesten Augenblick für euch beide passiert ist. Ihm wurde vielleicht bewusst, dass dir das alles aufzeigen könnte wie eingeschränkt er eigentlich wirklich ist. In einer Partnerschaft gibt es schon weniger Verpflichtungen und Verantwortungen, aber als Eltern wird es für euch sicher Situationen geben, bei denen er vielleicht nicht dabei sein kann oder nicht so teilnehmen wie ein "normaler" Vater. Das Beispiel beim Frauenarzt ist sicher keine Ausnahme und ich kann verstehen, dass ihn das sehr frustrieren muss.

So paradox es klingen mag, ich glaube, er hat Angst, dich zu verlieren. Du bist viel jünger, vielleicht sehr attraktiv und er hat diese Erfahrung mit seiner Ex-Ehefrau bereits gemacht, die ihn sicher tief verletzt hat.

Wie lange waren er und seine Frau verheiratet? Wie bald nach seinem Unfall hat sie ihn verlassen? Habt ihr darüber schon mal richtig geredet? Hatte er Beziehungen danach und wenn ja, wie waren die?

Wenn dir diese Fragen zu persönlich sind, musst du keine davon beantworten. Ich würde mir nur gern ein Bild von ihm machen, um ihn richtig einschätzen zu können, was auf diese Art schon schwer genug ist. Wie du ihn schilderst, wirkt er wie ein Mensch, der viel für andere tun möchte und darum bemüht ist, ein Bild von sich aufrecht zu erhalten, dem er nicht immer entsprechen kann. Gleichzeitig scheint er Überforderung schlecht eingestehen zu können.

Was macht er denn beruflich und welche Pläne hatte er, bevor das mit der unerwarteten Schwangerschaft passierte mit der Beziehung?

Ich denke auch, dass er die Sache mit seiner Ex-Ehefrau nicht verarbeitet hat. Sie scheint ja noch viel Macht über ihn zu haben. Dass sie dir weiter schreibt, obwohl du es ausdrücklich nicht willst, ist eine Grenzüberschreitung, egal wie sie es meint.

Er kann, denke ich, schlecht ausweichen. Körperlich ist er ans Bett gefesselt und seine einzige Möglichkeit des Weglaufens ist es vielleicht, mit gespielter Kälte Distanz zu schaffen. Das ist nicht richtig, aber womöglich weiss er es nicht besser im Moment. Dass er dich nach dem Geschenk anrief und dir auch schrieb, dass er gern Silvester mit dir verbracht hätte nachdem er Schluss gemacht hat, zeigt für mich schon, dass du ihm nicht egal bist und er dich einfach abservieren will.

Ich gebe dir recht, dass über das Kind geredet werden muss, damit kann er dich nicht ganz allein lassen. Ich will dir keine falschen Hoffnungen machen, aber ich hoffe, dass es sich vielleicht doch noch einrenkt zwischen euch. Du scheinst ihn sehr zu lieben und ich glaube nicht, dass er das alles so durchdacht macht zur Zeit, ich sehe da Komplexe und Ängste von seiner Seite.

Das stimmt allerdings und hat mich jetzt ziemlich nachdenklich gemacht. Vielleicht bin ich die ganze Sache zu unbedarft angegangen und habe vieles übersehen. Ich habe eine Freundin, die sich mit diesem Krankheitsspektrum sehr gut auskennt und sie meinte, er müsse wirklich schlimme Schmerzen gehabt haben, und ich habe das praktisch gar nicht mitgekriegt.

Das ist etwas kompliziert. Er war beim Militär, wo auch der "Unfall" passiert ist und wechselte danach in den diplomatischen Dienst, da er dort familiär eingebunden ist. Er ist kein Deutscher und tritt in seinem eigentlichen Heimatland als politischer Analyst beispielsweise in TV und Medien auf.

Mit seiner Frau war er 11 Jahre verheiratet und 13 zusammen. Sie hat kurz nachdem er aus der Reha, wohl etwa ein Jahr nach dem Unfall, die Scheidung eingereicht.

Wir haben öfters darüber geredet. Sie war es gewöhnt, ein schickes Leben mit ihm zu führen, mit ihm um die Welt zu reisen und an seiner Seite zu glänzen und sie kam damit nicht zurecht, dass alles nun etwas anders war. Vor allem wohl hatte sie Probleme damit, dass seine Sexualität eine ganz andere geworden ist. Kinder wollte sie nie, worunter er gelitten hat, wie er sagte.

Ich habe einmal den Scheidungsordner gelesen und sie hat ihm wirklich schreckliches angetan. Ihn beleidigt, eine Affäre angefangen, von der sie ihm immer wieder erzählte, was dieser Mann ihr geben könnte, wozu er nicht mehr in der Lage wäre. Einmal zum Beispiel ist er morgens wach geworden und sie hatte ihm den Rollstuhl weggenommen. Sie meinte, er soll ihr mal zeigen, was er in der Reha gelernt hat. Daraufhin musste er auf dem Boden durch die Wohnung robben etc. Es sind mehrere solche Sachen passiert, sie hat ihn richtig gedemütigt und ihn leiden dafür leiden, dass ihr Traum vom Leben zerstört war.

Mir schrieb sie ja jetzt, dass ihr all das so leid täte und sie nun verstanden hätte, dass er der beste Mann war, der ihr je begegnet ist.

Getrennt sind sie 7 Jahre. Er hatte danach ein, zwei Affären und eine ernsthafte Beziehung, die von 2014-16 ging. Das war eine Arbeitskollegin und sie lebten teilweise zusammen. Warum das zu Ende ging, weiß ich nicht wirklich.

Mit mir hatte er geplant, dass wir eben richtig zusammen ziehen in eine gemeinsame Wohnung und er wollte mit mir fest zusammen bleiben, er hat mich sehr bald seiner Familie vorgestellt, mich auf Reisen mitgenommen usw.

Er ist ein eigentlich sehr warmer Mensch und auch ziemlich romantisch. Was du geschrieben hast, bringt mich schon sehr zum Nachdenken. Ich habe nie daran gedacht, dass er vielleicht vieles tut, um mir zu gefallen, aber wenn ich richtig darüber nachdenke, hat er schon eine gewisse Unsicherheit. Ich dachte halt, er würde automatisch verstehen, dass er mir vertrauen kann, dass ich das nicht alles so daher erzähle, dass ich für ihn da sein will, dass mir wirklich nichts an seinem Leben oder Geld liegt. Ich habe mich, so kitschig es klingt, in IHN verliebt, in diese Seele, nicht in einen Mann mit Rollstuhl dran oder einen, der einen guten Job hat und in der Welt herum kommt. Meinetwegen könnte er Müllmann sein oder nur ein halbes Gesicht haben.

Ich habe nicht erwähnt, dass er, als wir wegen des Geschenkes telefonierte, beim Auflegen sagte, dass er mich sehr lieb hat. Ich habe auch nur darüber nachgedacht, dass er nicht sagte "ich liebe dich" und auch nicht über das Kind geredet hat oder unsere Zukunft...

Ich denke sehr viel über morgen nach. Ob ich mich melden soll oder es besser lasse...
 
Liebe Sibel,

es macht mich immer wieder traurig, was Menschen anderen Menschen antun können. Es ist sehr schlimm, was du da schilderst über das Verhalten der Ex-Ehefrau. Das ist seelischer und teilweise körperlicher Missbrauch.

Zumindest wundert mich sein Verhalten jetzt etwas weniger. Weisst du, wie lange sie ihn so behandelt hat? „Nur“ das Jahr oder schon vorher? Nochmal, es macht mich wirklich fassungslos, wie man einem Menschen in einer solchen Situation soetwas antun kann. Sein Leben war ja sicher schon ein Trümmerfeld für ihn und er war unterlegen. Nicht, dass ich damit sagen will, es wäre okay gewesen, wenn er gesund gewesen wäre, aber so ist es nur noch bitterer.

Dass diese Frau im Moment grossen Einfluss nimmt, ist ziemlich fatal. Vielleicht hat sie ihn ja auch schon vorher bearbeitet? Weisst du da etwas? Es liegt natürlich auch bei ihm und das macht mir Sorge, dass er sich trotz einer solchen Vergangenheit ihr annimmt und meint, er müsse ihr helfen, wenn sie Suiziddrohungen ausstösst. Da scheint mir eine Art Co-Abhängigkeit vorzuliegen, sie manipuliert ihn und kennt scheinbar die richtigen Knöpfe, die sie drücken muss.

Ich hoffe für ihn, dass er eigentlich erkennt, wie aufrichtig du es mit ihm meinst. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass das Umfeld nicht durchweg positiv reagiert, wenn eine „gesunde“ Person mit einer behinderten zusammen ist, da gibt es immer noch viele Vorurteile und ich denke, die kennt dein Partner ebenfalls genau. Die Erfahrung mit der Ex-Ehefrau ist ja schon heftig genug.

Weisst du, ich will dir nichts Falsches raten, aber wie wäre es denn, wenn du morgen einfach nochmal zu ihm hingehen würdest? Es ist ein schmaler Grad zwischen „noch einmal darum kämpfen“ und „zu aufdringlich sein“, da er einerseits sagte, er will keinen Kontakt mehr, aber er hat dich dennoch angerufen. Hast du heute etwas von ihm gehört bzw. dich gemeldet?

Ich weiss ja nicht wie die Handhabung im Krankenhaus ist in dem er sich befindet, aber vielleicht kannst du ja vorbei gehen und eine Krankenschwester ansprechen, die ihn fragen soll, ob du zu ihm darfst, ob es ihm recht ist. Manchmal kann soetwas Spontanes das Eis brechen und wenn er dich wegschicken lässt, weisst du zumindest, dass du es nicht noch einmal probieren musst.

Zudem ist morgen Silvester und er hat schon sämtliche Feiertage im Krankenhaus verbracht, auch wenn er viel Besuch bekommt, das geht an keinem ganz vorbei und er wird doch sicherlich darüber nachdenken, dass er vielleicht Vater werden wird im neuen Jahr.
 
Nichts für ungut, aber warum müssen Frauen sich ständig in die Rolle der Bemutternden begeben, während ihnen Leid angetan wird?

Ich kenne dieses Muster -leider- nur zu gut. Deswegen ärgere ich mich vielleicht auch darüber.

Aber sehen wir es einmal aus einer anderen Perspektive.
Er hat ja scheinbar beziehungstechnisch schlimmes erlebt, doch nun hat er DIE Chance im Leben!
Da ist eine tolle Frau an seiner Seite, die glaube ich, alles für ihn geben würde.
Die sich nichts aus der Behinderung macht (Hut ab!), die ihn trotz allem noch liebt und viel zu viel toleriert.

Und was macht er? Er benimmt sich wie das letzte Eichhörnchen ^^


Du musst selbst für dich entscheiden ob du dich bei ihm melden willst oder nicht aber vor allem ob und wieviel du noch ertragen kannst in deiner Situation.

Aber sei dir dann darüber bewusst, dass du immer und immer wieder vor den Kopf gestoßen werden wirst. Wenn du die Kraft dafür übrig hast, nur zu.
 
Zuletzt bearbeitet:
Liebe Sibel!

Wie hast Du Silvester überstanden?
Und konntest Du ihn besuchen, oder wenigstens sonst über das Kind sprechen?

Ich verstehe ihn echt nicht. Natürlich ist er auch in einer schwierigen Ausnahmesituation. Aber er hat sich doch ein Kind gewünscht und er hat bereits eine gemeinsame Zukunft mit Dir geplant. Und jetzt ist das alles nicht mehr wichtig?

Oder hat er einfach nur Schiss?

Wieso muss die Schwangerschaft vor allen geheim gehalten werden? Wünscht er sich allenfalls insgeheim, dass Du Dich entschliesst, das Kind nicht zu bekommen??

Oder wenn die Ex Dich wieder anspricht, dann erzähl ihr doch, dass Du schwanger bist! Soll sie es doch ruhig wissen. Wieso musst DU die Sache geheim halten, nur weil ER das verlangt?? Das werdende Leben ist in Deinem Bauch und meiner Meinung nach das einzige, auf was Du jetzt Rücksicht nehmen musst.

Ich hoffe auch nach wie vor, dass sich das alles wieder einrenkt mit ihm und er mal endlich begreift, was er an Dir hat und dass er ein Kind bekommt. Aber mir scheint, Du musst da etwas Druck machen. Und sonst halt Deinen Weg allein gehen.

Schade, dass Du offenbar niemanden sonst hast, der Dich dabei unterstützt. Das würde es sicher leichter machen.
 
Ich musste in den letzten Tagen oft an Dich und Dein ungeborenes Kind denken.
Ich hoffe es geht Euch einigermassen gut...
 
Ich schließe mich Amory an - das neue Jahr ist jetzt schon zwei Wochen alt und ich habe auch oft an euch gedacht. Ich hoffe, dass sich vielleicht mal die Ereignisse im positiven Sinn überschlagen haben und das der Grund dafür ist, warum nichts mehr gekommen ist. Sollte das Gegenteil der Fall sein, weißt du hoffentlich, dass es hier Menschen gibt, mit denen du zumindest virtuell reden und dich rauslassen kannst.

Und auch, wenn ich versucht habe, mich in ihn hinein zu versetzen, so gebe ich meinen Vorrednern recht, dass du dich auch nicht klein machen sollst. Ich persönlich fände es immer wünschenswert, wenn sich zwei erwachsene Menschen, die sich lieben, wegen eines Kindes zusammen raufen könnten, aber wie gesagt es gehörten ZWEI dazu und du hast unglaublich viel versucht, was andere vielleicht nicht getan hätten.
 
Hallo an alle!

Es tut mir leid, dass ich nicht mehr geschrieben habe, aber in den letzten Wochen haben sich die Ereignisse ziemlich überschlagen und ich hatte sehr viel zu tun, zudem ging es mir oft gesundheitlich nicht so gut. Aber ich möchte gern ein Lebenszeichen geben, mich bedanken bei allen, die mir hier geholfen und nachgefragt haben und auch ein paar Updates abgeben.

Silvester bin ich wirklich spontan zu ihm ins Krankenhaus. Wir hatten eine schöne Zeit, haben uns einigermaßen ausgesprochen und das ging zwei, drei Tage so, bis von seiner Seite der Kontakt wieder versandete. Er gestand mir dann irgendwann auch, dass er weiterhin regelmäßigen Kontakt zu seiner Exfrau hat, die es wirklich darauf anlegt, ihn ganz zurück zu gewinnen und er selbst sei, so sagte er immer wieder, einfach überfordert damit. Warum er da keine klare Grenze ziehen kann, ist mir nicht verständlich, da er sagt, er will sie gar nicht zurück und empfinde für sie nicht so viel wie für mich, aber auf eine Art fühle er sich verpflichtet und es fiele ihm schwer, sie allein zu lassen.

Nun ja, mich kann er irgendwie besser allein lassen... Ich weiß nicht, ob ich ihn überfordere mit meiner Art, denn ich kann nur schwer Ruhe halten und muss irgendwann einfach alles sagen, was ich denke und fühle. Ich hatte mir vorgenommen, auf Abstand zu gehen, habe das aber nicht wirklich länger als ein, zwei Tage geschafft, dann musste ich wieder Kontakt suchen. Sein Status Quo ist, dass er im Moment "keine Entscheidungen" treffen könne. Das verstehe ich nicht, weil für mich ja schon die Entscheidung gefallen ist, dass unsere Beziehung zumindest im Moment kaputt ist.

Im Moment ist er beispielsweise in Reha und ich weiß nicht mal, wie lange er dort noch bleiben wird. Auf Nachfragen von mir - meist nur via Messenger möglich, da er für Telefonate keine Zeit hat (für Ex hat er fast täglich eine Stunde Zeit zu reden) bekomme ich keine Antwort.
Vor einer Woche haben wir zuletzt telefoniert und er meinte einige Male, dass er sich sehr freuen würde, wenn ich ihn besuchen würde. Bisher habe ich das noch nicht getan, weil die Rehaklinik, in der er sich befindet, 200 Kilometer entfernt ist und immer kurz bevor ich ihn am Wochenende besuchen wollte, von ihm nichts mehr kam. Seine Ex hat ihn übrigens schon besucht und seitdem ist meine Lust gesunken. Ich möchte nicht in Konkurrenz treten. Gleichzeitig mache ich mir trotzdem Gedanken um ihn...

Was das Baby angeht... Das behalte ich, ich war/bin auch schon ein wenig weiter als von dem gekauften Schwangerschaftstest berechnet, so dass eine Abtreibung gar nicht mehr möglich gewesen wäre. Geburtstermin ist Ende Juni. Im Moment weiß ich immer noch nicht, wie all das weiter gehen soll. Meine beste Freundin ist damit genauso überfordert (erholt sich gerade von einer langen Krankheit) wie meine Mutter (chronisch krank) und sonst habe ich niemanden in meinem direkten Umfeld, aber ich habe durchaus Hilfe für die praktischen Dinge bei der Caritas gefunden und sein Bruder, der aus seinem Umfeld bisher der einzige ist, der über alles Bescheid weiß, kümmert sich ganz lieb um mich. Dafür bin ich wirklich dankbar, aber an seinen Bruder kommt er auch nicht wirklich ran.

Eigentlich wollte ich ihn nächste Woche von Mittwoch bis eventuell Sonntag besuchen. Ich habe eine Freundin in der Nähe von der Stadt, in der er in der Klinik ist, bei der ich ein paar Tage bleiben könnte. Aber ich bin mir so unsicher. Einerseits würde ich mich freuen, wenn wir noch einmal reden könnten - er hält das direkte Reden immer für besser als telefonieren oder Nachrichten schreiben (womit er recht hat) und vielleicht ist das ja doch der Grund, weshalb er auf die Nachrichten usw. nie eingeht. Andererseits habe ich nur noch das Gefühl, als würde ich ihm hinterher laufen. Es geht ihm nicht besonders gut. Seit er in Reha ist, ist er in ein ziemliches Loch gefallen, anfänglich war er noch optimistisch, und er hat auch körperlich Fortschritte gemacht, aber seitdem die Bewegungsfähigkeit seiner rechten Hand stagniert und einiges andere auch nicht klappt, ist er wirklich eingebrochen und blockiert seither noch mehr...

Es ist alles so traurig, wie es gekommen ist. Bis vor gut zwei Monaten war alles nahezu perfekt und davon übrig geblieben ist so gut wie nichts. Um die organisatorischen Dinge kümmert er sich über Umwege schon - er hat mir angeboten, zu ihm zu ziehen, weil er eine wirklich große Wohnung hat, aber unter den jetzigen Bedingungen wollte ich das nicht, also hat er seinen Bruder beauftragt, eine neue Wohnung für mich und unser Kind zu finden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Liebe Sibel!

Danke, dass Du Dich wieder gemeldet hast.

Das ist ja eine schönes Chaos...

Er kann seine Ex-Frau nicht alleine lassen, aber Dich mit dem Kind schon?
Und auf der anderen Seite sollst Du bei ihm einziehen? Wie stellt er sich das denn vor?
Und ausser dem Bruder weiss immer noch keiner Bescheid?

Also das einzige was ihn schon ein wenig entschuldigt ist seine gesundheitliche Situation. Ich kann nachvollziehen, dass er total gefrustet ist, dass es ihm schlechter geht, als zuvor und dass er sich da überfordert fühlt, dass er jetzt auch noch ein Kind bekommt und vermutlich denkt, dass er dem nicht gerecht werden kann.

Aber auf der anderen Seite ist es doch jetzt klar, dass dieses Kind auf die Welt kommen wird und da wird ihm früher oder später nichts anderes übrig bleiben, als wenigstens ganz offiziell dazu zu stehen. Ob ihr jetzt zusammen seid, oder nicht.

Ich finde die Idee, dass Du ihn besuche gehst eigentlich gut. Ich finde nicht, dass das "nachlaufen" ist. Es geht ja gar nicht nur darum, zu klären ob Eure Beziehung jemals noch eine Chance hat, sondern auch ganz praktisch, wie es weitergehen soll, bezüglich gemeinsamen Kind. Nichts mehr miteinander zu tun zu haben, geht ja nicht.
Und ein persönliches Gespräch wäre da sicher besser.

Ich wünsche Dir jedenfalls viel Kraft! Für Dich hast Du Dich ja sowieso für das Kind entschieden. Ganz egal, ob er mitmacht oder nicht. Und das finde ich toll!
 
Hallo Amory,

dankeschön für deine Antwort. 🙂

Ja, es ist absolutes Chaos, leider. Innerlich wie äußerlich für mich.
Er kommt aus ziemlich traditionellen Verhältnissen und fühlt sich da ganz konservativ verpflichtet. Er hatte mir auch angeboten, zu heiraten, damit rechtlich alles unter Dach und Fach ist, das Kind seinen Namen bekommt, ich versorgt bin, falls etwas mit ihm sein sollte usw. Wie er sich das mit dem Zusammenleben vorgestellt hat, weiß ich auch nicht. Das meiste, was in letzter Zeit von ihm gekommen ist, hat mich auf diese Art vor den Kopf gestoßen, weil ich es wirr finde. Er meinte auch, dass wir heiraten könnten und nicht zusammen leben müssten, halt alles fürs Papier. Ich fand diese Gedanken schrecklich und habe das alles ziemlich entrüstet abgelehnt. Daraufhin wusste er mal wieder nicht, wie er mit mir umgehen soll.

Meine Gefühle schwanken ganz stark und extrem, ich habe soetwas auch noch nie erlebt. Auf der einen Seite liebe ich ihn immer noch und auf der anderen bin ich wahnsinnig verletzt und auch wütend. Ich habe es auch satt, jedenfalls empfinde ich das so, als Problemfall behandelt zu werden. Einmal hatten wir ein Telefonat, bei dem er auflegte, weil ich mich wirklich habe gehen lassen und extrem geheult habe und auch patzig wurde. Er meinte da nur "vielleicht meldest du dich wieder, wenn es dir mal wieder besser geht" und dann war die Verbindung weg. Das war spät abends und ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan, am nächsten Morgen entschuldigte er sich dann. Dann lief es mal wieder, per Nachrichten ein paar Tage ganz gut, unsere Kommunikation wurde sogar liebevoll und wir näherten uns an, aber ich war eben wegen vielem, das ich jetzt nicht einfach so vergessen kann, doch noch verletzt und wollte das ansprechen, woraufhin es zum Streit kam und er meinte, dieses "Hin und Her" von mir sei Gift für ihn und seine Gesundheit und ich wolle ihn nur leiden lassen und das könne er nicht mehr, ich müsse mich zusammenreißen, nur dann könnten wir reden.

Das habe ich satt und macht mich noch wütender. Ich bin bestimmt zu ungeduldig, aber ich habe nun wegen dieser Sache auch viele Probleme und stehe damit allein da, während er von verschiedenen Leuten Beistand bekommt. Und seiner Ex lässt er dafür alles durchgehen. Diese habe ich übrigens geblockt, weil mich das nur verletzt hat. Sie ist auch nicht manisch-depressiv, wie ich hier mal schrieb, sondern Borderliner, wie ich herausgefunden habe. Nichts gegen Borderliner, aber sie übertritt wirklich alle Grenzen, auch ihm gegenüber und ich bin unglaublich wütend auf diese Frau. Ich habe manchmal die schlimmsten Gedanken ihr gegenüber und bin rasend eifersüchtig, auch, wenn ich weiß, dass ER das alles ja zulässt und ihr ja sagen könnte, dass er er keinen Kontakt will oder sie mich in Ruhe lassen soll. Ich weiß, dass es mehr an ihm, als an ihr liegt, aber man wird da so irrational.

Mir ging es im Januar so schlecht, dass ich fest vorhatte, in eine Tagesklinik zu gehen. Ich hatte bereits Suizidgedanken und kam von diesem ganzen Gedankenkarussell nicht mehr herunter. Es war wirklich so, als ob es kein vor und kein zurück mehr gäbe. Es war einfach so schlimm, dass ich mich daran gar nicht mehr erinnern will. In der Klinik hätte ich aber Medikamente nehmen müssen und das wollte ich wegen dem Baby nicht. Ich habe andere Schritte unternommen, die Ex geblockt, auch diverse andere Kontakte, die mir schlecht taten, gekappt, Hypnosen gemacht, bin allein spazieren gegangen, habe viel gebetet und zuletzt meine Arbeit gekündigt. Seitdem geht es mir mit jedem Tag etwas besser. Ich habe Angst vor dem nächsten Einbruch, aber ich hoffe, er bleibt aus.

Wer mir wirklich eine Hilfe ist, ist sein Bruder. Ich kann mich auf ihn verlassen und ihm vertrauen. Meine Mutter und meine beste Freundin, sowie noch eine Freundin, die leider weit weg wohnt, habe ich von der Schwangerschaft erzählt. Sie waren ziemlich geschockt, aber reagierten doch milder und unterstützender, als ich befürchtete. Allerdings verteufeln sie natürlich ihn und das startet mein Gedankenkarusell wieder.

Ich fühle mich trotz allem so in der Schwebe, das ist unerträglich. Ich habe ihm inzwischen öfters gesagt, dass er mir einfach sagen soll, wenn es nichts mehr wird. Ich wünsche mir tief im Innern zwar immer noch - das muss ich zugeben -, dass wir wieder zueinander finden, aber es wäre irgendwie besser, wenn es wenigstens eine feste Aussage gäbe. Aber darum drückt er sich auch. Er fängt dann eben von seiner ganzen Situation an und ich fühle mich dann auch mies.

Es stimmt, es ist wirklich nicht leicht für ihn. Der Schlaganfall war einfach das schlimmste, was jetzt hätte passieren können und die OP hat nicht mal die Schmerzen beseitigt, die er hatte und weswegen sie unter anderem ja durchgeführt wurde. Ich habe im Moment irgendwie auch ein wenig Angst, ihn zu besuchen. Manchmal denke ich mit Schrecken daran, was mich da wohl erwarten wird, was mit ihm ist, wie es ihm geht usw. Ich spüre, auch, wenn ich nichts von ihm höre - und es ist untypisch für ihn, sich über lange Zeit wirklich gar nicht zu melden, was er jetzt aber öfters macht - dass er in einem absoluten Tief sein muss. Aber ich kriege ihn nicht da raus. Er hat mich gebeten, für ihn da zu sein, aber wie soll ich das machen, wenn ich nicht mal mit ihm reden kann, wenn er nicht reagiert?

Vielleicht bin ich wirklich zu ungeduldig, aber irgendeine Sicherheit braucht man ja auch... 🙁 Irgendeine Aussage, bei der man sich sicher fühlen kann, meinetwegen auch negativ. Wo man weiß wo man dran ist und wie es in etwa weitergehen soll. Dieses Hin und Her spielt ja hauptsächlich er. Ich habe jetzt auf Nachfrage wieder keine Antwort, ob ich Mittwoch kommen soll. Aber sofern ich mich gut fühle - und da gucke ich jetzt, habe ich mich entschlossen, hauptsächlich nach mir selbst - werde ich hinfahren und ihn meinetwegen "überraschen".

Ich finde es wirklich schwierig, weil durch das Kind eine Verbundenheit da ist. Wenn ich nicht schwanger wäre, hätte ich mich vielleicht doch mal dazu durchringen können, einfach ein oder zwei Monate den Kontakt von meiner Seite zu blocken, aber das geht jetzt kaum und gleichzeitig würde ich es auch nicht machen wollen, weil er eben in dieser Klinik und körperlich und seelisch ziemlich am Ende ist.

Was das Baby angeht, muss ich ehrlich sein und sagen, dass ich mir bis zuletzt unsicher war, ob ich es haben möchte. Die Entscheidung hat mir letztlich praktisch "das Schicksal" abgenommen und ich bin froh damit. Ich wollte ja immer ein Kind, der Gedanke, es nicht haben zu wollen, kam auch hauptsächlich aufgrund meiner psychischen Verfassung, ich hatte solche Angst, eine schlechte Mutter zu werden. Aber nun freue ich mich darauf. Es klingt vielleicht schnulzig, aber trotz allem ist dieses Kind ein Liebeskind und auch, wenn dieser Mann mir bis jetzt ziemlich das Herz gebrochen hat wie noch kein Mann, so habe ich auch noch keinen Mann so gern gehabt und ich bin mir sicher, dass ich auch den Teil von ihm - er ist tief im Innern ein wunderbarer Mann - in dem Kind lieben werde und stolz darauf sein werde.
 

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