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Verstehst Du die Lösung gesellschaftlicher Probleme aus Sicht des Islam?

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Lieber Nordrheiner,

abgesehen von deiner bekanntermaßen oberlehrerhaft daherkommenden Fragestellung, sage ich dir, wenn sich die Muslime in Deutschland in Geist und Tat an diese Erklärung halten, dann sehe ich keinen Grund, islamisches Leben zu fürchten.
Ja, ich wünsche oder sage ich besser, ich w ü n s c h t e mir, dass die Mehrheit der hiesigen Muslime von diesem Geist getragen, in unserer Gesellschaft leben und wirken würden.
Dann hätten wir eine Basis.
Aber weiter. Du schreibst, ich zitiere:

"- eine wachsende Anzahl unzufriedener Menschen mit Migrationshintergrund
- viele Deutsche, die jetzt schon von Niedriglohnjobs leben, werden noch unzufriedener, denn ihnen wird Konkurrenz vor die Nase gesetzt
- Parteien mit radikalen Thesen werden Lösungen versprechen und Zulauf bekommen
Soziale Probleme unserer Gesellschaft werden zunehmen - aber nicht gelöst."

Man könnte auch so formulieren: "Wir werden in Zukunft mit einer ständig wachsenden Anzahl älterer Menschen leben müssen. Menschen, deren Leistungen für die Gesellschaft ständig geringer ausfällen, deren Anspruch und Bedürfnisse aber steigen werden.
Das führt zwangsläufig zu sozialen Verwerfungen."

Und nun? Ich bedauere, Nordrheiner. Aber deine Fragestellung ist getragen vom Gedanken der Selektion. Da blickt etwas durch, das wir doch überwunden glaubten. An diesen Gedanken hätten Endlösungs-Fanatiker ihren Spaß.

Aber immerhin. Jetzt hast Du die Katze aus dem Sack gelassen, deine religiöse Argumentation reduziert sich am Ende auf den Aspekt des Verteilungskampfes.

Ich bin jetzt wirklich irritiert, auch irgendwie sauer, hast Du dir doch nicht nur mit mir heftige Gefechte um scheinbar "höchste Wahrheiten" geliefert. Hier aber geht es um sehr profane Dinge, um die Angst von Menschen, die sich in unserer Gesellschaft schon länger am Rande wähnen und jetzt sehen, dass man für alle Geld hat, gleich woher sie kommen, nur für sie nicht.

In diesen Zusammenhängen sehe ich eine reale Gefahr für die gesellschaftliche Entwicklung in unserem Land. Das aber hat nichts mit religiösen Wahrheiten zu tun, sondern mit einem realen Konflikt, der schon lange besteht, sich aber durch die Massenmigration gerade verschärft.

Burbacher
 
Zuletzt bearbeitet:
Lieber Nordrheiner,

Ja, ich wünsche oder sage ich besser, ich w ü n s c h t e mir, dass die Mehrheit der hiesigen Muslime von diesem Geist getragen, in unserer Gesellschaft leben und wirken würden.
Dann hätten wir eine Basis.

Burbacher

Worin genau siehst du eine Basis? Gefällt Dir die Charta in jedem Punkt?
 
Worin genau siehst du eine Basis? Gefällt Dir die Charta in jedem Punkt?

Nee, Du weichst gerade wieder aus, verehrter Nordrheiner. Ich habe dich nach deiner Angst gefragt, deiner wirklichen, konkreten Angst, nicht religiöser Natur, sondern schlicht existenzieller Art. Inzwischen riecht deine Angst doch durch jeden Buchstaben, den Du auf den Bildschirm bringst, dass mit jedem Flüchtling, der von außen zu uns kommt, weniger für die bleibt, die schon hier sind. Das wäre ehrlich und wir hätten uns die ganze, vermeintlich tiefschürfende Debatte sparen können.
Da ist schlicht eine politische Debatte angesagt, eine Debatte über Verteilungs-Gerechtigkeit. Die aber ist nicht neu, sondern schon ganz alt. Und dazu haben christliche Fundamentalisten bisher wenig gesagt.
Ich muss gerade zwangsläufig wieder an Max Webers "Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" denken, der diese Zusammenhänge beschreibt. Du kämst glaubwürdiger, ja, um eine deiner Lieblingsbegriffe zu bemühen, "authentischer" rüber, würdest Du diesen Aspekt ansprechen.

Burbacher
 
Zuletzt bearbeitet:
Nee, Du weichst gerade wieder aus, verehrter Nordrheiner. Ich habe dich nach deiner Angst gefragt, deiner wirklichen, konkreten Angst, nicht religiöser Natur, sondern schlicht existenzieller Art. Inzwischen riecht deine Angst doch durch jeden Buchstaben, den Du auf den Bildschirm bringst, dass mit jedem Flüchtling, der von außen zu uns kommt, weniger für die bleibt, die schon hier sind. Das wäre ehrlich und wir hätten uns die ganze, vermeintlich tiefschürfende Debatte sparen können.
Da ist schlicht eine politische Debatte angesagt, eine Debatte über Verteilungs-Gerechtigkeit. Die aber ist nicht neu, sondern schon ganz alt. Und dazu haben christliche Fundamentalisten bisher wenig gesagt.
Ich muss gerade zwangsläufig wieder an Max Webers "Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" denken, der diese Zusammenhänge beschreibt. Du kämst glaubwürdiger, ja, um eine deiner Lieblingsbegriffe zu bemühen, "authentischer" rüber, würdest Du diesen Aspekt ansprechen.

Burbacher

Lieber Burbacher,
wie ich sehe, hast Du Deinen vorherigen Beitrag deutlich ergänzt... nachdem ich den meinen bereits geschrieben hatte. Was soll's. Aber wo hast Du mich nach meiner Angst gefragt? Diese Frage habe ich nicht gefunden.
Und was Du riechst, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn Du so gut sein magst, dann lass' uns über die islamische Charta sprechen. Und da ist es an Dir, meinen Fragen nicht auszuweichen. Und die wirst Du doch nicht überlesen haben, oder?

Nordrheiner
 
Lieber Burbacher,
wie ich sehe, hast Du Deinen vorherigen Beitrag deutlich ergänzt... nachdem ich den meinen bereits geschrieben hatte. Was soll's. Aber wo hast Du mich nach meiner Angst gefragt? Diese Frage habe ich nicht gefunden.
Und was Du riechst, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn Du so gut sein magst, dann lass' uns über die islamische Charta sprechen. Und da ist es an Dir, meinen Fragen nicht auszuweichen. Und die wirst Du doch nicht überlesen haben, oder?

Nordrheiner

Aber nein, ich habe deine Fragen nicht überlesen. Und ausweichen möchte ich ihnen schon gar nicht. So, wie sie formuliert ist, lieber Nordrheiner, kann ich an dieser Charta nichts Anstößiges finden.
Würde das, was ich da lese, umgesetzt und Wirklichkeit, könnte ich darin nichts erkennen, was wir zu fürchten hätten.
Aber wie in unserem "eigenen Laden" wird es immer die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit geben. Die aber ist, ich behaupte, allen Religionen gemeinsam und da unterscheidet sich unser, auch dein Glaube nicht von dem anderer Menschen. Darüber sprach schon Jesus, auf den Du dich ja immer wieder berufst.

Burbacher
 
Weiß ja nicht, worum es hier eigentlich geht, aber wenn Gott nicht zuletzt auch Liebe und Intelligenz bedeutet, und man Anhänger dessen ist, sollte man sich auch so verhalten.

Also noch mal in fett:

Liebe und Intelligenz
 
Aber nein, ich habe deine Fragen nicht überlesen. Und ausweichen möchte ich ihnen schon gar nicht. So, wie sie formuliert ist, lieber Nordrheiner, kann ich an dieser Charta nichts Anstößiges finden.
Würde das, was ich da lese, umgesetzt und Wirklichkeit, könnte ich darin nichts erkennen, was wir zu fürchten hätten.
Aber wie in unserem "eigenen Laden" wird es immer die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit geben. Die aber ist, ich behaupte, allen Religionen gemeinsam und da unterscheidet sich unser, auch dein Glaube nicht von dem anderer Menschen. Darüber sprach schon Jesus, auf den Du dich ja immer wieder berufst.

Burbacher

Lieber Burbacher,
wir denken hier über den Islam nach. Dazu macht es Sinn, möglichst viel über den Islam zu wissen, in allen seinen Facetten. Und wir denken nicht nur über den Islam nach, sondern auch über Deutschland und wie Deutschland mit dem Islam bzw. mit den Muslimen umgeht und Muslime mit Deutschland und wie wir mit dem Islam und Muslimen umgehen. Wir betrachten das Christentum sowie seine kirchlichen Vertreter kritisch. Deswegen will ich jedenfalls keine Kirchen abschaffen. Kritik kann positiv oder auch negativ sein. Das Gleiche gilt auch für den Islam. Durch diesen Faden habe ich selbst die Möglichkeit, mehr zu erfahren. Und diese Möglichkeit nutze ich für mich.

Ich bin gegen Gleichmacherei. Gleichmacherei verstößt gegen die Anerkennung der Individualität. Wir haben vieles gemeinsam - das empfinde ich als wichtig. Wir sind auch sehr unterschiedlich. Das empfinde ich auch als wichtig.
Das gilt auch für den Glauben. Und daher kann ich nicht nachvollziehen, wieso sich mein Glaube von dem anderer Menschen nicht unterscheiden sollte, wie Du schreibst.

Ich fühle mich nicht angegriffen, wenn jemand einen anderen Glauben hat. Ich mag es aber nachzuhaken "warum tust/glaubst Du was Du tust/glaubst?" und dazugehörige Fragen zu stellen.

LG, Nordrheiner
 
Nordrheiner, was du leider verschätzt und missachtest, ist, dass das, was uns alle eins macht, unser Menschsein ist, nicht ein Buch, keine Religion und kein Gott. Das mag dir einen schmerzlichen Stich in dein Herz verursachen, aber irgendwann musst auch DU es verstehen.
 
Zitat aus der Charta: zentralrat.de / ZMD / Islamische Charta /

"11. Muslime bejahen die vom Grundgesetz garantierte gewaltenteilige, rechtsstaatliche und demokratische Grundordnung
Ob deutsche Staatsbürger oder nicht, bejahen die im Zentralrat vertretenen Muslime daher die vom Grundgesetz garantierte gewaltenteilige, rechtsstaatliche und demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland, einschließlich des Parteienpluralismus, des aktiven und passiven Wahlrechts der Frau sowie der Religionsfreiheit. Daher akzeptieren sie auch das Recht, die Religion zu wechseln, eine andere oder gar keine Religion zu haben. Der Koran untersagt jede Gewaltausübung und jeden Zwang in Angelegenheiten des Glaubens."

Meine Gedanken dazu:
Generell finde ich diesen Punkt 11 gut. Aber warum distanziert sich der Zentralrat der Muslime nicht generell von Gewalt und nicht nur von Gewalt und Zwang in Angelegenheiten des Glaubens?

"13. Es besteht kein Widerspruch zwischen der islamischen Lehre und dem Kernbestand der MenschenrechteZwischen den im Koran verankerten, von Gott gewährten Individualrechten und dem Kernbestand der westlichen Menschenrechtserklärung besteht kein Widerspruch. Der beabsichtigte Schutz des Individuums vor dem Missbrauch staatlicher Gewalt wird auch von uns unterstützt. Das Islamische Recht gebietet, Gleiches gleich zu behandeln, und erlaubt, Ungleiches ungleich zu behandeln. Das Gebot des islamischen Rechts, die jeweilige lokale Rechtsordnung anzuerkennen, schließt die Anerkennung des deutschen Ehe-, Erb- und Prozessrechts ein."

Meine Gedanken dazu:
An dieser Stelle frage ich, was der Zentralrat der Muslime als "Kernbestand der westlichen Menschenrechte" versteht?
Wieso werden die westlichen Menschenrechte insgesamt abgelehnt?

Es heisst, dass Islamisches Recht gebietet: Gleiches gleich zu behandeln und erlaubt, Ungleiches ungleich zu behandeln. Christen, Muslime sowie Andersgläubige sind nicht gleich. Es kommt dabei darauf an, durch welche "Brille" gesehen wird.
 
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