Nordrheiner
Sehr aktives Mitglied
Nordrheiner,
Du schreibst: "Jesus sagte: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt".
Mohammed sah das völlig anders. Er gründete sein Reich hier in dieser Welt und wenn er es für erforderlich hielt, auch mit Gewalt. Bitte nicht vergessen: Mohammed ist das große Vorbild aller Muslime."
Diese Unterscheidung scheint mir aber sehr an der historischen Wirklichkeit vorbeizugehen, auch an der Geschichte des Christentums. Den Jesus-Ausspruch bestreite ich nicht, erinnere dich aber etwa an die Bergpredigt. Seit das Christentum zur Staatsreligion wurde, gibt es doch die Verzahnung von Religion und staatlicher Ordnung. Denk doch nur mal an das "Heilige römische Reich deutscher Nation". Die Kreuzritter beriefen sich auf die Religion. Kaiser wurden durch die Päpste in ihr Amt eingesetzt (Stichwort: Investiturstreit).
Die Verzahnung von Religion und staatlicher Ordnung zieht sich doch nahezu durch die gesamte Geschichte des Christentums. Was meinte Luther denn mit der "Zwei - Reiche - Lehre"? Und auch wir führen bis heute den Gottesbezug im Grundgesetz.
Die Staaten im Bibelgürtel der USA berufen sich bis heute auf die Bibel beim Festhalten an der Todesstrafe.
Also, mein Lieber, nicht nur im Islam gibt es diese Trennung nicht, auch im Christentum. Gäbe es sie nicht, sähe die Wirklichkeit auch bei uns noch weniger christlich aus.
Burbacher
Lieber Burbacher,
verstehe ich Dich richtig: meine Unterscheidung geht an der islamischen Wirklichkeit vorbei? (so verstehe ich Deinen 1. Satz). Wenn ich Dich richtig verstanden habe, bitte ich um Ausführung, inwieweit meine Ausführung an der islamischen Wirklichkeit vorbeigeht.
Ich habe bereits ausführlich beschrieben, dass es auch mit Kaiser Konstantin eine christliche Staatsreligion gab, die sich zum Leidwesen der Menschen entwickelte. Das Problem der christlichen Staatsreligion liegt darin, dass sie nicht christlich gelebt werden kann, somit unchristlich ist. Somit ist ein Staat, der sich christlich nennt bzw. der den christlichen Glauben als den einzig legitimen verordnet, eine Mogelpackung. So denke ich jedenfalls.
Staatsreligion trenne ich von einer Verzahnung "Glaube und Staat". Als Christ oder als Muslim bringe ich meine Werte mit in meinen Beruf ein. Dies mache ich als Polizist, Busfahrer, Arzt oder Politiker. Für bedenklich halte ich die deutsche Praxis: Kinder werden automatisch Kirchenmitglied per Taufe und müssen - wenn sie das als Erwachsene ablehnen - extra aus der Kirche austreten. Und Kirchensteuer wird per Gesetz erhoben und eingezogen. Dadurch wird der Eindruck erweckt, man wäre Christ, weil 1) als Kind getauft und 2) weil man Kirchenmitglied ist und brav seine Steuern zahlt. Im Islam ist es m.E. noch schlimmer.
Mir wäre es lieber, wenn man nur Kirchenmitglied wird, wenn man extra eintritt - und zwar als erwachsene Person. Und noch lieber wäre mir, dass eine christliche Kirchenmitgliedschaft an dem Vertrauen in Jesus Christus festgemacht wird, welches der Erwachsene vor Eintritt bekennt.
Wenn ich Dich richtig verstehe, dann meinst Du, sähe die Wirklichkeit bei uns noch weniger christlich aus, wenn es diese Trennung von dem christlichen Glauben gäbe. Ich denke, wir haben keine christliche Staatsreligion und ich möchte diese auch nicht angestrebt wissen. Jedoch finde ich es gut, wenn Menschen christliche Werte für gut befinden und ich finde es gut, wenn diese Werte auch im ganzen Leben eines Menschen gelebt werden. Das macht den Menschen noch nicht zum Christen (wie ich den Begriff verstehe), aber ein Leben christlicher Werte ist trotzdem eine feine Sache.
LG, Nordrheiner
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