Nordrheiner, Du fragst mich:
"Und ich habe drei konkrete Fragen an Dich:
1) Was sind Deine Argumente, die sowohl für als auch gegen den Islam als gleichberechtigt neben katholischer und evangelischer Religion sprechen?
2) Welche Gemeinsamkeiten siehst Du im Vergleich "christliche Religion" und islamischer Religion - und dies aktuell heute - in Europa?
3) Sind Bibel und Koran miteinander vereinbar?"
Ich merke noch an, lb. Nordrheiner, dass Du das Judentum vergessen hast. An anderer Stelle führte ich aus, dass unser, also der christliche Glaube, ohne das Judentum nicht zu verstehen ist. Nach meiner unmaßgeblichen Meinung war Jesus Jude und ist es bis zum Schluss auch geblieben.
Dem stimme ich zu. Aber das schrieb ich schon.
Gemeinsamkeiten gibt es schon, und zwar nicht unbedeutende zudem. Dir ist sicher bekannt, dass alle drei Religionen zu den monotheistischen Religionen zählen. Und wie das Christentum auf dem Judentum aufbaut und in ihm fußt, so hat auch der Islam Wurzeln im mosaischen Glauben.
Ich stimme Dir zu, wenn Du mit diesem allgemein gehaltenen Hinweis meinst, dass auch der Koran Menschen und Erzählungen aus dem AT kennt und sich "in seiner Weise" darauf beruft.
Wenn ich daran erinnern darf, dass Muslime den heiligen schwarzen Stein in der Kaaba verehren, sehe ich darin einen Hinweis auf einen immer noch vorhandenen Polytheismus. Ähnliches sehe ich auch innerhalb des sogenannten "Christentums", wenn Gegenstände (z.B. Bilder und Statuen, Reliquien) verehrt werden. Wie monotheistisch der Monotheismus ist, wäre also noch zu diskutieren.
Darin sehe ich durchaus auch eine Chance für den innerreligiösen Dialog, reden wir doch nicht von völlig verschiedenen Aspekten, sondern vor allem über gemeinsame Wurzeln.
Es ist eben immer leichter, über Nebensächlichkeiten zu sprechen.
Gemeinsamkeiten, und ich bin ja auch mit Muslimen im Gespräch, dass in beiden Bekenntnissen das Gebot der Feindesliebe eine Rolle spielt. Wo bitte schön ist das Gebot der Feindesliebe im Koran zu finden - und wie pflegte das muslimische Vorbild Mohammed mit Andersdenkenden oder gar mit seinen Feinden umzugehen?
Ja, "Feindesliebe" spielt auch im Islam eine Rolle. Nur ist das eine Rolle, die ich nicht ausbaden möchte. Du etwa?
Wir alle, Juden, Christen und Muslime teilen also ein gemeinsames historisches und theologisches Erbe. Insofern sind auch Koran und Bibel nicht zwangsläufig widersprüchlich. Und genau darin sehe ich eine große Chance für einen Dialog in - um einen Terminus unseres Glaubens zu gebrauchen - für einen brüderlichen Dialog.
Führen wir diesen Dialog auf dieser Basis, dann werden sowohl Muslime, als auch Christen diesen Dialog anders führen und es werden sich Gemeinsamkeiten zeigen, die uns alle verbinden, anstatt zu trennen.
Schlussbemerkung: Damit helfen wir nicht zuletzt allen gemäßigten Muslimen, die ja im Moment am meisten unter den radikalen Glaubensbrüdern leiden und die maßgebliche Last tragen.
Gruß
Burbacher