@_Phoenix2_ Dein schlimmes Erlebnis steckt Dir noch immer "in Deinen Knochen". Das ist verständlich. Ob es jemand hätte besser vorhersehen und besser darauf reagieren können? Vielleicht ja. Hättest Du 15 Bodyguards mit entsprechender Ausrüstung dabei gehabt, hätten sich die Schläger vielleicht nicht getraut oder wärst Du früher gegangen oder erst garnicht dort aufgetaucht, wäre vielleicht auch weniger passiert. Daraus schlussfolgerst Du, dass einige Deiner Entscheidungen dumm waren und Du das hättest vorhersehen müssen und genau darin besteht Dein nächster Denkfehler.
Du warst mit Kindern auf einem Indoor-Spielplatz und hast Dir überlegt, wie Du es für die Kinder möglichst sicher machen kannst, damit Du das Vertrauen der Eltern und Kinder in Dich rechtfertigst. Deshalb hast Nächte lang schlecht geschlafen. Und dann bist Du wohl müde und erschöpft mit Ihnen losgezogen und es ist nichts passiert. Aber nun frage ich Dich als Vater einer Tochter: hätte sich meine Tochter verletzt, wäre das wirklich Deine Schuld gewesen? Hättest Du wirklich jede Sekunde neben ihr stehen und sie beschützen können? Hätte das irgend jemand gekonnt? Was war dann mit den anderen Kindern? Und ein weiterer Aspekt: hätte ich als Vater wirklich gewollt, dass Du meiner Tochter vermittelst, dass sie auch Angst haben muss, sich selbst und ihren Entscheidungen nicht vertrauen darf und lieber nichts tun sollte, damit nichts passiert?
Hast Du noch nie den Satz gehört: "Auch guten Menschen passieren schlimme Dinge". Ist z.B. ein Michael Schumacher dumm und ohne Würde? Er ist als top trainierter Spitzenathlet auf seinen Skiern verunglückt, weil NIEMAND alles vorhersehen kann. Aber Du verknüpfst Deine Würde damit, das zu können?
Diese Welt ist ein gefährlicher Ort. Jede Sekunde kann eine falsche Entscheidung furchtbare Folgen haben und hat es auch immer wieder. Wenn es Dir darum geht nicht dumm zu sein, dann besteht Deine "Dummheit" gerade darin, dass Du etwas bewerkstelligen willst, das niemand kann und je können wird. Du willst alles Unheil verhindern und das geht einfach nicht und Du weißt das. Und Du sprichst anderen damit auch das Recht ab, für sich selbst zu entscheiden, was richtig ist und was nicht. Meine Tochter dürfte also in Deiner Nähe keine Fehler machen und daraus lernen, denn sie würde Dir ansehen, dass Du Dir und ihr Vorwürfe machen würdest, warum Du und sie das nicht vorhergesehen haben. Auch sie würde dann wie Du in einem Klima der Angst leben müssen. Dabei fällt mir der Satz ein: "Angst essen Seele auf".
Menschen ohne Angst leben zuweilen nicht lange. Angst bewahrt uns vor so manchen schlimmen Schicksalen. Aber Angst verhindert auch viel. Warum wohl besitzen wir Menschen auch Mut? Ist Angst intelligent und Mut dumm? Und musst und kannst Du der Beste werden, der diese Entscheidung für sich und andere treffen kann?
Vergib mir lieber
@_Phoenix2_ , aber tatsächlich hast Du in Deinem Kopf gerade einige dumme Gedanken und weigerst Dich die Realität anzuerkennen. Würde entsteht nicht dadurch, dass Du alles voraus siehst und jede Situation perfekt meistern kannst. Würde besteht auch in diesen "Mut zur Lücke". Angst kann man mit Mut begegnen. Ich werde nie den entsetzen Gesichtsausdruck meines Vaters vergessen, als ihm seine Söhne gezeigt haben, dass sie aus dem zweiten Stock auf einen Sandhaufen springen können. War das dumm? Ja vielleicht, aber es hat auch gezeigt, dass wir mutig und umsichtig genug waren, um uns nicht zu verletzen.
Du musst wohl einige Deiner Synapsen anders "verdrahten", sonst wirst Du weiterhin auf Deine Denkfehler hereinfallen und Dir und anderen das Leben durch Angst erschweren, ohne dass das wirklich hilft. Ich weiß, das ist keine gute Nachricht und gerecht ist das auch nicht. Du kriegst das hin.