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Verlassene Eltern

Natürlich habe ich immer noch diese mir jahrelang eingehämmerten, entsetzlichen und verhassten Schuldgefühle..., die ich auch heute noch voller Empörung eingeredet bekomme


Da fällt mir auch noch was zu ein:
Im Alter von 21 Jahren verließ ich meine Heimat mit einem Koffer in der Hand, ohne eine Adresse zu hinterlassen und in der Absicht, nie mehr zurückzukommen. Das Arbeitsamt hatte mir einen Platz in einem Ausbildungszentrum mit Wohnheim besorgt, etwa 800 km von meiner Heimat entfernt. Es dauerte ungefähr 2 Wochen, dann war ich frei von Depressionen. Und allein das war für mich schon Grund genug, nie mehr nach Hause zurück zu wollen: Aus Angst, dann wieder depressiv zu werden.
Für meine Mutter war es natürlich nicht schwer herauszufinden, wo ich war, und bald kamen die ersten Briefe:
- Ich habe Sehnsucht nach dir.
- Jede Mutter hat ihre Kinder lieb. Mütter müssen so sein.
- Jeder Mensch macht Fehler. Strafe mich nicht!
Nochwas: sage deiner Tochter niemals dass ihre Entscheidungen dich quälen...damit bist du grausam und passiv-aggressiv....zeigst damit Opferhaltung und Schwäche, baust deine Tochter als Täterin auf, produzierst Schuldgefühle...
Diese Briefe lösten in mir jedesmal eine ungeheure Welle von Wut- und Haßgefühlen aus, so daß ich mehrmals mit dem Gedanken spielte, ein Messer zu nehmen, nach Hause zu fahren und es ihr in den Rücken zu rammen! Damit ich endlich Ruhe vor ihr habe! Nur das Wissen darum, daß ich auf diese Weise nicht nur ihr, sondern auch mein Leben kaputt machen würde, hielten mich davon ab, und ich riß mich zusammen. Aber bei jedem Brief, der kam, ging es von vorne los: Wut und Haß drohten mich aufzufressen.

Deshalb entschloß ich mich dazu mich einmal als Schauspielerin zu versuchen: Ich setzte mir sowas wie eine "Maske" auf (bildlich gesehen), fuhr nach Hause, kaufte einen Blumenstrauß für meine Mutter, ließ mich von ihr in den Arm nehmen und tat so als wäre jetzt wieder alles in Ordnung. Meine Mutter glaubte das tatsächlich: Ihr Kind wäre jetzt endlich erwachsen geworden, hätte aufgehört ständig nur zu jammern und endlich eingesehen, daß die Mutter doch immer nur das beste will! Ich mußte meiner Mutter versprechen, sie jedes Jahr wenigstens einmal zu besuchen und jeden Monat wenigstens einmal per Post oder Telefon von mir hören zu lassen. Ich tat das, um in mir wieder Frieden zu haben: Wut- und Haßgefühle ließen sich wieder kontrollieren. Fleur und Rascas haben ein ähnliches Verhalten bereits beschrieben:

Jemand schrieb, es müsse doch möglich sein, zumindest so ein Verhältnis zu haben wie zu einer Wurstverkäuferin im Supermarkt.
Sie denken jetzt alles wäre in Butter und er ruft alle 2 Monate mal an und sagt ja ja und legt dann auf.....
Allein daran würden meine Eltern merken das was im Busch ist.

Diese nicht..

Ein paar Jahre lang ging das so gut, bis es dann eines Tages zum endgültigen Bruch kam. Dabei ging es im Grunde genommen lediglich um die Frage, ob ich mich von ihr umarmen lassen muß oder nicht. Das war vor fast 20 Jahren. Meine Mutter ist inzwischen über 80, ich bin 45. Zu einer Versöhnung wird es nicht mehr kommen. Aber ich versuche zu verstehen, was da passiert ist. Ich glaube, daß cucaracha das sehr gut formuliert hat:

Wenn sie sich schräg verhält versuche ich sie nicht mehr ernst zu nehmen,es mich emotional nicht mehr berühren zu lassen,erwarte nix von ihr und ich weiss dass sie psychisch krank ist.
Ihre Saetze sortiere ich in ernst zu nehmen und nicht ernst zu nehmen..
Ich weiss,dass ich früher mit ihr einen glatten Alptraum durchlitten hatte...
Für die Mütter ist es wichtig,dass Gefühl zu haben auch eine gute Mutter gewesen zu sein...
"Was würden sonst die anderen Leute denken.."

Ich habe das nicht geschafft, was cucaracha geschafft hat. Ich habe aber auch keinen Partner und keine Familie. Ich habe bis zum heutigen Tag mit meiner Vergangenheit zu kämpfen.
 
Böse Tochter,

dein letzter Post hat mich grade sehr, sehr berührt. Das muss ich mir mal eine Weile durch den Kopf gehen lassen......Ebenso der von Cucaracha.....

Liebe Grüße
Marleen
 
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Zitat von Rascas
Sie denken jetzt alles wäre in Butter und er ruft alle 2 Monate mal an und sagt ja ja und legt dann auf.....
Allein daran würden meine Eltern merken das was im Busch ist.

Diese nicht..



Meine Mutter über 2 Jahre lang 1 bis 2 Mal in der Woche auch nicht.

Das ist ein ganz großer Knackpunkt bei mir, der mich innerlich so ohnmächtig sein lässt. Dass meine Mutter überhaupt nicht bemerkt hat, dass ich bei unseren "Telefonaten" gar nichts gesagt habe, sogar den Hörer beiseite gelegt habe zwischendurch (was sie sogar aufgrund ihrer Nachfrage wusste!!!). Sie hatte immer schon (seit ich Kind bis Jugendliche war bis heute) einzig und allein eine Vorstellung von mir, von den Telefonaten und wahrscheinlich von allen andern Dingen im Leben auch. Ich bin auch schon mal etwas lauter geworden am Telefon und habe den Hörer aufgeknallt. Da hat sie immer noch nichts gemerkt......

Vielleicht bekomme ich das nach einer gewissen Auszeit auch so hin, wie ihr, Böse Tochter und Cucaracha.........Dass vor allen Dingen dann die "Kontrolle" von mir ausgeht. Und nicht mehr von meiner Mutter. Was ich leider so lange nicht hingekriegt habe......
 
Als ich früher mit meiner Mutter telefoniert hatte. legte ich auch manchmal den Telefonhörer beiseite.
Sie redete ununterbrochen wie ein Wasserfall...sehr nervig.....Nahm ich den Hörer
nach 5 Min wieder auf ,fiel es ihr noch
nicht mal auf, dass ich vom Telefon weg war.
Sie hatte keine Wahrnehmung von den Gefühlen des anderen Menschen, da sie nicht ihre eigenen Gefühle wahrnehmen konnte. (Das hängt mit ihrer Kindheit und Mutterbeziehung zusammen )..

Ich wohnte als Einzige von uns Kindern einige Jahre bei meiner Oma...Ich vermute,das hat mich gerettet und dass ich schon mit 16 Jahren (nach dem Tod meiner Oma) ausgezogen bin...

Zum Thema Kinder: Leibliche Kinder habe ich nicht ,sondern Pflegekinder mit denen ich mich gut verstehe..
 
Zuletzt bearbeitet:
Gewalt gegen Kinder und Jugendliche - Ärzteleitfaden Bayern - Seelische Gewalt

http://pagewizz.com/die-unsichtbare-gewalt/

Wenn Eltern ihre Kinder psychisch misshandeln werden die Kinder oft bindungsgestört und /oder suchtabhängig, psychisch krank und traumatisiert. Dazu gibt es interessante links..
Die Eltern behandeln ihre Kinder so schädigend, weil sie selber Eltern hatten von denen sie psychisch / emotional misshandelt wurden..

http://www.kreis-borken.de/fileadmin/internet/downloads/fe15/15-3/Trauma_Folgen_kl.pdf

http://www.fzpsa.de/paedpsych/Fachartikel/trauma-bindung-und-vernachlaessigung
/Traumaforschung/TraumaBindungsstoerungenBrisch


http://www.neuerkerode.de/uploads/media/05Laskowski_Beziehungen_mit_Wunden.pdf
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn Eltern älter werden, kränker, lebensweiser, reifer und schwächer werden viele freundlicher und weicher zu ihren Kindern..
In dieser Zeit verstehen sich die Kinder dann wieder mit ihren Eltern besser....so erlebe ich es.

In dem Faden ...Schlechte Eltern....in dieser Rubrik gibt es auch gute Beiträge zu diesem Faden Thema..
Ich finde es auch wichtig sich mit dem Thema zu beschäftigen wie die Beziehung der Eltern zu ihren eigenen Eltern war und wie sie aus ihrer persönlichen Sicht ihre damalige Kindheit erlebten.
Meistens kann man dabei viele unbewusste familiäre Wiederholungsmuster finden.
Dadurch konnte ich meine Eltern besser verstehen und nahm ihr schwieriges Verhalten mir gegenüber nicht ganz so persönlich.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es lebe das Internet! Bevor ich vor ein paar Monaten durch Zufall auf diesen Faden hier
gestoßen bin, war ich der Meinung, der einzige Mensch auf der ganzen Welt zu sein,
der hartherzig genug ist, die eigenen Eltern zu verstoßen. Im realen Leben bin ich in 45
Jahren noch nie einem Menschen begegnet, der meine Situation verstanden hätte. Und
das obwohl ich vor allem in jungen Jahren versucht habe, mit psychologischen
Fachleuten darüber zu reden. Ich erkenne mich selbst wieder in folgenden Sätzen aus
dem ersten Link von cucaracha, dem Ärzteleitfaden:
"Bei dieser Jugendlichen waren zwar dem Umfeld und zum Teil auch professionellen
Helfern erhebliche erzieherische Missstände bekannt. Bei äußerlich guter Versorgung
wurde allerdings nicht ausreichend auf die Möglichkeit schwerwiegender seelischer
Misshandlung geachtet. Das tatsächliche Ausmaß der seelischen Misshandlung wurde
somit nicht erkenntlich, sodass notwendige Hilfen nicht zustande kamen."
Daß meine Mutter in ihrer Kindheit selbst emotionalen Mißbrauch durch ihre Eltern
erlebt hat, glaube ich allerdings nicht. Ich habe die Mutter meiner Mutter noch
kennengelernt und das Gefühl gehabt, daß sie ein gutes Verhältnis zueinander hatten.
Eher könnte ich mir vorstellen, daß der Krieg der Auslöser war. Meine Mutter war im
Alter von 16 Jahren Zwangsarbeiterin in Sibirien. Ich habe mir oft überlegt, was das für
einen so jungen Menschen bedeuten muß, ob sie quasi ihre Gefühle in Sibirien
verloren hat. Oder aber ob es umgekehrt war: daß sie Sibirien nur hat überleben
können, weil sie von Natur aus nicht zur Feinfühligkeit neigt.
 
Ich glaube ,dass Menschen in extremen Lebenssituationen lernen ihre Gefühle zu verdrängen,sie nicht mehr zu spüren zu müssen....um überleben zu können.
 

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