Ich fand es manchmal in meiner Jugend auch für mich als Nicht-Autistin nicht einfach, immer zu wissen, was jetzt angebrachtes Verhalten ist.
Gerade in der Zeit nach der Schule, wenn es "raus ins Leben" geht, wo alles noch neu ist und man selber kein Schüler mehr, sondern junge/r Erwachsene/r. In der Schule war es mitunter noch leicht zu durchschauen, mit wem man "konnte", oder zu welchem Grüppchen man sich eher nicht stellte.
Ich erinnere mich an meine Anfangszeit im Studium. Da habe ich auch viel gegrübelt und hinterfragt, und wusste manchmal nicht, was angemessen ist. Es kann dauern, bis man "seine" Leute gefunden hat und im neuen Umfeld Fuß fasst.
Da du, Benny, in einer WG wohnst, wäre es vielleicht nicht dumm, die Leute auf deinen Autismus aufmerksam zu machen. Da ist das Wissen und die Kenntnis oft größer als man denkt. Auch wenn du vielleicht nicht genau wie z.B. Sheldon Cooper bist, versteht man manche Verhaltensweisen von dir vielleicht besser. Es wird ja viel berichtet über das Thema, und viele berühmte Leute sind/waren im Spektrum, so dass das Interesse und die Akzeptanz oft erstaunlich groß sind. Letztendlich geht es darum, dass du dich wohl fühlst, und dass solche verunsichernden Situationen dir nicht so oft die Energie rauben.
P.S. Mein Sohn ist auch Autist, wir kommunizieren es immer offen und erfahren in 29 von 30 Fällen eine positive Reaktion.
P.P.S. Ich bin in meinem Leben häufiger Leuten begegnet, deren Verhalten mich irritiert hat (unter andetem eine gute Freundin). Und wo mir im Nachhinein, viel später, erst klar wurde, dass die "im Spektrum" waren.
Damals, vor 40 Jahren oder so, war das alles nicht so bekannt wie heute. Ich hätte es gerne gewusst, um deren Verhalten besser einordnen zu können ...