Ich habe mich dazu entschlossen, meine Diagnose bei ihnen anzusprechen. Wie soll ich am besten vorgehen?
Deine Mitbewohnerin hat dich nicht zu ermahnen - das wäre eine Frechheit und völlig übergriffig. Du bist doch kein kleiner Junge, der von seiner Mutter zurechtgewiesen wird.
Bei einer solchen Äußerung hättest du sagen können "Ich habe verstanden, dass das Treffen für dich unerwartet war. Das war es aber für mich genauso und mir war wichtig, das richtig einzuordnen. Es wäre nett, wenn du das so annimmst. Eine Ermahnung passt hier nicht."
@BennyPenny: Da darfst ruhig auch mal freundlich Flagge und Grenzen zeigen statt dich unterwürfig zu präsentieren. Wenn du das zu oft machst und immer kuschst sind erst recht Probleme vorprogrammiert.
Daher fänd auch ich gut, wenn du einerseits offenlegst, dass du dich im Umgang mit anderen etwas schwer tust und es auch schon mal zu Missverständnissen kommen kann. Du aber darum bittest, dass alle respektvoll bleiben und gerne auch direkt nachfragen, wenn etwas irritiert.
Sofern es nicht per se Situationen gibt, wo ihr euch regelmäßig zusammensetzt würde ich mir einen Termin ausgucken, an dem wahrscheinlich alle da sind und mit jedem einzeln (mit etwas Vorlauf, 1-2 Tage) klären, ob er um x Uhr mal 15 Minuten Zeit hat, weil du mit der Gruppe kurz etwas besprechen wolltest.
Am Termin selber würde ich positiv beginnen: Dass du es toll fändest, dass sich jeder Zeit genommen hat. Dass du dich in der WG sehr wohl fühlst, dir aber etwas auf dem Herzen läge, von dem du schon länger überlegen würdest, wie du das mal ansprechen könntest.
Dass du jetzt einen aktuellen Zwischenfall zum Anlass nehmen wolltest, um genau das zu tun.
Dass es vielleicht schon mal Momente gegeben hätte, in denen sich der eine oder andere über Reaktionen oder Verhalten von dir gewundert hätte. Dir selber sei das zwar nicht aufgefallen, aber du wüsstest, dass so etwas gelegentlich passieren könne.
Du seiest Autist und dies führe dazu, dass du im sozialen Miteinander manchmal anders reagieren würdest, als andere das tun.
Im aktuellen Fall habe es einfach ein Missverständnis gegeben, das du aufklären wolltest, das aber unter Umständen nicht klar rübergekommen wäre und du dich jetzt nicht gut fühlen würdest.
Abschließen würde ich damit, dass du dir trotz deiner Besonderheit einen respektvollen Umgang auf Augenhöhe wünschst. Sollte diese Frau darauf eingehen und sagen, sie sei doch freundlich gewesen, könntest du sagen, dass sie dich ermahnt habe und du das unpassend fandest, weil es einfach ein Missverständnis war.
Wenn du das möchtest, kann du auch vorab eine KURZE schriftliche Info zusammenstellen, in der beschrieben wird, was Autisten ausmacht, vielleicht sogar Tipps, wie man sich dir gegenüber verhalten kann, um dir zu helfen.
Die dann an jeden aushändigen und sagen: Falls ihr euch mit Autismuss nicht gut auskennt würde ich mich sehr freuen, wenn ihr euch das hier mal durchlest. Solltet ihr Fragen an mich haben sprecht mich doch einfach an - auch gerne jetzt in der Runde, falls es konkret etwas gibt.
Um das Ganze dann etwas aufgelockert abzuschließen könntest du zum Schluss noch sagen, dass du gerne mit allen noch auf das neue Jahr anstoßen würdest. Könntest eine Flasche X (was auch immer heutzutage von jungen Leuten getrunken wird) besorgen und dann spendierst du eine WG-Runde.
So ungefähr würde ich wohl vorgehen. Natürlich musst du überlegen, ob es auch für dich oder zu dir passt. Vielleicht magst du ja an der einen oder anderen Stelle etwas anpassen.
Wie von
@AnnaLivia vorgeschlagen könntest du natürlich auch Einzelgespräche führen, wenn du dich dabei wohler fühlst. Und ja, ich bin auch der Meinung, dass erwachsene Menschen (erst recht Leute, bei denen es intellektuell für eine Uni reicht), mit so etwas umgehen können sollten.