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Traumatische Kindheit: Mutter (90) fordert Absolution vor ihrem Lebensende.

Wenn nicht, dann halte dich bitte aus dem Thema raus. Deine Verharmlosungen sind nicht besser als die Schläge von damals.

Mir wirft man das auch oft vor, dass ich verharmlose, weil mir nicht gelingt, immer an das alles zu denken und mich in diese Zeit wieder hineinzuversetzen.
Ich frage mich selber, wie kann das sein, nach dem allem müsste ich zerbrochen sein, wieso konnte ich das nur wegstecken und vergessen? Mir fällt es schon ein, aber ohne dabei nachträglich noch zu leiden. Wie wenn das extrem lange her wäre, viel zu lange, um mich noch weiter damit zu befassen.

Harm, Ver-Harm-losen, verhärmt, Harmlos.. ich stufe jenen als Harmlos ein, der nicht verhärmt ist. Verharmlosen hat vielleicht eine andere Bedeutung- in der Lage sein, diesen Begebenheiten nicht so viel Gewicht zu geben?
 
Man verzeiht Fehlverhalten, weil man selbst damit abgeschlossen hat. Man verzeiht aus sich heraus, ganz egal, ob es demjenigen, dem verziehen wird, etwas bedeutet oder nicht. Einem selbst bedeutet es etwas, ist Teil des eigenen Abschlusses.

Einem Opfer von Gewalt zu sagen es soll verzeihen ist ungefähr so, als wenn ich jemandem der Pleite ist rate, einfach seine Schulden zu bezahlen.
Ich glaube, das ist eher so gemeint., wie im Zitat oben.
Es ist eher eine Akzeptanz, ein Abschließen für sich selbst.

Und da , finde ich, das zu verzeihen noch schwerer, wenn der andere nicht einmal zugibt, dass es die Gewalt überhaupt gab.
Ich weiß nicht ob es für den inneren Frieden, für den Abschluss damit wirklich ein Verzeihen geben muss.
Es war und bleibt falsch, was passiert ist , hätte nie passieren dürfen.
 
Und da , finde ich, das zu verzeihen noch schwerer, wenn der andere nicht einmal zugibt, dass es die Gewalt überhaupt gab.
Ich weiß nicht ob es für den inneren Frieden, für den Abschluss damit wirklich ein Verzeihen geben muss.
Ja, das stimmt - aber das kann im Laufe der Zeit durchaus die Entwicklung dorthin sein.
Bei mir z.B. ist es so, dass ich mit meiner Mutter tatsächlich meinen inneren Frieden gemacht habe. Sie tut mir mehr leid als dass ich noch wütend auf sie bin, denn sie muss mit sich selbst jeden Tag leben und ich würde keinen Tag davon mit ihr tauschen wollen.

Trotzdem ist sie verantwortlich für alles, was sie als erwachsener Mensch getan hat, weswegen ich auch nie wieder Kontakt haben wollen würde und sollte sie irgendwann pflegebedürftig werden und ihr Gatte vor ihr sterben, dürfte sie auf mich und meine Hilfe so viel zählen wie ich als Kind auf sie - nämlich gar nicht.

Das würde ich dann als ausgleichende Gerechtigkeit empfinden und hätte kein schlechtes Gewissen.

@Struwwelpeter: ginge es dir nicht erheblich besser, wenn du den Kontakt komplett einstellen würdest, denn die Erwartungen, die du an diesen Kontakt hast - nämlich einfach gesehen zu werden mit deinen Gefühlen - die werden sich nicht erfüllen?!
Kannst du dich nicht selbst besser bemuttern, indem du diese Frau und deine Brüder ihrem Schicksal überlässt?
 
Hast Du Dir mal vor Augen geführt, was Deine Alternative als Kind gewesen wäre? Offenlegen, den Eltern nicht gehorchen, im Krankenhaus erzählen, was die Realität war? Was wäre dann erfolgt?

Ich hatte diese Gedanken damals oft:
Was passiert, wenn ich jemandem erzähle, was sich in unserem gutbürgerlichen Reihenhaus wirklich abspielt?
Ich hätte einfach niemals den Mut gehabt, mich an eine außenstehende Person zu wenden.
Trotz allem hing ich außerdem an meiner Familie.
Die Vorstellung, in einem Heim oder einer Pflegefamilie zu leben, war für mich beinahe genauso schrecklich wie die Zustände zu Hause einfach auszuhalten.
Zusätzlich war da die Angst, dass man mir nicht glaubt oder dass man meinem Vater einfach nur sagt: "Tu das nie wieder"
Dann wäre mein 'Verrat' aufgeflogen und mein Vater hätte mich womöglich totgeschlagen. Ich bin sicher, dass er meinen Tod niemals bewusst riskieren wollte. Er schien manchmal sogar selbst bestürzt, wenn er sah, was er angerichtet hatte. Aber wenn er wütend war, war er einfach nicht mehr Herr seiner Sinne. Das Risiko war für mich als Kind unkalkulierbar.
Bei Dir sehe ich hingegen starken Therapiebedarf, denn Deine Erlebnisse spiegelst Du nur am Verhalten Deiner Mutter und erwartest eine Entschuldigung, um zu verzeihen. Verzeihen aber heist nicht, dass man eine Bedingung voranstellt, um es zu tun

Mir geht es gar nicht um eine theoretische Debatte.
Mir geht es darum, dass ich mich schlicht nicht in der Lage sehe, jemandem zu verzeihen, der von sich behauptet, frei von jeder Schuld zu sein.
Für mich ist das so, als würde ich mich vor meine Mikrowelle setzen und ihr verzeihen, dass mein Mittagessen darin angebrannt ist.
Verzeihen setzt (zumindest für mich) voraus, dass das Gegenüber überhaupt erkennt, dass ein Unrecht stattgefunden hat.
Da meine Mutter alles leugnet, gibt es für sie gar nichts, wofür sie Vergebung braucht. Ich fordere keine Bedingungen, ich stelle nur fest, dass Verzeihen hier völlig ins Leere läuft und es auch für mich kein Befreiungsschlag ist, wenn ich "edelmütig" verzeihe.
Einem Opfer von Gewalt zu sagen es soll verzeihen ist ungefähr so, als wenn ich jemandem der Pleite ist rate, einfach seine Schulden zu bezahlen. Er muss es einfach nur tun, und schon hören alle Qualen auf. Der Gläubiger freut sich, die Bank ist happy, die Leute ringsum zollen Respekt und man kann auch wieder tun, was man gern möchte.

Das bringt es auf den Punkt!
Welche Beweggründe deine Mutter früher auch immer hatte - ihre Kinder "aufzuteilen" in die zwei Verbündeten, ihre Schätzchen, und andererseits den "Buhmann" - der vom Erbe nix sieht, weil die "Guten" schlauerweise schon vorher bedacht wurden - das ist für mich einfach das Zeichen für einen Sch ... Charakter.
Und das mit dem Erbe wäre der letzte Grund, mich von dieser Familie zu distanzieren. Auch die Geschwister scheinen ja gut mit dieser Rollenverteilung klar zu kommen und sie nicht zu hinterfragen. Was ein mieses Spiel.

Diese Aufteilung in 'Gut' und 'Böse' hat die Familie systematisch zerstört.
Abgesehen davon, dass mein Vater seine cholerischen Anfälle hauptsächlich an mir abgearbeitet hat, sehe ich meine Mutter als Drahtzieherin.
Dass meine Geschwister diese Rollenverteilung und später den finanziellen Vorteil einfach so annahmen, ohne irgendetwas zu hinterfragen, hat den emotionalen Bruch zu meinen Brüdern noch verstärkt.
Ich denke aber, dass die beiden in gewisser Weise ebenfalls Missbrauchsopfer sind.
Meine Mutter hat sie zu gefügigen Marionetten erzogen.
 
@Struwwelpeter: ginge es dir nicht erheblich besser, wenn du den Kontakt komplett einstellen würdest, denn die Erwartungen, die du an diesen Kontakt hast - nämlich einfach gesehen zu werden mit deinen Gefühlen - die werden sich nicht erfüllen?!
Kannst du dich nicht selbst besser bemuttern, indem du diese Frau und deine Brüder ihrem Schicksal überlässt?

Eigentlich ist der Kontakt schon abgebrochen – bis auf ihre Anrufe, bei denen sie versucht, die Realität zu verdrehen und mir eine unbeschwerte Kindheit einzureden.
Ich sehe jetzt ein, dass ich auch den Telefonkontakt komplett einstellen muss.
Ich werde ihre Nummer jetzt einfach blockieren.
Es ist der einzige Weg, um mich selbst bemuttern zu können und diese Frau endgültig ihrem Schicksal zu überlassen.
 
Das ist auch der einzige Weg bei mir gewesen. Als pure Selbstfürsorge. Aber es ist ein langer, innerer Prozess, bis man sich abgenabelt hat. Das kann Jahre dauern. Gib Dir Zeit dafür! Das ist ganz natürlich.

Allerding bleiben mir die letzten Worte meiner Mutter im Gedächtnis, als ich sie besucht habe, um mich ganz zu verabschieden. Diese Worte haben mich nur bestärkt zu gehen. Insofern hat sie es mir leicht gemacht.
 
Mir geht es gar nicht um eine theoretische Debatte.
Mir geht es darum, dass ich mich schlicht nicht in der Lage sehe, jemandem zu verzeihen, der von sich behauptet, frei von jeder Schuld zu sein.
Für mich ist das so, als würde ich mich vor meine Mikrowelle setzen und ihr verzeihen, dass mein Mittagessen darin angebrannt ist.
Verzeihen setzt (zumindest für mich) voraus, dass das Gegenüber überhaupt erkennt, dass ein Unrecht stattgefunden hat.
Da meine Mutter alles leugnet, gibt es für sie gar nichts, wofür sie Vergebung braucht. Ich fordere keine Bedingungen, ich stelle nur fest, dass Verzeihen hier völlig ins Leere läuft und es auch für mich kein Befreiungsschlag ist, wenn ich "edelmütig" verzeihe.
Das bringt es auf den Punkt!
Du bist ja nicht gezwungen Deiner Mutter zu verzeihen.
Du hast doch wohl Deine Entscheidung getroffen wie ich meine schon vor einigen Seiten erkannt zu haben. Ich denke mal, Du musst Dich nicht erklären und nicht begründen, es ist einfach so.

Welche Art der Hilfe erwartest Du Dir hier bzw. hilft es Dir über das erlittene zu schreiben?
 
Du bist ja nicht gezwungen Deiner Mutter zu verzeihen.
Du hast doch wohl Deine Entscheidung getroffen wie ich meine schon vor einigen Seiten erkannt zu haben. Ich denke mal, Du musst Dich nicht erklären und nicht begründen, es ist einfach so.

Welche Art der Hilfe erwartest Du Dir hier bzw. hilft es Dir über das erlittene zu schreiben?

Dadurch, dass ich mein Problem schriftlich in Worte fasse, durchlaufe ich eine Art Entschleunigungsprozess, der bewirkt, dass ich mich intensiver mit meinen heutigen und damaligen Gefühlen auseinandersetze.
Außerdem empfinde ich den Austausch mit anderen, ähnlich Betroffenen sehr tröstlich.
Und auch neutrale Ansichten von Menschen ohne emotionalen Bezug zur Situation helfen mir einfach, die Dinge objektiver einzuordnen - wobei man natürlich in solch einem Forum aufpassen muss, sich nicht von diversen Usern runterziehen zu lassen, die esoterisch oder anderweitig schräg unterwegs sind.
 
Die Mikrowelle ist nicht denkend, kann also nicht zugeben, schuld zu sein. Da musst Du schon selbst Dein Fehlverhalten (zu hohe Stufe, zu lange Zeit, nicht abgedeckt,…) zugeben und Dir dann verzeihen, dass Du Mist gebaut hast.
Ähnlich verhält es sich mit jemandem, der pleite ist, denn meist hat derjenige das selbst verbockt und schlicht anderes gewollt als was realistisch darstellbar war. Die Schulden gilt es zu begleichen, erst dann kann der Schuldner sich selbst befreien. Das hat mit verzeihen nichts zu tun, sondern es sind Fakten in einem Leben, die es zu akzeptieren gilt und zu beheben für sich. Die Schuld liegt bei einem selbst.
Warum sind mein Mann und ich nicht pleite gegangen mit einer Firmengründung bei Null? Weil wir den möglichen Verführungen widerstanden haben, nur weil eine Bank mir auch einen Porsche finanzieren würde und den Kauf einer tollen Immobilie, heißt das nicht, dass ich es tun muss! Wir haben erst gekauft, wenn dieses Geld als verfügbares Guthaben nach Abzug aller anderen Kosten und Bedarfe vorhanden war und auch dann hat man abgewogen, ob es sofort nötig ist oder man noch wartet, denn wir hatten unsere kleine Mietwohnung und unser kleines Büro und alles funktionierte auch so korrekt. Schulden hatten wir nie, das Haus wurde Cash bezahlt, das Büro zog dort mit ein,…
Es ist eine Planung, die viele aus den Augen verlieren, was dann deren Schuld ist, die sie anerkennen müssen.

Ganz anders verhält es sich bei Opfer-Täter oder Täter-Opfer Konstellationen, da stehen sich zwei Menschen gegenüber mit unterschiedlicher Größe, unterschiedlichem Verhalten und unterschiedlicher Selbstreflektion. Manche können es für sich gut aufarbeiten, egal ob Täter oder Opfer, manche zerbrechen an ihrer Schuld und manche finden einen Weg, der es irgendwie erträglich macht und manche finden nie einen Weg für sich selbst.
Sich in der Verarbeitung a das Gegenüber zu klammern: der Mörder meines Kindes muss lebenslänglich hinter Gitter, nur dann kann ich Frieden finden! Aber was passiert, wenn der Tod klar ein minder schwerer Totschlag war und diese Strafe verbüßt wird? Dann kann man nie abschließen?

Es ist die Größe eines Menschen, die es ermöglicht zu vergeben, zu verzeihen, abzuschließen, unabhängig vom Status Opfer oder Täter. In sich muss man es haben und es auch nicht veräußern a das Gegenüber.
Ich weiß, dass meine Mutter damals zu schwach war, um beschützend zu sein und sie ist es weiterhin, deshalb macht es keinerlei Sinn, sie auf den Prüfstand ihrer selbst zu schieben, ihr Druck zu machen. Ich muss für mich abschließen und mit diesem Abschluss kann ich wieder gut auf sie und den Vater zugehen, es ist kein Thema mehr. Ich will kein Ankläger sein und mich auch nicht in einer behindernden Opferposition sehen, für mich nicht! Für mich gilt schon lange nicht mehr “Auge um Auge, Zahn um Zahn”. Wenn ich jetzt zurückblicke, dann blicke ich auf 52 Jahre zurück, von denen 10 mit psychischen Qualen geprägt waren (nicht nur, ebenso mit guten Zeiten), das soll dann meine restlichen 42 Jahre bisher alle überschatten.? Definitiv nicht!
 

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