Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Traumatische Kindheit: Mutter (90) fordert Absolution vor ihrem Lebensende.

Deine Verharmlosungen sind nicht besser als die Schläge von damals.

Damit bin ich den Eltern nicht zu Hilfe gekommen, sondern wollte einfach was über das Thema Bewusstsein sagen, was man auch im Zusammenhang mit den anderen Genannten betrachten sollte.

Ja, Täter können auch Opfer sein.

Klar.

Aber nur weil vielleicht mein Vater verprügelt wurde in seiner Kindheit, hat er das Recht, das auch bei seinen Kindern zu tun? Nun wird es wirklich wild.

Du interpretierst das nur so.
 
Ich verstehe Deine Gefühle und es tut mir leid, dass Du bis heute Deine Kindheit nicht verarbeitet hast.
Schlussendlich hängt Deine Realität nicht von der Deiner Mutter ab!
Hast Du Dir mal vor Augen geführt, was Deine Alternative als Kind gewesen wäre? Offenlegen, den Eltern nicht gehorchen, im Krankenhaus erzählen, was die Realität war? Was wäre dann erfolgt? Du wärst den Eltern weggenommen worden, ab ins Kinderheim, womöglich keine Pflegeeltern in Sicht oder am Ende solche, die es nicht besser machen, denn auch das war und ist eine Realität, die nicht allzu selten ist.
In meiner Kindheit gab es zwar keine Schläge, dafür psychischen Terror. Das ist als Kind oftmals garnicht filterbar, erst später, aber da kommt die eigene Reflektion bereits hinzu und damit auch das Verständnis für Verhaltensweisen und angenommene Schutzmuster. Man bewertet Geschehenes deutlich abstrakter. Daher beispielsweise nie ein Therapiegrund.

Bei Dir sehe ich hingegen starken Therapiebedarf, denn Deine Erlebnisse spiegelst Du nur am Verhalten Deiner Mutter und erwartest eine Entschuldigung, um zu verzeihen. Verzeihen aber heist nicht, dass man eine Bedingung voranstellt, um es zu tun. Man verzeiht Fehlverhalten, weil man selbst damit abgeschlossen hat. Man verzeiht aus sich heraus, ganz egal, ob es demjenigen, dem verziehen wird, etwas bedeutet oder nicht. Einem selbst bedeutet es etwas, ist Teil des eigenen Abschlusses.

Ich persönlich sehe niemanden in einer Rechtfertigungsposition für das eigene Verhalten, es gab sicherlich Gründe und Hauptsache ist, dass man daran nicht zerbricht und mit sich selbst klarkommt. Was wäre Deiner Mutter passiert, hätte sie sich schützend vor Dich gestellt? Hätte Dein Vater sie dann vergewaltigt, wieder und wieder, ihren Willen gebrochen wieder und wieder? Ist das vielleicht sowieso passiert? Sie muss es niemandem erzählen, nicht um sich zu rechtfertigen für ihre Abhängigkeit zu den damaligen Gesellschaftsnormativen, sie könnte es freiwillig tun, wenn es ihr gut täte.

Außer Frage steht, dass kein Kind und auch kein Mensch überhaupt jemals sowas verdient hat und trotzdem gibt es das, teilweise sogar geduldet durch die damaligen Gesetze, und heute gibt es das, obwohl Gesetze es lange nicht mehr als Lücke aufweisen.
Meinen eigenen Seelenfrieden erreiche ich nur in mir und nicht durch ein Eingeständnis damals Mitbetroffener. Deren Erleben war ein anderes, deren Schaden war ein anderer und nur damit muss man umgehen.

Ich habe alle Verfehlungen verziehen, die positiven Momente leben weiter, in mir und in mir zusammen mit den Eltern. Ich stelle weder das Verhalten meines Vaters in Frage, weil ich weiß, wodurch es geprägt wurde und nicht mehr heilbar war, ich stelle meine Mutter nicht in Frage, die schlicht zu schwach war, sich klar zu positionieren und es heute noch ist. Ich muss ihnen keine Stachel in ihre Seelen setzen im Alter und erzwingen, dass sie meine Realität adaptieren und aus ihrer Bahn genommen werden. Sie sind alt und mein Weg ging, auch durch die Kindheit, in eine andere Richtung, nämlich in eine vollkommene Unabhängigkeit und in klare Positionierung gegen Gewalt und damit sind unsere Kinder groß geworden, zwischen meinem Mann und mir gibt es keinerlei Machtgefälle und wir können prima mit unseren Senioren (Elternhäusern), können zusammen friedlich und zufrieden sein.

Insgesamt erscheint es mir, dass Du eine große Abhängigkeit von Deiner Mutter hast, ansonsten würdest Du den Kontakt abgebrochen haben, wie es andere Menschen tun.
Wie Du reagieren wirst, genau in dem Moment, wenn Deine Mutter verstirbt, darauf wirst Du keine Antwort haben bis es passiert ist. Den Müll/die Negativlast der eigenen Seele kann man nur selbst entsorgen, ganz egal, ob es die Verursacher noch gibt oder nicht.
 
Einem Opfer von Gewalt zu sagen es soll verzeihen ist ungefähr so, als wenn ich jemandem der Pleite ist rate, einfach seine Schulden zu bezahlen. Er muss es einfach nur tun, und schon hören alle Qualen auf. Der Gläubiger freut sich, die Bank ist happy, die Leute ringsum zollen Respekt und man kann auch wieder tun, was man gern möchte.

Nur wer Pleite ist, hat eben nichts, und wer schwer misshandelt wurde, der hat keine Güte und keine Gnade zu verschenken. Das braucht er alles für sich, um klarzukommen.

Abgesehen von diesem Mechanismus frage ich mich immer, warum Dinge verziehen werden sollen, für die man heutzutage 15 Jahre ins Gefängnis kommt. Haben die Psychologen auf dem Schirm, was sie da eigentlich verlangen?
 
Meine drei Kinder zb umarmen mich, sie senden Herzchen zu Posts, also das hätte ich niemals, nie und nimmer so mit unserer Mutter haben können.
Meine Kinder hatten es absolut nicht leicht, ganz bestimmt haben sich viele Erwartungen nicht erfüllt.
Wie entschuldigt man sich da?
Ganz oft höre ich, du warst richtig schrecklich, zugleich drücken sie mich und zwinkern mir zu. ""Wer dich überlebt hat, überlebt alles" ...ich kenne unzählige Begebenheiten, wo ich nachfühlen kann, dass sie sich schlecht fühlten. Das tut mir noch immer sehr leid. Ich sehe mich offenbar schlechter, als sie von mir erzählen. Für sie war ich schon okay, bis auf das, dass ich eben furchtbar schrecklich war, das sagen sie mit einem Lacher im Gesicht.
 
Welche Beweggründe deine Mutter früher auch immer hatte - ihre Kinder "aufzuteilen" in die zwei Verbündeten, ihre Schätzchen, und andererseits den "Buhmann" - der vom Erbe nix sieht, weil die "Guten" schlauerweise schon vorher bedacht wurden - das ist für mich einfach das Zeichen für einen Sch ... Charakter.
Und das mit dem Erbe wäre der letzte Grund, mich von dieser Familie zu distanzieren. Auch die Geschwister scheinen ja gut mit dieser Rollenverteilung klar zu kommen und sie nicht zu hinterfragen. Was ein mieses Spiel.

(@Hollunderzweig, ich glaube, das hier ist ein anderes Kaliber als deine Geschichten, meinst du nicht?)

@Dalmatiner, mit den 15 Jahren, da sagst du was, wenn auch überspitzt. Heute würde so ein Verhalten viel eher geahndet, Kinder werden mehr gesehen und haben mehr Rechte - z.B. das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Auch wenn es sicher immer noch eine Dunkelziffer gibt bei Misshandlungen, hat sich das Bewusstsein doch geändert, und ein Kind hat es heute leichter, gesehen zu werden, als früher - unglaublich, wie solche heftigen Misshandlungen so lange vertuscht werden konnten ...!
 
Zuletzt bearbeitet:
Meine Mutter sucht kein ehrliches Gespräch, sondern den "Sündenerlass" für ihre Lebenslüge.

Bei einer kurzen Besucherei wird das kaum möglich sein, da wird es Zeit brauchen und eine bestimmte Atmosphäre. Nach und nach den Panzer öffnen, das geht nicht auf die Schnelle.
Ich frag mich oft, wie es dir wohl geht mein Kind...das ja kein Kind mehr ist. Habe ich die Berechtigung, tief private Gespräche einzufädeln, ich glaube nicht mehr. Ich bin nicht ihr Vertrauter, das sind jetzt eigenständige Persönlichkeiten, die mit ihren engen Freunden, mit ihren Partnern und eigenen Kindern ihre Psyche preisgeben. Ich bin out. Aber ich spüre eine unausgesprochene Verbundenheit, zb beim Zutritt Wärme, im Blick Wärme, imTonfall mir gegenüber und "schön, dass da warst Mama" beim Gehen, das hör ich auch immer.
Ehrlich gesagt, mir wäre sauschlecht, wenn ich merken würde, dass sie zb depressiv wären, oder kränklich, ich würde die Schuld bei mir suchen.
 
Wenn nicht, dann halte dich bitte aus dem Thema raus. Deine Verharmlosungen sind nicht besser als die Schläge von damals.

Mir wirft man das auch oft vor, dass ich verharmlose, weil mir nicht gelingt, immer an das alles zu denken und mich in diese Zeit wieder hineinzuversetzen.
Ich frage mich selber, wie kann das sein, nach dem allem müsste ich zerbrochen sein, wieso konnte ich das nur wegstecken und vergessen? Mir fällt es schon ein, aber ohne dabei nachträglich noch zu leiden. Wie wenn das extrem lange her wäre, viel zu lange, um mich noch weiter damit zu befassen.

Harm, Ver-Harm-losen, verhärmt, Harmlos.. ich stufe jenen als Harmlos ein, der nicht verhärmt ist. Verharmlosen hat vielleicht eine andere Bedeutung- in der Lage sein, diesen Begebenheiten nicht so viel Gewicht zu geben?
 
Man verzeiht Fehlverhalten, weil man selbst damit abgeschlossen hat. Man verzeiht aus sich heraus, ganz egal, ob es demjenigen, dem verziehen wird, etwas bedeutet oder nicht. Einem selbst bedeutet es etwas, ist Teil des eigenen Abschlusses.

Einem Opfer von Gewalt zu sagen es soll verzeihen ist ungefähr so, als wenn ich jemandem der Pleite ist rate, einfach seine Schulden zu bezahlen.
Ich glaube, das ist eher so gemeint., wie im Zitat oben.
Es ist eher eine Akzeptanz, ein Abschließen für sich selbst.

Und da , finde ich, das zu verzeihen noch schwerer, wenn der andere nicht einmal zugibt, dass es die Gewalt überhaupt gab.
Ich weiß nicht ob es für den inneren Frieden, für den Abschluss damit wirklich ein Verzeihen geben muss.
Es war und bleibt falsch, was passiert ist , hätte nie passieren dürfen.
 
Und da , finde ich, das zu verzeihen noch schwerer, wenn der andere nicht einmal zugibt, dass es die Gewalt überhaupt gab.
Ich weiß nicht ob es für den inneren Frieden, für den Abschluss damit wirklich ein Verzeihen geben muss.
Ja, das stimmt - aber das kann im Laufe der Zeit durchaus die Entwicklung dorthin sein.
Bei mir z.B. ist es so, dass ich mit meiner Mutter tatsächlich meinen inneren Frieden gemacht habe. Sie tut mir mehr leid als dass ich noch wütend auf sie bin, denn sie muss mit sich selbst jeden Tag leben und ich würde keinen Tag davon mit ihr tauschen wollen.

Trotzdem ist sie verantwortlich für alles, was sie als erwachsener Mensch getan hat, weswegen ich auch nie wieder Kontakt haben wollen würde und sollte sie irgendwann pflegebedürftig werden und ihr Gatte vor ihr sterben, dürfte sie auf mich und meine Hilfe so viel zählen wie ich als Kind auf sie - nämlich gar nicht.

Das würde ich dann als ausgleichende Gerechtigkeit empfinden und hätte kein schlechtes Gewissen.

@Struwwelpeter: ginge es dir nicht erheblich besser, wenn du den Kontakt komplett einstellen würdest, denn die Erwartungen, die du an diesen Kontakt hast - nämlich einfach gesehen zu werden mit deinen Gefühlen - die werden sich nicht erfüllen?!
Kannst du dich nicht selbst besser bemuttern, indem du diese Frau und deine Brüder ihrem Schicksal überlässt?
 

Anzeige (6)

Autor Ähnliche Themen Forum Antworten Datum
M Gewalt durch Eltern in der Kindheit Familie 20
H Muttersein ohne Mutter Familie 8
S Meine Mutter macht mich wahnsinnig Familie 127

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben