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Traumatische Kindheit: Mutter (90) fordert Absolution vor ihrem Lebensende.

Deine psychologische Erklärung hilft mir sehr, das Verhalten meiner Mutter besser einzuordnen und zu verstehen, dass es ihr eigener, egoistischer Schutzmechanismus ist – und nicht an mir liegt.
Ich kann das nur bestätigen. Ich habe es bei meiner Mutter genauso erlebt. Verleugnung dient dem eigenen Schutz. Nützt dir natürlich nichts. Es gibt aber auch nicht viel, was du tun kannst und solltest. Mach es so, wie es für dich am besten ist.
 
Mal ehrlich, was ist einem schon wirklich immer richtig bewusst?
Dafür gäbe es Selbstreflextion! Die blutigen Streifen, die blauen Flecke, der Gips, der wochenlang wie ein Mahnmal getragen wurde, die gebrochene Nase? Nichts davon verheilt innerhalb von Stunden. Wenn der Schläger aus seinem cholerischen Anfall "erwacht", sind am nächsten Tag immer noch die Spuren zu sehen an deinem eigenen Kind. Und wenn man da nicht spätestens ins Grübeln kommt, ist ja wohl davon auszugehen, dass der Täter sich dessen sehr bewusst war.
Täter können auch Opfer sein.
Ich frage ich jetzt mal ganz klar: Warst du je Opfer als Kind durch gewaltsame Eltern?

Wenn nicht, dann halte dich bitte aus dem Thema raus. Deine Verharmlosungen sind nicht besser als die Schläge von damals.

Ja, Täter können auch Opfer sein. Aber nur weil vielleicht mein Vater verprügelt wurde in seiner Kindheit, hat er das Recht, das auch bei seinen Kindern zu tun? Nun wird es wirklich wild.
 
Deine Verharmlosungen sind nicht besser als die Schläge von damals.

Damit bin ich den Eltern nicht zu Hilfe gekommen, sondern wollte einfach was über das Thema Bewusstsein sagen, was man auch im Zusammenhang mit den anderen Genannten betrachten sollte.

Ja, Täter können auch Opfer sein.

Klar.

Aber nur weil vielleicht mein Vater verprügelt wurde in seiner Kindheit, hat er das Recht, das auch bei seinen Kindern zu tun? Nun wird es wirklich wild.

Du interpretierst das nur so.
 
Ich verstehe Deine Gefühle und es tut mir leid, dass Du bis heute Deine Kindheit nicht verarbeitet hast.
Schlussendlich hängt Deine Realität nicht von der Deiner Mutter ab!
Hast Du Dir mal vor Augen geführt, was Deine Alternative als Kind gewesen wäre? Offenlegen, den Eltern nicht gehorchen, im Krankenhaus erzählen, was die Realität war? Was wäre dann erfolgt? Du wärst den Eltern weggenommen worden, ab ins Kinderheim, womöglich keine Pflegeeltern in Sicht oder am Ende solche, die es nicht besser machen, denn auch das war und ist eine Realität, die nicht allzu selten ist.
In meiner Kindheit gab es zwar keine Schläge, dafür psychischen Terror. Das ist als Kind oftmals garnicht filterbar, erst später, aber da kommt die eigene Reflektion bereits hinzu und damit auch das Verständnis für Verhaltensweisen und angenommene Schutzmuster. Man bewertet Geschehenes deutlich abstrakter. Daher beispielsweise nie ein Therapiegrund.

Bei Dir sehe ich hingegen starken Therapiebedarf, denn Deine Erlebnisse spiegelst Du nur am Verhalten Deiner Mutter und erwartest eine Entschuldigung, um zu verzeihen. Verzeihen aber heist nicht, dass man eine Bedingung voranstellt, um es zu tun. Man verzeiht Fehlverhalten, weil man selbst damit abgeschlossen hat. Man verzeiht aus sich heraus, ganz egal, ob es demjenigen, dem verziehen wird, etwas bedeutet oder nicht. Einem selbst bedeutet es etwas, ist Teil des eigenen Abschlusses.

Ich persönlich sehe niemanden in einer Rechtfertigungsposition für das eigene Verhalten, es gab sicherlich Gründe und Hauptsache ist, dass man daran nicht zerbricht und mit sich selbst klarkommt. Was wäre Deiner Mutter passiert, hätte sie sich schützend vor Dich gestellt? Hätte Dein Vater sie dann vergewaltigt, wieder und wieder, ihren Willen gebrochen wieder und wieder? Ist das vielleicht sowieso passiert? Sie muss es niemandem erzählen, nicht um sich zu rechtfertigen für ihre Abhängigkeit zu den damaligen Gesellschaftsnormativen, sie könnte es freiwillig tun, wenn es ihr gut täte.

Außer Frage steht, dass kein Kind und auch kein Mensch überhaupt jemals sowas verdient hat und trotzdem gibt es das, teilweise sogar geduldet durch die damaligen Gesetze, und heute gibt es das, obwohl Gesetze es lange nicht mehr als Lücke aufweisen.
Meinen eigenen Seelenfrieden erreiche ich nur in mir und nicht durch ein Eingeständnis damals Mitbetroffener. Deren Erleben war ein anderes, deren Schaden war ein anderer und nur damit muss man umgehen.

Ich habe alle Verfehlungen verziehen, die positiven Momente leben weiter, in mir und in mir zusammen mit den Eltern. Ich stelle weder das Verhalten meines Vaters in Frage, weil ich weiß, wodurch es geprägt wurde und nicht mehr heilbar war, ich stelle meine Mutter nicht in Frage, die schlicht zu schwach war, sich klar zu positionieren und es heute noch ist. Ich muss ihnen keine Stachel in ihre Seelen setzen im Alter und erzwingen, dass sie meine Realität adaptieren und aus ihrer Bahn genommen werden. Sie sind alt und mein Weg ging, auch durch die Kindheit, in eine andere Richtung, nämlich in eine vollkommene Unabhängigkeit und in klare Positionierung gegen Gewalt und damit sind unsere Kinder groß geworden, zwischen meinem Mann und mir gibt es keinerlei Machtgefälle und wir können prima mit unseren Senioren (Elternhäusern), können zusammen friedlich und zufrieden sein.

Insgesamt erscheint es mir, dass Du eine große Abhängigkeit von Deiner Mutter hast, ansonsten würdest Du den Kontakt abgebrochen haben, wie es andere Menschen tun.
Wie Du reagieren wirst, genau in dem Moment, wenn Deine Mutter verstirbt, darauf wirst Du keine Antwort haben bis es passiert ist. Den Müll/die Negativlast der eigenen Seele kann man nur selbst entsorgen, ganz egal, ob es die Verursacher noch gibt oder nicht.
 
Einem Opfer von Gewalt zu sagen es soll verzeihen ist ungefähr so, als wenn ich jemandem der Pleite ist rate, einfach seine Schulden zu bezahlen. Er muss es einfach nur tun, und schon hören alle Qualen auf. Der Gläubiger freut sich, die Bank ist happy, die Leute ringsum zollen Respekt und man kann auch wieder tun, was man gern möchte.

Nur wer Pleite ist, hat eben nichts, und wer schwer misshandelt wurde, der hat keine Güte und keine Gnade zu verschenken. Das braucht er alles für sich, um klarzukommen.

Abgesehen von diesem Mechanismus frage ich mich immer, warum Dinge verziehen werden sollen, für die man heutzutage 15 Jahre ins Gefängnis kommt. Haben die Psychologen auf dem Schirm, was sie da eigentlich verlangen?
 
Meine drei Kinder zb umarmen mich, sie senden Herzchen zu Posts, also das hätte ich niemals, nie und nimmer so mit unserer Mutter haben können.
Meine Kinder hatten es absolut nicht leicht, ganz bestimmt haben sich viele Erwartungen nicht erfüllt.
Wie entschuldigt man sich da?
Ganz oft höre ich, du warst richtig schrecklich, zugleich drücken sie mich und zwinkern mir zu. ""Wer dich überlebt hat, überlebt alles" ...ich kenne unzählige Begebenheiten, wo ich nachfühlen kann, dass sie sich schlecht fühlten. Das tut mir noch immer sehr leid. Ich sehe mich offenbar schlechter, als sie von mir erzählen. Für sie war ich schon okay, bis auf das, dass ich eben furchtbar schrecklich war, das sagen sie mit einem Lacher im Gesicht.
 
Welche Beweggründe deine Mutter früher auch immer hatte - ihre Kinder "aufzuteilen" in die zwei Verbündeten, ihre Schätzchen, und andererseits den "Buhmann" - der vom Erbe nix sieht, weil die "Guten" schlauerweise schon vorher bedacht wurden - das ist für mich einfach das Zeichen für einen Sch ... Charakter.
Und das mit dem Erbe wäre der letzte Grund, mich von dieser Familie zu distanzieren. Auch die Geschwister scheinen ja gut mit dieser Rollenverteilung klar zu kommen und sie nicht zu hinterfragen. Was ein mieses Spiel.

(@Hollunderzweig, ich glaube, das hier ist ein anderes Kaliber als deine Geschichten, meinst du nicht?)

@Dalmatiner, mit den 15 Jahren, da sagst du was, wenn auch überspitzt. Heute würde so ein Verhalten viel eher geahndet, Kinder werden mehr gesehen und haben mehr Rechte - z.B. das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Auch wenn es sicher immer noch eine Dunkelziffer gibt bei Misshandlungen, hat sich das Bewusstsein doch geändert, und ein Kind hat es heute leichter, gesehen zu werden, als früher - unglaublich, wie solche heftigen Misshandlungen so lange vertuscht werden konnten ...!
 
Zuletzt bearbeitet:
Meine Mutter sucht kein ehrliches Gespräch, sondern den "Sündenerlass" für ihre Lebenslüge.

Bei einer kurzen Besucherei wird das kaum möglich sein, da wird es Zeit brauchen und eine bestimmte Atmosphäre. Nach und nach den Panzer öffnen, das geht nicht auf die Schnelle.
Ich frag mich oft, wie es dir wohl geht mein Kind...das ja kein Kind mehr ist. Habe ich die Berechtigung, tief private Gespräche einzufädeln, ich glaube nicht mehr. Ich bin nicht ihr Vertrauter, das sind jetzt eigenständige Persönlichkeiten, die mit ihren engen Freunden, mit ihren Partnern und eigenen Kindern ihre Psyche preisgeben. Ich bin out. Aber ich spüre eine unausgesprochene Verbundenheit, zb beim Zutritt Wärme, im Blick Wärme, imTonfall mir gegenüber und "schön, dass da warst Mama" beim Gehen, das hör ich auch immer.
Ehrlich gesagt, mir wäre sauschlecht, wenn ich merken würde, dass sie zb depressiv wären, oder kränklich, ich würde die Schuld bei mir suchen.
 

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