Die psychologische Hürde und der tatsächliche Aufwand, sich krankschreiben zu lassen, sind durch die telefonische Krankschreibung unbestreitbar massiv gesenkt worden. Nun braucht der Mitarbeiter dem Arzt nicht mal ins Gesicht zu lügen sondern stellt am Telefon de facto einfach eine Eigendiagnose.
Wer abgebrüht genug ist, blau zu machen, wird auch dem Arzt ins Gesicht lügen, wenn es sein muss. Haben die Blaumacher vor der tel. Krankschreibung doch auch gemacht.
Die Abschaffung der tel. Krankschreibung dürfte fast allen Blaumachern völlig Wurst sein und nur die treffen, die wirklich was davon haben, nämlich die wirklich Kranken, die sich nicht in die Praxis schleppen müssen.
Die ersten drei Tage gibt es gar keinen Lohn, danach 7 Tage 80%, danach 100% für 42 Tage, wie bisher.
Auch dann wird es noch Blaumacher geben, aber eben nicht so viele, wie aktuell.
3 Tage keinen Lohn kann für viele Arbeitende bereits massive finanzielle Einschnitte bedeuten. Diese Regelung mag einige wenige Blaumacher treffen, aber umso mehr wirklich kranke, die sich dann lieber für ungesunden Präsentismus entscheiden, andere anstecken und/oder danach umso länger ausfallen.
In meinen Augen eine absolut kurzsichtige Idee. Man sollte lieber mal ordentlich prüfen, warum (angeblich) so viele Menschen so unzufrieden sind, dass sie zu der Maßnahme "Blaumachen" greifen.
Dazu eine kleine anekdotische Evidenz meinerseits: Ich kenne nur Blaumacher (zumindest die, die es auch offen kommunizieren), in mittel- bis gut bezahlten Jobs. Die wirst du mit 3 Tage kein Lohn nur zu einem Müden lächeln bewegen oder gar dazu animieren, extra lange blauzumachen, um auch die bezahlten Tage mitzunehmen.
Wir leben in einem Sozialstaat. Und wir werden niemals verhindern können, dass dies von einigen ausgenutzt wird. Ist es da die Lösung, viele mit Maßnahmen zu bestrafen um einige davon abzubringen (wenn es denn überhaupt fruchtet)?. Ich finde: Nein.