Zunächst vielen Dank an Alle, für die gutgemeinten Ratschläge und überhaupt für das Interesse im Allgemeinen. Hier ein kleines Update:
Mittlerweile läuft es oberflächlich gesehen sehr gut zwischen meinem Mann und mir. Er versichert mir glaubhaft, keine Pornos mehr zu konsumieren und vermeidet offensichtliches Anstarren fremder Frauen, wenn wir gemeinsam unterwegs sind. Eine Therapie gegen seine Pornosucht macht er nicht, dazu hätte er keine Zeit und sähe auch keinen Grund dafür. Auch hat er seiner Aussage nach das Rauchen aufgegeben (nach ca.10 Jahren von jetzt auf gleich!?)
Ich hatte ihm diverse Videos zu dem Thema Pornosucht vorgespielt und welche Mechanismen im Gehirn da arbeiten und was man tun muss um davon los zu kommen. Das hat ihn überzeugt, keine Pornos mehr zu konsumieren, wenn er von der Sucht weg will. Er hat sich gut darin wiedererkannt. Auch dass solches Starren mittlerweile als sexuelle Belästigung gesehen wird. Er will ja kein alternder, geiler Bock sein.
Soweit ist alles wunderbar. Er sagt mir täglich, wie sehr er mich liebt, begehrt und dass er nie mehr ohne mich sein will, dass ich die Frau seines Lebens bin, nur mit mir will er schlafen und zusammen sein ect. Also alles perfekt. Wirklich?
Ich bin nach wie vor sehr misstrauisch und immer auf der Hut. Mir ist das alles zu glatt und zu perfekt. Immer muss ich das Haar in der Suppe suchen, meint mein Mann, wenn ich wieder einmal zweifle. Aber aus Erfahrung weiß ich doch: Auf Sonnenschein kommt Regen. Außerdem, wieviele Männer gehen ins Bordell von denen man es nie vermuten würde. Auch solche Saubermänner.
Ich bemühe mich sehr (wie Früher), immer perfekt zu sein, gutgelaunt, immer adrett, gut gekleidet, gestylt usw. Ist / war sehr anstrengend. Immer habe ich angst, weise ich ihn in irgendeiner Form ab, nimmt er das sehr persönlich und könnte sich viel. wieder von mir abwenden, den Pornos zu. Also ja keinen Fehler machen. Auch keine Aussprache zu diesem Thema wird mehr (wurde noch nie) gewünscht. Seine Reaktionen darauf werden immer heftiger. Er fühle sich gedemütigt, wenn ich dieses Thema Porno anspreche. Ich würde es nur tun, um ihm weh zu tun. Sicher hätte ich ja das Recht dazu, nachdem was er mir angetan hat. Ich müsse aber damit abschließen und endlich nach vorne schauen. Wir wären beide krank und brauchen nicht noch solchen Streit, schließlich sei das jetzt ja vorbei. Und ich hätte noch sooo viele Fragen gehabt. Immer wieder habe ich das Gefühl: Sein Spiel- seine Regeln. Er biegt sich die Welt so hin, wie er sie braucht, weicht keinen Millimeter von seinem Weg ab. Wenn man nicht folgen kann, Pech gehabt.
Früher habe ich mich da wohl eher beeinflussen lassen. Nur heute, habe ich eben auch andere Erfahrungen und eine andere Reife. Ich glaube nicht mehr so naiv an das, was er mir erzählt. Früher war ich wohl zu arglos. Ich möchte nie mehr so blind sein wie damals. Ich war so dumm.
Neulich habe ich alte Videokassetten von früher (Familienurlaube mit unseren Kindern, Kindergeburtstage) digitalisiert. Dazu musste ich auch alles ansehen, was auf den Kassetten war. Da viel es mir wie Schuppen von den Augen. Er filmte meine Freundin auf dem Kindergeburtstag, zoomte auf Ihre Bluse, zwischen die Beide ect. Am Strand filmte er nicht nur unsere Kinder, er filmte irgendwelche Bikinischönheiten am Strand, zoomte abermals. Ich war echt sauer. Von mir filmte er die Füße! Und angeblich gefiel ihm meine Freundin gar nicht (zu dünn, zu ordinär, zu dumm). Ja klar….
Immer wieder kommen solch schmerzhafte Beobachtungen an die Oberfläche. Früher merkte ich solche Dinge nicht. Keine Hinweise von anderen, Freundinnen, die mir sagten, wie sehr mein Mann sie anstarren würde, lachte ich nur weg. Gut, ein paar Mal merkte ich es schon. Sprach ihn drauf an und er verneinte es. Ich glaubte das. Aber zweimal im Kino bekam er während des Films eine Erektion. Einmal eine Bettszene, ein andermal aber nicht. Ich sprach ihn drauf an, er sagte, er hätte an mich und den letzten Sex gedacht. Damals glaubte ich das. Ich war sehr attraktiv und dachte damals wirklich, mir liegt die Welt / Männer zu Füßen (war oft so). Ich war ja außer Konkurrenz. Musste mit niemand konkurrieren, schon gar nicht optisch. Sah ja gut aus, außerdem war ich klug, da studiert ect.
Heute habe ich immer mehr das Gefühl, dass ich bin und werde wie er mich will und nicht bin, wie ich eben bin und nicht tue, was ich eben will. Bin ich nur eine Trophäe für ihn gewesen? Vielleicht hat er einen großen Frauenhass (schlechtes Verhältnis zur Mutter, von diversen Frauen enttäuscht ect.) und ich muss es alles büßen? Habe ihn ja auch in die Ehe und Elternschaft gebracht. Ich weiß, dass alles ist vielleicht nicht wichtig.
Aber auf mein Leben hat das alles, dass mit den Pornos und dem Frauenstarren und all die Jahre ohne ihn, einen sehr großen Einfluss. Ich kann nicht einfach zur Tagesordnung über gehen. Ich versuch es ja und frage nicht mehr nach. Versuche das Thema zu vermeiden und alles mit mir auszumachen. In der Hoffnung, es geht von alleine weg und ich vergesse es irgendwann.
Aber ich kann es nicht. Ich bin so bescheuert, ich weiß. Aber wenn ich mit ihm schlafe, dann muss ich immer daran denken und habe keine Lust mehr, geschweige denn einen Orgasmus. Das sage ich ihm aber nicht und spiele ihm eben einen vor. Es ist ihm sehr wichtig, dass ich erregt bin und einen Orgasmus habe, damit er sich gut fühlt. Darum tue ich ihm den Gefallen. Ich funktioniere.
Wenn ich mich selbst befriedige, dann muss ich auch immer daran denken, wie er sich vor dem PC zu seinen Bildern befriedigt hat. Stelle mir vor wie es wäre, wenn er mit einer anderen Frau schläft usw. Meine Gedanken kreisen darum, auf wen er so richtig gut abspritzen konnte und wer ihn wohl am geilsten gemacht hat. Verrückt ich weiß. Ich versuche immer noch zu verstehen, warum ihn Gesichter sexuell erregen und was wohl wird, wenn ich noch älter werde und mein Gesicht noch faltiger, meine Haare noch grauer.
Ich frage mich immer, redet er sich das mit mir nur ein, weil er keine junge, schlanke mehr bekommt? Und warum leugnet er immer, dass er auf blond, jung und schlank steht? Was wäre denn daran so schlimm, es zuzugeben? ALLE seine Freundinnen waren schlank und blond. Ganz so der Typ Helene Fische, Britney Spears, Silvie Meis, Madonna, Blondie, Ruth Moschner, Barbara Schöneberger. Bei der Einzigen, bei der er es zugibt, ist Marylin Monroe. Kunststück, die ist ja auch tot. Ach ja, ein paar Exotinnen So Typ Eva Mendes waren auch dabei und ein paar Asiatinnen. Ich hingegen bin einfach braunhaarig.
Ich kann einfach nicht mehr Fernsehen oder Radio hören. Immer kommt eine von seinen Wichsvorlagen in den Medien. Ich ertrage das nicht mehr. Und nie gibt er es zu. Es wären einfach alles nur Zufälle gewesen, wie er an die Bilder gekommen sei. Die Frauen würden ihm nicht gefallen, er hätte nie den Mensch dahinter gesehen. Für ihn seien es nur schöne Fotos. Ich versteh das alles nicht. Mein Mann sagt, es gäbe nichts zu verstehen. Es wäre ja auch vorbei jetzt. Ich solle mich nicht mit den letzten Jahren beschäftigen, sondern mit denen die noch vor uns liegen. Ist ja was dran. Aber ich kann nicht, wie er alles unter den Teppich kehren. So wurde das bei ihm daheim immer gehandhabt. Nur nicht über Konflikte reden. Gar nicht mal dran denken, dann hat man auch keine. Es wäre eben ganz einfach. Nur nicht für mich. Glücklich bin ich nicht gerade. Aber vermutlich undankbar. Eine andere wäre froh, wenn sie einen Mann hätte in meinem Alter und 2-3 mal die Woche Sex.
Ich bin halt eher so der Typ Grübler. Beispiel: Alle freuen sich auf dem Weihnachtsmarkt, sind lustig, fröhlich, lachen lalala. Und was mach ich? Mir ist es zu voll, zu laut, mir machen die diversen künstlichen Gerüche zu schaffen. Bei den Fressständen denke ich an die armen Tiere. Würstchen aus nicht Artgerechter Haltung, Gift im Essen, die Klimakatastrophe und die Energieverschwendung. Woran denkt mein Mann? An die kleine neben ihm am Glühweinstand. So schön anzusehen in ihrem Minirock und den Stiefeln, so schön jung, blond, lustig ist sie auch, sicher auch gut zu f….
Das ist unser kleiner Unterschied. In den Siebzigern ging ich demonstrieren. Mein Mann feiern. Ich wollte die Welt verbessern, er wollte seinen Spaß. Aber ich will auch ein wenig Spaß haben im Leben. Warum bin ich nur so und kann nicht anders? Wäre ich doch nur dumm und oberflächlich, alles wäre so schön einfach.