Sie rennt mir hinterher, beißt mich in den Arm, knabbert an der Jacky, stubst mich pausenlos an und tut alles, damit sie das bekommt. Sie ist sehr sehr ungeduldig und hat dabei stets ihre Ohren angelegt.
Bei dem was Du erzählst, steht sie in der Rangfolge über Dir oder zumindest ist sie gleichgestellt. Das kann gefährlich werden/sein.
Wenn z.B. ein rangniedrigeres Pferd an einer Tränke etwas trinken will und ein ranghöheres Pferd kommt dazu, ist die Kommunikation zwischen ihnen (Körpersprache) klar und für Menschen kaum zu erkennen. Das rangniedrigere macht Platz und wartet ab. Wenn es das nicht macht, kann es sogar sein, dass das ranghöhere Pferd sich schnell umdreht und voll auskeilt (das andere an der vorne an der Brust mit voller Wucht trifft) und sich so behauptet.
Aber wie soll ein Mensch sich gegen ein Pferd durchsetzen? Daher stand am Anfang unseres Trainings (mein Pferd und ich) die Gerte (Knauf) und Führkette als Hilfsmittel der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Das habe ich - damals Laie - von LTJ (Buch) gelernt. Wenn Dein Pferd lernen soll, das Du ranghöher bist, wirst Du an Bodenarbeit nicht vorbei kommen. Bei einem jungen Pferd steht das eigentlich auch VOR der Ausbildung unter dem Sattel. Vor allem Deine eigene Körperhaltung ist sehr wichtig. Brust raus, Kopf hoch zeigt, das Du selbstbewusst bist. Eingefallene Schultern, Kopf gesenkt... da hat Daisy leichtes Spiel.
Zur Bodenarbeit gehört als aller Erstes
– angebunden ganz ruhig stehen zu können und zu lernen, dass man überall (!) anfassen kann
– auch die das Akzeptieren der Berührung mit z.B. Gerte oder Gegenständen am Körper
– Im Schritt und Trab an der Hand auf gerader Linie zu gehen und jederzeit auf Kommando Anzuhalten (Führkette und Gertenknauf)
Das Buch kannst Du auch gebraucht erwerben. Nach gerade mal 2 (!) Wochen hatte meine Stute gewusst, das ich ranghöher bin. Zwar hat sie lange Jahre immer wieder mal versucht mir meine Position streitig zu machen, aber dann habe ich wieder mit Führtraining angefangen und es war schnell geklärt. Die große Herde, in die sie später kam, hat sie dann pferdisch erzogen.
Es ist so schön mit ihr zu arbeiten (alle Bahnfiguren vom Boden aus nur mit Stimme und Körpersprache)... und nebenbei... REITEN kann ich nicht wirklich. Sie und ich verstehen uns
🙂
Thema Leckerli! Als erstes keine mehr geben, so schwer es auch fällt. Wie Raphaela sagt, lieber mit Stimme loben, sonst bist Du einfach nur der "Lecker-Schmecker-Mensch". Wenn ich mal zu oft ein Möhrchen gegeben habe, dann fing meine Stute sofort wieder an zu schubsen und mich zu durchsuchen. Ein kurzes aber kräftiges Wegschubsen des Kopfes (Hand dran an den unteren Kopfbereich und kräftig wegschubsen)... manchmal 10 x hintereinander... halt solange, bis sie aufhörte. Dann einfach mit Putzen weitermachen. Auf keinen Fall belohnen... einfach ignorieren und weitermachen.
Auch das Rückwärtsschicken ist absolut richtig, denn das rangniedrige Tier
weicht vor dem ranghören
zurück. Aber nur wegen Betteln.. da ist das "Schubsen" (siehe oben) wirkungsvoller. Wenn sie Dich bedrängt, Dir beim Führen nicht folgt, dann ist es angebracht... drei bis vier schnelle energische Schritte rückwärts reichen! Das ist auch gut in dem Buch erklärt.
Wähle Dir zur Abmahnung lieber einen Laut und hebe Deine Stimme (bei uns ein kurzes lautes "ÄHH" so als
Achtung/Warnung). Bei "
Nein" ist für ein Pferd (wie auch für Hunde) der Unterschied zu "
Fein" , was häufig ein Lobwort ist, nicht zu erkennen und verwirrend. Zum Loben nimmst Du dann auch besser nur
Jaaa, Braaav, Guuut (vor allem vokalbetont).
...aber jetzt warte ich erstmal wenn ich das in der Hand habe, dass sie nicht sofort danach beißt, sondern wartet bis ich ihr erlaube, das zu nehmen
DAS solltest Du auf keinen Fall machen. Ein Pferd denkt nicht wie ein Mensch. Wie soll sie das "Warten" mit einer "Erlaubnis" verbinden? Übe besser das Belohnen mit der Stimme mit ihr. Sie muss hinsichtlich Leckerlis entwöhnt werden
😉, damit sie lernt, das Leckerli eine Belohnung und kein Futter ist.
Das Leckerli sollte generell auch nie so gegeben werden, dass das Pferd es sieht (das Du ein Leckerli hast). Also am Besten versteckt in der Hand unter dem Hals direkt zum Maul. Vorallem muss eine Belohnung - egal ob Stimme oder Leckerli - immer innerhalb von 1 Sekunde kommen. Sonst ist es für die Katz.
Da es viele Bücher von LTJ gibt, hier der Titel von dem, das mir so sehr geholfen hat "Die Tellington Methode - So Erzieht Man Sein Pferd". Als Taschenbuch super günstig zu bekommen. Der TTouch war damals "in", aber mein Pferd hat das nie wirklich verstanden... dennoch waren die Bodenarbeitsmethoden außerordentlich lehrreich (Für uns beide). Daneben habe ich nur noch ein Pferdepsychologie-Buch und ein mentales Arbeitsbuch, was aber mehr für mich und meinen Weg zu mir selbst war.
Auch wenn Du jung bist wirst Du es sicher schaffen, denn Du hast Durchsetzungsvermögen und - denke ich - das Herz am richtigen Fleck! Bin gerne für Dich da, wenn Du was wissen willst oder Probleme hast.