Hallo Ursula
Deine Worte könnten nicht treffender sein, DANKE!
... indem ich mich immer und immer wieder mit ihm und seiner Sicht, seinen Vorwürfen ernsthaft und existentiell auseinandersetzte, ihm Rückmeldungen gab über seine in meinen Augen unangemessene Wirklichkeitswahrnehmung. Das aber war letztlich ein Unding, da ich ja selbst in dieses System integriert war und als reale Person tierisch darunter litt.
Ich fühlte mich wie "im falschen Film". Zwei Welten, die nicht kommunizieren können. Das anschuldigende Verhalten ist so schockierend, dass es einen machtlos macht. Ich konnte sagen, was ich wollte oder auch überhaupt nichts, es war nie "richtig" und vor allem bestätigte es ihn jedes Mal noch mehr in seinen verzerrten Bildern. Es kam mir so vor, wie wenn er sich seine Wahrheiten auf diese Art und Weise (Streitgespräch) immer wieder selbst bestätigen musste, wie um sie sich einzuverleiden. Ich fühlte mich dauernd unschuldig verurteilt, zum Bösen gemacht, eingesperrt in seiner verzerrten Realität, und litt immer nur mehr und mehr ...
Nach der Trennung durch mich kam für ihn eine Art von psychischem Absturz, den er aber später dadurch begründete, dass ich gemein, falsch und berechnend gewesen sei und mein wahres Gesicht erst jetzt gezeigt habe.
Er hat mir immer wieder vorgeworfen, dass alles kaltblütige Kalkulation war, um ihn auszunutzen. Dass dies mein wahres Gesicht sei, aber die anderen (meine Freunde, Familie) dies nicht sehen. Er will mich auf den guten Weg bringen, ich würde nicht weiterkommen im Leben mit ständigem Lügen usw. In seiner Welt bzw. aus seiner Sicht, spiele ich ein durchtriebenes Spiel. Er hofft, dass ich eines Tages fair und ehrlich ihm gegenüber sein werde und mich für alles, was ich ihm angetan habe, entschuldige ... Es ist die Verdrehtheit der Dinge, die einen zutiefst ratlos macht, einen einfach schlicht erdrücken. Seit wir getrennt sind (zwei Monate), versuche ich den Kontakt so gering wie möglich zu halten bzw. gar keinen zu haben, aber das ist nicht ganz einfach. Ich hoffe, es ist eine Frage der Zeit, wenig Zeit ..., denn Distanz ist der einzige Weg.
... aber gewissermaßen von mir verlangt, diese verzerrte Wirklichkeitssicht zu teilen, damit er sein Selbstbild nicht infrage stellen muss.
Die Unmöglichkeit, sich selbst in Frage zu stellen, veranlasst Menschen mit dieser Störung dazu, alles zu spiegeln. Sogar die Tatsache, dass ich nicht mehr mit ihm reden will, "interpretiert er zu seinen Gunsten": Ich könne die Last der Lügen, das falschen Bild, das ich von mir vermittle, nicht mehr tragen. Ich hätte Angst, schwach zu werden und die "Wahrheit" zu sagen, die ich mit allen Mitteln zu verstecken verusuche. Ja, ich müsste mich in seine Welt begeben, ich müsste Dinge zugeben, die ich nicht getan habe, die ich nicht bin, damit irgendetwas zwischen uns - sagen wir dem Dialog - überhaupt möglich wäre.
Absurder geht es nicht mehr und auch wenn ich "nur" einige Monate unter diesen Umständen um Luft rang, waren es definitiv einige zu viel und ich frage mich dauernd, warum ich das nicht früher schon abgebrochen habe. Was einen zurückhält, sind eben vielleicht genau die vielen anderen Qualitäten dieses Menschen, die gemeinsamen Jahre (die gut waren), die Gefühle, die ja nicht einfach so abbrechen - und nicht zuletzt die Ungläubigkeit, dass es überhaupt möglich ist, dass ein Mensch innert kürzester Zeit in seinen Wahrnehmungen so abdriften kann, dass er seine Ängste in wahre Tatsachen verwandelt, extrem verletzend wird und alles, was er in der Hand hat, zunichte macht (Partnerschaft, Freundschaften, Arbeit ...).
Ich wünsche allen viel Kraft.