Das ist vielleicht mein Problem, dass ich alles zu ernst nehme!=) Wobei ich diese Art der Beiträge von ihm ja schon kenne, und so ne lange Beteiligung wie du schreibst macht einiges klarer.
Mich beschäftigt gerade die Schuldfrage....oder Verantwortungsfrage. Meine Freundin meint, D. hätte die Wahl gehabt, auch anders zu handeln. Aber ich bin mir nicht so sicher, es ist ja auch ne Krankheit. Ich stehe da so mittendrin.... sicher wäre es möglich, dass er erkennt, wie ungewöhnlich er sich verhält. Das Ding ist nur, ich denke außer von mir bekam er bisher kein Feedback dazu, weil er anderen gegenüber -sogar langjährigen Freunden- sehr distanziert gegenüber ist. Irgendwie denke ich so: er ist Schuld, aber auch nicht....verwirrend. 😕
Dieses englische Forum hat mir auch nochmal ne ganz andere Perspektive gegeben. Wie viele einfach in unsere Lage geraten, überall auf der Welt. Dort gab es auch endlich mal Erfahrungsberichte von Betroffenen, die ihre Diagnose anerkennen und ihre Wahrnehmung beschreiben.... auch sehr interessant. Einer berichtet von so einer Art Zwang, seinem Gefühl gemäß zu reagieren. Und ich las da auch, dass die Ursache z.B. darin gesehen wird, dass Eltern einen herabblassend behandeln oder dauernd grundlos anschreien....da muss man ja irgendwie sich an seine eigene Wahrnehmung halten, wenn man sich nicht als völliges Nichts fühlen will. Was ja dann einem irgendwie die Existenzberechtigung nimmt.
Ja meine Freundin meinte auch, ich psychologisiere so viel und nehme ihn dadurch in Schutz. Ich psychologisiere aber auch, um mich zu verstehen. Ich weiß, er war nicht immer so...es war wie mit zwei vollständigen von einander unabhängigen Persönlichkeiten zu tun zu haben: der gute D. und der böse D. Der böse kommt immer wie so eine Polizei zur Hilfe, wenn der gute D. das Gefühl hat übergangen zu werden - andererseits tut er aber auch nichts Produktives beachtet zu werden: Gefühle mitteilen z.B. Vielleicht machte ihn das auch zu einem riesigen Mysterium, das interessant wirkte? Ich weiß es nicht...ich weiß, dass mein mangelndes Selbstvertrauen ein Punkt war, warum ich es so lange bei ihm aushielt. Aber es ist auch nicht alles. Mir war ja auch ganz lange nicht klar, wie sein Verhalten einzuordnen ist. Ich habe schon früher überlegt, ob er vielleicht ne gespaltene Persönlichkeit hat, oder andere Persönlichkeitsstörungen vermutet, wie eine schizotypische...aber die, die wie die Faust aufs Auge passt, fand ich erst kurz vor der Trennung. Und als ich sah, dass er damit nichts zu tun haben will, machte ich Schluß.
Für mich ist die Thematik auch deswegen so akut gerade, weil ich ihn vorgestern nach langer Zeit nochmal getroffen habe. Und man kann sich viel Illusionen aus der Ferne machen, aber nun habe ich es nochmal ganz deutlich gehabt...er hat sich nicht verändert, sucht Probleme nur bei mir. Seine erste Frage war, ob ich beim Psychologen bin. Er führt seine Therapie fort, meinte, er würde nicht immer übereinstimmen mit ihm z.B. wollte er zu seinen Eltern, also in die Heimat, auch zu Freunden fahren (700 km entfernt) und der Therapeut meinte, er empfiehlt das nicht, die Therapie bräuchte Kontinuität und seine Eltern treffen wäre gerade schlecht für ihn. Aber er meint: 'Er stimmt nicht überein mit dem Therapeuten, aber er glaubt ihm, dass er weiß wovon er redet.' Schockt mich irgendwie, da ich ihn so obrigkeitsbuckelnd nicht kenne. Gleichzeitig wirft er mir aber auch vor, dass ich die Diagnose eines früheren Psychologen von mir nicht glaubte: emotional-instabile Persönlichkeitsstörung impulsivem Typs. Aber dieser Therapeut kannte nicht mal an, dass ich Asperger habe, er kramte die Diagnosekriterien von 1984 vor, las sie mir hämisch vor und meinte, ob das denn stimme - dabei waren es die für frühkindlichen Autismus. Und dass ich die Diagnose habe, weiß ich gesichert von anderer Seite. Ein Therapeut, der das nicht anerkennt, was wirklich wichtig ist, und meine Persönlichkeitsstruktur sehr bestimmt, mit dem kann ich nicht arbeiten. Und die Begründung seiner Diagnose hielt ich für falsch, da er Sachen an mir falsch interpretierte. Naja....D. hätte eben gerne, dass ich diejenige mit Persönlichkeitsstörung bin und nicht er. Er redete weiterhin davon, ich sollte mir keine Hoffnungen mehr machen, er liebt mich nicht mehr....und: 'Mit dir hat wohl noch nie jemand Schluß gemacht?' Er denkt wirklich, er hätte Schluß gemacht...nicht zu fassen. Weil er auf eine rhetorische Frage antwortete, dass er sich für die Trennung entscheidet. Seine Realitätvorstellung ist wirklich schräg.