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OT-Sammelthread: Austausch über Erfahrungen und Erlebnisse

Wie ich bereits sagte: Es gibt einen Unterschied zwischen dem Registrieren von Schmerz auf der "unteren Ebene" (periphere Nerven und Rückenmark) und dem bewussten Wahrnehmen von Schmerz.

Machen wir ein Experiment: Nimm einen kleinen Hammer und klopfe damit regelmäßig auf Deinen Daumen (bitte nicht zu fest). Am Anfang wirst Du den Schmerz - unangenehm - wahrnehmen. Nach einigen Schlägen lässt diese Whrnehmung nach. Das Gehirn hat realisiert: "ja, da ist etwas", stuft es aber als irrelevant ein und verdrängt daher die Wahrnehmung, obwohl das auslösende Ereignis (und auch die Nervenimpulse aus den Schmerzrezeptoren) nach wie vor da sind.

Wenn das Gehirn tot ist, sprich nicht nicht mehr funktionsfähig ist, senden die Schmerzrezeptoren zwar immer noch Signale, diese können eventuell auch noch auf Ebene des Rückenmarks einen Reflex auslösen, aber der Schmerz wird nicht mehr bewusst empfunden.

Messen kann man das, wie gesagt, indem man die Nervenimpulse misst (die sind ja elektrisch und können entsprechend registriet werden). Auch die Hirnfunktionen kann man mit EEG messen. Oder man nutzt in der Forschung beispielsweise Positronen-Emissions-Tomographie, um Aktivitäten in bestimmten Hirnarealen nachzuweisen. Dabei werden radioaktiv markierte Substanzen gespritzt, die dann an bestimmten Rezeptoren andocken und zerfallen, was man messen kann. Ich stecke da nicht allzu tief drin, aber gerade in der grundlegenden Hirnforschung hat sich in den letzten Jahren viel getan und man kann recht gut nachvollziehen, welche Hirnareale stimuliert werden, wenn der Mensch Reizen ausgesetzt ist.

Das setzt aber eben ein funktionierendes Gehirn voraus. Und das ist im Falle des Hirntods nicht mehr gegeben.

Vielleicht (und ich hoffe, ich langweile hier niemanden) muss man auch mal eine Stufe tiefer ansetzen und fragen: Was ist "Tod" überhaupt. Wann ist ein Mensch tot?

Dazu gibt es verschiedene Definitionen.
Der klinische Tod ist schlicht der Herzstillstand. "Er ist tot, Jim" ist dem ein oder anderen Science-Fiction-Fan sicher ein Begriff. Mit etwas Glück ist dieser Tod aber reversibel, wenn sofort Maßnahmen wie Herz-Lungen-Wiederbelebung eingeleitet werden.
Warum ist das so? Weil in diesem Moment zwar das Herz-Kreislauf-System nicht mehr arbeitet, aber die Zellen des Körpers durchaus noch funktionsfähig sind. Nach eine Herz-Kreislauf-Stillstand dauert es etwa drei Minuten, bis die ersten Hirnzellen aufgrund von Sauerstoffmangel absterben. Dieser Prozess setzt sich dann (wenn keine Maßnahmen ergriffen werden) im gesamten Körper fort. Je nachdem, wie empfindlich die zellen auf Sauerstoffmangel reagieren, dauert dieser Prozess mehr oder weniger lang. Wichtig dabei ist, dass die Hirnzellen am empfindlichsten sind. Sie sterben zuerst ab. Muskeln beispielsweise haben einen eigenen, zusätzlichen Sauerstoffvorrat, der im sogenannten Myoglobin eingelagert ist. Das dient dazu, sofort auf eine Gefahr reagieren zu können. Muskelzellen werden also etwas länger überleben, weil sie a) wenig Verbrauch haben, wenn der Muskel nicht arbeitet und b) weil sie eben vor Ort noch über Sauerstoffreserven verfügen, so dass sie nicht nur auf den Restsauerstoff aus dem Blut angewiesen sind (Nachschub kommt ja keiner mehr, weil beim Herz-Kreislauf-Stillstand das Blut nicht mehr fließt).

Und damit kommen wir zum Hirntod. Der wurde in den 1960er Jahren zunehmend wichtig, weil die Intensivmedizin große Fortschritte machte. Menschen, die normalerweise nicht überlebt hätten, konnten plötzlich am Leben erhalten werden. Nur: Sie wachten nicht mehr auf. Also begann man zu erforschen, was da eigentlich los ist und suchte nach einem Kriterium, um eine Antwort auf die Frage zu erhalten, wann eine Intensivbehandlung keinen Sinn mehr macht.
Denn: Auch wenn die Hinrzellen irreparabel geschädigt sind, kann man den Körper als solchen durchaus noch am Leben erhalten. Das Atemzentrum liegt im verlängerten Rückenmark. Das Herz hat sogar eigene Taktgeber, die vom Gehirn völlig unabhängig sind (Sinusknoten, AV-Knoten). Führt man also rechtzeitig Sauerstoff und Nährstoffe zu, kann der Körper also durchaus noch eine Zeitlang überleben.
Die Frage ist nur: Hat der Patient noch eine Chance, irgendwann wieder zu erwachen bzw. selbsttätig zu leben?

Streng genommen ist ein Mensch erst dann komplett tot, wenn auch die letzte Zelle im Körper abgestorben ist. Allerdings hat er schon lange vorher aufgehört, als Mensch zu existieren. Er ist - etwas flapsig formuliert - nur noch ein Zellhaufen in Menschengestalt.

Es liegt also eine zeimliche Strecke zwischen dem klinischen Tod und dem endgültigen Ableben. Und irgendwo musste man die Grenze ziehen, wann (intensiv)medizinische Maßnahmen noch Sinn machen. Die Möglichkeit, Organ zu transplantieren, gab dieser Fragestellung noch eine zusätzliche Schärfe.

Letztlich kam man zu der Entscheidung, dass nach aktuellem Stand der Forschung der Hirntod, also das Erlöschen der elektrischen Aktivität im Gehirn, das entscheidende Kriterium ist, ab dem es (wie gesagt: nach aktuellem Stand der Forschung) nicht mehr möglich ist, dass ein Patient wieder als Mensch eigenständig existieren kann. Im Koma hat der Mensch noch elektrische Aktivität im Gehirn. Nach dem Eintreten des Hirntods ist hier nichts mehr vorhanden. Das heißt auch, dass sämtliche Funktionen des Gehirns - einschließlich der Wahrnehmung von Reizen - nicht mehr vorhanden sind.
Während man in Vollnarkose oder im Koma noch Reize wahrnimmt (das kann eben mit Hilfe von Messverfahren festgestellt werden), ist das nach dem Eintreten des Hirntods eben nicht mehr der Fall.

Da aber der Rest des Körpers durchaus noch funktionsfähig sein kann, ist es eben möglich, Organe zu entnehmen und sie unter bestimmten Voraussetzungen anderen Menschen einzusetzen. Entscheidendes Kriterium ist aber eben der eingetretene Hirntod, der unaubhängig von mehreren darauf spezialisierten Ärzten anhand einer ausreichend langen Messung der Hirnströme festgestellt werden muss (in Deutschland).
Oder anders gesagt: Der Mensch, das Individuum, die Person selbst ist nicht mehr existent oder zumindest nicht mehr wiederherzustellen. Aber die einzelnen Teile, aus denen der Körper zusammengesetzt ist, sind noch in Ordnung.

Mir ist durchaus bewusst, dass das medizinischen Laien ziemlich gespenstisch vorkommen muss. Und auch, dass sich hier viele Fragen und Diskussionspunkte ethischer Natur auftun. Vielleicht auch Glaubensfragen.
Aber letztlich ergibt sich daraus für todkranke Menschen noch eine Perspektive, halbwegs normal weiterleben zu können. Und ja: Auch für Transplantierte ist das ein ziemlich merkwürdiges Gefühl, plötzlich Teile eines anderen Menschen im Körper zu haben. Aber was ich hier erlebt habe, ist enorme Dankbarkeit gegenüber den Spendern. Und ein tiefer Respekt. Vor allem aber auch das Nehmen einer enormen Last nicht nur von den Schultern des Organempfängers, sondern auch deren Familienangehörigen.

Deswegen hoffe ich, mit meinen Ausführungen zu einer Versachlichung der Debatte, vor allem aber auch zu etwas mehr Verständnis beigetragen zu haben.

Hope this helps, schönen Abend noch,

Herdi 🙂
Danke Dir. Also ich finde großartig, was Du hier an Wissen mit uns teilst.

Und nu noch Überlegungen von mir... das mit dem Herztot, ich weiß ja selber nichts, aber ist nun der endgültige Herztot die Vorraussetzung dafür, dass der Tote dann auch wirklich nichts mehr spürt...
 
Ich möchte noch etwas persönliches hier äußern.
Es ist ja, wie alles um den Tod, ein Thema, wo die meisten Menschen sensibel reagieren.
Ich finde aber auch, auch bei diesem Thema hat jeder Mensch das Recht, seine eigene Entscheidung zu treffen, und ich finde auch, die sollte respektiert werden. Hier kommt mir die Argumentation mitunter etwas hitzig vor. Deshalb bin ich auch froh, dass sich hier Leute ruhig und überlegt geäußert haben.
 
Was den Armen zu wünschen wäre
für eine bessere Zukunft?
Nur daß sie alle
im Kampf gegen die Reichen
so unbeirrbar sein sollen
so findig
und so beständig
wie die Reichen im Kampf
gegen die Armen sind.
(Erich Fried)

Gibt es auf dieser Welt diesen Kampf "reich" gegen "arm" tatsächlich? Herren gegen Sklaven oder so?

Heißt es aber nicht auch, dass jeder bekommt, was er verdient, bzw. entsprechend seiner Leistung bezahlt wird?

~~~

Also, ich persönlich erlebe das teils schon so, dass auch heutzutage mindestens latent so eine Art von "Sklaverei", Unterdrückung, etc., herrscht - und das nicht nur im politischen oder geopolitischen Bereich, sondern durchaus auch im beruflichen oder privaten Bereich.
 
Zuletzt bearbeitet:
@Walin, falls Dich das interessiert.
Verstopfungen durch Medikamente, das alles hat mir geholfen:
- 1 Glas lauwarmes Wasser morgens auf nüchternen Magen jeden Tag trinken
- Fermente essen
- ausreichend Ballaststoffe essen und
- wenn nötig, ein Schnapsglas Öl trinken, vorher einfach
- immer mal einen Esslöffel Öl ins / übers Essen geben.
 
@Walin, falls Dich das interessiert.
Verstopfungen durch Medikamente, das alles hat mir geholfen:
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- ausreichend Ballaststoffe essen und
- wenn nötig, ein Schnapsglas Öl trinken, vorher einfach
- immer mal einen Esslöffel Öl ins / übers Essen geben.
Danke, hab ich teilweise schon probiert. Am ehesten geht es mit so einem Sirup,
da es ein Medik. ist, darf ich den Namen hier nicht schreiben. Leider hat der auch wieder
Nebenw. Aber danke! 🙂
 

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