Unterscheide Schmerzwahrnehmung und Schmerz bewusst empfinden. Beim Hirntod empfindet man Schmerz nicht mehr bewusst, weil die entsprechenden Hirnstrukturen zerstört sind. Der Schmerz wird aber in den (intakten) peripheren Nervenbahnen durchaus wahrgenommen und die Information zum Rückenmark weitergeleitet. Da ist dann aber eben Schluss, weil das Gehirn nicht mehr funktionsfähig ist. D.h. es kann durchaus zu Reflexen kommen, aber gezieltere Aktionen, einschließlich des Empfinden des Schmerzes sind nicht mehr möglich.
Vergleiche Vollnarkose: Hier braucht man einerseits sedierende (also "einschläfernde") Medikamente und zusätzlich Schmerzmittel, weil eben die Wahrnehmung von Schmerz noch gegeben ist und das (funktionierende) Gerhir unterbewusst den Schmerz sonst auch empfinden könnte.
Und man brauch keine Nekromantie von Organspendern, um sowas wissenschaftlich zu begründen. Messverfahren wie z.B. Hirnstrommessungen, Nervenleitungsmessungen oder auch bestimmte Szintigraphieverfahren geben ziemlich genau Aufschluss darüber, was wann wo abläuft, weitergeleite und empfunden wird.
Man muss dazu wissen, dass die Verarbeitung eines Schmerzreizes zweigeteilt ist: Als erstes kommt der Schmerzreiz im Rückenmark an. Hier kann ein Reflex ausgelöst werden, der dazu führt, dass man blitzartig z.B. die Hand zurückzieht. der Reflex ist schon im Rückenmark geschaltet, um die Reaktionszeit zu verkürzen, was beim Schmerzreflex durchaus sinnvoll ist, weil so die Schädigung des Kürpers minimiert wird.
Der Schmerzreiz wird dann weitergeleitet und im Gehirn verarbeitet. Hier handelt es sich aber um komplexere Vorgänge und vor allem auch um Lernvorgänge. Dieser Teil ist bei Hirntoten nicht mehr vorhanden. D.h. auch, dass z.B. komplexere Bewegungen über Muskeleigenreflexe hinaus, nicht mehr umgesetzt werden könnten. Vergleichbar ist es vielleicht am ehesten mit dem alten Experiment an Froschschenkeln: Setzt man einen Reiz am Ischiasnerv, zuckt der Froschschenkel, auch ohne Frosch (und sein Gehirn). Das wurde schon im 19. Jahrhundert ausführlich erforscht und validiert.
Man mag sicher seine Meinung haben. Aber es gibt eben auch wissenschaftlich untermauerte Fakten, die immer wieder hinterfragt, validiert und weiter erforscht wurden. Wenn man der Meinung ist, Fakten ignorieren zu wollen (es soll ja auch Leute geben, die der Ansicht sind, dass die Erde flach ist), dann ist es eben genau das: Meinung. Aber mehr eben auch nicht.
Organspende gehört (leider) zu den Themen, die in der Regel emotional aufgeladen mit mehr Un- und Halbwissen diskutiert werden, als mit Fakten. Die Leidtragenden sind dann diejenigen, die auf Spenderorgane angewiesen sind. Es wäre aus meiner Sicht recht schön, wenn man einfach mal etwas entspannter und vor allem objektiver an dieses Thema herangehen würde.
Just my two Cents...