Ich denke nicht, dass in der Klassenkasse so viel Geld war. Wir hatten auch eine in der Klasse rumstehen und da war nie viel drin. Nur dutzende 10ct-Stücke, die man für Schwatzen oder Hausaufgaben vergessen da reinwerfen musste (von der Klasse selbst aufgestellte Regel). War das Ding voll, wurde es von einer vertrauenswürdigen Klassenkameradin auf ein extra für die Klasse eingerichtetes Sparbuch eingezahlt. Waren vielleicht 20€ in Kleingeld drin, mehr nicht. Kann also schon sein, dass das noch als Bagatelle zählt und sogar eingestellt wird.
Gelder für Klassenfahrten werden doch direkt dem Lehrer übergeben. Größere Summen wurden bei uns überwiesen, kleinere Summen wie 50€ mussten in einem Briefumschlag übergeben werden, auf dem der Name des Schülers war. Daher denke ich nicht, dass es die "große Kasse" war.
Ich glaube, der Bub hat schlicht nicht nachgedacht. Der wollte mitfahren, wusste nicht, wie er so schnell an das nötige Geld kommen soll, sah in einem unbeobachteten Moment die Kasse da stehen und ich denke mal, dass in dem Moment schlicht ein Kurzschluss in seinem Hirn war. Der dachte wohl, der steckt das Ding jetzt ein, zählt das Geld daheim zusammen, stellt die geleerte Kasse heimlich zurück und übergibt dem Lehrer das Geld. Dumm nur, dass es sofort auffiel, sodass er keine Zeit hatte, die Kasse nach Hause zu tragen oder gar zurückzustellen. Im Grunde genommen spricht das sogar für ihn - ein echter Kleinkrimineller hätte da mehr darüber nachgedacht, wie er die Beute schnellstmöglichst so wegschafft, dass kein Verdacht auf ihn fällt. Dass er so doof war, die Kasse einfach nur in den Rucksack zu packen, spricht also doch ein Stück weit dafür, dass er in Sachen Diebstahl noch unerfahren ist.
Fraglich wäre für mich hier zudem, ob die Polizei gerufen wurde, bevor oder nachdem er die Tat zugegeben hat. Also ob er schon gestanden hatte und die Polizei dennoch geholt wurde. Oder ob er sich als einziger weigerte, seinen Rucksack durchsuchen zu lassen, sodass dem Lehrer gar nichts anderes übrig blieb, als die Polizei zur Durchsuchung zu holen. Fraglich ist das für mich deshalb, um zu klären, ob er die Misere noch teilweise hätte abwenden können, hätte er direkt (buchstäblich) ausgepackt (weil das dann vielleicht schulintern ohne Polizei geklärt worden wäre) oder ob er es trotz sofortiger Kooperation nicht abwenden konnte. Einfach, um für die Zukunft ggf. daraus zu lernen (dass man wenn schon besser gleich auspackt und nicht noch auf ein Wunder hofft).
Noch eine Idee: wäre es vielleicht möglich, dass dein Sohn sich von Verwandten zu Weihnachten Geld wünscht? Um a) die Klassenfahrt davon zu bezahlen und b) als Zeichen guten Willens zur Entschuldigung jedem Klassenkameraden auf der Fahrt ein Eis zu spendieren? Oder Zeitungen o.ä. auszutragen, Nachbarn fragen ob er für 5€ den Rasen mähen kann, um das Geld bis dahin zusammenzusammeln? Das könnte die Gemüter ebenfalls etwas beruhigen...