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Konflikte mit Tochter nach Diagnose

Ausbildung und Job sind sehr wichtig, oft auch eine Therapie.

Viele Jugendliche werden von alleine selbständiger und psychisch gesünder...wenn sie mehr Abstand von den Eltern bekommen.
 
Guten Abend, liebe Community,

ich muss mich noch mal bei euch ausheulen. Habe im Moment keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Dieses Mal geht es um meine 18-jährige Tochter.

Im vorletzten Jahr habe ich darüber geschrieben, dass sie schon immer ein Sorgenkind war, das Teilleistungsstörungen in den Bereichen Motorik und Mathematik hat und in allem sehr langsam ist. Ich hatte auch immer das Gefühl, das sie kindlicher war als Gleichaltrige und deswegen nicht akzeptiert wurde. Richtig ernst genommen wurde ich beim Arzt nie mit meinen Sorgen. Es hieß meistens lapidar, dass Kinder sich unterschiedlich entwickeln und es eben auch langsame Menschen geben muss.

In einigen Defiziten meiner Tochter erkenne ich meine Schwächen wieder, wenn auch nicht so extrem. Ich habe mich irgendwann damit abgefunden, dass es eben so ist, wie es ist.

Im letzten Sommer beendete meine Tochter die Schule mit der mittleren Reife. Da sie bis dahin nicht wusste, was sie beruflich machen soll, vermittelte ich ihr ein Soziales Jahr in der Verwaltung des Pflegeheims, in dem ich arbeite. Im August fing sie dort an. Schon bald beschwerte sie sich über die Mitarbeiterin dort, die sie für bestimmte Aufgaben einarbeitete. Sie sei oft schlecht gelaunt, habe keine Geduld und würde bei Fehlern hysterisch reagieren. Ich sagte meiner Tochter, dass das Berufsleben nie einfach sei und sie versuchen solle, sich ein dickeres Fell zuzulegen. Leicht gesagt, ich weiß, da ich selbst oft nicht das notwendige dicke Fell habe.

Jedenfalls wurde mir im November von der Einrichtungsleitung gesagt, dass meine Tochter für Büroarbeit ungeeignet sei. Sie mache oft den Eindruck, dass sie überhaupt nicht zuhöre, man müsse ihr alles dreimal erklären. Meine Tochter habe Konzentrationsstörungen und sei sehr vergesslich. Wenn man sie auf Fehler hinweise, reagiere sie oft patzig. Rückmeldungen, die ich auch bei den Elternsprechtagen zu hören bekam. Mir wurde nahegelegt, meine Tochter einem Psychiater oder Neurologen vorzustellen.

Meine Tochter war letztendlich damit einverstanden, dass wir einen Termin bei einem Neurologen machen. Zu einem Psychiater wollte sie auf keinen Fall. Sie brachte das mit "einen an der Waffel haben" in Verbindung und sträubte sich sehr dagegen.

Der Termin beim Neurologen war vor zwei Wochen. Es war ein netter Arzt, der sich die Probleme meiner Tochter in Ruhe anhörte. Ich hatte den Eindruck, dass er ihr unbedingt helfen wollte und nicht gleich alles auf die psychische Schiene schob. Es wurde bei dem Termin ein EEG gemacht, nach dessen Auswertung alles auf eine milde Form von Epilepsie (Absencen) hindeutete. Meine Tochter reagierte sofort rebellisch. Sie sagte, dass sie die Probleme aber doch nur bei niedrigem Blutdruck habe und es daher mit dem Kreislauf zusammenhängen müsse.

Der Arzt zeigte sich daraufhin schon etwas verärgert und wies darauf hin, dass meine Tochter wegen dieser Diagnose auch erst einmal keinen Führerschein machen dürfe. Sie wollte wissen, wann das denn möglich sei. Schließlich wollte sie das bald angehen. Der Arzt sagte, dass sie erst nach einem Jahr Anfallsfreiheit fahren dürfe. Er verschrieb ein Medikament und klärte noch über die möglichen Nebenwirkungen auf.

Als wir aus der Praxis raus waren, fing meine Tochter an zu toben. Sie lasse sich nicht ihr Leben kaputt machen wegen einer Erkrankung, die sie nicht habe. Ich versuchte sie zu beruhigen und sie davon zu überzeugen das Medikament zu nehmen. Sie sagte zu, das Rezept in der Apotheke einzulösen.

Vor einer Woche stellte sich nun heraus, dass sie das Rezept nicht eingelöst hat, weil sie das Medikament nicht nehmen will. Sie habe im Internet von "Horrornebenwirkungen" gelesen und dass die Tabletten auch unfruchtbar machen können. Sie weinte und schrie, dass sie das nicht mitmachen werde.

Ich ließ sie erst einmal in Ruhe und sprach meine Tochter vor ein paar Tagen noch mal darauf an. Ich habe sie gebeten, die Anweisungen des Arztes zu befolgen, da es nur zu ihrem Besten sei. Sie fing wieder an zu toben und warf mir vor, dass ich mich nie richtig um sie gekümmert habe. Die Lehrer haben sie nie richtig ernst genommen und runtergemacht und ich hätte nichts dagegen getan. Wenn sie tatsächlich epileptische Anfälle habe, hätte ich als Mutter das doch merken müssen. Warum ich nicht mehr Druck bei Ärzten gemacht habe?

Sie hat sich da richtig reingesteigert und mir Vorwürfe gemacht, ich hätte mich nach der Trennung von ihrem Vater nur auf unsinnige Männergeschichten konzentriert und ihre Schwester immer vorgezogen. Da bin ich leider unfair geworden und habe ihr gesagt, dass doch wohl nicht alles meine Schuld sein könne, da ihre Schwester ihren Weg geht.

Danach war eisiges Schweigen angesagt und als ich am Freitagabend vom Dienst kam, war meine Tochter nicht zuhause. Irgendwann bekam ich in WhatsApp eine Nachricht, dass sie bei einer Freundin sei. Dort war sie das ganze Wochenende und kam vor einer Stunde nach Hause. Sie verschwand sofort in ihrem Zimmer, zeigte keine Bereitschaft zu einem Gespräch. Gestern habe ich mit meiner älteren Tochter telefoniert. Sie meinte, dass ihre Schwester ganz bestimmt nicht bei einer Freundin sei, sondern seit kurzem einen Freund habe. Für mich auch noch ein Zeichen dafür, dass meine Tochter anscheinend kein Vertrauen zu mir hat.

Ich bin gerade sehr verzweifelt, mache mir auch Vorwürfe und versuche mir andererseits zu sagen, dass ich nicht allein Schuld bei an den Problemen und der Entwicklung meiner Tochter.

Könnt ihr mir einen Rat geben?
Wie kann ich meine Tochter davon zu überzeugen, dass es wichtig für ihre Zukunft ist, sich in Behandlung zu begeben?
Wie kann ich die Situation deeskalieren?

Es grüßt euch

Marika
Ich denke deine Tochter muss ihren eigenen Weg gehen und Erfahrungen sammeln. Am besten wäre es, wenn sie selber den Wunsch hat, sich in Behandlung zu geben. Ich denke das beste was du tun kannst, ist ihr zur Seite zu stehen und sie zu unterstützen. Sie ist erwachsen und muss lernen auf eigenen Füßen zu stehen.

Du sagtest, dass sie dir in einigen Dingen ähnlich sei. Hast du eine Diagnose oder wurde irgendetwas bei dir festgestellt?

Es hört sich für mich nach etwas im neurologischen Bereich an. Einiges was du beschreibst hört sich nach AD(H)S Symptomen an, aber das muss nichts heißen und kommt auch bei einigen anderen neurologischen Diagnosen vor. Da wäre eine zweite Meinung sicher hilfreich, sofern das für deine Tochter in Ordnung wäre.

Ist es ihr wichtig, Klarheit zu bekommen, was hinter diesen Schwierigkeiten steckt?
 
Schon mal drüber nachgedacht, ob bei ihr einfach fehlende Motivation vorliegt und keine Konzentrationsschwäche jetzt da im Job. Sie reagiert dann auch gereizt. Ich meine, sie wurde ja auch zu diesem FSJ gezwungen, also freiwillig wird es nicht gewesen sein. Da ist viel Bockigkeit dabei,.
 
Guten Abend, liebe Community,

ich muss mich noch mal bei euch ausheulen. Habe im Moment keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Dieses Mal geht es um meine 18-jährige Tochter.

Im vorletzten Jahr habe ich darüber geschrieben, dass sie schon immer ein Sorgenkind war, das Teilleistungsstörungen in den Bereichen Motorik und Mathematik hat und in allem sehr langsam ist. Ich hatte auch immer das Gefühl, das sie kindlicher war als Gleichaltrige und deswegen nicht akzeptiert wurde. Richtig ernst genommen wurde ich beim Arzt nie mit meinen Sorgen. Es hieß meistens lapidar, dass Kinder sich unterschiedlich entwickeln und es eben auch langsame Menschen geben muss.

In einigen Defiziten meiner Tochter erkenne ich meine Schwächen wieder, wenn auch nicht so extrem. Ich habe mich irgendwann damit abgefunden, dass es eben so ist, wie es ist.

Im letzten Sommer beendete meine Tochter die Schule mit der mittleren Reife. Da sie bis dahin nicht wusste, was sie beruflich machen soll, vermittelte ich ihr ein Soziales Jahr in der Verwaltung des Pflegeheims, in dem ich arbeite. Im August fing sie dort an. Schon bald beschwerte sie sich über die Mitarbeiterin dort, die sie für bestimmte Aufgaben einarbeitete. Sie sei oft schlecht gelaunt, habe keine Geduld und würde bei Fehlern hysterisch reagieren. Ich sagte meiner Tochter, dass das Berufsleben nie einfach sei und sie versuchen solle, sich ein dickeres Fell zuzulegen. Leicht gesagt, ich weiß, da ich selbst oft nicht das notwendige dicke Fell habe.

Jedenfalls wurde mir im November von der Einrichtungsleitung gesagt, dass meine Tochter für Büroarbeit ungeeignet sei. Sie mache oft den Eindruck, dass sie überhaupt nicht zuhöre, man müsse ihr alles dreimal erklären. Meine Tochter habe Konzentrationsstörungen und sei sehr vergesslich. Wenn man sie auf Fehler hinweise, reagiere sie oft patzig. Rückmeldungen, die ich auch bei den Elternsprechtagen zu hören bekam. Mir wurde nahegelegt, meine Tochter einem Psychiater oder Neurologen vorzustellen.

Meine Tochter war letztendlich damit einverstanden, dass wir einen Termin bei einem Neurologen machen. Zu einem Psychiater wollte sie auf keinen Fall. Sie brachte das mit "einen an der Waffel haben" in Verbindung und sträubte sich sehr dagegen.

Der Termin beim Neurologen war vor zwei Wochen. Es war ein netter Arzt, der sich die Probleme meiner Tochter in Ruhe anhörte. Ich hatte den Eindruck, dass er ihr unbedingt helfen wollte und nicht gleich alles auf die psychische Schiene schob. Es wurde bei dem Termin ein EEG gemacht, nach dessen Auswertung alles auf eine milde Form von Epilepsie (Absencen) hindeutete. Meine Tochter reagierte sofort rebellisch. Sie sagte, dass sie die Probleme aber doch nur bei niedrigem Blutdruck habe und es daher mit dem Kreislauf zusammenhängen müsse.

Der Arzt zeigte sich daraufhin schon etwas verärgert und wies darauf hin, dass meine Tochter wegen dieser Diagnose auch erst einmal keinen Führerschein machen dürfe. Sie wollte wissen, wann das denn möglich sei. Schließlich wollte sie das bald angehen. Der Arzt sagte, dass sie erst nach einem Jahr Anfallsfreiheit fahren dürfe. Er verschrieb ein Medikament und klärte noch über die möglichen Nebenwirkungen auf.

Als wir aus der Praxis raus waren, fing meine Tochter an zu toben. Sie lasse sich nicht ihr Leben kaputt machen wegen einer Erkrankung, die sie nicht habe. Ich versuchte sie zu beruhigen und sie davon zu überzeugen das Medikament zu nehmen. Sie sagte zu, das Rezept in der Apotheke einzulösen.

Vor einer Woche stellte sich nun heraus, dass sie das Rezept nicht eingelöst hat, weil sie das Medikament nicht nehmen will. Sie habe im Internet von "Horrornebenwirkungen" gelesen und dass die Tabletten auch unfruchtbar machen können. Sie weinte und schrie, dass sie das nicht mitmachen werde.

Ich ließ sie erst einmal in Ruhe und sprach meine Tochter vor ein paar Tagen noch mal darauf an. Ich habe sie gebeten, die Anweisungen des Arztes zu befolgen, da es nur zu ihrem Besten sei. Sie fing wieder an zu toben und warf mir vor, dass ich mich nie richtig um sie gekümmert habe. Die Lehrer haben sie nie richtig ernst genommen und runtergemacht und ich hätte nichts dagegen getan. Wenn sie tatsächlich epileptische Anfälle habe, hätte ich als Mutter das doch merken müssen. Warum ich nicht mehr Druck bei Ärzten gemacht habe?

Sie hat sich da richtig reingesteigert und mir Vorwürfe gemacht, ich hätte mich nach der Trennung von ihrem Vater nur auf unsinnige Männergeschichten konzentriert und ihre Schwester immer vorgezogen. Da bin ich leider unfair geworden und habe ihr gesagt, dass doch wohl nicht alles meine Schuld sein könne, da ihre Schwester ihren Weg geht.

Danach war eisiges Schweigen angesagt und als ich am Freitagabend vom Dienst kam, war meine Tochter nicht zuhause. Irgendwann bekam ich in WhatsApp eine Nachricht, dass sie bei einer Freundin sei. Dort war sie das ganze Wochenende und kam vor einer Stunde nach Hause. Sie verschwand sofort in ihrem Zimmer, zeigte keine Bereitschaft zu einem Gespräch. Gestern habe ich mit meiner älteren Tochter telefoniert. Sie meinte, dass ihre Schwester ganz bestimmt nicht bei einer Freundin sei, sondern seit kurzem einen Freund habe. Für mich auch noch ein Zeichen dafür, dass meine Tochter anscheinend kein Vertrauen zu mir hat.

Ich bin gerade sehr verzweifelt, mache mir auch Vorwürfe und versuche mir andererseits zu sagen, dass ich nicht allein Schuld bei an den Problemen und der Entwicklung meiner Tochter.

Könnt ihr mir einen Rat geben?
Wie kann ich meine Tochter davon zu überzeugen, dass es wichtig für ihre Zukunft ist, sich in Behandlung zu begeben?
Wie kann ich die Situation deeskalieren?

Es grüßt euch

Marika
Es gibt keine Schuld, nur Verantwortung.
Die hast du nur bis deine Tochter Erwachsen ist.
Es muss klar sein, dass emotionale Labilität an sich keine psychische Störung ist, sondern ein Symptom.
Das sie so regiert, Psychisch labil ist ein Zustand, bei dem eine Person emotional instabil ist und schnell zwischen verschiedenen Stimmungen wechselt.
Typische Anzeichen sind plötzliche und intensive Stimmungsschwankungen, die oft nicht nachvollziehbar sind und die Betroffenen schwer belasten können.
Wenn die Ursachen nicht mit einer Störung des diagnostizierten Geisteszustands zusammenhängen, ist die Behandlung schwieriger zu ermitteln.
Ist ein komplexes Thema, hier mal was dazu:
 
Guten Morgen euch Allen,

jetzt habe ich endlich ein bisschen Zeit zu antworten. Ich weiß gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll.

Ich kann meine Tochter in der Hinsicht verstehen, dass sie die Diagnose nicht wahrhaben will. Gewisse Zweifel habe ich ja selber. Da ich in der Pflege arbeite, ist mir bekannt, dass auch immer mal wieder Fehldiagnosen gestellt werden bzw. von den Ärzten zu spät eine Behandlung eingeleitet wird.

Ich habe dem Neurologen ausführlich die Symptome meiner Tochter geschildert. Er hat dann auch ein Gespräch mit ihr geführt, um sich davon ein Bild zu machen. So sagte er im Anschluss daran schon mal, dass es keineswegs so sei, dass meine Tochter manchmal verzögert reagiere beim Antworten. Sie mache auf ihn einen sehr wachen Eindruck und habe im Gespräch sehr konzentriert gewirkt. Ich dachte mir, okay, das war aber jetzt nur eine Momentaufnahme... Die unerklärlichen Stürze in der Kindheit, ihre stark verlangsamte Motorik und die Vergesslichkeit finde er jedoch bedenklich. Er sagte ausdrücklich, dass im EEG keine Absencen provoziert werden konnten. Als sie aber während der Untersuchung hyperventilieren sollte, zeigte sich über längere Zeit eine erhöhte Anfallsbereitschaft. Die aufgetretenen Muster seien mit Absencen "vereinbar".

Auch wenn mögliche Zweifel berechtigt sind, so bin ich dafür, dass meine Tochter das verordnete Medikament nimmt. Wenn es keine Veränderung geben sollte, kann man es immer noch in Absprache mit dem Neurologen absetzen. Sobald sich die Lage etwas beruhigt hat, werde ich versuchen, mit ihr noch mal ein sachliches Gespräch zu führen. Sollte sie sich weiterhin gegen die Diagnose sträuben, werde ich den Vorschlag machen, sich eine Zweitmeinung einzuholen.

Ich selbst habe ähnliche Probleme wie meine Tochter, wenn auch nicht so ausgeprägt. Vor Jahren habe ich mich von einem Psychiater auf ADS hin untersuchen lassen. Ich war auch schon als Kind immer sehr langsam und träumte oft vor mich hin. Der Psychiater war etwas unsicher, meinte aber abschließend, dass bei mir "eher kein ADS vorliege". Das EEG war unauffällig. Allerdings habe ich in unregelmäßigen Abständen eine Migräne-Aura und habe gelesen, dass Epilepsie und Migräne mit Aura eng verwandte neurologische Erkrankungen sind.

Mein Ex-Mann hat oft mit den Problemen meiner jüngeren Tochter gehadert und oft sehr ungeduldig auf ihre Langsamkeit und Träumerei reagiert. Manchmal warf er mir, dass ich sie zu sehr verhätschele und ihr zu viel abnehme und sie deswegen so sei. Zwei Kinderärzte haben mich beruhigt und gesagt, dass manche Kinder sich eben langsamer entwickeln und meine Tochter ein normal intelligentes Mädchen sei. Ihre Lehrer dagegen, die sie mehrmals in der Woche erlebten, sprachen da ganz anders. Da hieß es, sie sei ein "Hans guck in die Luft", verpeilt und habe Lernschwierigkeiten, was aber ihrer Ansicht auch mit fehlender Motivation zusammenhänge. Ihre Klassenlehrerin, die es wirklich gut mit meiner Tochter meinte, sagte, sie hoffe, meine Tochter werde eine Nische im Berufsleben finden.

Auch ich habe es wirklich nur gut gemeint, als ich meine Tochter für ein soziales Jahr in dem Pflegeheim, wo ich arbeite, untergebracht habe. Sie ist ein eher unorganisierter Mensch und ich dachte, Büroarbeit würde ihr zu mehr Organisationstalent verhelfen. Dem ist leider nicht so. Sie verliert schon über wenige Unterlagen auf dem Schreibtisch den Überblick und kann keinen Stapel Unterlagen kopieren, weil sie schon nach zehn Blättern den Überblick verliert laut eigener Aussage. Meine Tochter erzählte mir, dass man ihr oft den Vorwurf macht, ihr gewisse Dinge schon zweimal erklärt zu haben, doch sie könne sich nicht daran erinnern. Was ICH allerdings auch seltsam finde. Wenn ich ihr irgendwelche Aufgaben auftrage, führt sie sie immer problemlos aus. Vielleicht ist sie manchmal einfach blockiert, wenn sie unter Druck gesetzt wird.

Das Problem ist, dass meine Tochter nicht weiß, was sie beruflich machen soll. Sie hat keine Interessen. Bei der Berufsberatung vom Arbeitsamt sagte sie mal, dass sie gern etwas mit Tieren machen wolle. Ich habe ihr daraufhin geraten, einen Einblick zu bekommen, indem sie sich eine ehrenamtliche Tätigkeit in einem Tierheim sucht. Was sie dann aber nicht gemacht hat. Meine ältere Tochter hat eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Stadtverwaltung gemacht und wollte ihrer Schwester behilflich sein, dort einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Das wurde mit den Worten "Ist mir zu langweilig" abgelehnt. Dieses Desinteresse und teilweise unrealistischen Vorstellungen ärgern mich. Mit 16 sprach sie davon, Journalistin werden zu wollen. Dabei müsste sie dafür studieren, doch ihre Lehrer haben davon abgeraten, sich noch durch das Abitur zu quälen. Außerdem ist meine Tochter eher scheu und introvertiert und dieser Beruf würde gar nicht zu ihrer Persönlichkeit passen.

Da sie nach dem Wochenende bei ihrer "Freundin" nicht mit mir gesprochen hat, habe ich sie gestern angesprochen, weil mich das eisige Schweigen belastet hat. Sie hat zuerst abweisend reagiert, mir dann aber erzählt, dass sie seit zwei Monaten einen Freund hat, der 37 (!) ist. Ganz ehrlich bin ich aus allen Wolken gefallen und habe gefragt, warum sie sich nicht einen gleichaltrigen Freund suche. Das war wahrscheinlich schon ein Fehler, denn sie reagierte sofort pampig und meinte, das sei doch wohl ihre Sache. Natürlich beschäftigt es mich, da meine Tochter recht naiv ist, aber ich habe mir die Frage verkniffen, ob sie für Verhütung gesorgt habe. Ich habe echt Angst, dass sie bald nach Hause kommt und mir mitteilt, dass sie schwanger ist.

Natürlich weiß ich, dass ich loslassen muss und sie ihren Weg gehen muss. Doch wie soll ich eine erwachsene Person in ihr sehen, wenn sie teilweise immer noch wie ein kleines Mädchen ist? Ich mache mir nach wie vor große Sorgen um sie.
 
Zuletzt bearbeitet:
Guten Morgen euch Allen,

jetzt habe ich endlich ein bisschen Zeit zu antworten. Ich weiß gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll.

Ich kann meine Tochter in der Hinsicht verstehen, dass sie die Diagnose nicht wahrhaben will. Gewisse Zweifel habe ich ja selber. Da ich in der Pflege arbeite, ist mir bekannt, dass auch immer mal wieder Fehldiagnosen gestellt werden bzw. von den Ärzten zu spät eine Behandlung eingeleitet wird.

Ich habe dem Neurologen ausführlich die Symptome meiner Tochter geschildert. Er hat dann auch ein Gespräch mit ihr geführt, um sich davon ein Bild zu machen. So sagte er im Anschluss daran schon mal, dass es keineswegs so sei, dass meine Tochter manchmal verzögert reagiere beim Antworten. Sie mache auf ihn einen sehr wachen Eindruck und habe im Gespräch sehr konzentriert gewirkt. Ich dachte mir, okay, das war aber jetzt nur eine Momentaufnahme... Die unerklärlichen Stürze in der Kindheit, ihre stark verlangsamte Motorik und die Vergesslichkeit finde er jedoch bedenklich. Er sagte ausdrücklich, dass im EEG keine Absencen provoziert werden konnten. Als sie aber während der Untersuchung hyperventilieren sollte, zeigte sich über längere Zeit eine erhöhte Anfallsbereitschaft. Die aufgetretenen Muster seien mit Absencen "vereinbar".

Auch wenn mögliche Zweifel berechtigt sind, so bin ich dafür, dass meine Tochter das verordnete Medikament nimmt. Wenn es keine Veränderung geben sollte, kann man es immer noch in Absprache mit dem Neurologen absetzen. Sobald sich die Lage etwas beruhigt hat, werde ich versuchen, mit ihr noch mal ein sachliches Gespräch zu führen. Sollte sie sich weiterhin gegen die Diagnose sträuben, werde ich den Vorschlag machen, sich eine Zweitmeinung einzuholen.

Ich selbst habe ähnliche Probleme wie meine Tochter, wenn auch nicht so ausgeprägt. Vor Jahren habe ich mich von einem Psychiater auf ADS hin untersuchen lassen. Ich war auch schon als Kind immer sehr langsam und träumte oft vor mich hin. Der Psychiater war etwas unsicher, meinte aber abschließend, dass bei mir "eher kein ADS vorliege". Das EEG war unauffällig. Allerdings habe ich in unregelmäßigen Abständen eine Migräne-Aura und habe gelesen, dass Epilepsie und Migräne mit Aura eng verwandte neurologische Erkrankungen sind.

Mein Ex-Mann hat oft mit den Problemen meiner jüngeren Tochter gehadert und oft sehr ungeduldig auf ihre Langsamkeit und Träumerei reagiert. Manchmal warf er mir, dass ich sie zu sehr verhätschele und ihr zu viel abnehme und sie deswegen so sei. Zwei Kinderärzte haben mich beruhigt und gesagt, dass manche Kinder sich eben langsamer entwickeln und meine Tochter ein normal intelligentes Mädchen sei. Ihre Lehrer dagegen, die sie mehrmals in der Woche erlebten, sprachen da ganz anders. Da hieß es, sie sei ein "Hans guck in die Luft", verpeilt und habe Lernschwierigkeiten, was aber ihrer Ansicht auch mit fehlender Motivation zusammenhänge. Ihre Klassenlehrerin, die es wirklich gut mit meiner Tochter meinte, sagte, sie hoffe, meine Tochter werde eine Nische im Berufsleben finden.

Auch ich habe es wirklich nur gut gemeint, als ich meine Tochter für ein soziales Jahr in dem Pflegeheim, wo ich arbeite, untergebracht habe. Sie ist ein eher unorganisierter Mensch und ich dachte, Büroarbeit würde ihr zu mehr Organisationstalent verhelfen. Dem ist leider nicht so. Sie verliert schon über wenige Unterlagen auf dem Schreibtisch den Überblick und kann keinen Stapel Unterlagen kopieren, weil sie schon nach zehn Blättern den Überblick verliert laut eigener Aussage. Meine Tochter erzählte mir, dass man ihr oft den Vorwurf macht, ihr gewisse Dinge schon zweimal erklärt zu haben, doch sie könne sich nicht daran erinnern. Was ICH allerdings auch seltsam finde. Wenn ich ihr irgendwelche Aufgaben auftrage, führt sie sie immer problemlos aus. Vielleicht ist sie manchmal einfach blockiert, wenn sie unter Druck gesetzt wird.

Das Problem ist, dass meine Tochter nicht weiß, was sie beruflich machen soll. Sie hat keine Interessen. Bei der Berufsberatung vom Arbeitsamt sagte sie mal, dass sie gern etwas mit Tieren machen wolle. Ich habe ihr daraufhin geraten, einen Einblick zu bekommen, indem sie sich eine ehrenamtliche Tätigkeit in einem Tierheim sucht. Was sie dann aber nicht gemacht hat. Meine ältere Tochter hat eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Stadtverwaltung gemacht und wollte ihrer Schwester behilflich sein, dort einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Das wurde mit den Worten "Ist mir zu langweilig" abgelehnt. Dieses Desinteresse und teilweise unrealistischen Vorstellungen ärgern mich. Mit 16 sprach sie davon, Journalistin werden zu wollen. Dabei müsste sie dafür studieren, doch ihre Lehrer haben davon abgeraten, sich noch durch das Abitur zu quälen. Außerdem ist meine Tochter eher scheu und introvertiert und dieser Beruf würde gar nicht zu ihrer Persönlichkeit passen.

Da sie nach dem Wochenende bei ihrer "Freundin" nicht mit mir gesprochen hat, habe ich sie gestern angesprochen, weil mich das eisige Schweigen belastet hat. Sie hat zuerst abweisend reagiert, mir dann aber erzählt, dass sie seit zwei Monaten einen Freund hat, der 37 (!) ist. Ganz ehrlich bin ich aus allen Wolken gefallen und habe gefragt, warum sie sich nicht einen gleichaltrigen Freund suche. Das war wahrscheinlich schon ein Fehler, denn sie reagierte sofort pampig und meinte, das sei doch wohl ihre Sache. Natürlich beschäftigt es mich, da meine Tochter recht naiv ist, aber ich habe mir die Frage verkniffen, ob sie für Verhütung gesorgt habe. Ich habe echt Angst, dass sie bald nach Hause kommt und mir mitteilt, dass sie schwanger ist.

Natürlich weiß ich, dass ich loslassen muss und sie ihren Weg gehen muss. Doch wie soll ich eine erwachsene Person in ihr sehen, wenn sie teilweise immer noch wie ein kleines Mädchen ist? Ich mache mir nach wie vor große Sorgen um sie.
Deine Tochter ist volljährig. Du kannst ihr zureden, aber nicht zwingen, das Medikament zu nehmen. Mich überzeugt bei dem Text nichts, dass tatsächlich nachweisbar eine Störung vorliegt, auch nicht mit dem Vergleich zu dir. Ich habe auch Aura mit Migräne ab und zu, das ist aber bei mir ein reines Stresssymptom. Und nun?

Ich würde auch sagen, dass sie bei dem FSJ am falschen Platz ist und dass du ihr das quasi aufgezwungen hast, wir nicht gerade ihre Motivation steigern. Ein Praktikum von wenigen Wochen wäre wohl besser gewesen.

Du willst ein sachliches Gespräch führen, in dem du noch mal eindringlich auf sie einredest, dass sie das Medikament nehmen soll? Schaffst du es dann ohne unsachliche Einwürfe, die andere Tochter hat ihr Leben im Griff?

Ich kann mir vorstellen, dass die Tochter jetzt schon sehr auf Abwehr ist. Du hast nicht das Recht, jetzt ihre Zukunft zu planen.

Du stellst dir jetzt was weiß denn ich alles vor, sachlich ist da nichts. Sie hst einen Freund, sie ist volljährig. Aus meiner Sicht sollte sie ausziehen und ihren eigenen Weg gehen.

Hat sie irgendwann mal gesagt, was sie sich genau beruflich vorstellt? Warum sollte sie sich für Verwaltung interessieren? Sie langweilt sich ja im Pflegeheim offensichtlich schon im Büro. Wenn sie keine Bock auf die ARbeit hat, geht auch die Motivation und Leistung flöten.

Ich würde sie vor die Wahl stellen: FSJ durchstehen, bis zu einer gewissen Frist selbst versuchen, einen Ausbildung zu bekommen. Wenn sie sagt, sie will Journalistin werden, dann sag nicht, dass du ihr das nicht zutraust. Stattdessen wird sie für ein Jahr in ein Büro gesteckt, was ihr überhaupt nicht liegt.
 
Das Verhalten deiner Tochter ist komplett normal.
Langsamkeit kann etwas mit Depressionen zu tun haben.

Überrede sie zu gar nix, sonst könnte sie den Kontakt zu dir komplett abbrechen, damit sie sich von dir nicht weiterhin gequält und bevormundet fühlt.
Sie wird sehr empfindlich und sensibel auf dich reagieren.

In keinster Weise würde ich ich sie zur Wahl stellen, so wie Tanja es schreibt.
Ansonsten gebe ich Tanja recht.

Ein älterer Freund tut ihr vermutlich gut.
Sie ist erwachsen und sollte ihren eigenen Weg gehen.
Es ist wichtig, dass sie eigene Lebenserfahrungen sammelt.

Eine eigene Wohnung wäre bestimmt gut für sie.
Sie sollte selbständiger werden.

Beim Arbeitsamt könnte sie einen Interessenstest und Eignungstest machen....im Anschluss bekommt man Tipps für Jobs, Ausbildungen und passende Adressen.

Sie könnte auch in verschiedenen Bereichen ein kurzes Praktikum machen, damit sie weiss in welche Richtung sie möchte.
 
Sie interessiert sich für nichts ist auch kein neurologisches Problem. Das hat man manchmal nach erfolgtem Ende der Schule. Und eine gewisse Zeit der Orientierung habe ich auch gebraucht. Mir hätte ein FSJ im Büro, wenn es mir null liegt, auch nicht wirklich geholfen.

Aber scheinbar muss an ihr irgendwas unnatürlich krankhaft verkehrt sein.
 

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