Ich würde vorschlagen, daß Du Dich in erster Linie auf Deine alten Aufgaben konzentrierst, die Du ja weiterhin machen sollst.
Keine Überstunden mehr.
Und nur wenn die alten Aufgaben, die Dir gut gefallen, erledigt sind, widmest Du Dich irgendwann und nur in dem Rahmen, wie es körperlich für Dich ok ist, irgendwelchen Versandtätigkeiten.
Die Kisten läßt du bis dahin ganz entspannt im Flur stehen.
Das muß eskalieren. Da muß jeder drüber stolpern. Und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder. Dazu brauchst Du gute Nerven.
Wenn Dir Dein Körper weh tut, kannst Du an diesem Tag schon mal gar kein Paket anheben.
Wenn das Marketing merkt, daß ihre Sachen nicht mehr versandt werden, weil in der Pressestelle die Personalkapazitäten dafür fehlen, wird es schon zu einer Lösung kommen. Entweder übernimmt das Marketing die Aufgabe oder in der Pressestelle wird jemand für den Versand (teilzeit) beschäftigt.
Laß Dich nicht ins Bockshorn jagen. Nur weil da Arbeit liegt, mußt Du Dich nicht aufreiben. Das ist der Trick, der ständig angewandt wird von Vorgesetzten und Kollegen: Sie sagen einem das sei jetzt die neue Aufgabe, die alten Aufgaben bleiben aber auch noch, man sei jetzt für diese Arbeitsvermehrung zuständig, alle anderen seien überlastet oder überqualifiziert und dann wenden sie sich ab und lassen den Mitarbeiter mit dem Problem allein. Und der Mitarbeiter nimmt den Druck an und versucht das mit verbitterter Miene zu erledigen und wundert sich, warum das alles so ungerecht ist, er langsam körperlich und psychisch kaputt geht und niemand hilft...
Nein-Sagen, Liegenlassen, ist der Weg. Die Arbeit, die man gerne macht, gut und freudig machen und diese zu seiner Priorität machen, ist der Weg. Körperliche und psychische Schwierigkeiten nicht herunterschlucken, sondern klar sagen, das kann ich gerade nicht. Und morgen geht es dann immer noch nicht.
Schau Dich um in Deiner Behörde, es gibt bestimmt Mitarbeiter, die es schaffen, sich so klar abzugrenzen und sich nicht verantwortlich fühlen, für ein zu viel an Arbeit. Ja, vielleicht wird über diese Kollegen sogar manchmal schlecht gesprochen. Aber passiert sonst noch was? Oder ist es nicht vielleicht so, daß gerade diese Kollegen oft mit Samthandschuhen angefasst werden. Daß es heißt Kollege X hat schon so viel zu tun, Kollege Y kann nicht so schwer tragen, das muß jemand anderes machen...
Wenn eine neue Abteilung gegründet wird und sich dadurch das Arbeitspensum in einer anderen Abteilung extrem erhöht, dann ist es Sache des Vorgesetzten eine Lösung zu finden. Er muß reagieren, wenn sich die Arbeitsmenge so gravierend verändert. Das macht er aber nicht, wenn du ihm die Verantwortung abnimmst und einfach weiter funktionierst. Wenn du zwar murrst, aber es sonst alles reibungslos klappt, dann entzieht er sich seiner Verantwortung und steht der anderen Abteilung gegenüber noch prima da.
Du machst es denen viel zu einfach.
Fordere immer wieder ein, daß eine andere Lösung gefunden wird. Geh zum Betriebsarzt. Schalte den Betriebsrat ein. Wende Dich an die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Fordere eine Gefährdungsbeurteilung ein. Und halte es aus, daß Prospekte nicht versandt werden, weil Du das nicht leisten kannst. Und halte es aus, daß sich Kartons stapeln im Flur, weil Du das nicht in die Schränke räumen kannst, weil Du Rückenschmerzen hast. Aber mache Deine andere Arbeit gern und gut. Arbeite konstruktiv mit an einer Lösung des Problems. Schlag vor, einen externen Dienstleister mit der Aufgabe zu betrauen.
Schau Dich auch nach einer anderen Stelle um. Ist eine gute Zeit dafür. Das kann auch eine Lösung sein.
Aber um Gottes Willen, mach nicht einfach immer so weiter. Hör auf, Dich nur zu beklagen und die Arbeit trotzdem zu erledigen. Noch dazu in Überstunden. Damit gehst Du nur den anderen auf die Nerven und machst es ihnen gleichzeitig viel zu einfach, das Problem zu ignorieren und auszusitzen.