es geht in diesem Thread aber ums satt werden..
Sicher.
Allerdings ist es doch auch offensichtlich, dass man das Thema Hunger oder im speziellen Kinderhunger nicht unabhängig vom Faktor Armut bzw. prekären Lebensverhältnissen sehen kann.
Meines Wissens ist es nicht nur global, sondern auch national so, dass Armut der ausschlagebende Faktor nicht nur für Hunger, sondern auch Gewalt, Schulden, Verwahrlosung, bestimmte Krankheiten, geringes Bildungsniveau, Ausgrenzung, etc., ist. Und natürlich hängt das alles zusammen. Oft ist das wie ein Teufelskreis, aus dem nur wenige austreten können.
Insofern kann man zwar auch mit relativ wenigen Mitteln "Nahrungsmittel beschaffen", aber das ist eben nur ein geringer Teil der "Lösung" für ein hungerndes Kind, welches durch die Restumstände der Armutssituation nachhaltig für sein Leben geprägt wird.
Natürlich könnte man sagen, dass der Kinderhunger nichts mit Armut zu tun hat, sondern mangelhafter Bildung und Entscheidung der Eltern geschuldet ist. Woran aber könnte das liegen?
Zu den Tafeln bzw. hungernden Kindern fällt mir ein älterer Text von mir (Stand 2009) ein, der vielleicht ganz gut zum Thema passt:
Die Tafeln - die größte soziale Bewegung der 90er Jahre
Unter anderem sprach ich letzte Woche mit der Vorsitzenden und Gründerin der Berliner Tafel. Eine tolle Frau. Was sie als einfache Privatperson in den letzten 16 Jahren, seit Gründung der Berliner Tafel, geleistet hat, verdient der Anerkennung.
Mittlerweile gibt es deutschlandweit 800 Tafeln. Die Berliner Tafel bewegt jeden Monat ca. 600 Tonnen an Lebensmitteln. Für das Volumen, was alle Tafeln bundesweit täglich bewegen, gilt in etwa die selbe Zahl: ca. 600 Tonnen. Lebensmittel bewegen heißt, dass die ca. 20 % überschüssigen Lebensmittel von Herstellern, Supermärkten, Kaufhäusern, Bäckereien, etc. von der Tafel abgeholt werden und dahin gebracht werden, wo sie benötigt werden - Notunterkünfte, Suppenküchen, Schulen und sonstige Ausgabestellen.
In Berlin erfolgt diese "Umverteilung" durch 17 eigene Transporter. So gut wie alle Mitarbeiter arbeiten auf ehrenamtlicher Basis - also entgeltfrei. Unter anderem werden im Hauptlager der Tafel Straffällige beschäftigt, welche dort ihre Arbeitsstunden ableisten.
Die Lebensmittel werden z.B. auch an vielen Grundschulen ausgegeben. Dort können Kinder Frühstückspakete (2 belegte Brote oder Brötchen, ein möglichst zuckerfreies Getränk und ein Obst) für 20 Cent kaufen. Wenn ein Kind mal kein Geld hat, bekommt es natürlich trotzdem sein Frühstückspaket. Dort, wo Schulen Cafeterien haben, wird eine solche Lebensmittelausgabe jedoch von der Schule verboten.
Mittlerweile betreibt die Berliner Tafel auch 3 eigene "Kinder-Restaurants", wo Kinder für 1 EURO eine ausgewogene/gesunde Mahlzeit bekommen können. Die Restaurants sind allerdings nicht nur für "arme Kinder" zugänglich, sondern für alle Kinder, ggf. auch für die Mütter und Väter, damit die "kleinen Esser" eben nicht als arme Kinder stigmatisiert werden.
Die Berliner Tafel finanziert sich ausschließlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Die Annahme von öffentlichen Geldern wird abgelehnt bzw. nicht in Erwägung gezogen. Einer der Gründe ist, dass schon "prophezeit" wurde, dass wenn die Tafel öffentliche Gelder annimmt und Lebensmittel an Hartz IV Empfänger ausgibt, diese ihre Hartz IV Gelder um den Wert der Lebensmittel gekürzt bekommen.
Trotz der Notwendigkeit und des Erfolges dieser Bewegung, muss man jedoch gleichzeitig sehen, dass es ein Armutszeugnis für den Staat ist, dessen eigentliche Aufgabe es wäre, die Existenz der Armen und Bedürftigen abzusichern. Der Staat zieht sich gewissermaßen aus seiner sozialen Verantwortung zurück.