Deutschland und Afghanistan kann man in keiner Hinsicht vergleichen. Die meisten Deutschen waren schon vor dem Weltkrieg samt Amerikanisierung hinterher ziemlich "zahm", Jahrhundertelang einfache Bauern, Handwerker, Leibeigene zu sein hatte ihre Spur in der Mentalität hinterlassen, die Afghanen dagegen waren und sind bis heute eine Stammeskultur, aufgesplittet auf verschiedene Stämme/Bergvölker, bei denen es schon immer üblich war, sich gegenseitig die Ziegen, Frauen, egal was zu stehlen und sich Scharmützel entlang der Stammesgrenzen zu liefern, entsprechend kriegsgewohnt waren sie denn auch, als die Sowjets gierige Blicke auf das rohstoffreiche Land, genannt "Schweiz des Himalaja", warfen und dort einmarschierten, um ihr Territorium zu vergrößern.
Die Taliban waren da die Freiheitskämpfer, die gegen diese Invasoren kämpften, Lowtech gegen sowjetisches Hightech, verblüffend effektiv, und dabei von den Amerikanern (CIA) mit Waffenlieferungen unterstützt wurden.
Nur wurden diese Waffen nicht niedergelegt, als die Russen schließlich mit eingeklemmten Schwänzen abziehen mußten, denn in diesen Ländern sind Waffen gleich Macht, und die Taliban schnitzten sich als die bewaffnete Macht ihr eigenes Reich aus den Stammesgebieten. Der Rest ist bekannt, das Problem bis heute nicht bereinigt, weil die Afghanen, wie alle Muslime, einfach Waffenfetischisten sind, wer die Waffe in der Hand hat ist der Obermacker und fühlt sich ganz obenauf, und solange dort Waffen kursieren wird es nie Frieden sein, weil immer irgendwer Kalif anstelle des Kalifen sein will. Und Waffen gibt es nach wie vor dort in Mengen, von den Russen, von den Amis, und wenn von dort nix mehr geliefert wird, kauft man halt bei den Chinesen, denn das Land produziert ganz nebenbei auch fleißig Rauschgift in Mengen, mit dem Erlös dafür läßt sich alles finanzieren.
Alleine von der Kultur sind Deutschland und Afghanistan sicherlich nicht zu vergleichen. Deutschland hatte (und hat) da andere Probleme. Dabei meine ich nicht mal den preußischen Militarismus, der war nur ein Symptom. Das Problem ist, das wir Deutschen im Prinzip keine Demokraten sind, nie gewesen
Der Deutsche ist der liebste und beste Mensch der Welt, solange sich jemand hinstellt und ihm sagt das er lieb und nett sein soll. Denn wir befolgen gerne Befehle und haben einen starken Mann der uns sagt, was wir zu tun haben. Wer daran zweifelt muss sich nur mal angucken wie viele Menschen nachts bei einer menschenleeren Straße brav an der Fußgängerampel warten bis diese auf grün springt.
Eine Revolutionskultur wie beispielsweise in Frankreich (auch wenn es dabei ursprünglich wohl weniger um Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ging, sondern eher um Brotpreise) gibt und gab es nicht. Deutschland hat niemals die Demokratie selber gewählt. Die Revolution 1848 hat die Monarchie nicht mal ansatzweise gefährdet. Und 1918? Kieler Matrosenaufstand usw? Bullshit, das hat den Kaiser nicht den Todesstoß gegeben. Der Grund wieso der gute Wilhelm ins Exil musste lag daran, dass Wilson (US-Präsident 1918) das zur Voraussetzung für den Frieden gemacht hat. Kurz gesagt: Ihr seid jetzt demokratisch oder es gibt noch mehr Dresche. Es ist bezeichnend, dass es in der französischen Armee einen viel größeren Fall von Befehlsverweigerung gab, obwohl die ja gewonnen haben.
Also was machen die Deutschen? Genau, starten eine Revolution und schaffen eine Verfassung die defacto dem Reichspräsidenten uneingeschränkte Macht geben. Da wurden nämlich 20 Jahre lang fröhlich Notverordnungen verfasst. Und bei der ersten Gelegenheit machte man dann einen österreichischen Postkartenmaler zum Chef vom Dienst. Und das im übrigen nicht in einer (wie gerne postuliert wird) Situation wo die Republik am Abgrund stand, im Gegenteil. 1933 hatte man das gröbste bereits überstanden, Hyperinflation, bürgerkriegsähnliche Zustände usw.
Weiterhin erreichte die NSDAP zwar einen bemerkenswerten Anteil von über 43% bei den Wahlen 33, aber da hatte der Hammer schon ordentlich zugeschlagen vom Reichskanzler (und die Opposition war schon fast am Ende)
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1932 waren es zum Beispiel "nur" 33% und starke Verluste. Das heißt das 67% der Deutschen eben nicht ihr Kreuz bei Adolfs Partytruppe gemacht haben. Hat es sie gestört das die Demokratie abgeschafft wurde? Nö, nicht im geringsten. Es war ja wieder ein starker Mann da, der ihnen gesagt hat wo es lang geht.
Wenn man dann noch einen Sündenbock findet (die Juden), dann war alles tutti für den Otto Normalidioten. Spätestens 39 hat sich das gezeigt. Es gab nämlich damals keine Kriegsbegeisterung wie noch 1914, die Erinnerungen an das was passiert war, war noch zu frisch. Aber trotzdem ist man fröhlich mitmarschiert, der gute Onkel Adolf wird schon wissen was er da tut. Und außerdem hat uns ja keiner gesagt, dass wir gefälligst nicht mitmachen sollen.
Wer es immer noch nicht glaubt, der möge dann nur mal 1945 angucken. Der Amerikaner sagt "Ihr seid jetzt Demokraten" und schon waren alle Demokraten. Nachdem man 12 Jahre lang begeistert den Arm gehoben hatte auf einmal Nichts mehr. Hitlers Steigbügelhalter nannten sich CDU und schon war alles fein. Die Alliierten hat das sogar überrascht wie gut das funktionierte. Man hatte nämlich mit einem langen Partisanenkrieg gerechnet, aber Nichts.
Deshalb wird das heute auch oft als die Befreiung verklärt und eigentlich konnten die Deutschen den Onkel Adolf nie so wirklich leiden. Die traurige Wahrheit ist aber leider, dass sie ihn nicht mehr leiden konnten weil eine höhere Instanz ihnen gesagt hat das sie ihn nicht mehr zu leiden haben.
Heute haben wir in Deutschland ein System, dass zu den demokratischten der Welt gehört. Trotzdem werden böse Zungen (und da gehöre ich dazu) behaupten das die Chance auf eine neue Diktatur hier in Deutschland gar nicht soo gering ist wie immer alle sagen. Und weiterhin dass ein Großteil der Deutschen sich da gar nicht groß ungewöhnen braucht.
Was hat das nun mit Afghanistan zu tun? Nun, zunächst einmal gibt es ein afghanisches Afghanistan seit fast 200 Jahren nicht mehr. 1839 sind da nämlich die Briten einmarschiert. Ob und wie sich nun die Kultur ohne westliche Einflüsse entwickelt hätte kann man nicht sagen. Aber das kann man ja auf der ganzen Welt nicht sagen, da die Europäer die moderne Welt geformt haben (aufgrund des europäischen Sonderweges beim Expansionismus und der technologischen Entwicklung, aber das ist ein anderes Thema)
Auch die Europäer kommen ja grundsätzlich erst einmal aus einer Stammeskultur, speziell die Germanen welche ja die vorherrschende Macht wurden. Aber auch schon die Römer entwickelten sich aus Stämmen. Und da hat man natürlich genau das selbe gemacht. Rauben, plündern, brandschatzen was da war. Die harmlosen Bauern, vor der Amerikanisierung sind ja auch erst nach einer Entwicklungsphase gekommen. Und die Amerikaner wie wir sie heute kennen stammen ja auch von den harmlosen Bauern ab. Die GIs waren ja keine Indianer. Deutschlands Entwicklung zu dem was es war und ist, fand ja erst später statt.
Ob die Afghanen und allen anderen Völker mal eine ähnliche Entwicklung durchgemacht hätten ist halt nicht untersuchbar.
Das Beispiel von Deutschland zeigt aber (und hier schlagen wir den Bogen zurück), dass sich eine Volkskultur ändern lässt oder zumindest anpassen. Man muss sich aber nur die Frage stellen bis wann eine Kultur änderbar ist. Haben wir bei den Afghanen (und allen anderen Völkern dieser Art) den point of no return bereits überschritten oder nicht?
Und jetzt kommt der spannende Punkt (den man nicht besprechen kann aufgrund dessen, dass dies oft von Nazis und sonstigen Gesocks argumentatistisch verdreht wird und nein, ich will dir hier nicht unterschwellig Rassismus vorwerfen) nämlich ob man es hier noch mit der selben Rasse Mensch zu tun hat. Leider ist hierfür eine Diskussion kaum möglich, aufgrund des eben genannten Punktes.
Ich bin der Meinung ja und ich sage: "Wir haben massiv in die Entwicklung des Landes angegriffen über 100 Jahre. Jetzt können wir nicht einfach weg schauen. Mit allen Konsequenzen"
Aber auch wenn ich die Argumente nicht teile, akzeptiere ich vollkommen wenn jemand sagt (wie du) "Die Kultur des Landes und der Menschenschlag erlaubt eine demokratische Zivilisation nicht. Wenn hier eine Entwicklung statt finden soll, dann muss dies vom Volk selber über einen langen Zeitraum (mehrere hundert bis zu tausend Jahren) selber geschehen."
Die Konsequenzen von meiner Meinung sind, dass dort auf massive Weise Militär von Nöten ist um die Menschen auf den "rechten Weg" zu zwingen. Mit vielen, unschuldigen Toten.
Die Konsequenz von deiner Meinung ist, dass die das mal selber unter sich ausmachen sollen und sich so lange auf die Schnauze hauen bis sie irgendwann genug davon haben. Mit vielen, unschuldigen Toten.
Hach, Weltpolitik ist doch was schönes.